Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 16-17 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 16 S.eite 8 schlage auf wirtschaftlichem Gebiete, wenn keine Deute vorhanden sind,’ die sie darchfübren können. Die Deutschen haben zweifellos viel für die kulturelle Erschliessung des Landes getan und sich nach dieser ßichtung bleibende Verdienste erworben. Sie haben gezeigt,' wie man es machen muss. Aber für eine Massenkolonisation wie sie in Syrien erforderlich sind, kommen sie nicht in Frage. Da kann nun neben der weiteren Einwanderung von Tscherkessen, die aber auch nur in verhältnismässig geringem Umfang möglich ist, die zionistische Bewegung' für dieses menschenleere Land von grösster Bedeutung werden. Tausend und Abertausend jüdische Bauern Russlands, Rumäniens usw. sehnen sich darnach, sich in dem' Lan de ihrer Väter anzusiedeln und schon jetzt wächst -in Palästina eine Generation jüdischer Landleute heran, die auf den Erfahrungen der ersten, unter grossen Enttäuschungen und Schwierigkeiten fussend, zu grossen Hoffnungen berechtigen. Dass der jüdische Bauer, der als solcher aufgewachsen ist, ebenso leistungsfähig ist, wie der beste andere Bauer, davon habe ich’ mich durch den Besuch von zahlreichen jüdischen Kolonien, in denen ich mich tagelang aufgehalten habe überzeugen können.**) Ist schon dieses Urteil eines unparteiischen, nichtjüdischen Fachmannes von allergrösstem Werte für uns, so bereitet es uns die aufrichtigste Freude und grösste Genugtuung, dass Hubert Auerhagen sich, nach Europa “zurückgekehrt, entschlossen hat, das Werk der jüdischen Kolonisation dadurch zu fördern, dass er entschlossen ist auf seinem Gute in Deutschland, jüdische, junge Leute zu Bauern für Palästina auszubilden. Und zwar will er denselben Weg beschreiten, den-die Palestine Land Development Gompagny einschlagen wird. Professor Warburg erhielt darüber von Herrn Auhagen ein ausführliches Schreiben, in welchem es heisst: „Da ich mich für die Sache auf das lebhafteste interessiere und von der hohen Bedeutung der zionistischen Bestrebungen nicht nur für das Judentum, sondern für die ganze Kulturwelt auf das tiefste durchdrungen bin, gedenke ich den Versuch zu machen, die Angelegenheit dadurch praktisch zu fördern, dass ich zunächst jüdische junge Männer in der kleinbäuerlichen Landwirtsclutfi ausbilde und eventuell auf meinen Lände- *) Hubert Auhagen: Beiträge zur Kenntnis der’ Landesnatur und der Landwirtschaft Syriens. Berlin, Oktober 1907. (Seite 84— 85.) Eine wollte nur er sein. Wie die Kerze in der Nacht nach „Kol Nidre“ von selbst erloschen ist, . so will er sich selbst das Leben nehmen, dass der Vater genese, denn es ist nicht einerlei, wer da stirbt. Was ist denn er, der blatternarbige Junge, im Vergleich zum Vater? Was würde Mutter nach dem Tode des Teueren beginnen? Wer würde sie ernähren? Und die ganze Familie — wer würde sie unterstützen? Stolz und7 Stütze und goldene Krone nannten sie all den Vater... Er aber, der. hässliche Junge, ist ja, nichts gegen den Vater, ein nichT tiges Stäubchen bloss! Wem kann er.nützen, wem wird er fehlen? — —; r Gebrochen schlich er in das Zimmer, wo der Vater lag. ' i ' Einige Nachbarn, die naclrder. Morgenandacht .gekommen, waren, standen am Fenster-und Sprachen kaum hörbar. miteinander, wfLhrendan die Scheiben der Regen klatschte. ._f"; uta Jankel küibmerte sich niemand. ■■■■ Er -frät leise ans Bett , heran und blickte in Vaters-Anfliiz. _ Nach. Jojn Kippur w;ar Jähkels Angst neu© dings lOtnßrfpesslicbgewesen. Die Gefahr bestan nur in - de»^t@|[äung,, jetzt aber, .da; der Vate bleich und krank Vor1, ihm lag,- wurde sie zu Wirklichkeit, und - -di^Angst bereitete ■ ihm körperlichen Schmerz. Dass der Vater nocfi*^ er'nicht; -er.'wolltevdarän‘iiicK Stimme in ihm rief imäföfEä^ leben! ■ -.“r- Eben atmete der - Kranke -leicht und leisi öffnete die tiefen Augen und strich mit -.der blasse daran* zweifelt ÜjjWfein und ein i&ftgS? Väter mus reim zur Ansetzung bringe Zunächst sollen die '■ Kolonisten als Pachter,' später 1 als Rentengutserwerber angesetzt werden. Vor; einigen Tagen habe ich den ersten jungen- Mann aus Ahlem erhalten. Es ist eiit Herr Weinberg, der früher schon auf einer'Ihrer Kolonien in Klanasien tätig war. Ich habe ihm gestern den ersten Unterricht in Pflügen tr.eill und mich gefreut, wie anstellig sich aer junge Mann dabei benommen hat. Wahrscheinlich bekomme, ich demnächst noch einen zweiten Zögling. Da meine übrigen für Bunkenburg angeworbenen Kolonisten auch demnächst ihre kleinbäuerlichen Stellen in Betrieb setzen, werden die jungen Männer stets gute Beispiele hier vor Augen haben. Vielleicht entwickelt sich später einmal aus den hieinen Anfängen eine kleine landwirtschaftliche Schule zur Ausbildung jüdischer Kleinbauern' Davon sind Sie, vereintester Herr Professor, gewiss auch überzeugt, dass eine erfolgreiche jüdische Kolonisation nut.. denkbar ist wo der Grundstock der Kolonisten aus wirklichen Bauern besteht. Natürlich liegt mir, das brauche ich wohl ttich - besonders zuversichern; sehr daran, den Juden bei mir die Möglichkeit zu biegen, auch als »Judenleben zu können, ohne bezüglich der Religion in Gewissenskonflikte zu kommen. Bei wenigen Schülern ist es ja.sehr schwer den Anforderungen in dieser Beziehung gerecht zu werden; . aber wenn man wenigstens zehn Männer hier vereinigen könnte sei es als Kolonisten, sei es als Schüler, so könnten sie eine kleine jüdische Gemeinde bilden und die Unkosten würden sich eher ■ verlohnend Unsere Idee hat durch ihren moralischen und kulturellen Wert seit jeher bei hervorragenden Nichtjuden begeisterte Anerkennung und hohe Wertschätzung gefunden. Dass nun auch die praktisch-kolonisatorischen Möglichkeiten nach objektiver Prüfung einem nichtjüdischen Fachmanne auf Gruud von Studien, die er durch viele Monate in Palästina anstellte, derart glänzend erscheinen, dass er davon begeistert, sich in selbstlosester Weise in den Dienst unserer Sache stellt, wird hoffentlich auch endlich einen Widerhall in den Herzen vieler guten Juden wecken, die bisher noch an den Realisicrungsmöglichkeiten des Zionismus gezweifelt haben. Hubert Auhagen aber wird im Bewusstsein des jüdischen Volkes als einer jener wenigen, allzu wenigen Christen erscheinen, die erhaben über alle -Vorurteile, eine grosse Idee auch dann fördern, wenn sie dem Judentum dient. Das nationaijüdische Problem im Zionismus. Von Dr. David Kinsbrunner, Vor einiger Zeit hat unser verehrter Gesinnungsgenosse Dr. Franz Oppenheimer in einer der angesehensten Zeitschriften, unseres. österreichischen Vaterlandes einen Essay über den Hand über die rote Decke. Ja, er wird leben! ruft es in Jankel . . . Da schlägt an sein Ohr ein etwas lauter geflüstertes Wort eines der Nachbarn. Dann vernimmt er ganz deutlich: - - ■ „Wer weiss, ob für den Kranken noch Rettung vorhanden ist? Man sollte eher hach der Chewra Kadischa, als nach dem Arzt schicken.“ Jankel erbebt. Er verliert beinahe die Besinnung. Beeil© . dich, schreit es in ihm. Wie im Traum ergreift er «Jie Hand des Kranken und bedeckt sie mit Traben und Küssen, gilt es doch Abschied zu nehmen. . Ahnungslos blickt der Vater auf und versucht mit seiner schwachen Hand das Haar des Endes zu streicheln, indes hat sich die Mutter dem Bette genähert; sie sieht das rührende Bild der Liebe«; und lächelt dazu, als ahnte sie eine Wen- . dung.:-;uni guten.’ Da empfindet Jankel plötzlich die' Unmöglichkeit fortzügehen. Wie ein Blitz durchzuckt "ihn der Gedanke: Der Nachbar-ist im Irrtum, Vater wird genesen, vielleicht ohne mein Opfer - Vi, . . . Er wartet also, kämpft und betet ■ "7üSp vergeht eine Stunde, . voll Erwartung " und Hoffnung; .Befürchtung unifÖüal. . ' ' Da 'Vcdahgte der^än^^'mit müder Stimme nach der>3@ieg?d^;y^nl&'PüÖ^rJiüft! ös schaurig kalt, wie jstoes ^t^Ö.en/^jSfherfid küsst er die Hand des Väleys^.^^SLrujeren.-r?ümfasst'« er mit ein’em Blick' und Regen. “ Ar Nun stand Jankel an^'dei^lBe'ff._§enet;^TO er * tägsyoHier, 'den. •' Vater drw4rtdf< rauschte vom R^dn verstärkte .Unten.' Zionismus veröffentlicht,*) der nicht nur denjenigen, die Belehrung über dieses Problem daraus schöpfen wollen, einen inhaltsvollen Aufschluss gewährt, sondern auch den mit dem. Ideengehalte unserer Bewegung Vertrauten durch die eigenartige Auffassung und Behandlung des Stoffes fruchtbare Anregung zuteil wenden lässt. Es ist interessant za beobachten, wie sich der nationale Gehalt des Zionismus in den Ausführungen des Autors wiederspiegelt. Wenn ihm der „wiedergewonnene iN'aiiopalismus“ a|s die vorläufig wertvollste elrrungensehaft, die wir den zionistischen Best... oungen verdanken, ■ erscheint, sö begreift mau nicht, dass er im Zionismus nationaljüdische und nationaldeutsche, französische etc. Juden vereint sieht! Aber dieser scheinbare Widerspruch klärt sich bald auf, wenn man an einer anderen Stele liest, dass der Zionismus .ursprünglich eine rein praktische Bewegung gewesen sei. Es wird klar, dass die in dem hier besprochenen Artikel zum Ausdrucke gebrachten Konsequenzen bezüglich des nationaljüdischen Problems von der Annahme ausgehen, dass der Z:onismus bloss eine jüdisch soziale Massenerscheimung sei, losgelöst von den kulturellen und insbesondere nationalen Zielen innerhalb der Judenheit; wild, doch an einer anderen Stelle ausgeführt, seit Herzls Tode „hätte der (osteuropäische) Nationalismus der gesamten Bewegung die Färbung gegeben“. Die Frage, ob der iterzlische Zionismus bloss rein praktischer Natur gewesen, lässt sieh leicht aus dem gerade unter der Aegide Her geprägten und in den verschiedensten Varianten in die Diskussion geschleuderten Sohlagworte: „Der Zionismus, das ist fläs jüdische Volk“, leicht beantworten. Eine kleine Umfrag© bei den ehemaligen Mitgliedern jüdisch-akade-, miseher Verbindungen an den reichsdeutsehen Universitäten wird kurzer Hand diesen Irrtum beleuchten und Aufschluss geben, warum die ersten Bahnbrecher der Herzliscken Ideen auch im Westen von den „Freisinnigen“ bis aufs“ Messer bekämpft wurden, weil sie ihren national!) üdi scheu Charakter weithin betonten und im Zionismus in Gemässheit der Intentionen 'seines Fühlers nicht eine einfache ' Brotfrage sahen. Diese Reminiszenzen sollen nur ein kurzes Streiflicht auf die Anfänge der Bewegung werfen, was hier deshalb genügt, weil es sich um allbekannte Tatsachen handelt. Dabei mag auch noch darauf verwiesen werden, dass die Kongresse als die Repräsentanz des *) ,Oesterreichische Rundschau“, 15. Dez. 1907: „Der Zionismus* von Dr. Franz Oppenheimer. -bösen Stimmen voll; kalt wehte es herauf, wie aus einem tiefen Keller. Und auf einmal erscheint dem Knaben der Tod noch fürchterlicher,’ als er sich ihn vorher gedacht hatte. Er lehnt sich an die feuchte Zwergweide, um nicht umzufallen, so schwach fühlt er sich . . . Eine zweifache Furcht bemächtigt sich seiner: die Furcht vor dem Tode und die Furcht vor der Sünde. Denn der Tod ist finster und grauenerregend, der Selbstmord aber eine schreckliche Sünde. . Aber den Vater nicht retten, dünkt ihm eine viel grössere Sünde. Und wie fragte nur die Schwester im Traunie? ,Die aufgeregte Phantasie des Knaben arbeitet. Der Stamm der Weide biegt sich im Winde, die .Regentropfen fallen und stechen wie Nadeln in die Fläche des Wassers. Unaufhaltsam rauscht der Fluss und lockt; und doch graut es dem Knaben vor den Geheimnissen, die sich auf dem Grunde bergen, .trügerisch und schauerlich,. , Gott, erbarme dich meiner, beginnt Jankel zu' beten, erbarme dich meines Vaters! Er ist ja gut und «leiner Gnade würdig, nur einmal hat er gesündigt, Alis Liebe zu mir, hat er am letzten' Jom Kippur die Kerze angezündet. Verzeihe ihm. Gib mir grösser Gott ein Zeichen, dass du ihm vergibst. Und in seinem kindischen Sinne sieht erzürn' Himmel auf . . , . ' „l. Am wolkenbedeckten Horizont regte'sich tthichts. 'Schlaff* senkt Jankel den Kopf: So'muss* ©ferbeh: : : * -A «■ . ■■•; ' " Warum hält er sich aber jetzt an einem