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Jüdische Zeitung · 1908-04-10 · 15 (10.4.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Trotz dieses Provisoriums ist die Existenz der hebräischen Schule in Sarnbor bedroht. Durch diese Verfügungen der k. k. Staatsbeamten, und zwar des Direktors des k. k. Gymnasiums in Sarnbor und des k. k. Bezirkshauptmannes in Sarnbor, wurde die gesetzlich gewährleistete Freiheil des Unterrichtes der hebräischen Sprache angetastet, ebenso aber auch das Recht der Eltern auf religiöse Erziehung ihrer Kinder, wovon die hebräische Sprache einen integrierenden Teil ausmacht Die Gefertigten richten daher die Anfrage: „Was gedenken Eure Exzellenzen zu unternehmen, damit dieses Verbot rückgängig gemacht werde und die Freiheit des Unterrichtes der he- ' britischen Sprache, wie auch das Recht der Eltern auf religiöse Erziehung ihrer Kinder, wovon die hebräische Sprache einen integrierenden Teil ausmacht, in Sarnbor gewahrt bleibe?“ (Folgen die Unterschriften.) Organisation und Presse.*) II. Im vorigen Artikel wurde ausgeführt, dass unsere Organisationen vornehmlich darunter leiden, dass deren Vertrauensmänner sämtlich durch „Nebenberufe“ überbürdete Menschen sind, die darum ihre Funktionen nur unzureichend und vorübergehend ausüben können. Als einziges Mittel dagegen wurde straffe Zentralisation und Schaffung von Generalsekretariaten empfohlen. So sehr wir überzeugt sind, dass diese Mittel allein geeignet sind, aus so vielen Vereinen erst eine den grossen zionistischen Zwecken entsprechende Organisation zu machen, so sicher ist es, dass der Vorschlag vielfacher Opposition begegnen wird. Da sind zunächst die prinzipiellen Gegner, die einen Landes- oder Länderpartikularismüs pflegen. In Oesterreich namentlich ist die Kampfparole der Nationalitäten „gegen Zentralismus und Bureaukratie“ nicht ohneEinfluss auf die, hist möchte man sagen „ato,- mistisehe“ Gestaltung unserer Organisation geblieben. Wir haben nicht nur einen galiziscben und Bukowinaer, sondern auch einen böhmischen und mährischen Länderpairiotismus. Dass die Organisation einer Partei *) In ziem gleichnamigen .Artikel in Nr. 15 soll es in der zweiten Spalte, Zeile 5, natürlich heissen: „dass die Qualität mancher dieser Organisationen sich nicht immer mit der Quantität deckt.* voll ausgefübrtes Bild, das die Fahne der Union darstellte, rund in ihren Feldern eine hebräische Inschrift trug. Es waren dies die Verse 4 und 9 des ersten Kapitels aus dem Buche Josua, in welchem diesem die Führung über das ganze Land aufgetragen wird: „Habe ich dir es nicht befohlen? Sei stark und fasse Mut; fürchte nicht und sei nicht mutlos; denn der ewige, dein Gott, ist mit dir, wohin du dich auch wenden mögest.* Präsident Lincoln hat dieses sinnige Geschenk des Abraham Kohn hochgesehätzt und daran, wie an ein Heiligtum geglaubt Der Vorgänger Boosevelts, Mac Kinley, hat in einer Gedenkrede auf Lincoln diese hübsche Episode aus dem Leben des Präsidenten erwähnt. Semitisch und Indogermanisch. Wir lesen in der „Kölnischen Volkszeitung*: Die bis zu Friedrich Delitzsch’ Doktordissertation (Leipzig 1873) viel erörterte Frage nach.der Verwandtschaft dieser beiden grossen und in ihrer Entwicklung bekanntesten Sprachstämme wurde seither von den Gelehrten wenig mehr behandelt und meist als in negativem Sinne erledigt angesehen. Und doch kam die indogermanistische Wissenschaft, ohne dass sie sich um den semitischen Sprachstamm kümmerte, bei ihrem weiteren Forts chreten zu Ansichten über Wurzelgestalt, Ablaut, Flexion, die zu einem dem Semitischen immer ähnlicher werdenden Bilde führten. Das hat nun den Kopenhagener Hermann Möller veranlasst, das Problem der Verwandtschaft von neuem zu untersuchen, und sein Besultat scheint der bisherigen Annahme Unrecht zu geben: Wie sein LandsmannHolger Pedersen in der Berliner „Philologischen Wochenschrift“ (1907, Nr. 46) über den ersten Band von Möllers Studien (Semitisch und- Indogermanisch.. Erster. Teil: JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 15 mit jener eines Staates nicht verglichen i werden darf, ficht die Vertreter der De- 1 Zentralisation nicht weiter an. Sie halten die Fahne der Autonomie hoch und sind stolz darauf, das österreichische Landeskomitee auf dem Prager Parteitag endgültig vernichtet zu haben. Der ehemalige Obmann des Landeskomitee Herr Dr.Krenberger rechnet es1 sich sogar züm grossen Verdienst an, die Autonomie der Distrikte festgelegt zu haben. Wonl ist es richtig, dass die unzulängliche Tätigkeit des österreichischen Landeskomitee insbesondere für die Provinz zu dessen Auflösung als Zentralleitung führen musste. Allein man vergisst, dass das Landeskomitee ebenfalls von vornherein auf dezentralistischer Basis aufgebaut war, indem es jede eingenommene Krone mit acht Distriktskomitees teilen müsste. Es scheiterte also an demselben Uebel, an welchem die nunmehr autonom festgelegten Distriktskomitees laborieren: an der Unmöglichkeit, die zersplitterten Kräfte zu grosszügiger Arbeit zusamreenzufassen. Neben dem „Autonomisten“ gibt es im Zionismus noch eine Spielart von Gegnern einer planmässigen und zielbewussten Organisationsarbeit — die „Idealisten“. Nicht nur spekulative antizionistische Zeitungsherausgeber, sondern auch nicht wenige Zionisten heben mitunter stolz hervor, dass sie „nicht vom Zionismus leben“. Diese kleinbürgerlich beschränkte Anschauung hat dazu geführt, dass Zionisten, die sich gedrängt fühlten, ganz für den Zionismus zu leben, vor dem Vorwurf, vom Zionismus zu leben, zurückschreckten. So lächerlich dieser Vorwurf auch ist, so ist es doch begreiflich, dass selbstbewusste Menschen, die sich der aufreibendsten aller Berufsarbeiten widmen wollen, sich nicht dem erstbesten Vereinsmeier gegenüber zurückgesetzt fühlen wollen: i Darum muss vor allem, will man überhaupt fähige und ergebene Organisationsarbeiter finden, dieses unsinnige Vorurteil gegen fix honorierte Vertrauensmänner der Organisation mit aller Entschiedenheit ausgerottet werden. Wenn jemand hierdurch eine Einbusse an Idealismus befürchtet, so möge er sicheinerseits das Beispiel der Sozialdemokratie vor Augen halten; anderseits bedenken, -dass eine Organisation ohne materiell sichergestellte und dazu freigewählte Vertrauensmänner in eine drückende und demoralisierende Abhängigkeit von zwar nicht immer fähigen, dafür aber wohlhabenden Führern gerät. Konsonanten. Kopenhagen 1907) urteilt, hat er nicht nur die in Frage stehende Verwandtschaft) n a c h g e w i e s e n, sondern dabei auch fast alle Hauptprobleme der indogermanischen Lautlehre in eine neue Beleuchtung gerückt. Dass man für die Erklärung so mancher in der Tat überraschenden Uebereinstimmung in Wurzeln wie sogar ganzen Wörtern mit der Annahme blosser Entlehnung kaum anskommt, das hatte, entgegen seiner eigenen früheren Ansicht, auch Fritz H o m m e 1 (Grundriss der Geographie und Geschichte des alten Orients, L, München 1904, Seite 230) zugeben müssen. Er führt aus, wenn man eine entfernte genealogische Verwandtschaft annehmen wolle, dann gehe sie jedenfalls in eine Periode zurück, die noch vor der speziellen Ausprägung der Grammatik liege, also in der Tat in die Zeit, wo noch eine ungeteilte Sprache auf1 Erden herrschte. „Ist schon die Periode, wo noch Sumeriach, Uralisch, Altaisch und Indogermanisch näher verwandt waren, als weit vorhistorisch, die, wo das uralte Sumerische eine noch lebende Sprache war, als frühhistorisch zu bezeichnen, so wäre die für das in Bede stehende Problem anzunehmende Epoche allenfalls als früheste Urzeit des Menschengeschlechts oder doch dieser noch sehr nahestehend in Anspruch zu nehmen Charakteristisch für den jetzt in Russland herrschenden Geist ist der Beschluss der Duma- Kommission für die Beligionsangelegenheiten, bei Beligionsbeleidigung die Strafe in drei- ’ fach er Staffel festzusetzen,, die höchste Strafstaffel für Vergehen gegen den griechischkatholischen Glauben, die zweite Staffel für Vergehen gegen die übrigen christlichen Beligionen und. die niedrigste Staffel für Vergehen gegen die nichtchrisüichen Beligionen. Kehren wir zur Frage nach der Beschaffung der Mittel zurück, so stossen wir auf den Einwand, dass die zionistische Organisation sich eben in einem Circulus viotiosus befinden: Würden wir Generalsekretariate besitzen, so könnten wir leicht entsprechende Mittel aufbringen; um aber Generalsekretariate einzurichten, bedürfen wir vorerst grosser Mittel; es ist dies eine Frage, die jede demokratische Volksbewegung in ihrem Beginne beschäftigt. Selbst eine Bewegung, wie die sozialdemokratische war wiederholt genötigt, ihren Kriegsfonds . aus Quellen zu schöpfen, die ausserhalb ihres Parteizirkels liegen. Oh der Zionismus den gleichen Weg hätte einschlagen können? — Tatsache ist, dass der Zionismus mit Ausnahme der Spender für den Nationalfonda jeden sich unserer Organisation Nähernden vorerst auf Herz und Nieren prüft, ob er sich auch zu allen Punkten unseres Programms bekennt. Zum Glück bleibt einer Volksbewegung noch ein anderer Weg übrig, der zum Ziele,: die wichtigsten Organisationsarbeiten den überbürdeten Berufsmenschen abzunehmen, führen kann. Dieser besteht darin, dass Parteiunternehmungen ins Leben gerufen werden, die zugleich mit der Arbeit für die Massen einen Stab von Beamten heranbilden, die dauernd mit den Interessen der Organisation verknüpft bleiben. Zu diesen Unternehmungen gehört in erster Linie die zionistische Presse. Nicht nur deshalb, weil die sich bei'ihr betätigenden Gesinnungsgenossen direkt und ununterbrochen für unsere Ideen und den Ausbau der Organisation wirken können, sondern auch weil bei der Presse dem ärmsten Zionisten Gelegenheit gegeben ist, unmittelbar materiell für die Sache, fast mehr noch als der Wohlhabende, zu wirken. Er braucht nur überall für die Zeitung zu agitieren, sie zu kolportieren und — wenn schon nicht Anteilscheinzeichner — so doch Abonnenten und,, Inserenten, zu - sammeln. Geschähe dies seiten,s aHer’ (Tesinnun gs genos s en, s o würde sich unsere Presse zu einer Macht entwickeln, mit deren Hilfe organisch alle anderen Unternehmungen, wie Vorschuss kassen, Krankenkassen usw., und endlich die eigentliche zionistische Organisation selbst zu kaum geahnter Grösse erblühen könnten. Hier muss mit aller Energie eingesetzt werden; denn auch da gilt's zunächst mam herlei Hindernisse zu überwinden. Von unseren zahlreichen Zeitungen kann dasselbe wie von den Vereinen gesagt werden: Weniger würde mehr bedeuten. Wenn schon unser vielsprachiges Golusleben es unvermeidlich macht, dass unsere Presse statt in einer Sprache, in allen Zungen die Befreiungsideen unseren Brüdern in aller Welt verkünden muss, so sollte man sich doch mit der Gründung von Zeitungen so lange einige Selbstbeschränkung auferlegen, als nicht ein Zentralorgan sich zu einem grossen weitverbreiteten Blatte entwickelt hat. Neben dieser positiven Arbeit müssen die Zionisten überdies auch einen ihnen aufgezwungenen Kampf gegen eine jüdische Geschäftspresse führen.. Der Zionismus hat es, eingedenk der traurigen Erfahrungen, die man mit scheinbar zionsfreundlichen Zeitungsunternehmern wiederholt gemacht hat, abgelehnt, deren Dienste in Anspruch zu nehmen. Getreu seinen demokratischen Prinzipien schuf er sich eine Presse, die nicht Privateigentum eines einzelnen, nicht auf Gewinn berechnet ist, sondern ausschliesslich der Aufklärung und .Befreiung unseres armen Volkes dienen will. Dies könnten und können uns nun jene geschältslüsternen Unternehmer nicht verzeihen. Sie führen darum gegen uns einen Kampf mit allen Mitteln der Verleumdung und Entstellung,, wie, er eben nur . geldeshalber ge-

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