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Jüdische Zeitung · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 JÜDISCHE ZEIj^DtN.Q Seite.?,. versammelte sich, auch diesmas ein. zahlre:ches, Gründung einer grossangelegten Institution auf 'geradezu imüfewindbäre Hihdernissb stosst. Es tauchte nun in Parteikreisen, von Fachmännern angeregt, .der .'Gedanke auf, in den verschiedenen Städten Galiziens kleine zionistische Banken zu errichten,-, welche dann, sobald die Voraussctznngep. gegeben sein wenden, in einer galizifche. .handes-Zentralbank zentralisiert. werden. Derzeit, müsse mit kleinen Anfängen begonnen werden. Bekanntlich, gib die zionistische Stadt Brody. den :ersten Anstoss dazu. Jetzt soll auch d:e Stadt Lemberg folgen. So .versammelten sich über Einladung des C. K. Samstag abends, den 28. März, einige Sachverständige in Bankfragen und' einige Gesinnungsgenossen aus Lemberg, iStanislau und. Sanibor, um - über die Gründung von zionistischen Bainken in den .genannten Städten zu braten. Es wurde beschlossen, eine „Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ in Lemberg' zu gründen. E:n diesbezügliches Gründungskomitee wurde eingesetzt und beauftragt, so selmell als möglich das Statut auszuarbeiten, das als. Musterstatut gelten soll, zu überreichen und auch die materiellen Mittel herbeizusehaffen. Bei der vertraulichen Sitzung selbst wurde seitens cler Teilnehmer an der Konferenz eine namhafte Zahl von Anteilscheinen gezeichnet. Hoffentlich wird diese Institution sobald als-möglich ins Löben treten und. Erspriessliehes für unsere Gesinnungsgenossen leisten. a. k. Reminiszenzen an das Mittelalter. Lemberg. Anlässlich der jüngststattgefundenen Wahlen in den Lemberger Gemeinderat erinnert man sieh an eine Klausel, die uns-wie eine jesuitische Institution aus dem finsteren Mittelalter anmutet, wo der Jude nichts dreinzureden und die Rcgalsteuem zu zahlen hatte. Bestenfalls erinnert sie uns an die Beschränkungen, welche bloss im blutigen Russland der „Schwaizen-Hundertschaften“ möglich sind. Es 'gibt nämlich im Statut der Lemberger Stadtgemeinde einen Paragraphen, der besagt, dass über Angelegenheiten - des katholischen Glaubens mir die christlichen' Mitglieder des Gemeinderates zu entscheiden haben. Sollte sich aber je im Gemeinderate eine jüdische Majorität ergehen, dann müsste für die Interessen der katholischen Konfession ein besonderer Ausschuss eingesetzt werden. Damitnun dem abgeholfen werde, bildete sieh unter der Aßgide der „Strzelniea“ und der damaligen Mosehko- Juden der Usus heraus, dass die Zahl der jüdischen Gemeindcriite nie die Zahl von 20 überschritt. So ist es seit 30 Jahren möglich, dass Juden, welche ein Drittel der Lemberger Gesamtbevölkerung und weit über 50 Prozent der Wahlberechtigten aiismaelien, von zirka 100 Mandaten bloss 19 besitzen. Dies ist nur infolge der kriecherischen Feiglingstaktik unserer Hausjuden vom Schlage der Loewenstens, Asehkenazys, Feldsteins et consortes möglich. Es ist wohl richtig, dass wir in Dingen der katholischen Religion nichts dreinzureden haben, und da sollen sich es die Christen einrichten, wie es ihnen 'beliebt, aber es ist doch ganz ungerecht, dass in einer Stadt mit einer so -zahlreichen jüdischen Bevölkerung.in der heu. - tigen konstitutionellen Aera, die Juden quantitativ unJd qualitativ derart unzureichend vertreten .':nd. Das scheint nirgends der Fall zu sein, nur hn pseudoliberalen1 Galizien, wo angeblich — wie die ,Schlachte behauptet1— der Antisemitismus keinen Einlass findet. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die jüdischen Gassen so verwahrlost sind -und die Interessen der jüdischen Kauflente und Handwerker nicht gewahrt weiden. Es ist auch kein Wunder, dass der Lemberger Magistrat ganz judenrein ist und sich niemand regt, diesem Uebelstande abzuhelfen. Schlussabend in der jüdischen Toynbee-Haile in Lemberg. Lemberg. (Orig.-Ivorr.) Sonntag, den 29. -März,- fand in der Toynbee-Haile der letzte Vortrag, gehalten von Frau Dr. Kalmus- Reiehen-stein statt. Wie allwöchentlich aus Arbeiter- und kleinbürgerlichen Kreisen bestehendes Publikum. Nach Schluss des Yor- ' träges 'bestieg Gg. David. S e.h r e i b e r, Obmann des 'Lemberger D.-K. und der jüd. Toynbee-Hglie die. Tribüne und hielt eine kurze Ansprache an die Anwesenden.-! Er erklärte den Zyklus der diesjährigen Toynbeeball-Vorträge für beendet. Mit Genugtuung konstatierte er, dass der Besuch der Vorträge in diesem Winter ein sehr befriedigender warb Dazu, trugen insbesondere die gediegenen Vorträge, die passende Unterbringung des Lokals inf Herzen des Lemkeiger Ghettos (Sonnengasse) wie aueli das stetig wadisende Verständnis der jüdischen Volksmassen für -diese Aufklärung spendende Institution bei. Die ToynheefHalle in. Lemberg liat auch.in diesem Winter ihre Aufgabe vollauf erfüllt und ihren Zweck erreicht. Mit reichem Beifalle wurden -die Ausführungen - auf genommen. Gg. Schreiber ' fe-He mit, dass die Seblussfeier in cler nächsten Woche, jedenfalls noch vor. dem. Feiertagen, stettfinden werde. Höchstwahrscheinlich wird Reich ra t sa 1 geordneter Dr. M aii le r die Festrede halten. Einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Toynbee-Haile in Lemberg werden w:r nächstens bringen. a. k. Zionistische Arbeit. Stryj, (Orig.-Korr.) In unserer Stadt existieren eine Anzahl von jüdischen Vereinen, welche sieh um die Stärkung des nationalen Bewusstseins und um die' Verbreitung des zionistischen Gedankens grosse Verdienste erworben haben. Es sind dies^: 1. Der Bürgerverein „Zion“, welcher gegen 200 Mitglieder zählt. 2. Der literarische-Verein „Zion“, welcher cs sich zur Aufgabe gemacht hat, der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt die Erzeugnisse jungjüdischer Kunst zu vermitteln. 3. Der akademische Verein „E-mnnah", der eine reich ausgestattete Bibliothek besitzt.-. 4. Der Frauenverein „Ognisko kobiet zydöwskieh“, verbunden mit der „Ochranka“ (Schutz) für arme jüdische Kinder. 5. Der [lAfbeiteminenverein „Mirjam“. 0. Der Verein jugendlicher Arbeiter „Bildung“ und 7. der Verein „Ibriah“ mit einer hebräischen Bibliothek. Der Verein „Zion“ gilt als Zentralverein und hat eine Nationalfonds- Kommission, Broschüren-Kommission, eingesetzt und besitzt jüdische und deutsche Bibliothek. Der lit.-dram. Verein „Zion“ hat im Laufe der Wintersaison mehrere jüdische Dramen zur Aufführung gebracht, einige zweimal, und literarische Abende mit bestem Erfolge veranstaltet. Ausserdem hat dieser Verein einen Kurs für jüdische Geschichte errichtet. Der Verein besitzt eine eigene Bühne usw. Auch die übrigen Vereine prosperieren gut. Von der politischen TSiti-gko’t wäre unsere Tätigkeit anlässlich cler letzten Genieinderatswahlen liervorzuliebeu, hei welchen wir einen Sieg errungen haben. Samstag, den 28. v. M., fand bei uns eine grosse Frauenversaminlung statt, in welcher Gg. Fräulein Maier aus Lemberg referierte. Ueber 5Q0 Personen waren versammelt. Die Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf. An der Diskussion beteiligten sich Frau Abg. Moraezewski, Gg. Katz sowie die Herren Brojde und Rosenstrauss von der P. P. S. Dem Vereine „Mirjam“' traten 20 Mitglieder bei. Abends veranstaltete der lit.- dram. Verein „Zion“ einen lit.-humor. Abend, well eher ein^n glänzenden (Verlauf genommen hat. E. K. Russland. Eine Judensteuer in Russland. Petersburg. In der Budgetkommission der Reiehsdiuna hatder zweite \ izepriisident derselben, Baron Meyendorff, den Antrag eingebraöht, die Juden von dem Dienste in der Armee und von der Militärpflicht gänzlich auszusehliessen und zum Ersätze hierfür eine besondere Judensteuer einzuführen, welche allen Juden auferlegt werden soll. Er motivierte seinen Antrag damit, dass sieh -die Juden ohnedies der Militärpflicht grösstenteils entziehen, während . die anrüekbleibend'en Elemente minderwertig sind und der Armee keineswegs zum Heile ge- reichen. Die Kommission leimte indessen den- Antrag ab, da sie nach der Geschäftsordnung .zu derartigen Initiativanträgen, nicht kompetent ist. Nachkläng» zu den Oktober-Massakres. Petersburg. In verschiedenen Städten fanden in den letzten Tagen neuerdings wieder Prozesse gegen die sogenannten „Urheber“ —- die wirklichen Urheber sitzen natürlichganz wo andere! — der in den ,, Freiheitstagen“ Russlands an den Juden verübten Raubmorde statt. Es lohnt sich nicht, näheres von diesen Gerichtsverhandlungen, die üliemll dieselbe Komödie bieten, zu berichten. Das höchste Strafmass, das einzelne der Raubmörder traf, beträgt ein Jahr Zuchthaus. Aber auch diese ' Strafe brauchen die russischen Patrioten kaum abzubiissen, können sie doch sämtlich der Gnade des Zaren sicher se:n. Jüdisches Handwerk in Russland. Petersburo. Der durch die „Jüdische Volksgruppe“ begründete Verband zur Hebung des jüdischen Handwerker- und Bauernstandes hat am 21. und 22. März 1908 in Petersburg eine Versammlung abgelialten unter dem Vorsitze des ehemaligen Dumadeputierten Winawer, eines Führers der Kadettenpartei. Die V erea-mmlung war auch aus dem ganzen Ansiedlungsrayonzahlreich besucht. Nach eingehender Besprechung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in den westlichen Gouvernements wurde u. a. beschlossen, eine Aktiengesellschaft zur Förderung cler jüdischen Handwerker und der Kleinindustrie zu gründen. Ein genauer Arbeitsplan für chese Gesellschaft soll noch ausgearbeitet werden. Jüdische Bildungsgesellschaft in Petersburg. Petersburg. Die Jüdische Bildnngsgeseilschaft in Petersburg, die schon seit vielen Jahrzehnten eine umfassende Wirksamkeit unter den russischen, Juden entfaltet, hat kürzlich neue Statuten ausgearbeitet, um ihre Tätigkeit auf eine breitere und festere Grundlage zu stellen. Diesen Statuten wurde jedoch nun vom Petersburger Magistrat die Legalisierung ver- , sagt, weil darin den Bevollmächtigten der Gesellschaft gestattet ist, sich an öffentlichen Versammlungen zu beteiligen. Regelung der jüdischen Emigration. Petersburg. Eine neu g!egrün|dlete „Gesellschaft zur Regelung der jüdischen Emigration“, die ihren Sitz in Petersburg hat, erlässt soeben folgenden Aufruf: Die Auswanderung der Juden aus Russland hat in den letzten Jahren noch nie dagewesene Dimensionen angenommen. Innerhalb der letzten fünf Jahre sind mehr als eine halbe Million Juden emigrert, Der blutrünstige Pogromnebel, der bisher das Ansiedlungsgvbiet bedrohte, lieginnt zwar ein wenig zu weichen. Auf eine Verminderung der Emigration ist indessen nien zu hoffen. I):e fortwährende Bedrückung 1er Hunger, die Arbeitslosigkeit tun das in age. Auch der fluchtartige Charakter der Emigration ist unverändert. Gepeitscht von einer bitteren Verzweiflung fliehen ebenso wie vorher n-ecli jetzt die eingesehüc-hterten hilflosen V olksmassen. Von niemandem beschützt, werden die armen Wanderer auf ihrem domenvollen V -ge von jedem belästigt und gequält, cler nur irgt nd etwas vermag. Die brutale Gewalt des preucsischen Grenzgendarms müssen sie ebenso über sieh ergehen lassen, wie d:e ehikanöse Behandlung der Schiffsmatrosen. Und wenn sie schon den ersehnten Hafen erreicht haben, so harret ihrer neues Fnglüek, neue Leiden und neue Qnaleu. Die mit der Auswanderung verbundenen Beschwerlichkeiten haben sich geradezu zu einem Volksunglück ansgewachsen. D;e Plätze, an denen sich bis jetzt die Auswanderung konzentrierte, sind überfüllt, und neue Auswandelungspunkte sind1 den unwissenden- Emigranten nichtbekannt. - Die verschiedenen Versuche, der Auswanderungskalamität abzuhelfen, muss-

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