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Jüdische Zeitung · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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ten fehl schlagen, weil hierzu nkM die Kräfte eines Einzelnen oder einer' einzelnen Organisation ansreichen. Was hier nottut, ist eine 'zentralisierte .grosse Aktion, d:e ihre Stützpunkte sucht und findet. Eine grosse jüdische Emigrationsgese]lsehaft soll geschaffen werden, die überall, wo Juden -wohnent, Vertretungen besitzt und die alle diejenigen vereinigt, die auf rdem Emigrationsgebiete sieh betätigen, unbeachtet ihrer sonstigen Parteizugehörigkeit. Unsere Gesellschaft hat es sieh zur Aufgabe gemacht, den Grundstein für eine so grandiose geeinigte Organisation' zu legen Wir hoffen .mversichüieh, dass es uns ditreh eine rege und .tätige Arbeit gelingen wird', alle Elemente, in der Jurienheit zu vereinigen, die für die Begebung der jüdischen Emigration das nötige Interesse rund Verständnis haben.“ Wie löblich .und anerkennenswert auch die in dem Aufruf bezeichniete Aufgabe ist, so wäre es doch für die jüdische Oeffentiichkeit zunächst von grossem Interesse, zu erfahren, wer eigentlich' die Gründer und' Leiter der Gesellschaft'sind und welche Mittel sie bereits besitzt, um eine 'so grosse und fundamentale Hilfsaktion ins Werk zu'setzen. Der Worte sind gerade auf diesem Gebiete genug gewechselt. Tod Josna Steinbergs. Wilna Vorige Woche etarb in Wilna im Alter von 80 Jahren der berühmte jüdische Gelehrte und Philolog Josua Steinlberg. Er ist nomebmiidi durch die Herausgabe von jüdisch-russischen Wörterbüchern, bekannt geworden. Eine grosse Verbreitung fand auch sein Budh „MischJe Josua“. Der Verstorbene war viele Jahre hindurch Lehrer in der Ba'bbinerschule und Inspektor des Lehrerinstituts in Wilna. Bis zu seinem Tode oblag Steinberg seiner wissenschaftlichen Arbeit. Er war einer der letzten jüdischen Gelehrten der Haskalahepodhe. Rumänien. Vom rumänischen Antisemitismus. Bukarest, J?in interessantes Vorkommnis bot die Eaminersitzung vom Freitag, den 20. März. Gelegentlich der zweiten L.-sung des neuen Militärgesetzes, das in seinem ersten Artikel die Militärpflicht sämtlicher Einwohner Rumäniens feststellt, hielt der berüchtigte antisemitische TJniversitätsprofessor Jorga eine Hetzrede gegen die Juden, die selbst hier, wo man dodh an vieles gewöhnt ist, noch ein gewisses Aufsehen erregte. Jorga verlangte, dass die Juden prinzipiell nicht in die Armee aufgenommen wunden, damit sie nicht daraus das Beeilt herleiteten, für sich bürgerliche Beeilte zu verlangen! Abgesehen vom den moralischen Schädigungen, die von den Juden der Armee zugefügt würden, bedeuteten sie auch eine gesundheitliche Gefahr, da sie mit einer ansteckenden Augenkranklieit behaftet seien. (Wie unverschämt diese Behauptung generalisiert, zeigt die statistisch fesigestellte Tatsache, dass kaum ein Promille der jüdischen Soldaten an dieser IvrankheH leiden!) Weiter tischte Herr Professor Jorga natürlich die alte Behauptung auf, die Juden hätten im russisehjapaniseheri Kriege sich: grobe Pflichtverletzungen zu Schulden kommen lassen und hätten dort überhaupt gezeigt, dass sie Schädlinge jeder Armee seien. - (Bekanntlich wurde erst vor kurzem in der 'russischen Duma durch das Zeugnis antisemitischer Ivriegssehriftsteller das gerade Gegenteil erwiesen! Natürlich erwähnte der Herr Professor auch nicht, dass die Juden in den Jahren 1877/78 tapfer für die Unabhängigkeit Buniäniens in Bulgarien käimpften.) .Schliesslich verlangte Jorga, man solle den Juden statt der Militärpflicht eine hohe Militärsteuer auferlegen. Sogar die gewiss nicht judenfreundÜche rumänische Kammer hörte mit grosser Ungeduld die lügenhafte Hetzrede dieses Demagogen an, und es fand sich kaum eine zustimmende Aeusserung vom anderer Seite. Nun folgt aber die Komik dieser Gesehidite. Herr Professor Jorga war in seinem * blindem Judenhass so weit gegangen, dass sogar .der doch .ebenfalls gut antisemitische Ministerpräsident Stmrdza darauf hinwdsen . musste, welche Gefahr für Rumänien die Demagogie dieses Fanatikers heraufbesdmvören kann.- Der tapfere Professor, der sonst immer bereit .ist, den Juden Feigheit vorzuwerfen, verliess gleich zu Anfang , der Bede des. Ministerpräsidenten die Kammer. ’Sturdzas Bede wurde übrigens mit grossem. Beifall aufgenommen und findet in der ganzen Presse eine sehr wohlwollende Beurteilung. Man1 kann aus diesem-Vorkommnis aber entnehmen, wie weit wir in Bumänieai •bereits sind, wenn' es möglich ist, dass ein antisemitischer Ministerpräsident; vor den Gefahren warnen muss, die ein antisemitischer Universitätsprofessor durch seine inasslosen Hetzereien her vorrufen-könnte! Amerika. 0r. Nathan Birnbnum bei Rooseveir. Washington. 11. Märte. (Von unserem Korrespondenten.) Präsident Boosevelt hat gestern Ihren ’ Mitarbeiter, 'Herrn Dr. Nathan Birnbaum, im weissen Hause in einer viertelstündigen Audienz empfangen. Dr. Birnbaum wurde Boosevelt von den1 Repräsentanten Goldvogel aus New-York und. David Türkei aus Philadelphia vorgestellt. Dr. Birnbaum - erklärte dem Präsidenten, er sei nach Amerika .gekommen, um die politischen Verhältnisse daselbst zu studieren. Im Verlaufe der: Unterredung ^katn der Präsident Boosevelt auf die amerikanischen Juden fdügendernvassen zu sprechen: „Die amerikanischen Juden sind/ sehr gute Bürger und mehr verlangt man bei uns nicht. Sie haben zur Entwicklung des Staates sehr viel beigetragen. In meinem Beiterregiment haben viele Juden gedient, die sieh durch ihren Eifer und ihr Pf I ielitlxjuTussrse iin auszeichneten.“ Er wies auch auf den Sekretär Oskar Strauss hin, der ein Muster. eines guten, fähigen Bürgers sei und erzählte ferper, dass er am Tage des Empfanges einen ' Juden zum' Leiter aller Indianersdiiulen, Jtofe.; Das ..Gespräch wurde in* deutscher ‘Sprache geführt. Doktor ■Birnbaum wurde auch vom Sekretär Strauss empfangen. Nach Schluss des Blattes. Wir erhalten folgendes Telegramm: J a f f a, 1. April 1908. Soeben w u r d e der an den.- Ausschreitungen s chul'dtrage n d e Kaimakam abgesetzt und z,ur lie eh t f e r tignng ii a c h K o n s t a n t i n o p e 1 be r u f e n. . . Aus dieser Depesche geht \ervor, in'welch energischer AA eise tdie ot (omanische. Begierung gegen den Schul dtragenden vorgeht Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Montag den {>. d. M. findet um 8 Uhr abends im’ Saale des Zehtralvereines, IX., Türkenstrasse, 9, ein Vortrag des Herrn Israel Beikind, Direktors des Kiriathsefer in Palästina^ über „Die reale A r - beit in Palästina“ statt, Gäste' willkommen. ' ' ~ Wien. (Hebräischer Konversationsklub.) Sonntag den 5. d., abends 8 Ulir, findet im Saale des Zentralvereines ein Vortrag dtes Herrn D i r e k to r-1 s r a e 1 Bel k in d in li c b r ä is e h e r Sprache statt, Gäste willkommen. A n m e 1 d u n g e n zu in ,, J ii d i s c h e n X a ti o na. 1 v e r e i n“ werden AAr i c n, IX., T ü r ke ns t ru sse 9, en tgege ngeilo Ulmen. Jahresbeitrag 3 K. Wien. (Die T oy n b ee-Halle XX, O t hmargasse 46) besehliesst ihre Vortragssaison 1907/08 Sonntag den 5. April d. J. mit einem Vortrage des Reiebsratsabgeordneten Prof. Dr. Artu r Mahler. Thema: „Wissen und Bildung bei den Judeh. — Beginn 7 Uhr abends. Wien. (Jüdischer Turnverein in Fünfhaus). Samstag den 4. April 1908 findet.’im grossen Saale des Verbandsüeimes, VI. Bez. Königsegggasse 10, ein Turner-Kränzchen' mit vorangehenden turnerischen Vorführungen statt. Beginn präzise V»9 Uhr abends. Musik: Kapelle des k. u. k; Inf-Heg. Kaiserin und Königin Maria Tneresia Nr. 32. Tanzarrangement: Adolf Viola. Wien.(H ebräischerKonver sat ionsklub.) Bei der nächsten Zusammenkunft, Samstag, den 4. April, präzise 7 Uhr abends (Öafö- Brammer, IX. Liechtensteinstrasse 1), wird Herr Dr. Leopold Kobn einen Vortrag über „Erwerb von Grund und Boden im türkischen Rechte1 halten. Gäste herzlich willkommen! Wien. (Verein Poale Zion.) Samstag, den 4. d. M., um 8 Uhr abends, wird Genosse M. Wa 1 d m a n n im VereinBlokale, II. Stephaniestrasse 2 (Cafe Stefanie) über „Der Poale Zionismus alsWeltanschauung“ sprechen. Gäste willkommen. Wien.(Jüdischer Arbeiterbildungsverein.) Sonntag,' den 5. April d. J., findet im Versammlungslokal des Cafe „Stefanie“ (H. Stefaniestrasse 2) präzise Uhr nachmittags eine ausserordentliche Generalversammlung mit folgen dem Programm statt: 1. Bericht des Ausschusses. 2. Neuwahlen. 3. Eventuelles. Erscheinen der Mitglieder Pflicht! Teplitz - Schönau. (Jüdischer V olksverein „Zion*.; Samstag, den 4. April 1908, findet im städt. Kursalon, abends V>8 Uhr, eine Versammlung statt, in der Herr Dr. phil. Christian G r e i s s aus Prag einen Vortrag über das Thema „Urteile vonNichtjuden über den Zionismus“ halten wird. Anschliessend Diskussion. Eintritt frei für jedermann. Aussig a. E. Sonntag, den 5. April 1908, veranstaltet der Jüdische Volksverein „Zion“ aus Teplitz-Schönau beim „Tumvinz“ */a8 abends,, eine AVanderversammlung, in der Herr Dr. Emil Margulies aus Trautenau über „Was will der Zionismus“ sprechen wird. Anschliessend Diskussion. Eintritt frei für jedermann. Wien. Im Hinblick auf die zahlreich einlaufenden Betrage, die zur Ehrung unseres sei. a. H. Rudolf Nass au bestimmt sind, richten wir an die p. t. Spender die Bitte, ihre Spenden fortab nicht mehr, zur Eintragung ins goldene Buch des Nationalfonds zu bestimmen, da eine i solche bereits vollzogen ist/ Wir bitten vielmehr, diese für Oelbaumspenden in dem,von uns angeregten Rudolf Nassau-Hain zu verwenden, der ein lebendes Denkmal zu Ehren unseres lieben Toten im Lande unserer Väter sein soll. Die Bestimmung der bereits eingelaufenen Spenden bitten wir in diesem Sinne abändem zu wollen. Mit Zionsgruss für die jüd. akad. Verbindung „Ivria“ J.U.C. Winterstein dz. X> stud.ing. Erwin Bittner dz. XXX- Teplitz-Schönau. (Jüdischer Volksverein „Zio n“.) Am 8. März sprach Herr Rechtsanwalt Gronemann aus Berlin als unser Gast über „Das jüdisepe Problem in unsern Tagen“. In fesselnder Darstellung und mit zwingender Beweiskraft wies der Redner die Notwendigkeit des Zionismus nach und schöpfte dabei aus einer reichen Kenntnis der Verhältnisse und der Volksseele. In der Debatte kamen hauptsächlich die Institutionen der zionistischen Organisation zur Sprache. Das Publikum, das den interessanten Ausführungen des Vortragenden mit ungeschwächter Teilnahme folgte, dankte ihm mit reichem Beifall. Der Abend ist in jeder Hinsicht als gelungen zu bezeichnen. Graz. Wie allmonatlich veranstalteten die hiesigen Mittelschüler auch diesen Monat einen zionistisch-literariecnen Dipkussionsabend, der einen überaus glänzenden Verlauf nahm. Als Gäste waren die ganze akademische Verbindung „Charitas“, Verein' „Zion“ und der jüdische Turnverein erschienen. Den ersten Vortragspunkt bildete das Thema: „Englische Komödianten in Graz“ von Gg.- phil. Artur Rose'nberg. Gg. Ernö Rosenberger sprach hierauf in treffender Weise über „Die Erziehung unseres Volkes für seine Aufgaben“. Herr Karl Preis trug dann ein von ihm verfasstes Gedicht in jüdischer Sprache vor. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen der drei Redner. An die Rede des Gg. Ernö Rosenberger schloss sich eine animierte Diskussion, an der' sich Mitglieder .der genannten drei Vereine beteiligten. Die Veranstalter können mit dem Erfolge dieses Diskussionsabend überaus zufrieden sein, da er ein Bild von der strammen Gesinnungstüchligkeit unserer Mittelschüler bot. „Makkab“ Suczawa. (Hebräische Schule.) Vor zirka 2 Monaten ist hier vom jüdischnationalen Damen verein „Ruth“ eine hebräische Mädchenschule begründet worden, wo gegenwärtig in zwei Kursen 50— 60 Mädchen den Unterricht gemessen, Die Iwrith-bTwrith-Methode, die hierbei vom Lehrer Herrn G r ün seit ange- .wendet wird, hat. überraschende Erfolge

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