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Jüdische Zeitung · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 13 123 Personell (50 Prozent) mit einem Kapital Tön 100 bis 100 Eubel, 79 (32 Prozent) mit einem Vermögen von 1000 bis 5000 Kübel, 42 (17 Prozent) besessen mehr als 5000 Kabel. ' Nach ihrer Provenienz lassen sidh. die Passagiere folgemdermassen einteilein: 609 Personen (zirka 35 Prozent) ans Südirussland, 484 (zirka 27 Prozent) ans Iithanien, 296 (17 Prozent) von ausserhalb des Ansiedlungsrayons, 285 (16 Prozent) aus Polen, 72 (4 Prozent) Palästinenser. Die beträchtliche Zahl der Passagiere von ausserhalb des Amsiedlungsrayons erklärt sidh dadurch, dass viele kaukasische, turkestanisehe und bueharisehe Juden nach Palästina reisten, im sieh dort niederzulassen, oder um das Land zu sähen und die heiligen Stätten zu besuchen. Die palästinensischen Passagiere waren fastdurchwegs aus Russland stammende Juden, die sieh ziu verschiedenen Zeiten in Palästina'niedergelassen hatten und die in Geschäfts¬ oder Familienangelegenheiten nach Russland reisten oder , auch, um sich zur Militäraushebung zu stellen. Manche kamen, um ihre Geschäfte in Russland zu liquidieren und ihre Familien nach Palästina abzuholen. Als Zielpunkt der Reise gaben an : 752 Jerusalem, 627 Jaffa, 241 Kolonieu, 69 Saffed und Tiberias, 31 Beirut, 26 Chaifah. Die grosse Zahl der nach Jerusalem Reisenden erklärt sich dadurch, dass fast sämtliche älteren Personen und die aus religiösen Motiven nach Palästina Fahrenden, ebenso auch ein beträchtlicher Teil der studierenden Jugend sich nach Jerusalem begibt. Jaffa ist der Zentralpunki für alle, die sich ■ mit Handel befassen oder ein Handwerk ausiiben wollen. Freilich bleiben nicht alle in Jaffa; viele gehen dann von dort aus nach anderen Städten oder nach den Kolonien. Nach den Kolonien begaben sieh meistens junge Leute, die sich mit Landarbeit beschäftigen wollten, ebenso auch diejenigen, die auf eigene Rechnung Landwirtschaft zu treiben beabsichtigten. Auch Handwerker reisten in erheblicher Anzahl auf Einladung von Bekannten und Verwandten nach den Kolonien. Im allgemeinen machte sich in diesem Jahre eine Tendenz zur Verteilung der Einwanderung über das Land, bemerkbar. Namentlich vermehrte sich die Niederlassung in den Kolonien, während früher fast alle Auswanderer nach Jaffa oder Jerusalem gingen. Es verdient noch erwähnt zu werden, dass ein grosser Teil der Emigranten auf die Einladung ihrer in Palästina ansässigen Verwandten hinfuhren (591 Personen gleich 34 Prozent), ferner, dass viele von den Passagieren bereits früher — bisher zu wiederholten Malen — iriPalästina gewesen waren,aber jetzt erst sieh zur endgültigen Niederlassung — meistens mitsamt ihren Familien — dorthin begaben. Es gab auch Fälle, in denen die Familienmitglieder — alle oder zum Teil — nach Palästina verreistem, wahrend die Familienväter aus geschäftlichen Rücksichten in Russland zurnokblleben. Die Erfahrung zeigte, dass die meisten solcher Familien mit der Zeit in Palästina iüederlassen. Der Bericht gibt ein Bild der ungemein wichtigen und anerkennenswerten Leistungen des Informationsbureaus, mit dessen Einrichtung sieh das Odlessaer Komitee ein grosses Verdienst erworben hat. Von besonderem, Interesse sind die Nachrichten über die Emigration, die einen immer stärkeren Umfang annimmt, bei der die jüngeren und arbeite kräftigeren Elemente immer mehr übenviegen. Aus Palästina. Die Touristenunid Pilger-Saison hat 'begonnen. Von jüdischen Reisenden hatten wir in den letzten Tagen hier: den bekannten New- Yorker Miilionär und guten Juden Jakob M. S c h i f f und einen reichen Moskauer Juden, Herrn P o 11 a e k. Schiffs Anwesenheit wurde erst bekannt, als er schon unmittelbar vor der Abreise stand. Leider hat er es versäumt, die Kolonien zn besuchen und scheint überhaupt an allem Lebendig -jüdischen in Palästina vorübergegangen zu sein. Vielleicht hat es ihm seine Zeit nicht gestattet, sich um mehr zu kümmern, als um seine speziellsten Interessen, von denen, freilich hier mit Bestimmtheit nichts bekannt ist. Wir erinnern uns aber, dass Schiff . vor kurzem einen namhaften. Betrag für Ausgrabungen in Palästina gespendet hat. Da ' er hier mit einem italienischen Fürsten zusammen war, der bis in entlegenere Gegenden des Ostjordau-Landes vorgedrungen sein soll, so mag Schiffs ganze Paläst'nareise diesmal nur seinen archäologischen Interessen gegolten haben. — Das ist aber zu bedauern, denn Jakob M. Schiff ist ein Führer der amerikanischen Judenheit und als solcher ganz speziell an dem Answanderungsproblem interessiert. Er ist auch ein Mitarbeiter an der Tätigkeit des „Hilfsvereines der deutschen Juden“ (der trotz aller Kulturarbeit in Palästina seine H|aupttätegkeit in bezug auf die Emigration naturgemäss immer noch im Westen entfaltet) und er steht auch auf den Repräsentationslisifcen der „Ito“, wenn wir auch nicht glauben wollen, dass der nüchterne Amerikaner dem guten Beim fashionialben Zuckerbäcker Demel sah ich unlängst das neueste jüdische Mitglied des. PiussVerelines mit einer katholischen Gräfin. Mit der Moral einer Hocharistokratin bemerkt sie über eine vorübergehende Kreolin: „(Test la maitresse du comte Lamdorff!“ Worauf sidh die Glossierte präzis umdreht nud erwidert: „Gewiss! Und nicht die eines so schmutzigem Juden.“ Ich freute-mich wie ein Kind. —d— Allerlei. Uefcer die eingeborenen Juden in China haben auch die neuesten Entdeckungen von Uebprresten einer Synagoge io Kaif-mkfuh keine völlige Klarheit ergeben. Soviel man bis jetzt mit einiger Sicherheit weiss, sind die .ersten Juden als Flüchtlinge mit dem letzten von Persien flüchtenden Sassaniden Yeziegerd im Jahre 651 v. d. g. Zr. nach China gekommen, wo sie wohlwollend aufgenommen wurden. Gemeinden mit eigenen Tempeln und Kultusinstitutionen befanden sich zuerst in den Städten Singom, Kaifeng, Hangfu und Kanton. Doch waren diese Gemeinschaften nicht stark genug, um den Eit flössen der Assimilation für die Dauer zu widerfftehen. Mit den Namen und Lebens gewohntleiten nahmen sie nach Und nach auch die Religion der Chinesen — die Lehre des Confuzius — an und gingen bald in den unzähligen Millionen ihrer chinesischen Umgebung unter. Einzig von der Synagoge in Kaifei.kuh finden wir in der Beschreibung des Paters Gozani einige nähere Bezeichnungen, selbst Zeichnungen der mutmasslichen Grundrisse, welche dann dem spateren Jerome Tober als Material für sein interessantes Buch über die Juden in China dienten. U-ber dem Portal der Synagoge prangten die Worte: .Ehre dem Himmel und bete für das Reich.* Die anderen Sprüche wie: „Das Wesen, das wir verehren ist ohne Körper und ohne Form“ usw. klingen gut jüdisch. viel mehr ist von den toten Steinresten über diesen dunklen Teil der jüdischen Geschichte nicht zu erfahren. Eine alte Ha'zsynagoge. Am Eingang des Dorfes Czieschowa erhebt sich ein grosses, hohes Gebäude aus Holz welches älter als die Dorfkirche ist Es war dies früher die einzige Synagoge für die in den Kremn Tarnowitz, Lubiinitz und Rosenberg zersireut lebenden Juden. Der bisherige Kultusbeamte der Synagoge war wiederum der einzig- Jude im Dorfe und führte mit seiner Frau im Rabbinerhause ein wahres Eremtenleb-n. Vor zwei Jahren wurde die Synagoge aus Mangel an Gemeindemitgliedern geschlossen und kürzlich mit Genehmigung der königlichen Regierung zu Oppeln in einem Versteigerungstermine öffentlich verkauft Der Zuschlag bei einem Gebot von. nur 1250 Mark wurde dem Pfarrer Urban in Sodow, zu dessen Parochie Czieschowa gehört, unter Vorbehalt der Genehmigung der R -gierung erteilt. Pfarrer Urban hat die Synagoge mit dem Rabbinerhause nicht zu Geschäftszwpcken erworben, sondern um beide Gebäude möglichst lange als Bandenkmäler zu erhalten. Durch einen Hügel vom Doife getrennt, liegt der zur Synagoge gehörige grosse Friedhof, der eine Menge alter Grabdenkmäler mit hebräischen Inschriften enthält. — Hierzu bemerkt das Breslauer ,Jüd. Volksblatt* : Gibt es denn keinen ob-rschLsisehen Gemeindeverband mehr, der 1250 Mark übrig hat für die Erhaltung einer historisch denkwürdigen Synagoge? Zamgwill auf dessen Marokko-Wahnsinn hereinfallen wiitöL ' ’ 1 Wenn dieser zuwenig von Palästina gesehen hat, so sah. scheinbar Herr Pollack zu viel. Letzterer kam nach Palästina, um grosse Gelder in Holzpflanzungen anzulegen, wie ade hierzulande besonders nützlich und lohnend wären. Alks war schon in bester Ordnung, als Herr P., wie es scheint, noch schnell einein jener kritischen Köpfe begegnete, denen adles undurchführbar scheint, was sie nicht selber ersonnen haben. — Nun ist bekanntlich, nachts leichter, als einen Juden von Kapitalsanlagfen in Palästina zur ü c kzu h al t en, und wir Zionisten halben nicht einmal das Recht, einen Kapitalisten, wie diesen, der nicht einmal Zionist :st, deshalb zu tadeln, dass seine Uebete zeugung nicht fest genug war, um dem ersten Anstoss zn widerstehen. In unseren eigenen Reihen und bis ganz „hoch“hinauf,wird biszuan heutigen Tage die „Warnung vor Fa last 'i n a“ lieber gesehen, als die Ermutigung' du „realer Arbeit“ und zur ,,Privutdjniitiaiiive“ Wenigstens was die eigene Tasche betrifft. Mat Parteigeldem usw. geht’s schon ein bisseifen leichter. ). Edle Seelen. Wie die .Oesterreichische Wochenschrift* und die „Neue National-Zeitung* melden, hat sich die Witwe des bekannten ehemaligen koscheren Selchwarenerzengers Löwy taufen lassen. Wir konstatieren, dass hei Vielen. Die unsere Matrikel führt, Der Rest an jüdischen Gefühlen Sich auf das Selehfleäsch konzentriert. Doch dachten wir, dass jenen Heben, Die das Produkt der Selcherei In ungeweihtes Wasser geben. Das Judentum sehr wertvoll sei. Nun weint Herr Bloch und steht erschüttert: Auch d u gingst ein zu Papst und Putscht, Als dich der Jude fett gefüttert, Da war dir auch der Jude Wurscht. Den lieben Herrgott freut die Majsse, Er sieht das Bild und rnffe erfreut: Da sind ja wieder ein paar heisse — -Verfechter edler Christenheit. Wie wäris, wenn wir damit uns trösten, Dass bei den meisten, die zur Frist, An Rituailibus sich mästen, Sehr vieles gar nicht ist. Beda. Austritte aus dem Judentum. (Vom 14. Jänner bis 16. März.) Ignatz vulgo Ignaitiz Tänzer, 1875, Grodek (Gal.), verh., Privatangestellter, IX., Georg Siglgasse 10. Keile Wasser, 1884, Stanislowa (Gal.), led., Verkäuferin, XVI., Wichtelgasse 53. Margaretha Rosenfeld, 1891, Wien, ledig, Schülerin, IX., Grünetorgasse 2. Theresia Rabawsky, 1893, Wien, ledig, Lehrmädchen, VIII., Piaristengasse 10. Moritz Breisach, 1847, Budapest, verwitwet, Beamter, I., Riemergasse 11. Alfred Engelsmann, 1884, Wien, ledig, Techniker, I., Franz Josefskai 25. Marjem Goldberger-Ipatz, 1871, Kamionka stramilowa (Gal.), ledig., II-, Stuwerstrasse 19. Alexander Pollak, 18S3, Neutra, ledig, Chemiker, I., Mölkerbastei 10. Emil Helfgott, 1882, Wien, lediig, Privatbeamter, X., Humboldtgasse 36. Theodor Sachs, 1872, Wien, ledig, Graveur, XX., Brigittenauerlämde 58. Anna geb. Rund Schor, 1864, Bielitz, verwitwet, Private, V., Franzensgasse 21. Otto Franz Bergmann, 1856, Neubitsohow (Böhm.), verh-,

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