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Jüdische Zeitung · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fctr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 gewaschen. Unzählige Anträge werden gestellt und-Wünsche unterbreitet unid es hagelt Rekrimänationen und Klagen darüber, was in den letzten Jahren alles unterlassen worden ist Leider liaiben .wir im Budgetaussehüss keinen Vertreter, der mi’t entsprechender Energie und, Sachkenntnis zur Sprache bringen würde, was man für die. Juden — nicht getan hat. In der Samstag-Sitzung hat Abg. Diamant allerdings in dankenswerter Weise für die Gründung niederer Gewerbeschulen in Galizien, welche dort ein dringendes Bedürfnis sind, plaidiert und darüber Beschwerde geführt, dass die Regierung für die Industrialisierung Galiziens nichts tue. Infolgedessen seien die kleinbürgerlichen Juden, die zumeist Handwerker und Kleinhändler sind, zur Auswanderung gezwungen. Dass im Wege der Industrialisierung Galiziens der galizisehen Judenheit aufgeholfen werde — was dem Herrn Dr. Diamant als Allheilmittel erscheint — wird wohl noch lange ein Traum bleiben. In dieser Frage hat letzten Endes der galizrsche Laiiidesaussehuss das Wort und wie dieser seine Aufgabe auffasst, zeigen am hasten die Wyroby Krajowe (Landeserzeugnisse), die fast durchwegs aus christlichsozialeu Fabriken stammen. Dass aber der Kurs der polnischen Lanldespolötik sieh in absehbarer Zeit ändern werde, ist nach dem Ausfälle der letzten Landtagswahlen weniger als je zm erwarten. Eine Milderung der Notlage der galizisehen Jucleiiheit kann daher vorläufig mit Aussicht auf Erfolg nur versucht werden, indem man auf jiidisehnationaler Grundlage die wirtschaftliche Selbsthilfe organisiert und auf diesem Wege jüdische Banken, Vorseliusskassen, Versicherungsgesellschaften ins Loben ruft, jüdische Hausindustrien begründet usw. usw. Als einen der mitbestimmenden Gründe, weshalb die polnischen Volkspavtoiler in len Polenldiub eingetreten sind, gibt ihr Organ das Streben der Zionisten an, die Anerkennung der jüdischen Nationalität zu erringen und in Galizien die Existenz einer dritten Nation zu „proklamieren“. Dagegen müsse nun jeder Pole, dem das Wiohl Galiziens am Heizen liege, eine entschiedene Stellung einnehmen. Für keinen Fall dürfen die Juden Juden sein, nein, sie sind Polen und müssen auch in Zukunft treue Polen bleiben. So will es die Rada narodowa, so will es die demokratische Union und so will es die Volk spar bei. Es ist einfach rührend, wie treuherzig diese Leute sind! Sie laufen förmlic-h den Juden nadh und wollen s:e ans Herz drücken, innig umarmen und u inseh Hessen. ..KoInm, Mosehko in unsere Arme!‘‘ Man hört so söliön und künstlerisch sein. Sie ist weder mit dem Künstler noch mit dem Stoffe verwachsen. Oftmals, 'besondere in den letzten Jahren, hat Perez den Beweis erbringen wollen, dass er ein Meister in Andeutungen ist. Plötzlich beginnt er in einer geheimuäsvolleu und mystischen Sprache zu reden. Auf mich machen diese Perozschen Versuche den schlechtesten Eindruck, nicht darum etwa, veil ich ein Gegner dieser Form wäre, nur weil es mir vorkommt, dass sieh Perez ihrer nicht zu bedienen versteht. Eine Ivrnnstform ist keine willkürliche Spielerei; sie ist eine unbedingte, notiwenldiige l-'olge des Stoffes und des künstlerischen Wesens. Sie ist unbedingt notwendig und für keinen Fall von dem Stoffe zu scheiden. Darum meine ich: Mau darf wohl mystisch und geheimnisvoll Dinge malen, die man auf eine andere Weise nicht darstellen, kann; aber alltägliche Dinge mit verdrehten Mystizismen anzudeuten, wie es Perez tut, heisst mit Ge- I iiltlsnebeln die Klarheit, der Gedanken verhüllen, und das ist eine Kinderspielerei, die von wahrer Kunst weitentfeint ist. Bei Maeterlinck tst das Mystische eine notwendige Form, unbedingt notwendig, weil er uns durch sie die Anwesenheit von geheimnis-vollen Kräften ’ hhibar macht, was er mit Hilfe der alltägdieses Stammeln förmlich ans jeder Zeile. Und die bösen Juden sind für gar keine Zärtlichkeiten zu haben, die Liebe, die man ihnen entgegenbringt, wissen sie nicht m würdigen! Es ist ein Jammer um die armen Polen, die die Rolle einer verschmähten Geliebten spielen. Wir können ihnen den guten Rat erteilen, diese undankbare Rolle aufzugeben. Ihre Umarmungen sind uns wirklich zu stürmisch und erinnern uns allzusehr an jene fleischfressenden australischen Pflanzen, welche die ihre Nahrung bildenden Lebewesen umseliPcssen iinld so lange an sieh drücken, bis sie ihre Lebenssäfte nnfgesogen haben. * * * Baivkgouvevneur Bilinski. gewesener Finanzminister, Exzellenz usw., vor allem aber unverfälschter polnischer Schl-ichziz, hat in der Wälirmund-Debatte im' Budgetausschusse seine Rede nv:t den Wjorten geschlossen, wenn man es in Galizien wagen sollte, irgend welche Kritik an dev jüdischen Religion zu üben, da würde man schön ankomnien. Diese Worte sollen besagen: „Das Juclengeschrei von Not und Unglück und Untoleranz ist eitel Uebertreibung, denn in Wirklichkeit bestehe in Galizien der „p a r a d i s u s J u d a e o r u m". Nun, dieses .Paradies* kennt man. Darüber, dass man die Juden systematisch unterdrückt, dass jede selbständige Regung brutal niedergetreten wird, dass die gesamte' Verwaltung in Galizien an den Juden ihr Mütchen kühlt — werden ims die Versicherungen der schlachzizischen Herren nicht hinwegtäusclieii. Wahr ist cs. dass man den jüdischen Glauben nicht antastet, aber elienso wahr ist es, dass man alle orthodoxen Elemente in Galiz;c*n, den ganzen Wundergilaulien das Wunderrallbi Unwesen — vide Bolz, vide Kuty — für polnische Zwecke dienstbar macht. Es liegt geradezu im Interesse der polnischen Feudalen, dass ja kein Titelcheu des formalen Judentums gerührt werde, denn dies ist die Abschlagszahlung fiir geleistete Sklavendienste. w. Palästina. Rechenschaftsbericht des Informationsbureaus des Odessaer Paiästinakomitees für das Jahr 1907. Das Inifonnat’onsbnreau für die Emigration nach Palästina und seinen Nachbarländern, welches vom Odessaer Palästina komitee im Jänner 1905 ins Leben gerufen wurde, setzte seine Tätigkeit auch im Laufe des Jahres 1907 fort. Neben dem- Odessaer Bureau, welches früher das einzige war, das Informationen über Palästina erteilte und für die dahin Reisenden sorgte, wurden im Latife des Jahres in folgenden Städten Syriens und Palästinas Zweigbnreaus eröffnet: in Jaffa, Jerusalem und Chstifa, in den tiberiadischen Kolonien, Beirut, Damaskus und -Heppe, deren Aufgabe es ist, dem Odessaer Zentralbureau und verschiddtenen Interessenten (Privatpersonen so- wohl wie Öffentlichen Institutionen und Zeitungen) Nachrichten zu liefern, die landenden Einwanderer vom Schiffe abzuholen, sie vor Udbervorteiliirag zu schützen, ihnen mit verständigen Ratschlägen und Informationen über rechtliche Fragen an die Hand zu gehen, sie über die agrikultureilen. industriellen und kommerziellen Verhältnisse des Landes und den Handelsverkehr mit dem Auslände aufzuiklären, über Arbeitsgelegenheit Auskunft zu erteilen, für Ermässignng der Fahrkosten im Lande selbst und nach dem Auslände (sowohl für diejenigen, die eine Geschäftsreise zu machen haben, ab. auch für solche, die im Lande keine Unterkunft finden konnten) Sorge zu tragen. U’e Hauptbureaus in Jaffa, Beirut und Konstantmopel, ebenso alle anderen genannten Bureaus, entfalteten im Laufe des Jahres eine rege Tätigkeit auf allen bezeiehneteii Gebieten. Die Gründung eines Bureaus in Konstantinopei hat sieh deshalb als notwendig herausgestellt-, weil che Emigranten sieh in Konstantinopel ihre „Teskerchs“ ( Aufeuthaltsbewil 1 igungsschei n) holen müssen, hier Lebensmittel für die weitere Reise einzukaufen pflegen u. dergl. mehr. Ein Angestellter des Konstantinopeler Bureaus sucht die Reisenden auf den landenden Dampfern auf, besorgt ihnen d:e Aufentlialtsbewilligung, hilft ihnen geboteneni'alls bei der Landung, macht für sie die nötigen Einkäufe u. dergl. mehr. Das Bureau sorgt dafür, dass dies alles den Endgranteu möglichst billig zu stellen kommt. — Vom 1. März 1907 bis 9. Jänner 1908 löste das Konstantinopeler Bureau 682 „Teskerelis** für mehr als 2000 Personen. Es verdient erwähnt zu werden, dass nicht bloss die russischen Emigranten, sondern auch solche aus anderen Ländern, ebenso auch viele, die sich nach verschiedenen Hafenstädten der Türkei und Aegyptens begaben, von der Hilfe unserer Bureaus in Palästina und Konstantinopel Ge- * brauch machten. Das Odessaer Bureau lebtet» folgende Arbeiten : 1. Es war die Zentrale aller anderen Bureaus, leitete und konzentrierte ihre Arbeiten: 2. vermittelte Informationen über Palästina an Interessenten in Russland: '-5. erteilte , Auskunft über die Reise zu Lande und zu See, liehen Sprache nicht bim könnte. Bei Perez sind die gebeimnissvolilcn Worte gar nicht notwendig. denn er drückt mit ihnen einfache, klare Begriffe aus, die inan mit gewöhnlichen Worten viel genauer dareteäkm .könnte. Weil mm dieser Mystizismus irelii unbedingt notwendig ist. ist er störend und schädlich. Er verdunkelt, verballhornt, Yios.-, und Perez erreicht nichts damit. Ich habe in diesem .Vrtikei versucht, Perez' künstlerisches AVesen zu analysieren und sein geistiges Bild zu zeichnen, wie ich es sehe und mit meinem Verstände erfasse. In vielen Dingen war ich zu knapp uuld manches halbe“ ich nicht genügend dureligefühn. weil mich die Form des Artikels dazu gezwungen hat. Bevor ich jedoch sch Hesse, will ich resümieren. JVrez ist ein Musiker in AVorten und darum werden von all seinen Schäften, bloss seine ehassiclisclien Stimmungsbilder lange lelien. Perez' Genie ist mehr alt jüdisch, das heisst, mehr lyrisch als plastisch. Sein Auge kann die äußerlichen Linien nicht sehen; Perez fällt es viel leichter, das leiseste Zittern der Seele zu bemerken, als eler deutlichsten Bewegung der Materie gewahr zu werden. Darum fühlt man, dass Perez' Beobachtungen gekünstelt, ■unnatürlich und falsch sind, sobald er sieh mit der äusseren Form einer Sache beschäftigt. Perez’ Talent ist altjüdisch und er selbst ist das Symbol seiner Epoche: Die Seele ist zerrissen, die Seelenkräfte sind zersplittert und über alle vier Enden der Wo Ir verstreut. Ein Tappen irn Finstern und beständiges Ringen mit der Form — das s:nd die Erkennungszeichen Perez’ und seiner Epoche. Se:n Talent i.-t altjiidiscii. Es kann nicht im neuartigen Fremden aufgehen, um neue Formen anztilieliiiien und zu neuem Lelnm zu erwachen. Perez hat sich europäische Formen ungeeignet und diese überraschen uns im Vereine mit ’hreni jüdischen Inhalt durch, ihre sonderbar;“, fremdartige »Schönheit. Zum grossen Bau unse'rer nationalen* Kunst wird Perez nicht einen Stein liefern, weil ihn: die Synthese zwischen lyrischer -und plastischer Form fehlt, die das Hauptmerkmal der nationalen Kunst der neuen, jungen Juden darstellt. Perez' Wirkung auf unsere jungen Talente ist viel grösser als die Mendele mocher sforvms. aber sie ist lange nicht so gesund und nützlich wie die Mendelos. Aber dazu werden wir noch kommen, wenn wir unsere Jüngeren besprechen werden. -y

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