Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1908-03-20 · 12 (20.3.1908) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438167-2438179--0437-2439952
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 5 Nr; 12 kieu gedien t (hat. ivmaner war er mit Leib iumS Seele und ihre Traditionen waren die seinen! Aber hei all seiner Hingebung zu seiner „Ivria“ war sein Bliek deni grossen Ziele zugewendet. Und so war es sein eifrigstes Streben, uns IvrianeT' tüchtig zu machen, war es ihmi nie aii viel, uns zu lehren und zu fördern. Streng war er, weil er viel von uns verlangte und noch viel mehr erwartete. Und unser Lehrer und Meister ist tot und wir können es nicht fassen. — War es nichlb gestern, dass er davon sprach, eine neue Idee in die Massen zu schleudern'? Bis zum letzten Augenblicke, als schon sein Körper vernichtet war, war noch seine Seele tätig, diente er denn jüdischen Volke mit seinem Willen. Bis zum letzten Atemzuge war er unverzagter Student, ein tapferer und kluger Jude, ein stolzer Mann! Und so wird es zu einem Rechte für seine Ehre, dass wir an dem frischen Grabe dieses Kämpfers bis in den Tod, ihm die Strophe des alten Studentenliedes, das bei aller Wehmut ein. Kriegerlied ist: ... . . Die Klinge sprang — Beim letzten Gang — Es zog ein Bursch hinaus?. .“ Namens der alten Herren sprach sodann Dr. Ehrlich (Budweis) tun Nassau, den treuesten Ereund und Bundesbiuder. Wenn schon die jüngsten Ivrianer in „Maxi“ ihren Bruder beweinen, so sei der Schmerz der alten ein doppelter. Sie haben ihn in strotzender Gesundheit und frischer Lebenskraft in ihre Reihen treten sehen und können es nicht fassen, dlass „Maxi“ nicht mehr unter ihnen sei. Der Präses verkündete eine seehswöchentliche Cotdeurirauer und gab bekannt, dass die Ivrianer und ihre Ereunide „Maxi“ bereits in das „Goldene Buch“ des N. F. eingetragen haben. Es wunde der Beschluss gefasst, einen Rudolf Nassau-Hain im Herzlwalde zu pflanzen und eine interne Rtidolf Nassau-SfciftunJg zu begründen; Reichtum t oder wenigstens Wohlstand kann jeder Geschäftsmann erwerben, wenn er seine Geschäftsbücher genau führt. Für die Lieferung bester und billigster Bücher und aller Bureaurequisiten empfiehlt sich Geschäftsbücher-FabriK A. Grünsteld & Co., Wien, I., Gonzagagasse 21. Hans Sachs schrieb zwei Esthefdramen, von denen das ältere, 1536 verfasst, die eiste vollständige Dramatisierung des Bibeltextes darstellt. Obwohl der Dichter der biblischen Erzählung ziemlich genau folgt, fügt er zwei neue Personen hinzu, wodurch die Handlung entsprechend verändert wird. Da ist vor allem der Herold, der die Gäste Ahasverus’ begriisst, den König selbst einführt und das Stück mit einem moralisierenden Resümee beschliesst. Dann der Narr, der grosse Aehnliehkedt mit den Narren der Eastnachtspiele aufweist (Hans Sachs nennt Purim die jüdische Fastnacht), sieh immer in der Nähe der königlichen Tafel aufkält, gefrässig, habgierig und boshaft ist, wie alle seiner Art, aber .trotzdem mehr den Narren hei Shakespeare gleicht, da er hinter der Maske des Toren ein weises Herz verbirgt, den König vor Hamans grausamen Vorschlägen warnt und mit seinem heissenden Spott. nicht einmal seinen königlichen Herrn verschont. Auch sonst weicht Hans Sachs in einigen Zügen vom Text ab: So gründet sich Hamans Hass gegen die Juden auf nationale Motive, da er Amalekite ist. Esther schlägt anfänglich die Krone ans Bescheidenheit aus u. a. m. Das Spiel endet vor dem Epilog des Herolds mit der Aufforderung: „Mach auff, spiehnan, ein zuehting reyen, Auff dass wir uns alle erfrewen.“ EnimyKohn. JÜDISCHE ZBI1ÜSI Palästina. Ifoektor Levontin Ober die Entwicklung Palästinas. t Der Direktor der Anglo Pal estine Co., Jaffa, Gg. Levontin hielt sich auf der Rückreise von der Sitzung des A.-K. einige Tage in Wien auf. Er hatte die Freundlichkeit, uns folgende Darstellung der Entwicklung der jüdischen Wirtschaft in Palästina zu geben: Die jüdische Kolonisation entwickelt sich jetzt sehr gut, und zwar auf ganz natürliche Weise. Stetig wächst die Zahl derer, welche mit kleinem Kapital ins Land kommen, Boden kaufen und Pflanzungen anlegen. Land ist für solche kleinere Ansiedlungen stets zn haben. Auch kleine Industrien werden von den Neuankömmlingen gegründet, wie Sesamölpressen, Sägemühlen etc. Im Momente, wo vielversprechende Anfänge eines Unternehmens sichtbar sind, gibt die Bank jedermann Personalkredit E s gibt keine einzige jüdische Unternehmung in Palästina, welche nicht von der Bank Kredit hat. Auch aus den Kreisen der einheimischen Juden wenden sich immer mehr der Landwirtschaft zu. Die Gesellschaft „Agudath Nethaim“ ist ausschliesslich von Jerusalemer Juden gegründet, ebenso die „Bacharia“, die 800—900 Dunam bebaut. Der Handel ist in diesem Jahre in starkem Aufschwung begriffen. Es wurde namentlich durch die hohen Weizen- und Mehlpreise viel verdient Die bestehenden Kolonien entwickeln sich sehr gut, seitdem sie selbständig geworden sind. So haben zum Beispiel die „Chowewe Zion“ die Kolonie „Kartinia* zehn Jahre lange bevormundet, -ohne dass sie merklich vorwärts kam. Schliesslich setzten die Kolonisten es durch, dass sie selbständig gemacht werden und mit Hilfe des Kredits, den die Bank gewährte^ nahm die Kolonie einen rapiden Aufschwung. Sie hat heute bereits den ganzen Kredit zurückgezai&t. In Rischon le Zion ist man mit der Aussackung eines Teiles der Weinstöcke und dem Anpflanzen anderer Kulturen fertig. Es wurden Proben mit Rizinusöl und Baumwolle gemacht, die sehr gut ausfielen. Es besteht bereits eine korporative Gesellschaft, die auf 100 Dunam Baumwolle haut. Das Produkt ist ausgezeichnet. Notwendig zur Hebung der Kolonisation ist ein langfristiger Agrarkredit, wozu mindestens eine halbe Million Francs zur Verfügung stehen müssten. Das Geld würde nur an Genossenschaften mit solider Haftung gegeben. Solche Genossenschaften wurden von der Bank in grosser Zahl und mit dem besten Erfolge gegründet. Die Bank hat noch nie einen Verlust dabei zu verzeichnen gehabt. Neuerdings sollen auch Genossenschaften zur Verwertung von Butter, Eiern und Milch (nach dänischem Muster) ins Leben treten. Eine weitere halbe Million Francs wäre für kurzfristige Personalkredite nötig. Was die Industrie betrifft, so ist die Schaffung einer Grossindustrie heute nicht möglich. Dagegen ist Platz für Industrien, welche die Produkte des Landes verarbeiten, zum Beispiel Oelpressen, Parfümfabriken etc. Das beweisen die Unternehmungen von Willbuschewitz und Klimker. Die Bank machte, im abgelaufenen Jahre sehr gute Geschäfte. Sie hat heute schon zirka drei Millionen Francs an Krediten für Juden allein ausstehend. Besonders betont Levontin, dass es ein grosser Fehler ist, wenn man von Verdrängung der arabischen Arbeiter spricht. Man darf die ansässige Bevölkerung nicht vor den Kopf stossen. Die Araber werden auch nie unsere Konkurrenten werden und es schadet nichts, wenn man ihnen Beschäftigung lind Brot gibt. Es ist für beide Nationen Platz im Lande. Uebrigens ziehen die Kolonisten ohnehin die jüdischen Arbeiter den arabischen vor.. Schliesslich betonte Levontin, dass er sich nur von dem langsamen, organischen Wachsen der jüdischen Kolonisation etwas verspreche. * * * (Eine Herzl-Ferienkolonie in Mozza.) Bekanntlich plante die zionistische Studentenschaft in Mozza an der Stelle, wo die von Herzl gepflanzte Zeder steht, einen Denkstein zu errichten. Der Grund ist her reits angekauft und einige tausend Francs gesammelt worden. Direktor Levontin ist jedoch der Ansicht, dass es besser wäre, anstatt eines Denksteines eine Herzl - Ferienkolonie in Mozza zu schaffen, welche sich mit der Zeit zu einem Herzl-Sanatorium erweitern könnte. Direktor Levontin berechnet das vorläufig nötige Kapital mit Frcs. 25.000. Wir hoffen, dass die Proponenten des Denksteins sich mit dieser Aenderung des Planes einverstanden erklären und die Sammlungen für die Ferienkolonie mit Eifer betreiben werden. * * * Oie Absichten de** Zionisten.*) In Nr. 8 der „W arte des Tempels“ finde ich eine Darstellung zionistischer Meinungen. und Absichten, die ich nicht unwidersprochen lassen möchte. Als deutscher Staatsbürger (jüdischer Nation), Ms eia Einwohner der „Deutschen Kolonie“ in Jaffa und als ein Mitglied des zionistischen Aktionskomitees glaube ich auch so ziemlich alle Qualifikationen zu besitzen, um über die von Herrn Fritz Lorch berührten Fingen „mitreden“ zn können. Zunächst die Ziele der Zionisten. Die Zionisten wollen in Palästina eine solche Lage schaffen, dass die jücii sehen Opfer christlicher Verfolgungen und Reehtsbeehramkmnigen um Lande ihrer Väter eine Zufluchtsstätte -rinden mögen. Und zwar eine, in der sie nicht nur „geduldet“' werden, sondern wo sie den ihrer Loyalität, Zahl und Kulturstufe zukommenden Einfluss auf alle Verhältnisse des Lebens erringen können und sollen. Alle Worte von „jüdischem Staatswesen“ oder dergleichen gehen weit über alles in absehbarer Zeit Erstrebenswerte oder Erreichbare hinaus, ebenso wie auch an eine „Sanierung dier türkischen Finanzen durch jüdische Geldmiinner“ sobald, nicht zu denken ist. Dazu gibt es noch viel zu wenig zionistisch gesinnte jüdische Finanziers, während anderseits die Sanierung der türkischen Finanzverhältnisse eine viel zu grosse Aufgabe wäre, als dass sie ■neben der wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas, die doch das H a n p t z i e 1 der Zionisten bleibt, in Angriff genommen werden könnte. Auch der Vergleich mit Samos, den ich selbst oft angewandt habe, um gewisse Möglichkeiten anzudeuten, darf nicht zu weit, gezogen werden. Samos bekam .''eine Autonomie auf Grund seiner einheitlich griechisch-christlichen Einwohnerschaft und auf Betreiben Frankreichs, Englands und Russland? (im Jahre 1833). Einer irgendNväe ähnlichen jüdischen Autonomie für Palast'na würden Weiler die Fürsprache dieser oder irgend welcher Fremd- ■mäelvte zu Hilfe kommen, noch aueli läge die Bevölkerungäfrage so einfach. Denn zirka 85.000 Juden Palästinas stehen heute etwa 80.000 Christen (fast sämtlich orientalische) und über 500.000 Moskaus gegenüber. Eine jüdische Autonomie, um deren Gewährung man bei der türkischen Regierung naehsuehen könnte, würde sich also nur auf Orte oder Distrikte mit jüdischer Majorität erstrecken, deren Zahl freilich •bei weiterer Einwanderung stark wachsen kann. An eine V erdrängung der nichtjüdischen Elemente ist aber in keiner Weise zu *) In dem Templer-Organ „Warte des Tempels* erschien kürzlich ein gegen die jüdischen Kolonisationsbestrebungen in Palästina geriet» teterArtikel. Sein wesentlicher Inhalt geht ans der Antwort hervor, die Herr Davis Trietäch, Jaffa, dem genannten Blatte znsandte and die wir in der Lage sind, gleichzeitig zn veröffentlichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.