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Jüdische Zeitung · 1908-03-13 · 11 (13.3.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 11 JÜDISCHE ZEITUNG Das alles sind aber nur Vorarbeiten für das grosse Werk, das wir schaffen können und werden, wenn jeder Gesinnungsgenosse seine Pflicht erkennt Und wir appellieren hiermit an alle unsere Freunde und Genossen, mit uns eine moderne; wahrhaft freiheitliche, ganz Oesterreich umfassende jüdische Volksorganisation zu schaffen, die in der Lage ist, dem jüdischen Volke in Oesterreicn eine Stellung zu erkämpfen, die ihm kraft seiner Kopfzahl, Intelligenz und Steuerleistung gebührt Der Mitgliedsbeitrag pro 1908 beträgt minimnm 3 Kronen. Mit Zionsgruss für den Vorstand: Dr. Benno Straucher Dr. Heinrich Gabel Reichsratsabgeordneter Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahler Adolf Stand Reichsratsabgeordneter Reichsratsabgeordneter Dr. Bernhardt Der Wiener Kultusvorstand im Dienste des „D. D. V.” Von wohlinformierter Seite erhalten wir folgende Zuschrift, deren Inhalt geeignet ist, berechtigtes Aufsehen zu erregen: Wenn man auch, wie Schreiber dieser Zeilen, das Vorgehen der Kultusgemeinde in vielen Fragen, die vom jüdischen Standpunkte «ine bessere Behandlung erfordern dürften, noch so nachsichtig beurteilt, so mus6 doch die Tatsache, dass ein Beamter der Kultusgemeinde von derselben einen selbstverständlich bezahlten sechswöchentlichen Urlaub zu dem Zwecke erhält, um die Vorbereitungen für die kommenden Gemeinderatswahlen im Bureau des deutschdemokratischen Vereines zu treffen, als ein Missbrauch schlimmster Art gebrandmarkt werden. Zugegeben, dass der betreffende Beamte sich den Urlaub unter dem Vorwände, dass er krank und erholungsbedürftig ist (die Amtsstunden in der Kultusgemeinde sind nämlich von 9 bis 2 Uhr, mit Ausnahme der jüdischen und wahrscheinlich auch der christlichen Feiertage) erwirkt haben sollte, so müsste es doch dem Vorgesetzten (es ist dies der erste Sekretär, kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben), der ganz gut weiss, dass der betreffende Herr in seinen vielen freien Stunden Sekretär des D." D. V. ist, unbedingt auffallen, dass er gerade jetzt krank und erholungsbedürftig wird. Nachdem Herr Dr. Lieben den Urlaub kurzwegs bewilligte, ja sogar ohne ein ärztliches Zeugnis, so scheint es, dass sowohl er, als auch der Vorstand damit einverstanden sind, dass die Steuern und sonstigen Geldmittel der Wiener Kultusgemeinde dazu verwendet werden, damit man für Baron Hock und seinen Anhang von Täuflingen Reklame macht Gewählt werden sie ja ohnehin nicht! Eine kleine Abrechnung. Herr Dr. Landau stellt sich wieder als die verfolgte Unschuld" dar, die von Wegelagerern überfallen wurde. Ihm sekundiert Dr. Bloch, der den' Vornehmen spielt und mit VerachtUfig über die Wahrheiten, die ihm in unserer Nr. 9 gesagt wurden, hinweggehen zu können glaubt Beide Herren spekulieren offenbar auf die Vergesslichkeit der Zionisten. Um die beiden Herren eines Besseren zu belehren, sei jedem von ihnen zu Purim aus der Chronik unserer Väter eine Probe vorgetragen. So bringt die Nummer 9 der .Welt“' vom 3. März 1899 eine redaktionelle Notiz .Doktor S. R. Landau“, die der Wertschätzung Ausdruck gibt die Schon Dr. Herid für diesen .seinen diplomatischen Freund“ empfunden hat: „ln' Dr. Blochs .Ofeslerreichischer ' Wochensc'.rift“ veröffentlicht Dr. S. R. Landau einen von Beschimpfungen strotzenden Artikel, in welchem er einbekennt, was selbst ihm zu leugnen schwer gefallen wäre: dass er der Verfasser . der. von uns jüngst erwähnten Angriffe in der Blocbschen Wochenschrift und im .Jewish Chronicle“ sei. Auf das grossprecherische Gefasel dieses Schimpfartikels einzugehen, verlohnt nicht der Mühe. Die .Idee', ein zionistisches Blatt za gründen, wird als Privateigentum vou Dr. Landau in Anspruch genommen, als ob nicht die jüngsten Studenten an . Diskussionsabenden den gleichen Wunsch geänsBert hätten. Die Studenten verbänden übrigens mit diesem Wunsche nicht auch den, eine Anstellung bei dem Blatte zn erhalten. Den Typus unseres Blattes hat Dr. Landau nicht festgestellt, auf die politische Hdhuiig hatte er keinen Einfluss und die Redaktion hat er zu keiner Zeit geführt. Wenn er sich ausserhalb unseres Kreises dessen rühmte, so lachten die Eingeweihten einfach darüber. Herr Doktor S. R. L and au gesteht weiters zu, was anch ihm zn leugnen schwer fiele, dass er für seine' anonymen Angriffe auf die zionistische Bewegung von den antizionisti s.chen Blättern Honorare erhalten hat, freilich nur bescheidene. Wieviel oder wie wenig er tür seine Angriffe bekommen hat, wissen wir nicht, es interessiert uns auch nicut. Die Tatsache wollten wir feststellen, und sie steht nun fest. Es ist eiue Lächerlichkeit, diese Arbeit für die antizionislischen Blätter mit den Publikationen zu vergleichen, die früher djrch Zionisten in solchen Organen gemacht wurden. Erstens geschah das unentgeltlich, zweitens hatten diese Zionisten damals keine anderen Zeitungen für ihre Propaganda zur Verfügung. -Herr Dr. Landau wagt es aber auch, seine nun schon genügend charakterisierten Angriffe mit journalistischen Arbeiten zu vergleichen, die m von unserer Richtung abweichenden Tagesblättern erscheinen. Wir wollen ihm den Unterschied erklären. Tageslitterarische Arbeiten, die einen innern Wert haben — und dieser innere We t w>rd eben dadurch verhüt gt, dass sietrotz der bekannten politischen" Haltung ihres Verfassers akzeptiert werden '— sie sind nicht auf eine Stufe zn stellen mit Meldungen, wie sie Herr Dr. Landau für die antizionistischen Blätter schrieb. Die ersteren hauen eiuen literarischen Marktwert, die letzteren haben nur einen Wert im Feindeslager. Niemand wird es. Herrn Dr. Landau verdanken,' wenn er wo immer seine journalistischen Arbeiten unterbringt. Wenn er aber als .Zionist*, als .wohlintormierter Zionist' zn unseren Feinden geht nnd ihnen vertrauliche Mitteilungen macht, deren Wahrheit wir nicht einmal untersuchen wollen, so ist das Urteil über ihn abgeschlossen. Herr Dr. Landau ' wünscht noch, dass wir die Gründe seiner En'lassung publizieren. Er warde nicht wegen seiner .Unabhängigkeit' aus der Redaktion entfernt, vielmehr wegen seines ungehörigen Beaebmens, gegen jedes einzelne Mitglied der Redaktion und Administration. Dieses Betragen führte schliesslich zu einem Auftritt, welcher für Herrn Dr. Landau so peinlich und beschämend war, dass wir sogar jetzt noch Anstand nehmen, ihn zu* veröffentlichen. Da non die Wahl stand zwischen, dem wirklichen Redaktenr nnd Herrn Dr. Landau, war die Wahl nicht schwer. Herr Dr. Landau erhielt die Kündigung. Dies geschah einige Monate vor dem zweiten Kongress. Vielleicht wird mancher das Benehmen des Herrn Dr. Landau in Basel jetzt besser, verstehen.“ Den Dr. Bloch, der unsere Feststellung, er habe seinerzeit sein Blatt der jungen zionistischen Partei für Geld angeboten, sittlich entrüstet als .pure Erfindung hinstellt, haben auch folgende zwei Artikel ex 1898 des damaligen Chefredakteurs der „Welt“, Dr. Siegmund Werner, die wir auszugsweise bringen — wie auch jetzt nicht bewegen können, die Sache .ernst zu nehmen und ihretwegen etwas zu veranlassen.“ In Nr. 46, der .Welt“ vom" 18. November 1898, heisst es unter .Ein Antizionist“: .Wenn wir Zionisten die Schar unserer Gegner betrachten, so können wir oft des Kampfes nicht froh werden. Man stellt sich gerne dem ritterlichen nnd ehrenreichen Gegner. Man grfisst ihn respektvoll, bevor der Waffengang beginnt. Ob man s'egt oder unterliegt, man weiss, dass beides gleicb ehrenvoll ist Anders ist es, wenn man es mit einem hinterhältigen Gegner zn tun hat. Da gibt es keinen offenen Kampf. Da wird mit vergifteten Waffen anf uns losgeschiagen, und als Kampfpreis winkt uns höchstens das Bewusstsein, selbst in diesem ungleichen Kampfe ehrenvoll gestritten zn haben. Heute kann ich meinen Gegner nicht grüssen. Der Herausgeber drr „Oesterreichischen Wochenschrift' Herr Dr. Bloch gefällt sich seit einiger Zeit in einer antizionistischen Posse. Das wäre kein Unglück. Ich nehme sogar gerne an, dass der genannte Herr ans vollwichtigen Gründen Antizionist ist, nnd wir wäien ihm sehr dankbar, wenn er dies recht oft und ausdrücklich betonen würde. Leider ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil. Er erweist uns die herzlich unerwünschte Ehre, sich als Zionisten, sogar als ältesten. Zionisten Oesterreichs zu bezeichnen. Ja, er kann sogar fafür einen Beweis anführen. Er hat sich nämlich vor nicht allzolanger Zeit an einen Mann gewendet, dessen Einfluss im zionistischen Lager bekannt ist, und ihm den Antrag gestellt, die „Oesterreichische Wochenschrift“ gegen das bescheidene Entgelt von wenigen hundert Gulden für die zionistische Propaganda zu eröffnen. Natürlich haben die Zionisten dieses edelmütige Anbot, abgelehnt. Es fanden sich auch einige, die davon überzeugt waren, dass Herr Dr.'Bloch mit diesem Anträge eine persönliche Beleidigung beabsichtigt habe. Ich glaube das nicht. Herr Dr. Bloch hat es gewiss ehrlich, d. h. so gemeint, wie "der Antrag lautete. Daraus sollte er aber doch nicht so ohneweiters seine Anteilnahme am Zionismus deduzieren. Es ist ja richtig. Er verfolgt auch sonst aufmerksam die Fortschritte unserer Bewegung und widmet ihr seine schätzenswerie und sicherlich bis in die Details abgeschätzte Kritik. Er ist zu klug, um den Vorwurf der Schwärmet ei und Phantasterei aufrecht zu erhalten. Die unleugbar grossen Erfolge der Zionisten, das tägliche Anwachsen der Zahl ihrer Anhänger, die beiden Kongresse, die in ihier Bedeutsamkeit noch nicht einmal, recht begriffene Palästinareise Dr. Herzls und der Abordnung der Zionisten, alles das verbietet es ihm, diesen Vorwnrf zn sehr - zn akzentuieren. Aber wenn gelegentlich, so harmlos als möglich eine kleine Notiz über die Gefährlichkeit, Unbesonnenheit oder gar die Korruption aller oder einzelner Zionisten in sein Blatt bringen kann, dann fühlt er, was er wieder dem Judentam und einzelnen Jaden — wir meinen nicht gerade ihn selbst — für wertvolle Dienste geleistet habe. Es liegt uns selbstverständlich ferne, uns durch uie Angriffe des Herrn Dr. Bloch persönlich beleidigt zn fühlen. Aber von der Sache, tür die wir mit reinen Händen und mit dem Einsätze unserer Persönlichkeit, unserer Existenz and selbst unseres Lebens kämpfen, soll er seine Hände lassen. Wir haben zn arbeiten nnd meiden gerne jeden unnötigen Kampf; aber nichts wird uns hindern,'wenn es sein mass, auch mit aller Energie und aller Rücksichtslosigkeit in den antizionistischen Suupf hineinzutreten, sei er nun in Wien oder anderswo.“ In Nr. 48 vom 2. Dezember 1898 wieder liest man unter .Entlehnt* : „Da er keinen Gegenbeweis antreten kann, so lässt er seine Wut in unflätigster Weise an mir aüs. Das ist nichts verwunderliches. Etwas ähnlic. es musste man von diesem Manne nach seinen Antezedentien erwarten. Heiter berührt es allerdings, wenn er den Spiess umzudrehen versucht und mich gerne der Unwahrheit zeihen möchte. Es hat ihn offenbar beleidigt, dass ich ihn so gering taxiert habe. Darum will ich den Sachverhalt nochmals erzählen: 4 Als die .Welt“ za erscheinen begann, wendete sichDr. Bloch an das Aktionskomitee der Zionisten und versprach demselben acht Seiten seines Blattes wöchentlich zur Verfügung zu stellen. Dagegen sollte man die „Well" nicht weiter herausgeben und ihm den Entgang - von Abonne n t enge1dern vergüten, welcher durch diese S c h w e n k u n g d e r „W ochenschrift' eintreten könnte. Wer die Verbreitung dieses Blattes kennt, weiss, dass es sich da gewiss nicht um tausende, sondern wirklich nur um wenige hundert Gulden hätte handeln können, um so mehr, da viele Juden, welche jetzt von der .Wochenschrift“ nichts wissen wollen, sie dann notgedrungen abonniert hätten. Wenn jetzt Herr Bloch diese Vergütung höher anschlägt, so muss man annehmen, dass er anch andere Vorteile bei diesem projektierten Geschäftchen voraussah, die er unter dem Titel „Vergütung von Abonnentenentgang“ herauszuschlagen hoffte. Wenn ich also seine geschäftlichen Praktiken bisher nicht in ihrer ganzen Grösse erfasst habe, so hat mich nunmehr seine Entrüstung ■ eines Besseren belehrt. Ich bekenne, HerrBloch hat sich zwar anscheinend nur ameinige hundert Gulden za einem Frontwechsel herbeilassen wollen, aber das war nur Schein. Er hätte ein paar Tausend herausgeschlagen Ein solches Vorgehen, bei dem Herr Bloch, nach seinem jetzigen Auftreten zu schliessen, gegen seine .Ueberzeugang' gehandelt hätte, ist zwar nicht anständig, aber es bringt Geld ein, und das hat Herr Bloch immer zu schätzen gewusst.“ Rotgeschminkte Assimiianten. Den sozialdemokratischen Handlungsgehilfen Wiens ist es vor mehreren Jahren gelungen, die Herrschaft der Christlichsozialen in der Gremialkrankenkasse . zn stürzen und durch eine sozialdemokratische zu ersetzen; welche Position sie seither und ins besondere bei den dieser Tage stattgefundenen Neuwahlen zu behaupten wussten. Diese Erfolge verdankt jedoch die sozialdemokratische Leitung keineswegs ihrer — wie übrigens gern zugegeben werden soll — energischen Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Handelsgehiilfen, sondern vornehmlich dem Umstande, dass die Majorität dergremialangehöri'gen Gehilfen aus Juden besteht. Die überlaute Begeisterung für ,,Pic-k und Genossen^ unter den Juden, und zwar nicht ausschliesslich der Angestellten, re-

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