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Jüdische Zeitung · 1908-03-13 · 11 (13.3.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 JÜDISCHE ZEITUNG beite 7 sultiert einfach daraus, dass t's „gegen die Anti- I semiten“ geht. Das verstehen auch die Führer wohl auszunützen. Es beweist dies am besten ihr Wahlaufruf, der in die Worte ausklang, dass die Gremialkrankienkasse „niemals 'mehr zur Beute wird der antisemitischen und nationalen Parteipolitik!“' War würden diesen wenn auch sehr schwachen, indirekten Ausdruck jüdischen Solidaritätsgefühles immerhin begrüssen, wenn die jüdischen Sozialdemokraten nicht zugleich eine Borniertheit und Würdelosigkeit an den Tag legten, die sie nicht viel sympathischer erscheinen läset, als die Assim Honten. ‘ aus dem bourgeoisen Lager. Dies zeigt ihre Haltung auf einer Agitationsversammlung, die von Tausenden, fast durchwegs jüdischen Handelsgehilfen besucht war. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Earl Kenner leistete sieh hierbei in einer Bede folgende Aussprüche (siehe Bericht der „A.-Z.“ vom 6, d.): .... .. Heute will man Sie wieder lehren, die TJntersolieidung zwischen Christen und Juden zu machen. Was man „den Juden“ yorwerfen kann, ist kapitalistischer Geist, .ist Geschäftsgeist . . . Was die Christlichsoziaien gefährlich macht, ist ihre Yerjudung (Sehr richtig!), ist die Tatsache, dass sie dürohtränkt sind vom kapitalistischen Streben. (So ist es!) . . . “ — Nach dieser famosen Auffassung wären also kapitalistischer Geist und Judentum identische Begriffe. Herr Dr. Benner hat diese Auffassung freilich von seinem Heister Earl Marx übernommen, der fast mit denselben Worten von „jüdisch-kapitalistischem Geist“ und der „Verladung“ spricht.. Allein ein Karl Marx, der von den jüdischen Volksmassen im Osten und seinen Hunderttausenden schwer arbeitenden Handwerkern und Arbeitern keinen bläuen Dunst hatte und der sieh selbst als die Verkörperung des antikapitalisitisehen Geistes fühlte, konfnjte sieh noch immerhin einbilden, ein „Ausnahmsjude“ zu sein. Was soll man aber dazu sagen, ■wenn 5000 jüdische Kommis sieh heute derlei Ansichten vortragen lassen. Man weiss nicht, soll man-mehr staunen -über die, sagen wir-Ungenierthedt lind Ignoranz des sozialdemokratischen Gelehrten, oder über die Jßrbärmliehkeit von 5000 Juden, die ausser sich vor Freude sind, dass sie ein deutscher Sozialdemokrat nicht „den Juden“ zählt und als lobenswerte Ausnahmsjuden hinstellt. Das erinnert an jenen jüdischen Protzen, der überglücklich i9t, wenn, ihm ein schmarotzender Arier das bekannte Kompliment macht: „Ja, wenn alle Juden so wären, wie Sie . . . “ — Dass die TOitgesobimihkten Israeliten auch sonst in politischer Hinsiebt nicht weitblickender sind als die bourgeoisen Assimilanten, zeigt ihre verblendete Taktik in Organisationsfragen. Wärensie nämlich niobt darauf versessen, um jeden Preis Juden und Deutsche in einer Organisation zusammenzupferehen, so wären die „deutsch-arischen“ Angestellten schon längst im sozialdemokratischen Lager. Die jüdischen Handelsgehilfen könnten allerdings dann nicht mehr ihre Organisation mit einigenexotischen Paradeariem ausstaffieren, sie hätten es aber auch, insbesondere angesichts der niedergehenden Demagogie der Christlichsoziaien, nicht mehr nötig, lärmende Kämpfe der Handelsgehilfen unternnd gegeneinander zu inszenieren. Neuerliche Bauernunruhen in Rumänien. In der Nummer 9 unseres Blattes brachten wir einen ausführlichen Bericht über die Lage -der Juden und speziell der jüdischen Gutspächter im Bezirke Dorohoiu. Die Befürchtungen, die unser Korrespondent ausgesprochen, sind leider früher als man erwartet, in traurige Wahrheit umgewandelt worden. In langen Telegrammen berichten die Wiener Tageszeitungen von einem Ausbruche neuerlicher Bauernexzesse in der nördlichen Moldau. Natürlich .wieder unter •der euphemistischen Spitzmarke „Agrarbewegung*1. Das Wort deckt die imfamste Lüge, den frechsten Betrug. In der Tat ist es eine ausgesprochene antisemitische Bewegung, die ebenso wie die in den Märztagen des vorigen Jahres, ausschliesslich gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet ist Dafür spricht schon der Ausgangspunkt dieser ^Bewegung“. Wieder ist es der von Juden dichtbevölkerte Distrikt Dorohoiu und Botoschany. Wäs den ersteren betrifft, haben wir in Nummer 9 unseres. Blattes, die Zustände dortselbst genügend beleuchtet und auf das Kesseltreiben des dortigeu Präfekten M a n o 1 i u und dessen Helfershelfer, Bürgermeister Marcu deutlich hingewiesen. Was wir befürchtet, ist eingetroffen, der Telegraph meldet erschreckende Hiobsbotschaften. Wir haben uns an unseren Bukarester Korrespondent gewendet, uns einen ausführlichen Bericht über die Lage zukommen zu lassen, und erhielten knapp vor Schluss des Blattes folgendes Telegramm: ' Bukarest, 12. März 1908. Die Nachrichten aus den aufrührerischen Distrikten Dorohoiu und Botoschany laufen hier nur äusserst spärlich ein. Die Telegraphenzensur waltet ihres Amtes. Die Lage ist sehr kritisch. Privatmeldungen berichten von Judenexzessen. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Märzfeier. Der demokratische Zentralverein veranstaltet eine Märzfeier mit folgendem Programm: Freitag den 13. März 1908 vo.rmittags‘i9i4 Uhr Besuch des Grabes der Märzgefallenen, sowie des Grabes Dr. Adolf Fischhof. Zusammenkunft 97« Uhr bei dem . Hauptportale des Zentralfriedhofes. Abends präzise 148 Uhr allgemein zugängliche Fest Versammlung im Galeriesaale des Hotel Union, Wien, IX., Xussdorferstrasse Xr. 23. Tagesordnung. 1. Ansprache, gehalten von Lucian Brunner. 2. Allgemeine Diskussion. Wien. Am Dienstag d»n 24. März 1908 findet im Festsaale des Hotel Zentral, IL, Taborstrasse 8, eine geschlossene Maskenredoute (Purimball) statt, dere > Beinerträgnis dem Konditionslosenfonds für jüdische Arbeiter und Handelsangestellte gewidmet ist. Kostüm, Ball¬ oder Soireetoilette. Kein Maskenzwang. Gruppenanmeldungen bis spätestens 15. März 1908 in das Komiteelokal Cafe Marienbrücke, L, Botenturmstrasse erbeten. Für das Komitee: D. Nebenzahl, Obmann;M. Klinge n b er g er, Schriftführer. Entree im Vorverkaufe K 1.50, an der . Abendkasse K 2.—. Beginn 9 Uhr abends. Wien- (I. Wiener Jüdischer Turnverein, L, Mölkerbastei 5.) Samstag den 14. März 1908 findet im städtischen Kursalon (Stadtpark) das Schauturnen des Vereines mit anschliessendem Tanzkränzchen statt. Saaleröffnung 8 Uhr abends. Beginn des Schauturnens präzise 9 Uhr. Entree K 2.—. Karten sind im Verelnslokale, I., Mölkerbastei 5, während der Turnzeit (Herrenturnen: Montag, Donnerstag 7—x/i9. Damenturnen: Mittwoch, Samstag 7—7,9), bei sämtlichen Vereinsmitgliedern, im Caf4 de France, L, Schottenring und an der Abendkasse erhältlich. Wien. Der Verein jüdischer Mädchen „Mirjam* in Wien, teilt mit, dass Sonntag den 15. a. M„ 4 Uhr nachmittags, im Kongressbnrean, IX., Türkenstrasse 9, ein Vortrag des Herrn Moriiz Ehrlich: „Megilath Esther* stattfindet. Gäste, Damen und Herren, herzlich willkommen. Wien (Hebräischer Konversatiönsklub.) Bei der nächsten Zusammenkunft, Samstag, den 14. März, präzise 7 Uhr abends, die, wie üblich, im Caf6 Brammer (EX., Liechtensteinstrasse 1) stattfindet, wird Herr Bafael Swerdiow (Lehrer im .Beth-Hassefer l’banoth“ in Jaffa) einen zweiten Vortrag, und zwar über „die Arbeiterfrage in Palästina* halten. Gäste nerzlich willkommen! Wien. (JücL-akad. Ferial - Verbindung „Zephyra*.) Herr Dr. Kadisch hält Dienstag den 17. März einen Vortrag, betitelt: „Unsere nächsten und weiteren Ziele“ auf der Zephyra-Bud» (EX., Servitehgasse 10). Gäste willkommen. Wien. Der Kranken-Uuterstützungs-Veiein „Ansche Eines*, X., Favoritenstrasse 106 veranstaltet am 18. März d. J. in Hoffmanns Bosensälen, X. Favoritenstrasse 89 eine Wohltätigkeits- Akademie mit anschliessendem Tanzkränzchen. Das zu diesem Zwecke gebildete Festkomiteehat keine Mühe gescheut, um das Programm zu einem reichhaltigen zu gestalten. Karten im Vorverkauf ä K 1.— sind zu haben: beim Obmann E. Sam. Kraus V., Wiedner Hauptstr. 130, heim Schriftführer E. Ignatz Brpdt, V., Matzleinsdorferplatz 1 und beim Kassier E. S. Blaustein, IV., Favoritenstrasse 42. An der Kassa K 1.50. Wien. (Purimball des Vereines der Kolomeaer.) Bei dem am 17. d. M., im Hotel Zentral. Taborstrasse, staufindenden Purimballe, werden ausser den in der vorigen Nummer genannten Kräften nachstehende Personen an der Akadem e teilnehmen : Herr Oberkantor Josef Basser, die Pianistin Frl. Erwine Grab und Oberkantor Herr S. M. Perlmann, wie auch dessen Gemahlin Frau PerlmanD. Die Feier verspricht recht amüsant uod gemütlich zu werden. Wien. (VergDügurgskomitee des humanitären Vereines der Matteradcfer.) Dienstag den 17. März a. c., 9 Uhr abands, findet in den Souterrainlokalitäten des Cafö Prückel (Inhaber Stern) L, Stubenring 24, Ecke Wollzeile, eine gemütliche Purimunterhaltung mit Vorträgen und Tanz statt. Zwangslose Toilette. Begiebeitrag Kl.-. Masken und Kostüme erwünscht. Das Beinerträgois fliesst dem Fonds zur Unterstützung Armer und Kranker zu. Der Verein hat trotz seines kurzen Bestandes bereits eine sehr grosse Anzahl, in Wien ansässiger Armer und Kranker mi< Geldbeträgen unterstützt; da fortwährend Gesuche um Unterstützung entlaufen, die Mittel des Vereines ganz erschöpft sind, ergeht hiermit das Ersuchen sich an der Purim - Unterhaltung zahlreicn zu beteiligen. Karten ä K 1:— sind bei Herrn Julius Philipp, 11., Obere Donaustrasse 61. in Gabriel Spitzers, Theaterkartenbureau, I. Morzinplatz 5 und am 17. März abends an der Kassa, Cafe Prückel, 1., Wollzeile 24 zu haben. Wien. Letzten Sonntag wurden in der Jüdischest. Toynbeehal)e die Gedichte unseres geschätzten Mitarbeiters Beda zur Vorlesung gebracht und erweckten stürmischen Beifall Das überaus zahlreiche Auditorium jubelte dem anwesenden Dichter in nicht endenwollender Weise zu. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochoa“.) Die Ausschusswahlen für das XXII. Semester ergaben folgendes Besultat: ing. Tobias Wexner, Präses; jur. Pinkas Adlersberg, Vizepräses; ing. Salamon SternschusH I. Schriftführer;- med. Viktor Kreisberg, II. Schriftführer; ing. Michael Weiesmann, Kassier. Bolecbow. Hier gründete sich ein Frauenverein „Bachela“, welcher bereits 50 Mitglieder zählt. Am 1. März fand hier eine Versammlung statt, bei welcher die Schriftführerin des Stanislauer D. K. Frl. Begine Meller einen grossartigen Vortrag hielt. Das Zustandekommen dieses Vereines ist ein Verdienst der Herren Simon Popiel, Frost und Eilendmann. Brünn. Die Chargenwahl der jüd.-akad. Verbindung „Veritas“ für das Sommersemester .1908 ergab-foigendas Besultat: cand. ing. Bich. Berger X» cand. ing. Emil Kien XX. F X* cand. ing. Ernst Frischer XXX- An die p. L jüdischen Vereine. Die Unterzeichneten Verbindungen geben hiermit bekannt, dass ‘sie Veranstaltungen, zu denen die „Libanon!a“ geladen ist, nicht beschicken werden. Ivria, Kadimah, Maccabäa, Unitas. Briefkasten der Reifaktion. Sprachforscher. Der terminus „Bubokrat“ ist keineswegs neu. Er wurde zuerst von jenem Vertreter der Plutokratie im Wiener Kultusvorstande geprägt, den Dr. Herzt in „Altneuland“ so köstlich als Prokurist Schlesinger persifliert. Personalnachrichten. Herr J. U. C. Fritz Löhner (Beda) von der akad. Verbindung „Kadimah* wird Montag, den 16. d. M. um 12 Uhr mittags im Festsaale der Universität zum Doktor der Bechte promoviert Herr Dr. Egon Zweig hat seine Advokaturskanzlei, I,- Schulerstrasse 18 (Telefon. 5336) eröffnet

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