Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 machten. Es .wurde deshalb .beschlossen, die Erledigung dieser Angelegenheit b):s zur definitiven Einrichtung des Palästina-Amtes in Palästina zu vertagen. Die Frage des Parteifonds wurde eingehend besprochen. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Landesorganisationen bisher in der Sammlung für den Parteifonds mit .wenigen Ausnahmen fast gänzlich versagt haben, und angesichts dter zwingenden Notwendigkeit, die gerade in diesem Augenblick die. Bereitstellung eines grossen Fonds für die Zwecke der Bewegung dringend verlangt, fasste das E. A. C. zwecks Belebung der Sammeltätigkeit folgenden .Beschluss: Das Engere Aktionskomitee beschliesst, die Iauulsmannsehaifteja auifznfordtern, spezielle Kommissäre zum Zwecke der energischen Durchführung der Sammlung für den Parteifonds einzusetzen. Diese- Kommissäre sollen gehalten sein, überall Agitationsversammlungen für den Parteifonds äbznhal ten. die rückständigen Beträge einzuheben und überhaupt die ganze Arbeit für den Parteifonds in Fluss zu bringen. Ausserdem wurde noch eine Reihe anderer wichtiger Fragen in der Sitzung erledigt. * Im Anschluss an die Sitzung des E. A. C. faiid eine Besprechung der Direktoren der Anglo Palestine Company statt, an der auch die Herren Josef Cowen und Hirsch aus London und' Direktor Levontin ans Jaffa teilnahmen1. Gegenstand der Besprechung bildeten die verschiedenen Fragen der Anglo Palästina Company in Palästina sowie die Einrichtung einer Banikahteilnng in Konstantinopel. Die Generalversammlung der Anglo Palestine Company, d?e statutengemäss in den ersten vier Monaten des Jahres stattfinden muss, wti,d! Anfang April in London abgehalten werden. * * * Ausserordentlicher Distriktstag für Innerösterreich. Sonntag.dem 8. März fanddie Fortsetzung des ausserordentlichen Distriktstages statt. Zur Erledigung standen die Neuwahlen und ßventmalia auf der Tagesordnung. Da trotz des einstjanmigen Vertrauensvotums die bisherigen Mitglieder des D.-K. eine Wiederwahl aiblehnten, schritt man zur Wahl des D.-K. Gewählt wurden die Gg. Dr. Max Bernliard, jur. Go 1 d, Dr. Fritz Löhner, Dr. K a r 1 L ö w, M a x Mark u s, Dr. Leopold M e i s 1, Hermann Müller, jur. Moses Stöckel und Dr. Egon Zweig. Hierauf wurden die Gg. Max Markus zum laisser faire und. das Bestreben nach innerer und! äusserer 'Selbstbefreiung — diese ringen noch miteinander. Wer aber den leisen Pulsschlag der kommenden Zeit erlauscht hat, der sieht neue Werte nationaler und kultureller Art sich hervordrängen an das Liebt des Tages. Allerlei. Rabbi und Spiritist. Die jüdische Gemeinde Beth-EL in Fortworth (Texas) hielt bisher ihren Gottesdienst in einem Spiritistentempel, dem Eigentum eines eifrigen Vertreters des Spiritismus, ab. Da aber der Rabbiner der Gemeinde ein Gegner spiritistischer Bestrebungen ist, so hat der Besitzer des Hauses ihr nunmehr das Ultimatum gestellt, entweder den Rabbiner zu entlassen, oder aus seinem Hause auszuziehen. Die Gemeinde hat sich für die letztere Alternative entschieden. / Dia Juden in Preussen. Im Jahre 19Q6 wurden in Preussen 2739 jüdische Ehen und 638 jüdischchristliche Mischehen geschlossen. Von dem ständigen Rückgang der Juden in Deutschland legen folgende Ziffern aus der preussiseben Statistik Zeugnis ab: Die natürliche Bevölkerungszunahme, die durch Abzug der Sterbeziffern von : den Geburtsziffern berechnet wird, betrug im Jahre 1906 in Preussen bei den Juden 4 36 Prozent, bei den Christen, dagegen 15.72 Prozent, also über 3*/,mal so viel. Präsidenten und Dr. E g o n Z w e i g zum Vizepräsidenten unter lebhaftem Beifall gewählt. Unter Eventualia erklärte Gg. W a 1 <1m ä n n, der D.-T. müsse zu der in der letzten Zeit von seiten sog. jüdischer Blätter gegen unsere Organisation und die „Jüdische Zeitung“ betriebene Hetze entschieden Stellung nehmen. Df es sei um so mehr notwendig, als es sich hierbei lediglich uni den Versuch handelte, in unsere Organisation einen Keil' zu treiben, was jedoch nicht gelungen ist. Nichtsdestoweniger müsse die Schädlichkeit dieser Blätter für unsere Organisation konstatiert werden. Nachdem eine Reihe von Delegierten in. gleichem Sinne gesprochen, wurde folgender, von den Gg. W i nterstein und WaI dni ann eingeibraehter Antrag einstimmig angenommen: „Der innea-österreiehisehe Distriktstag erachtet die Wirksamkeit der „0 e s t e r r. Wochenschrift“ und der „N e u e u N at i onal-Zeitung“ als schädlich für die zionistische Organisation und erklärt es für unvereinbar, mit d e r Z ugehörigkeit zu derselben, jene Blätter durch Mitarbeit, Nachrichtendienst oder sonst irgendwie zu fördern.“ Gig. Stöckel stellt namens der „Bar Koebba“ den Antrag, den auf dem letzten D.-T. gefassten Beschluss, Schekel und Parteisteuer unter einem einzuheben, zu reassimyeren. In der Begründung führt Redner aus, dass durch die Fusionierung von Schekel und Parteisteuer die Institution des Schekels degradiert werde und die Sehekeleingänge nicht jene Höhe erreichen würden, wie in früheren Jahren. Aus diesem und aueh aus agitatorischen Gründen sei der frühere Modus der besonderen Einhebung von Schekel und Parteisteuer wieder einzuführen. Gg. Stein entgegnet, dass nicht die Zahlung des Sehekels, sondern das Bekenntnis zum zum. Programm ausschlaggebend sei und dass dieser Beschluss nur für die organisierten Zionisten bestehe, die Agitation für den Schekel somit nicht gehindert werde. Redner beantragt, idiese Angelegenheit dem nächsten D.-T. vorznlegen. Dieser Antrag, dein sich der Antragsteller akkomodiert, wird angenommen. Hierauf wurde folgende Resolution m der Hilsner-Affäre angenommen, weiche sich mit dem in der „Jüd. Ztg.“ zum Ausdruck gebrachten Standpunkt deckt. Der Distriktstag der innerösterreiehischen Zionisten erklärt sieh gegen jede Aktion, welche nur die Begnadigung Hüsners ansfcrebt und beharrt unentwegt auf dem Verlangen nach Wiederaufnahme des Prozesses. Die Vereinigung jüdischer Hoehsehüler aus Galizien „Bar Koebba“ in Wien schlug am Distriktstag folgende Resolution vor: 1. Der i.-ö. D:-T. fordert eine energische Propaganda in Wien, lniuptsäehlieh die Inangriffnahme der Palästinaagitation. % 2. Der D.-T. legt es dem A.-C. nahe, den ei^gegangenen Gesangsverein „Schir Zion“ wieder herzustellen. 3. Der D.-T. fordert das D.-K. auf, einen allgemeinen Sharesklub nach dem Vorschlag Schachtel zu errichten. Nach Annahme dieser Resolutionen, bezw. Ueberweisung an das D. K. schloss der Vorsitzende den Distriktstag. Die Statuten der Jüdischen Koloniaibank. Ans London schreibt man uns: Bekanntlich ist infolge der am VII. -Zionisöenkongress erfolgten Absplitterung eines kleinen Teiles ddssentierender Elemente, unter Führung Israel ‘--Zangwills, von der zionistischen Partei ein Streit nncl in weiterer Folge ein Prozess entstanden um die vom VII. Kongress beschlossene Abänderung der Bankstatuten. Während nach dem ursprünglichen Statut die Jüdische Kolonialbank (The Jewisli Colonial Trust, Limited, London), das finanzielle Instrument der zionistischen Bewegung, in jedem Teile der Welt kolonisatorische Unternehmungen betreiben kann-, beschloss der VII. Kongress die Beschränkung dieser Tätigkeit auf Palästina, Syrien und deren Nachbarländer. Dagegen versuchten die territorialistisch gewordenen Aktionäre zu remonstrieren, indem sie bei dem englischen Gerichte gegen diese Abänderung Protest erhoben. Es wurde eine Abstimmung der Aktionäre angeordnet, deren. Resultat nun vorliegt. Es •haben rund 12.000 Aktionäre mit über 40.000 Aktien für die Abinderung und etwa 2000 Aktionäre mit zusammen 6000 Akt imdagegen gestimmt. Danach dürfte die Entscheidung des Richters, d(:e Anfang April zu erwarten ist, kaum noch zweifelhaft sein. Bedauerlich bleibt es jedenfalls, dass erst ein langwieriger und kostspieliger Prozess gefühlt werden musste, um dieses vorausznsehende Resultat zu erreichen. * * Aufruf des Jüdischen Nationalvereines. Der Jüdische Nationalverein für Oesterreich, Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, versendet folgenden Aufruf: Werter Gesinnungsgenosse! In Ausführung der Beschlüsse des Krakauer Parteitages vom 1. Juli 1906 wurde die »Jüdische Nationalpartei1* und als ihr Exekutivorgan der „Jüdische Nationalverein für Oesterreich“ ins Leben gerufen. Was die Jüdische Nationalpartei bisher geleistet hat, ist der Oeffentliehkeit bereits bekannt. Die Organisierung der österreichischen Juden zu einer einheitlichen Aktion in der allgemeinen Wahlrechtsbewegong, die Intervention bei den Regierungen und die Schaffung jüdischer Wahlkreise ist ihr Verdienst Damit war zum ersten Male dem jüdischen Volke in Oesterreich Gelegenheit geboten worden, die Politik za machen, die ihm zweckentsprechend erschien. Und es ist unser Stolz, dass diese Politik unsere war, die Etablierung des jüdischen Volkes in Oesterreich auf national-demokratischer Basis. Dieses Programm wird nunmehr vom „Jüdischen Klub“ im Parlamente vertreten. Mit welchem Erfolge, beweist die Tatsache, dass er trotz seines kurzen Bestandes, sich schon Geltung zu verschaffen gewusst und sowohl von der Regierung, als auch von den andersnationalen Parteien respektiert wird. Unsere Abgeordneten können aber nur dann mit Erfolg für die Verwirklichung unserer nationalen, sozialen und politischen Postulate eintreten, wenn hinter ihnen die organisierten jüdischen Massen einer Hunderttausende zählenden Organisation stehen. Das ist noch nicht der Fall, denn unsere Genossen haben diesen Verein nur moralisch unterstützt Das genügt aber nicht, die Unterstützung muss eine tatsächliche sein. Jeder Zionist muss wirkliches Mitglied des Vereines werden und durch stete Anwerbung neuer Mitglieder ihn zu einem Machtfaktor in Oesterreich auszugestalten helfen. Nor die Macht und nicht das Recht wird von der Regierung und von den parlamentarischen Parteien respektiert. - Der „Jüdische Nationalverein“ betrachtet die Vertretung sowohl unserer volklichen als auch staatsbürgerlichen Interessen als seinen Lebenszweck and wird überall, wo allgemeine oder individuelle Rechte gefährdet sind, mit aller Kraft einschreiten. In diesem Sinne ist schon ein „Rechtsschutzbureau** geschaffen worden, welchem tüchtige Anwälte in allen Teilen des des Reiches zur Seite stehen. In den letzten zwei Wochen nach der Konstituierung sind ihm über hundert Kultusgemeinden bereits offiziell beigetreten und in vielen Fällen ist seine Intervention, die auch erfolgte, angerufen worden.