Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 10 jeder, der bei sorgsamer Selbstprüfung den ehrlichen Willen in sich findet, seinem Volke Opfer zu bringen, auch wenn er sich zum Opfertod noch zu schwach fände. Will ja auch der bravste Soldat, der freiwillig unter die Fahne trat, zunächst seinem Lande helfen, nichf sich selbst aufopfern, vielmehr wird er die stille Hoffnung hegen, von Tod undVerstümmlung verschont zu bleiben. Genug, dass der Soldat sich mit Bewusstsein der Gefahr preisgab, die, wenn •es gilt, sich in den Reihen der Kameraden als blindwütender Zufall entlädt. Auch wir Nationaljuden sind darauf gefasst, dass der Antisemitismus beute oder morgen einen von uns aus den Reihen der Judenschaft herausreisst und allem Leid und Schimpf überantwortet. Unsere Opferbereitschaft, unser nationales Pflichtgefühl, diese sittliche Basis zionistischer Weltanschauung, zu pflegen und zu stärken, dass der grosse Moment auch den unmittelbar betroffenen Juden zum grössten Opfer, zum Opfertod für sein Volk rubig bereit finde, ist die hehrste Aufgabe einer ehrlichen und weitsichtigen nationalen Politik. Dieser Politik wird gedient, wenn wir, die man als Demagogen verschreit, verschmähen, die — ach so populäre — Begnadigungsaktion für Hilsner mitzumachen. In der sittlichen Erziehung und Gesundung unserer selbst und unserer Brüder suchen wir den „Erfolg“. Der Jude, der jene Begnadigungsaktion vor seinem Gewissen verwirft, hat 'damit zugleich sich selbst um etwas geläutert, und zu einem, Mehr an Öpferbereitschaft geschult Den gedankenlosen Applaus aber, der den Sofiensaal programmgemäss erfüllen wird, gönnen wir den gnadensüchtigen Herren Dr. Bloch und Elbogen. Wir Zionisten haben kein Teil daran. . _ - .; Dr. E. M. Zweig. kehr Zionistische KolonisaSoit!^0^1^ Von Adolf B öh na. HL 'an Die Paiestine Land Development Co. DiePalestine Land Development Company stellt den Beginn der zionistischen Kolonisation dar. Ihre Anlage entspricht allen Anforderungen, welche auf Grund der in Palästina gewonnenen Erfahrungen und der Erkenntnisse der sozialen und ökonomischen m Wissenschaften an einen Kolonisationsplan gestellt werden können.*) Die hauptsächlichsten Fahler der bisherigen Ansiedlungsmethoden werden' dabei vermieden. Die Kolonisten werden nach ihrer Tauglichkeit zur Landwirtschaft sorgfältigst ausgesucht und stehen einige Jahre unter Administration. Während dieser Zeit können sie sich an das Klima gewöhnen, dem Milieu anpassen und j rationelle, für die Kulturen des Landes geeignete Agrarkulturmethoden erlernen. In dieser Zeit gemessen sie keine Selbstständigkeit und tragen keine Verantwortung. (Die Rothschildkolonisten mussten zwar die Vorschriften der Administration ausführen, waren aber sonst selbstständig und hatten daher sowohl die Folgen ihrer eigenen Fehler als auch der von der Administration begangenen zu tragen.) Während dieser Lehrzeit werden sie durch Gewinnbeteiligung an dem Ertrag des Gutes interessiert, dadurch zu Höchstleistungen angespörnt und in die Lage versetzt, sich soviel zu ersparen, dass sie nach Ablauf der Lehrjahre eine Landparzelle von der Gesellschaft erwerben können. (Bei den RothschildschenKolonisten lähmte das Bewusstsein, einen reichen Wohltäter als Stütze hinter sich zu haben und die Unsicherheit der Besitzrechte die Tatkraft der Kolonisten.) Der Betrieb wird nicht nur extensive Landwirtschaft (Körnerbau) und Viehzucht umfassen, sondern auch langsam zu intensiven Kulturen (Pflanzungen) übergehen. Durch diese Mannigfaltigkeit wird eine Verringerung des Risikos erreicht, (bei den Rothschildschen Kolonien wurde in einer Ansiedlung ott nur eine Kultur, z. B. Wein gepflegt, so dass Wohl und Wehe der Kolonie von den Absatz- und Preisverhältnissen eines Artikels abhieng) und eine gleichmässigere Verteilung der Arbeiten auf das ganze Jahr ermöglicht. Der allmähliche Uebergang von extensiver zu intensiver Wirtschaft wird nicht nur die Kolonisten an immer schwierigere und mannigfaltigere Arbeiten gewöhnen, sonderb Auch die Erträgnisse der Wirtschaft und die Zahl der Menschen, die ein bestimmtes Bodenstück ernähren kann, steigern. Nach der Vollendung der Ausbildung des Kolonisten sorgt die Gesellschaft, deren Kapitalien dabei eine ganz güte Verzinsung finden werden, für seine An Siedlung. Der. Kolonist der etwas erspart hat lind soweit vorgebildet ist, um auf eigenen £) Vergleiche dazu den Artikel: .Ein •ch*r Koloni8aiionsvereuch‘ in Nr. 4 .;; 'ittes. ziomsti- _. . dieses Bll tionen zu stellen. Fiir „Krämerseelen, welche verlangen, dass sieh die Jiuden vor allem um ihre eigenen Interessen kümmern sollen“, hat er nichts als Verachtung: „Alle Revolutionen.“ ruft Herr Setzer in seiner Volkere dnerbegeisterung, „sind die mednigen. Ich bin ein Sohn des grossen ewigen Volkes, welches für die ewigen Rechte und für die reinsten menschlichen Regriffe kämpft. Alle grossen moralischen Bewegungen sind, von uns herrorgerufen. Wir Juden sind gewöhnt, in den ersten Reihen eines jeden Kampfes für Freiheit und Recht zu stehen. Die alte Welt haben wir vor tausenden Jahren mit der Kraft unserer Ideen gestürzt. Die neue Welt, die auf den Trümmern der alten erbaut ist, ist auch schon faul und wir halben noch unsere revolutionäre Mission zu erfüllen.“ So hätten wir also eine neue Mission! Kaum haben uns die deutschen Reformrabbiner die eine Mission aufgebürdet, die Weltpfaffen des Monotheismus zu sein, beschert uns Herr Setzer eine neue: die Söldner für die Weltrevolutionen abzugeben. Unzählige Pogrome, Unterdrückungen, Verfolgungen, Ströme jüdischen Blntes,. das ist nichts: trotz alledem sind wir die prädestenierten Söldner für die Welitrevolutiöuen! Wir wollen nichts sagen .—- aber der Einfall des Herrn Setzer ist doch ein wenig ... sonderbar! V enn wir noch die zwei folgenden Kriti- J'kel bezeichnen wollten, so hätten ken als ArtiE?*®11 publizistischen Teil des wir den msan^^-Heftes erwähnt. Die erste ersten Haspln'!.* Impressionistische Betrachtung Kritik ist eine i Brenners Drama „Jenseits der Bar-Tobias über # eiae spitzfindige Abhanfl- Grenze“ die ZWei“k€r -^tur bei Schalem hing Feitelsolms itiken beschäftigen sich leider Asch“' Beidp irr;£r Künstler erzählt oder ge- ..™ » « **m“. Q»*imalt hat“ und ndcF6* He£t genügend gut — tativ ist somit d -tigelhaft. qualitativ sehr ms es um <kirL belletristi- Viel ärger nc^s bestellt. Im ganzen zwei sehen Teil des HePiel“ v<m K. L- Sdhnan und kleine Sachern „Sp*55611“ P™0 arabische Le- „Sterhen durch” l^ Musa- Die arabisehe Legende von Chawa.,} weiliS künstlerischen Wert, gende hat noch eifPiel“ absolut keinen. Der das Silmansdie „Ser: Der Vater istabwesend: Inhalt ist foIgend|er sind zu Bimse und Mnttpr und rrw.iJnnh des Pogroms. Heute ist iSX dt Die TÄ spielt; . der sehreekliehe hofft, dass die. Hooüa- Klavier und die w®™*® ihr Haus verschonen gans aus diesem CF«11 iin sPi«l werden die werden. Doch mil1®31’ Tür aufgerissen Scheiben eingesebiF*" ™r Scllroek wahnsinnig und die Mutter" husten aiuf das Klavier würden schlägt ikrti ehleillfort: »SPiele! sPieie los und schreit in l ' Füssen stehen zu können, hat die Möglichkeit, von der Gesellschaft ein in wirtschaftsfähigen Zustand gebrachtes Stück Land zu pachten, welches genügend gross ist, um ihn und seine Familie ernähren zu können. Das ist in diesem Blatte schon so ausführlich .dargestellt worden, dass ich mir Wiederholungen ersparen kann. Die Development Go. wird ihre Tätigkeit vorerst im kleinen Massstabe auf den Ländereien des Nationalfonds (6500 Dunam) beginnen, und wenn sie in den ersten Jahren die Feuerprobe glücklich bestanden haben wird, sie immer weiter ausdehnen. Ihr obliegt nicht nur die Ausbildung immer neuer Kolonisten, sie muss auch Land kaufen und so weit vorbereiten, dass sie es an ausgebildete Leute abgeben kann. Ihr Kapital 1,200.000 Frcs., ist angesichts der niedrigen Bodenpreise für unbebautesLand in Palästina gross genug, um auf absehbare Zeit allen Ansprüchen zu genügen, umsomehr, als durch die Pacht- und Kaufraten der Angesiedelten das ausgelegte Geld immer wieder zurückströmen und für Ankauf neuer Ländereien bereit sein wird. Die Gesellschaft wird aber auch ihren Eigenbetrieb immer mehr ausdehnen und wahrscheinlich an verschiedenen Punkten zugleich Lehrbetriebe einrichten, zumindest, worauf es für unsere Politik am meisten ankommt, immer die M ö glichkeit einer Veiviellältigung und Ausdehnung ihrer Arbeit haben, um eine stets steigende Zahl von Kolonisten ausbiiden zu können. So wird die Zahl unserer Bauern in Palästina in immer stärkerer Progression wachsen. Das Palästinaressort wird dafür sorgen,-dass durch ländliche Hausindustrie und industrielle Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte die Kolonisten und ihre Familien für die Zeit, in welcher die Arbeit am Felde gering ist, Nebenerwerb finden. ... Das Ansiedlungsbereich für die aus gebildeten Kolonisten wird ein zweifaches sein. Ein Teil wird sich den bestehenden Kolonien angliedern, namentlich aber an Düleika und El Dschumin selbst, sowie an die später einzurichtenden Lehrbetriebe. Mit der Zeit werden die Ländereien zwischen den jüdischen Kolonien, die noch nicht in jüdischen Händen sind, besiedelt werden und sodann grosse zusammenhängende Flächen von Juden bewirtschaftet sein. Ein anderer Teil wird aber vielleicht ein neues Ansiediungsgebiet suchen. Wahrscheinlich wird O stp al ästin a viele zur Ansiedlung verlocken. Durch den Ausbau der Mekkabahn ist das sehr fruchtbare Haurängebiet nunmehr vor den räuberischen Einfällen der arabischen Beduinen ge~ Eine Pogromskizze ist es. Leider gibt der Pogrom keinen günstigen künstlerischen Vorwurf ab, trotzdem sieh Schilderungen und Skizzen von Pogroms in der jüdischen Literatur der letzten Jahre eingebürgert haben. Im Lehen ist ein Pogrom schrecklich, in. der Literatur aber lächerlich und unter den Pogromskizzen ist die Silmansdie die ärgste und talentloseste. Erde, aber nicht jene, welche ihren Kündern ihren gesamten Reichtum spendet, sondern Erde, die einen Leichnam dlecken soll und! Sand, der bestimmt war, auf die geschlossenen Augen einer Leiche gestreut zu werden, waren lange Zeit der einzige jüdische Exportartikel aus dem heiligen Lande. Dementsprechend war auch um jene Zeit die Literatur des heiligen Landes tot, dumpf, von einem Leichengenieh umweht. Blätter,aus denen derModergerueh yergilhten Papieres, Perioden, aus denen einem der Dunst von brennenden Wachskerzen enhgegensclilug — das-war die Palästina-Literatur , jener Zeit. Kaum 25 Jahre sind seitdem verflossen. Ein neuer Geist von Leben' und Kampf ist in das heilige Land gekommen. Ein Kämpf zwischen Leben und Tod ist dort ausgebroehen. Zäh rangen die . beiden miteinander, bis schliesslich der Tod auf die Friedhöfe vertrieben wurde, und das Leben über Dörfer, Felder, Wäldfer und Berge—" über das ganze Land ubd auch über die Literatur seine Herrschaft he-