Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438167-2438176--0399-2439911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Palästina. Arbeiter-Heimstätten in Palästina. Die jüdischen Kolonien in Palästina litten und leidien noöh ausserordentlich unter dem Mangel an geeigneten Wjolmungen für jüdische Arbeiter. . Gäbe es heute in den jüdischen Kolonien Arbeiterhäuser, so könnten schon jetzt in verschiedene Kolonien mindestens einige tausend jüdische Arbeiter dauernde, lohnende Beschäftigung finden, und für viele von ilinen wäre die Möglichkeit gegeben, sieh später als Kolonisten niederzulassen. Damit würde die „jüdische; Unterschicht“ (nach einem Worte Franz Oppenheimers) langsam geschaffen werden, ohne die eine bodenständige jüdische Bevölkerung in Palästina nicht denkbar ist. Aus diesen Gründen hat sieh vor kurzem eine „Aiiteiter-Heimstä.ttei!-Genossenschaft“ gebildet, die als englische Gesellschaft in London registriert ist, ihren faktischen Sitz jedoch in Jaffa (Palästina) hat: sie ist dort der Leitung des Oliefs dies Palästinaamtes unterstellt. ■ Die Genossenschaft gibt Anteile zu einem Pfand (20,40 Mark) heraus, die jährlich mit 3 Prozent verzinsbar sind, während sie selbst von den Untergenossenschaften, die den Bau der Häuser ausführen, für das dargebotene Kapital 4 Prozent erhält. Durch dieses Unternehmen wird es möglich sein, eine grosse Anzahl von Häusern auf einmal zu erbauen, wodurch wieder eine bedeutende Verbilligung sowohl der Baukosten wie des Rohmateriales erzielt wird. Es ist beabsichtigt, die Verzinsung und Amortisation so zu regeln, dass es den Arbeitern möglich, wird, nach einer Heike von Jahren Besitzer der von ihnen bewolmten Häuser zu werden. Gleichwohl wird es sich erreichen lassen, dass die Mieten noch erheblich geringer sein werden, als bisher üblich- .Von einigenwenigen Freunden sind, für die Genossenschaft bereits einige Tausend: Mark gezeichnet worden, und es steht zu erwarten, dass, wenn die Gesellschaft erst mit UnterstiiiiKumg der palästön&freundliclieja Presse in weiteren Kreisen bekannt geworden sein wird, sie in kurzer Zeit wird ans Wierk gehen können. Zahlstelle für die Genossenschaft ist die Jüdische Kolonialbank (Jewish Colonial Trust), London: Zeichnungen nimmt das Berliner Bureau, Berlin W. 15, Uklandsr. 175, entgegen, das auch alle näheren Auskünfte erteilt. — Diese Arbeiter-Heimstätten-Genossensehaft verdient die wärmste Unterstützung, da. sie ein wirtschaftlicher Faktor ersten Banges werden kann, indem sie den jüdischen Arbeitern ermöglicht, mit den Arabern in einen erfolgreichen Wettbewerb zu treten, die bekanntlich infolge ihrer Bedürfnislosigkeit häufig die billigeren Arbeitskräfte darbieteini Die Tschechen sind begabt von Katur, Sie haben eine grosse Kultur! —• So zum Beispiel — um klar zu sein — Wohnt bei uns inNeutitseliein-— „Was?!“ fiel der Herr Kohden ein, „Sie sind auch aus Neutitschein? Kennen Sie in dieser Stadt Vielleichtvdie Familie RosenLlatt?“ Herr Botenhain ward wie Kalle so bleich Und antwortete nicht sogleich, Dann aber frag er mit leisem Hohn: „Kennen Sie die Familie Kohn?!“ Und da sie einander ins Auge sah’n, Fingen sie beide zu lächeln an, Zuerst verlegen mit leisem Bangen, Dann aber bekowed und unbefangen Und rufen schliesslich fast auf einmal: „Wieman sich trefft im Ampe-zzot all“ Beda. : J.v --:-• The Pa'estine Land Developement Co. Ltd. Auf Stellung der bis zum Februar 1908 für obige Gesellschaft gezeichneten Beträge: , Deutschland Pfund Sterling 578. j Belgien 38. Holland 90. England 10. | S e r b i e n 35. S e h w e d z 25. j Oesterreich: Wien-: Ing. Joh. Kremienezky , Wien (2 Gründleraktien) Pfand Sterling 100. Kaiser! Bat Karl Hirsch, Wien, 20. Adolf Böhm, Wien, 5. Heinrich Lederer, Wien, 5. Emil Stein, Wien, 1. Nathan Deutsch, Wien, 1. Emil Kafka, Wien, 1. S. T., Wien, 1. Enns;■ Fisdkl, Wien, 1. Dr. H. Wertheimcr, Jannätz 2. Rabbiner J. Sagher, Innsbruck, 2. Ludwig BoPhr, Leoben, 4. Sidoivie Böhr, Leoben (I Gründeraktie) 50. Zusammen 193. Böhmen. Teplitz: Frau Elisabeth Perntz Pfund Sterling 10. Emst Bechert 5. Jüdischer Volksveredn „Zion“ 5. Ludwig Steimer 3. Dr. Arthur Scheuer 3. Frau Emmy 'Scheuer 2. Julius Hahn 1. — Prag: Anton Glaser 10. Emil Wehle 4. — Koten: Max Saudafc 2. Fritz Mandelik 1. —^ T r dp p -a u : Verein „Jesehurun“ 12. Zusammen 58.. Bukowina. Telegraphisch avisiert Pfund Sterling 50. Galizien. Lemberg: Karl Stande Lemberg, Pfand Sterling 5. R.-A. Dr. Heinrich Gabel, Lemberg, 5. Dr. Samuel Bappaport 5. Dr. H. Byron, Neu-Sandez, 5. — Tarnow: Di; Abraham Salz, Tarnow,'5. Debora Klein 5. Eduard Schwager 5. Osias Wiaschitz 5. Josef Traun 2. Josef Saf-ier 5. Sc-haja Silberpfennig 5. Nüehim Erdstein, Stanislau 1. Zusammen 53. Rumänien: Pfund Stelling 22. Bussland. Bis zum 1. Februar waren in Russland gezeichnet Pfund Sterling 133. Indem wir das Verzeichnis der bisherigen Mitglieder der Palestine Land Development Co. . veröffentlichen, sprechen wir die Hoffnung aus, dass die vorläufig noch rückständigen Gesinnungsgenossen in . den, nach ten. Ausweisen .figurieren werden. Das Palästina-Ressort des E. A. C. gez. Prof. 6. Warburg. * * ' * Eine neue Kolonie in Palästina. In der Nähe der Kolonie Petaeh-Tikwah wurden namens des deutschen Rabbiners Doktor Salvendi durch die Anglo Palestine-Company zweitausend Dunani Land zur Begründung einer neuen Kolonie gekauft. * * Vom Deutschen Hilfsverein. Mit grosser Freude publizieren wir nachstehenden Bericht über die letzte Ausschusssitzung des Deutschen Hilfsvereines. Es geht daraus hervor, dass der Hilfsverein mit seiner Arbeit in Palästina sich auf dem richtigen Wege befindet. Den beiden Grundproblemen dieser Arbeit: Der nationalen Erziehung und der Ausbildung von Kolonisten gilt das Interesse jenes ausgezeichnet geleiteten Vereines und seine bisherige Tätigkeit in Palästina gibt Zeugnis, mit welch hohem Verständnis er die .Aufgaben löst, die er sich auf diesen Gebieten stellt. Nachstehend der Bericht: Am 16. Februar fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des gesehäfasfiihrenden Ausschusses des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt. In derselben wurde zunächst festgesetzt, welcher, Tag dem Zentralkomitee für die Generalversammlung des Hilfsvereines vorgeschlügen werden soll. , Unter lebhaftem. Beifall der Anwesenden dankte Herr James Simon Herrn Dr. Nathan dafür, dass er durch eine mühevolle viermonatliehe Studiennnd Inspektionsreise nach dem Balkan, der europäischen und! asiatischen Türkei das Werk des BÜlfsvereines von neuem wesentlich gefördert habe. Herr Dr. Nathan lieht hervor, dass ihm sein Reisebegleiter, Herr Privatdozent Dr. Mittwoch, als Orientalist die wesentlichsten Dienste in den Ländern des Orients geleistet habe. Alsdann erstattete Herr Dr. Nathan in grossen Zügen Bericht über seine Reise. Der Vortragende ging speziell auf das gegenwärtig bereite bestellende Schulweik d'es Hilfsvereins in Palästina ein und entwickelte die Aufgaben, die auf dem Gebiete des Schulwesens in Palästina noch der Lösung harren, und deren allmähliche Verwirklichung der Hilfsverein anzustreben habe. Zur allgemeinen lebhaften Befriedigung der Versammelten konnte er feststelleu, dass er bei vorurteilslosester Prüfung die sämtlichen Institute des Hilfsvereines im Orient vortrefflich organisiert gefunden habe, und dass die Prinzipien, die für den Aufbau und Lehrplan derselben massgebend. gewesen seien, sich in jeder Richtung bewährt haben. Die Anstalten des Hilfsvereines sind, von Anfang an den Anschauungen der religiös gesinnten jüdischen Bevölkerung des Landes angepasst worden und sie halben sieh auf dieser Basis gesund entwickelt. E s liat sieli auch in vollem Masse bewährt, dass der hebräischen Sprache eine grundlegende Bedeutung e i n g e r ii u mit w u r d e, und dass sie sehon vom Kindergarten an gelehrt wird. Nach der Entwicklung, die die Verhältnisse insbesondere -in Palästina genommen haben, ist die hebräische Sprach: eine lebendige Sprache geworden, das Hauptverständigungsmittel zwischen unseren Glaubensgenossen mit verschiedener Sprache, die aus den verschiedensten Ländern stammen, aus Innerasien, aus Persien, aus Südarabien und aus Osteuropa, oder Abkömmlinge der spanischen Emigranten sind. Herr Dr. Nathan legte des näheren dar, ■dass hebräisch und die Landessprache — arabisch bezw. ‘türkisch — in allen Selm-len des Orients, Volksschulen wie höheren, das unentbehrliche Spraehwiissen darstellen müssen, dass man eine oder die andere europäische Kultursprache, je nach den örtlichen Bedürfnissen in grösseren Handelszentren dann noch hinzufügen müsse. Nur wo ein reales Bedürfnis dafür vorliegt, ist «die Kenntnis einer Kultursprache ein ■Segen; in anderen Fällen — z. B. vielfach in ganz kleinen zerstreuten Ortschaften auf dem Lande — biete der Besitz einer KuLturspraehe einen verhängnisvollen Anreiz zur Auswanderung und die Steigerung der jüdischen Auswanderung müsse nach Möglichkeit hintangehalten werden —; es müsse, ferner bezüglich der Wahl der zu lehrenden Kultursprache individualisierend verfahren werdeu, je nach der Verschiedenheit der Verkehrs- und der Handelsbeziehungen der grösseren Orte. Dabei fällt freilich dem Hilfsverein eine grosse Aufgabe zu,' da die Ausdehnung des deutschen Handels im Orient stetig wachse. Der Referent wies alsdann noch auf die ausserordentliche Bedeutung hin, die die zeitgemässe Ausgestaltung des Talmud-Thora-Unterrdchtswesens für den Orient und insbesondere für Palästina besitzt, und er teilte mit, dass er ein prinzipielles Einverständnis über das, was auf diesem Gebiete zu geschehen hat, mit den beteiligten Kreisen herbeigeführt habe. Der Ausschuss gab seine Zustimmung dazu, dass der Hiifsverein für eine solche Unterstützung der Talmud-Thora-Sehulen Mittel zur Verfügung stelle. An der religiösen Unterweisung soll nicht das Geringste geändert werden. Hingegen soll der Lehrplan erweitert werden durch .Anfügung hebräischen und arabischen Sprachunterrichtes. Auch die Realien sollen in hebräischer Unterrichtssprache gelehrt werden, so dass die jungen Leute besser für das praktische Leben vorbereitet die Schule verlassen. Auf diese Weise wird.die künftige Generation von der Qhalukah unabhängiger. Der erste Schritt auf diesem Wege wurde durch Bewilligung einer den Bedürfnissen entsprechenden ‘Summe für die Talmud-Thiora- Sehule der Sephardkn in Jerusalem gemacht. Es wurde mit Freude begriisst, dass die , sephardischen Gemeinden in.gleicher Weise wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.