Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Russland. Die Judenfrage in Finnland. Finnland. Hin und wieder wird die Welt durch die Nachricht von einer Reform der judenfeindlichen Gesetze in Finnland alarmiert. Die ängekündigten Reformen sind aber noch immer nicht durchgeführt. Nun verlautet es wieder, dass die Sozialdemokraten eine Petition, die die Gleichberechtigung der Juden verlangt einb rin gen wollen. Man muss sich nur wundem, dass die Sozialdemokraten, deren beste Kämpfer Juden sind, es so lange hinnehmen konnten, dass in einem Lande, woselbst die Frauen aktives und passives Wahlrecht besitzen, nur die Juden rechtlos s i n d. Ob man dieser Petition Folge geben wird, ist mehr als fraglich. Wenn dies auch geschehen sollte, so berechtigen die bisherigen Erfahrungen nicht zu der Hoffnung, dass die Not der Juden Finnlands dadurch vollständig.geh eilt wird. Vorläufig hat die Nachricht von der Aktion der Sozialdemokraten bei den .Altfinnen, die Ultraantisemiten sind, die heftigste Opposition hervorgerufen. Auch die Jungfinnen verhalten sich ablehnend. Sie motivieren ihre Haltung mit dem Argumente, dass im Falle einer Gleichberechtigung der finnischen Juden, die russischen in das.Land strömen und den Einheimischen Konkurrenz bieten würden. Die russische Presse, voran die „Now. Wremia“, machen in Russland gegen die Petition Stimmung. Somit ist die Freude der finnischen Juden verfrüht und man muss kein Prophet sein, um Voraussagen zu können, dass auch die neueste Nachricht nichts als blinder Lärm bleiben wird. Eine.Hochschule für hebräische Wissenschaften* Petersburg. Vor einigen Tagen fand hier die Eröffnung einer Hochschule für hebräische Wissenschaften statt. -Das Lehrprogramm umfasst folgende Gegenstände: semitische Sprachen und Literaturen, vBibelkunde, Talmud, jüdische Geschichte und Redigionsphilosophie, Geschichte des alten Orients, Pädagogik und Didaktik. Als Professoren der neuen Hochschule fungieren der bekannte jüdische Historiker Dubnow und die Orientalisten Baron Günsurg und Askenasi. Aufnahme finden in dieser Hochschule Absolventen der Mittelschulen und Personen, welche die Eignung dazu besitzen. Kiew. Bekanntlich wird jetzt in "Russland genau darauf geachtet, dass die Verordnungen über das Wohnrecht der Juden genau durchgeführt werden. Aus allen Städten kommen Nachrichten von plötzlichen Ausweisungen und nächtlichen Arretierungen. Hierzu erhielt der Hilfsverein der deutschen Juden aus Kiew folgendes Telegramm: „Die Kiewer Polizei veranstaltet neuerdings förmliche Treibjagden auf diejenigen Juden, die ihr Wohnrecht in Kiew nicht nach weisen köunen. •Gestern nachts wurden 40 Juden arretiert, die per Schub auf dem Etappenwege nach ihren Wohnorten zurückgebracht wurden.“ Auf dieses Telegramm hin hat der Hilfsverein der deutschen Juden gemeinsam mit dem Frankfurter Komitee für die osteuropäischen Juden, für die Geschädigten der abgebrannten russischen Städte Razelowo, Uchan, Malati und Rutzki 4250 Mark überwiesen. Jüdische Einkaufsgenossenschaft. Gadutischki. (Wilnaer Gouvernement.) Die hiesigen Kleinhändler haben eine Einkaufsgenossenschaft gegründet. Anstatt wie früher einzeln beim Eugrossisten um teueres Geld schlechte Ware zu kaufen, beziehen sie jetzt ihren Bedarf direkt aus der Fabrik. Am Ende jedes Jahres teilen sich die einzelnen Mitglieder in den Gewinst der Genossenschaft. Wir führen diese interessante Tatsache an, damit unsere Kleinhändler in Galizien und in der Bukowina sich daran ein Beispiel nehmen, denn abgesehen von den Vorteilen, die ihnen eine Genossenschaft bieten würde, könnten sie auch dadurch der Konkurrenz der „Kölka rolnieze“, die so viele Juden an den Bettelstab gebracht haben, entschiedener entgegentreten. England. Antisemitismus in England. Leeds. Der Antisemitismus ist in England eine seltene, aber deshalb nicht ganz unbekannte Erscheinung, wie das Vorgehen des Besitzers des Grand Restaurant in Leeds zeigt. Dieser hatte in dem ersten Stockwerke des Restaurants ein Cafe eingerichtet, zu dem er Juden den Zutritt verweigerte. Die dortige jüdische Gemeinde protestiert nunmehr gegen eine Erneuerung der Lizenz des Restaurantbesitzers, welcher erklärte, dass er auf gute Kundschaft rechne und und dass diese Kundschaft nicht mit Juden in einem Raume sitzen wolle. Jüdische Kolonialbank. London. Am 23. Januar fand in London eine Sitzung des Direktoriums der Jüdischen Kolonialbank statt. Die Beratungen betrafen hauptsächlich die Gründung einer Bankfiliale in Konstantinopel. Es wurde beschlossen, in Konstantinopel gemeinsam mit einer dort ansässigen Firma ein neues Unternehmen zu gründen, dessen Hauptbureau in London domizilieren soll. Das autorisierte Kapital der neuen Bank beträgt 1ÖÖ.000 Pfund (zwei Millionen Mark). .Das erste Direktorium der Gesellschaft soll mit dem der Jüdischen Kolonialbank identisch sein, ausserdem wird die beteiligte Firma im Direktorium einen Sitz haben. Alle für die Begründung der neuen Company erforderlichen Vorarbeiten sollen sofort getroffen werden, damit die Eröffnung im Laufe der Monate April oder Mai erfolgen kann; Reorganisation der zionistischen Federation. London. Wir erhalten die Nachricht, dass die englischen Zionisten eine grosse Aktion entfalten wollen, um die zionistische Organisation zu vergrössern und zu kräftigen. Sie wollen sich an den Präsidenten W olfssohn mit der Bitte wenden, dass er nach England komme, um durch seine Anwesenheit die haltlosen Zustände zu beheben. Ausserdem gedenken sie hoch andere hervorragende ausländische Zionisten nach England einzuladen. ' Kandidaten der „Jüdischen Nationalpartei“ für den galizischen Landtag: (Originaltelegramm der „ Jüdischen Zeitung“.) Lemberg, den 20. Februar 1908. Bei der gestern stattgefundehen Sitzung des zionistischen Zentralkomitees wurde beschlossen, folgende Kandidaten aufzustellen: Doktor Markus Braude für;Brody, Dr.David Malz für Stryj, Reichsratsabgeordneter Adolf Stand für Lemberg. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Dr. Artur Ruppin in Wien. Wien. Der jüdische Kolonisationsverein veranstaltet am 27. d. M., abends 8 Uhr, im Festsaate des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines, I., Esbhenbachgasse 9, seinen III. Vortragsabend. Herr Assessor Dr. Artur Ruppin aus Berlin wird über .Die wirtschaftliche Lage der Jaden in Palästina“ sprechen. Eintritt frei, gegen Vorweisung der Einladung, die im Sekretariate des Vereines, II., Nestroygasse 4, zu haben ist. Wien. (HebräiseherKonversationsklub). In der nächsten Zusammenkunft, die, wie üDlich, Samstag, den 22. Februar, präzise 7 Uhr abends im Cafö Brammer (IX. Liechtenstrasae 1) statifinder, wird Herr phil.L.Finkeist ein einen Vortrag über „die Eutwickelung der hebräischen Kultur in Palästina* halten. Gäste willkommen! _ Wien. (Jüdischer Turnverein „Fünfhaus“, XV., Herklotzgasse 21.) Am 23. Februar, 10 Uhr vormittags findet die Generalveraammmlung des Turnvein es stab Tagesordnung: Bericht, Neuwahlen, Anträge. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Gäste herzlichst willkommen. Nachmittags um halb 4 Uhr findet eine gesellige ' Zusammenkunft mit Vorträgen und anschliessendem Tanz statt. Diese Unterhaltung gilt gleichzeitig als Komitee-Vorbesprechung für das am 4. April a. c. im Verbandsheim VI., Königseeggasse siattfindende Schauturnen. — Regiebenrag inklusive Garderobe 50 Heller. PurimfesL Wien. Zu Gunsten des Konditionlosenfondes für jüd. Arbeiter und Handelsangestellte, veranstaltet ein Komitee am 24. März 1908 im Hotel .Central* II., Taborstrasse 8 eine geschlossene Maskenredoute' (Kostüm, Ball- oder Soireetoilette) kein Maskenzwang: Entree: im Vorverkäufe K 1.50, an der Kasse K 2.— Gruppenanmeldungen ehestens erwünscht. Der erste Komiteeabend mit anschliessendem Tanze findet am 26. Februar 1908, halb 9 Uhr abends im Souterrainlokale des Cafe Marienbrücke (Herz) L, Rotenturmstrasse statt. Es ergeht hiemit an Alle, welche sich für diese Veranstaltung, interessieren, die SinladuDg, bei diesem Komiteeabende zu erscheinen. Zuschriften erbeten an die Adresse: D. Nebenzahl, U.. Stefaniestrasse, Caf6 „Stefanie*. Wien. (Ball der Nikolsburger.) Samstag, den 29. Februar 1908 findet im Saale Hotel Bairischerhof, II., Taborstrasse 39 der Ball des Vereines statt. Den Vorbereitungen nach zuschlieasen wird er seine Vorgänger bei weitem überflügeln. Die Leitung des vorbereitenden Komitees liegt in bewährten Händen. Wien. (Verein Poale-Zion.) Samstag, den 22. d. fiadet im Cafe Stefanie ein Vortrag des H. Dr. Kadi sch statt, der am 29. d. M. weiter fortgesetzt wird. Die Genossen werden aufgefordert, zahlreich zu erscheinen. Teplitz-SchSnau. Anfangs. März wird G. G. Grouemann über „Westeuropäische Juden und Palästinaarbeit der Gegenwart“ sprechen. — Unsere verehrte G. G. Frau P e r u t z gründete einen Palestine Developement-Klnb in der Weise, dass Anteilscheine gegen monatliche Raten von zwei und mehr Kronen erworben weiden können. Es ist Aussicht vorhanden, dass man 30—50 Aktien absetzen werde. Direkt wurden bisher zirka 15 Stück verkauft Eine zweite Grondang beschädigt sich mit dem gleichfalls ratenweisen Erwerbe von Oelbäumen; der Anfang verspricht (es haben bereits 20 Teilnehmer gezeichnet) einen schönen Erfolg. Dem Sammeln von Briefmarken, insbesondere österreichischer Jubilänmsmarken, wird intensive Aufmerksamkeit gewidmet Wien. Die Chargenwahl' der jüd.-akad. Verbindung „Ivria“ hatte folgendes Ergebnis: Felix Winterstein X- Salomon Hornung XX, Erwin Hüttner XXX- Wien. (Akademische Verbindung „Kadimah*.) Das Ergebnis der Chargenwahien für das Sommersemester 1908 war folgendes : cand. med. Ladislaus LichtensteinX ing. Arnold Löwenstein XX* ing. Michael Schindler XXX- Wien. (Jüd. akad. Verbindung Maccabäa“. Die Chargenwahl für das Sommersemester hatte folgendes Ergebnis: cand.iur. Heinrich Kramsler X, caod. med. Aurel Gonda XX» arch. Ernst LamplXXX. Wien. (Jüd. akadern. Verbindung .Unitas“, VHL ’ Au erspergs trasse 21.) Ergebnis der Chargenwahlen für das laufende XXVHL S. S. J. U. C. Alexander S e e le n fr i edX, Techn. Rudolf L ö w XX» F X» M. U. C. Heinrich Heim XXX» Wien. Donnerstag, den am 13. d. iand im Festsaale des Hotel „Union“ eine Akademie des Vereines jüdischer Mädchen „Mirjam“ statt Die Veranstalterinnen können mit dem Verlaufe vollständig zufrieden sein. Der Schriftsteller, Heins rieh York-Steinerlas seine gediegene Novelle „Die gute Partie*— Herr Strauss rezizitierte mit Verständnis York-Steiners „Der heilige Abend*. Der achtjährige Violinvirtuose Mischa Stiwelband entzückte die Zuhörer durch Fertigkeit und Kunstverständnis. Hervorgehoben sei die glänzende- Technik des Violinvirtuosen Nikolaus Z a d r i, der aus der Geige wunderschöne Töne hervorzuzaubern verstand, sowie der Gesang des Frl. Emma Färb er, die durch ihre schöne Stimme die Aufmerksamkeit des Publikum zu fesseln vermochte. Eis wirkten noch mit die Frls. Hellmer und Colli, die Herren Grob und Hammerschlag. Wien. (Jüd. akad. Verbindung .Jvria“) Donnerstag, den 13. d. M. hielt Herr Dr. K a d i s c h mit der Bude der „Jvria* einen Vortrag über „ Oesterreichs Politik, die österreichische israelitische Union und die jüdische Nationalpartei“. Der Rednetr führte in glänzender Weise ans, dass-durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes, die deutsche Hegemonie einerseits, die magyarische Politik andererseits ihrem Ende entgegeneehe. dass insbesondere die magyarische Politik eine Umg - staltung Oesterreicn-Ungarns in national-autonomistischem Sinne erschwere und infolgedessen die einzig richtige Politik, den Balkanstaaten gegenüber unmöglich mache, da diese in Oesterreich nur den deutschen, resp. magyarischen Unterdrücker sähen. Der Referent wies ferner nach, dass die jüdisch-assimilatorische Politik, die, in OSsterrerch durch die Union verkörpert, die deutschen und magyarischen Bestrebungen gefördert habe, nicht nur mijüdiscb, sondern im höchsten Grade undemokratisch und unösterreichisch sei. Der Redner schloss seihe interessanten Ausführungen mit einer Skizzierung des Programmes der jüdischen Nationalpartei, die nicht nur von jüdischen. Sondern auch vom wahrhaft demokratischen Stati'dfiuhkte auta wärmst» zu begrüssen sei. Wien. (Jüdischer ScftufV drein für den IX. Bezirk, Wien, grüne Torgasse 19. 7. V e r e i n s j a h r.) Vor 14 Tagen hatte Herr Schulinspektor Professor Dr. Kan itz, wie alljährlich die Gute, die Vereinaschule zu inspizieren und in den verschiedenen Abteilungen einzelne Kinder zu prüfen. Derselbe hat sich' über die Leistungen in an erkennender Weise ausgesprochen. Die Schul» wird heher im VIE Verein ejahr» Von hundert Schürern be-