Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8 Parteinachrichten. Innerösterreichisches Distriktskomitee. Ausserordentlicher Distriktstag. Sonntag, den I. März a. c. präzise 10 Uhr vormittags, findet im Saale des „Zionistischen Zentralvereines“ ein ausserordentlicher Distriktstag mit der Tagesordnung statt: 1. Besprechung der gegenwärtigen Lage. 2. Neuwahlen. 3. Eventualia. . Vereine entsenden für je 25 Mitglieder einen Delegierten. Besondere Einladungen an die Vereine ergehen nicht! Innerösterr. Distriktskomitee. des Verbandes „Zion“. ' * * ■* An alle Vereine und Vertrauensmänner des innerösterr. Distriktskomitee! Schekel- und Palästinaschekelblocks sind in unserem Bureau, IX., Türkenstrasse 9, zu haben. Innerösterr. Distriktskomitee. * * * . Zur Anerkennung der jüdischen Nationalität. <• i Die jüdischen akademischen Korporationen werden eingelaäen 2 Vertreter zu einer Sitzung in Angelegenheit der Anerkennung der jüd. Nationalität an. den Hochschulen zu entsenden. Es soll die Art der Weiterführung des Kampfes besprochen werden. Ort: Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse 22. Zeit: Montag, 24. d, M., 4 Uhr nachmittags. Das Exekutivkomitee. Vom zionistischen Zentralkomitee in Galizien. In der letzten Sizung befasste sich das Zentralkomitee mit dem Rücktritte des Doktor Schalit von der Stelle eines Präsidenten des . österreichischen Landeskomitees und mit der hierdurch geschaffenen Lage. Das Zentralkomitee drückte einmütig sein Bedauern über die Demission Dft^StFlradit s=ans*=und-beschloss,-- ihmfür^sein^ bisherige Tätigkeit den Dank apszusprechen. Die Einberufung eines gosamtösterreichischen Tages der jüdischnätionaien Partei erachtete das Zentralkomitee für inopportun und unzeitgemäss. Palästina. Vom „Bezalel.“ (Von unserem Spezialkorrespondenten.) In den letzten Tagen des Jänners ist endlich der Kauf der für den „Bezalel“ in Aussicht genommenen Häuser abgeschlossen worden. Da der ein nichtjüdisches Milieu angewiesen, ohne in einer künstlerisch-jüdischen Tradition eine Stütze zu haben; Und von einer solchen „Juden-Kunst* verlangt man die Schöpfung einer jüdischen künstlerischen Gesellschaft? Das ist unmöglich. Erst jüdische Museen und Akademieen werden dem jüdischen Maler und Bildhauer ein jüdisch künstlerisches Milieu bieten und ihr Werden vom ersten Tage ihrer Erziehung bis zum Schaffensmoment beeinflussen. Dann erst wird sich eine jüdische Kunst entwickeln und eine jüdischekünstlerische Gesellschaft entstehen und dann erst wird die Judengasse ihre eigene Kunst haben und wir werden die „Anderen“ die „Fremden“ nicht mehr beneiden. Dann .... aber wann und wo wird das sein? Im Quaiviertel gewiss nicht, nicht einmal in der Leopoldstadt. 1—w. Allerlei. Nietzsche Ober die Juden. Ein bisher unbekanntes Manuskript Nietzsches veröffentlicht die „Wiener Zeitschrift für Musik“, welcher der Besitzer der Handschrift, Herr Moritz Rosenthal, die Erlaubnis dazu erteilt hat. Eine längere Betrachtung widmet dort der grosse Philosoph den Juden, über die er unter andern sagt: „Die Tschandala sind obenauf; voran die Juden. Die Juden sind im unsicheren Europa die stärkste Rasse: denn sie sind dem Rest durch die Länge ihrer Entwicklung überlegen. Ihre Organisation setzt ein reicheres Werden, eine gefährlichere Laufbahn, eine grössere Zahl.von Stufen voraus, als alle anderen Völker aufweisen können. Jude ist beinahe eine Formel für Ueberlegenheit. Eine JÜDISCHE ZEITUNG allgemeine Termin des jährlichen Wohnungswechsels („Moharrem“) in. diesem Jahre auf den 2. und 3. Februar fallt (dadurch, dass das mohammedanische Kalenderjahr. .kürzer ist als das bei uns übliche, verschiebt ‘Sich jedes Datum von Jahr zu Jahr), so ist man jetzt schon mitten in den Umzugsarbeiten. Der Unterricht und die Arbeit,' die für einige Wachen unterbrochen werden müssten, dürften in den wesentlich geräumigeren neuen Häusern bald in^grösserem Umfange wieder aufgenommen werden. Die beiden Häuser gehören .zu. den stattlichsten und höchstgelegenen Jerusalems und bieten mit dem schönen dazugehörigen Garten der Schule auch mancherlei Ausdehnungsmöglichkeit. Eg .steht zu hoffen, dass nach der nun vollzogenen Erwerbung eines eigenen Heims, unsere Jerusalemer Kunstgewerbeschule auch in jeder anderen Beidehung sicherer und unabhängiger gestellt werden wird. Es unterliegt keinem Zweifel, dass, die (kunstgewerbliche Kleinindustrie unter den jetzigen Umständen und für Jahre hinaus in Palästina weitaus die grösste Zahl jüdischer Arbeitskräfte zu beschäftigen vermag — unvergleichiich viel mehr als Landwirtschaft uhB ' Grossindustrie zusammengenommedi Nichts läge also näher, als ein schon bestehendes Inztitut wie den „Bezalel“, in Stand zu setzen; in dieser Suche die Führung zu übernehmen .respektive zu behalten, und seinem Schulwerk auch die industrielle Seite der Sache anzugliedem — wenigstens solange, bis sich auf dieser Grundlage andere Formen herausgebildet haben werden, denen die geschäftliche Ausgestaltung der Sache anvertraüt werden, kann. v i Kredit auf Immobilien. Jerusalem,. Ende Jännp.r. — Ein Plakat, das dieser Tage in der ganzen Stadt affichiert wurde, erregt grosses Aufsehen. Ein amerikanischer Jude, der gute Beziehungen zu t'haben scheint, kündigt im Namen eines amerikanischen Konsortiums an, dass Besitzer von Häuäfem gegen deren Verpfändung Darlehen auf 27 Jahre zu 7 Prozent (an Verzinsung und Amortisation) bekommen können. — Der neue Chacham-Baschi, Panisel hat nach dem Plakat das Unternehmen gutgeheissen und seine Mitwirkung; in der Aufsichtsbehörde zugesagt. So^^cem^c^üjiAjgan^e, Spphp aueh^klingt,,, (m Palfctina fetten 7J^rosient ohne Amortisation als ein günstiger Zinsfüss), so muss doch wohl etwas an der Sache' sein- Nur verlautet, dass das amerikanische Konsortium der Sache nur dann nähertreten würde, wenn eine sehr grosse Anzahl von Hausbesitzern von dem Angebot Gebrauch machen würden. Auf alle Fälle scheint es, dass Kreise, die unseren Bestrebungen ganz ferne stehen, mehr Zutrauen zu Kapitalsanlagen in Palästina haben, als selbst die Zionisten. Und es scheinen dort auch weniger Besorgnisse betreffs der' Sicherheit von Immobilieilgeschäften in der Türkei zu walten. Rasse, wie sonst irgend ein 'organisches Gebilde, kann nur wachsen oder zugrunde gehen; es. gibt keinen Stillstand. Eine Rasse, die nicht zugrunde gegangen ist, ist eine Rasse, die in einemfort gewachsen ist. Wachsen heisst vollkommen werden. Die Dauer im Dasein einer Rasse entscheidet mit Notwendigkeit über die Höhe ihrer Entwicklung: di? älteste muss die höchste sein. Die Juden sind im unbedingten Sinne gescheit; einen Juden zu begegnen kann eine Wohltat sein. Man ist übrigens nicht ungestraft gescheit; man hat damit leicht die anderen gegen sich. Aberder grosse, Vorteil bleibt doch dem Gescheiten. Die Juden allein haben im modernen Europa an die Supremate Form der Geistigkeit gestreift: das ist die geniale Buffonerie. Mit Offenbach, mit Heinrich Heine ist die Potenz der europäischen Kultur wirklich überboten: in dieser Weise steht es den anderen Rassen noch nicht frei, Geist zu haben. Das grenzt an Aristophanes, - an Petronius, an Hafis» Die älteste und späteste Kultur Europas stellt jetzt ohne Zweifel Paris dar; l’esprit de Paris ist deren Quintessenz. Aber die verwöhntesten Pariser, solche wie die Gonconrts, haben keinen Anstand genommen, in Heine eine der Spitzen des esprit Parisien selbst zu erkennen: er teilt die Ehre mit dem Prince de Ligne und dem Neapolitaner Galiani. Heine hatte Geschmack genug, um die Deutschen nicht ernst nehmen zu können; dafür haben ihn die Deutschen ernst genommen und Schumann hat ihn in Musik gesetzt — in Schumannsche Musik! „Du bist wie eine Blume* singen alle höheren Jungfrauen. Heute macht man Heine in Deutschland ein Verbrechen daraus, Geschmack gehabt zu haben — gelacht zu haben: die Deutschen selbst nämlich nehmen sich verzveifelnd ernst —“ Seite 5 Kaiser Karl und dar Täufling. Eine Ballade. Nachdruck rarbatan. Der Kaiser Karl sasa beim Fest Zu Frankenfhrt am Maine; Hell funkelte der Waffen Stahl Im lenzelichten Scheine. Der Kaiser tät an Halden reich Den Kreis der Recken schauen, Mit einem Male sah er auf Und runzelte die Brauen — Er sprach: „Herr Bischof von Lyon, Es rannt mit Eurer Base Ein schwarzer Mann mit krausem Bart Und hass gekrümmter Nase. Er trägt ein Wams nach Frankenart Er trägt wohl Schild und Speere, Doch dencht es mir beim Heliand Als ob’s ein Jude wäre!“ „Mein Kaiser!“ ruft Herr Agobard, „Ihr traft fürwahr das Rechte! Der dunkle Mann enstammet wohl Judaischem Geschlechte. Doch da er wollt an Kaisers Hof Mit Schild und Speeren kommen, Hat er von meiner eig’nen Hand Die heil’ge Tauf genommen.“ Hier hielt der Bischof ängstlich ein Mit fragender Geberde, Denn finster hub der Kaiser an Und stiess sein Schwert zur Erde. „Es ist mein Wunsch und mein Befehl: Eh’ dass die Morgen tagen Sollt Ihr den Gauch bei Königsbann Von meiner Pfalze jagen — Wer seinen alten Gott verliesa Um Prangen and am Prassen, Der wird den Kaiser, wird das Reich Und Christtum selbst verlassen! Ein Mann, der nur sein Eigen kennt Und darbt des trenen Mutes, .Von Jessen Hand, von dessen Mund Kommt nimmermehr ein Gates. Und weh' den Fürsten, die für Gold Solch feile Schelme dingen, Sie sind verraten und verkauft Mit dreissig Silberlingen!“- Beifällig dröhnte Schild an Schild, Der Tänüing schlich zur Seite Und zog in das Avarenlacd. Dort lebt sein Geist noch heute, Beda. Assimiiationspotitik als Pogrotitpolitik. (Ein Mahnwort an die jüdischen Landtags Wähler Galiziens.) Allzufrüh leider ist unsere Prophezeiung zur Tatsache geworden. Früher als wir es erwartet haben, ist die Politik der „Polen mosaischer Konfession“ an ihrem natürlichen, unausweichbaren Ziele angelangt. Das Drama, in dem die assimilatorischen Regisseure, das jüdische Volk die Rolle eines polnischen Anhängsels spielen Hessen, musste mit einem Pogrom enden und der Pogrom ist schon da: In Czortowiec bei Horodenka zertrümmerten radikale Ruthenen, ans Anlass einer Wahlmännerwahl für den gaHzischen Landtag, die Fensterscheiben in sämtüchen jüdischen Häusern dieser Ortschaft, wobei auch zwei Jaden schwer verletzt wurden. Das ist das Fazit der verbrecherischen Selbsttäuschung jener unberufenen Führer des jüdischen Volkes, die es ins Verderben gestürzt haben. Das ist die Folge des gefährlichen Sichhineindrängens in den Streit zweier Nationalitäten, das Ergebnis des beispiellos leichtsinnigen Spielens mit dem Feuer. Wussten es denn die gewissenlosen