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Jüdische Zeitung · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 7 unserem ohnedies vielgeprüften Volke eine unheilbare Wunde und lädt auf sich ein ^Odium“, wie es Herr Dr. Spitzer, der seine warnende Stimme gegen diese Massregel erhob, in der bekannten Kultusgemeindesitzung sagte. Der Verein „Schomre hadatli“ kann daherfür die Kultusgemeinde inWien ein Schiboleth mit den traurigsten Folgen werden. Es muss betont werden, dass die Tatsache, dass eineKultusgemeinjdeeinVereinsbethaus ohne konfessionellen oder rituellgesetzlichen Grund scliliesst, in der Geschichte des jüdischen Volkes ohne Beispiel dasteht. Es war daher auch eine tiefe Erbitterung aus den Reden zu vernehmen, welche in der Sitzung der Delegierten mehrerer jüdischer Vereine am 4. Februar 1908 im Cafe Stefanie gehalten wrurden. In dieser Sitzung, in der die Vertreter der Vereine „Schomre hadatli“, „Verein der Kolomeaer“, „Verein Auheve Israel“, „Verein der Brodyer“, „Marpe Lanefesch“, „Menschenliebe“ und überdies einige Privatpersonen erschienen sind, referierte Herr Dr. Josef Zipser über das Memorandum, das er gemäss eines früher gefassten Beschlusses der Vereinsdelegiertenversammlung entworfen hatte. In der .hierüber entstandenen Diskussion erklärten sich sämtliche Delegierten mit dem Memorandum einverstanden, verlangten aber überdies noch weitere Massregeln, um dem Memorandum Nachdruck zu verschaffen. Dies, wurde insbesondere vom Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Rybaczewski („Verein der Brodyer“), Herrn Dr. Drucker („Auheve Israel“) und Herrn Morgenstern („Marpe Lanefesch*) gefordert. Sohin wurde der Beschluss gefasst, das Memorandum, welches sich nicht bloss mit der beabsichtigten Sperrung des Bethauses „Schomre hadatli“ beschäftigt, sondern auch mit dem Statute der Kultusgemeinde, welches in so manchen Paragraphen weder mit dem Staatsgrundgesetze noch mit dem Kultusgesetze vom Jahre 1890 zu vereinbaren ist, in Druck zu legen, behufs Sammlung von Unterschriften an die einzelnen Vereine zu senden, und sohin dasselbe der israelitischen Kultusgemeinde in Wien mit dem Ansuchen vorzulegen, es innerhalb vier Wochen zu erledigen. Es wurden aber] auch gleichzeitig die Massregeln besprochen, welche für den Fall der ablehnenden Haltung der Kultusgemeinde zu ergreifed sind und auf die es hoffentlich die grösste Kultusgemeinde unseres Vaterlandes nicht ankommen lassen wird. Korrespondenzen. Herr Dr. Isidor S c h a 1 i t, Mitglied des A.-C., hat einen schweren Verlust erlitten. Sonntag den 3. d. M. ist sein Vater Herr Josef Schalit im Alter von 63 Jahren nach einem arbeitsreichen, dem Woble seiner Familie gewidmeten Leben verschieden. Er war ein treuer Anhänger unserer Idee und erzog auch seine Kinder in nationaljüdischem Sinne. Ehre seinem Andenken! Jüd.-akad. Verbindung „Kadimah“ in Wien. Wien. Anlässlich des öOsemestrigen Stiftungsfestes erhielten wir überaus zahlreiche Gratulationsschreiben. Ausserstande alle zu beantworten, danken wir auf diesem Wege für die uns erwiesene Aufmerksamkeit J. A. d. A. G. cand. jur. L. Rosenhek ing. J. Baltinester dzt X dzt. XXX Zionistische Arbeit in Böhmen. Gablonz a. N. Die Wanderversammlung desTeplitzer Volksvereines „Zion“, die hier am 2. Februar vom ostbölimischen Rayonkomitee veranstaltet wurde, nahmeinen sehr angeregten und für die Entwicklung unserer Bewegung an diesem Orte vielversprechenden Verlauf. Als Herr Dr. Emil Margulies, Traulenau vor dichtgefülltem Saal die Versammlung eröffnete, durfte er die offizielle Vertretung des Kultusgemeindevorstandes begrüssen. Herr Daniel Mendl begrüsste hierauf als Vorsteher namens der Gablonzer ■ Kultusgemeinde .die Versammlung und deren Veranstalter, indem er in gehaltvollen und warmempfundenen Worten seiner Sympathie für die zionistische Idee Ausdruck verlieh. Der Referent Herr Ernst Bechert aus Teplitz entwarf nun in knapper, aber plastischer Darstellung ein Bild der Lage der Juden, wobei er das spezifische, das überall in der ganzen Welt wiederkehrende „jüdische“'Moment, das was unser Unglück zur „Judennot“ macht, hervorhob, und anschaulich machte. So gelangte er in seinen Ausführungen zur Wurzel alles „jüdischen“ Elends, der Heimatlosigkeit. Dieses jüdische Elend, nicht etwa momentan zu lindern, sondern an der Wurzel zu heilen, das sei das Ziel des Zionismus und er habe dieses sein Programm zusammengefasst in die Formel des sogenannten Baseler Programms. Referent besprach sohin die einzelnen Punkte des Programms, die Mittel, mit welchen wir' es zu verwirklichen suchen, schilderte die Organisation, ihre Institutionen, unsere Arbeit in Palästina, was bereits geschaffen wurde und was im Entstehen, grenzte die Bewegung gegen andere nationaljüdische Versuche ab, wobei er noch einmal zusammenfassend die moralische und materielle Bedeutung dieser grossartigsten Anstrengung des jüdischen Volkes hervorhob. Die Versammlung, welche dem Referate in ausserordentlicher Spannung gefolgt war, spendete dem Redner und seinen Ausführungen lebhaften; Beifall. Der Vorsitzende verlas sodann 24 von verscliiedenen Organisationen Oesterreichs und Deutschlands eingelaufene Begrüssungstelegramme und forderte zur Debatte auf, welche als ernste und offene Aussprache von Juden, die sich um das Sohicksal des Volkes bemühen, der eigentliche Zweck der Versammlung sei. An der sich entwickelnden angeregten Debatte beteiligten sich die Herren Ad. Schindler, D. Mendl, M. D. Urabin, Ernst Bechert und Dr. Emil Margulies. Fragen, die auf Fragezetteln überreicht wurden, boten unseren Rednern noch Gelegenheit, die Probleme des Zionismus bei lebhaftestem Interesse der Versammlung und unter deren reichem Beifall erschöpfend zu besprechen. Der Kultusvorsteher dankte in herzlichen Worten den zionistischen Rednern, deren Arbeit er Erfolg wünschte. Der Vorsitzende schloss die Versammlung mit dem Versprechen, recht bald in allernächster Zeit wieder eine Versammlung zu veranstalten, ein Versprechen, dass!; mit lautem Bravo quittiert wurde. Gegen Mitternacht ging die Versammlung auseinander, zu welcher auch Gäste aus Reichenberg und Tannwald erschienen waren. Es wurden zahlreiche Broschüren verkauft und Flugblätter verteilt und fur .dpn N.-F. gesammelt. Erwähnt sei aus der Debatte nur noch der Vorschlag des greisen;, in. , der- Süfrkß.-und „Lebendigkeit seines. Empfindens aber noch jugendlichen und geistesfrischen Vorstehers, .der Kultusgemeinde, dass die Gemeinden dem 'grossen Rettungswerke einen Prozentsatz ihres ^Einkommens jährlich zuführen, sollten. Es war ein schöner Erfolg und ein sehr viel versprechender Anfang. Galizien. Jüdisches Rechtschutzbureau für Galizien in Lemberg. A. K. Unter Vorsitz des Abgeordneten Doktor Heinrich Gabel fand Mittwoch den 5. d. M. abends eine Besprechung statt, an .der mehrere Advokaten teilnahmen. Zweck der Besprechung war die Gründung einesjüdischen Rechtschutzbureaus für Galizien in Lemberg. Nach einem eingehenden Referate des Vorsitzenden und nach einer kurzen Debatte wurde über Antrag des Gg. Dr. Josef Loe wennerz beschlossen, das Bureau als Filiale des in Wien unter Vorsitz des Gg. Dr. Isidor Margulies gegründeten jüdischen Rechtschutzbureaus einzurichten und in das Präsidium den Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel als Obmann, Dr. Leon Rosenkranz als Stellvertreter und Dr. Samuel Rappaportals Sekretär zu designieren. Zuschriften sind an das Rechtschutzbureau zu Händen des Herrn Dr. Heinrich Gabel, Advokat, Lemberg, Podlewskiegogasse 4, zu richten. Zu den Landtagswahlen in Galizien. Lemberg. Mittwoch, am 5. d. M., abends, versammelte sich über Einladung des D.-K. in Lemberg eine grössere Anzahl jüdischer Wähler, um die Gründung eines Wahlkomitees zu besprechen. Das G.-K. war durch den Präsidenten Dr. Braude und der Jüdische Klub durch den Abgeordneten Dr. Gabel vertreten. Die Versammlung eröffnete der Obmann des D.-K. Gg. David Schreiber, und übergab den Vorsitz dem Gg. Dr. Isaak Feld. An das Referat des Gg. Dr. Hausmann knüpfte sieb eine Diskussion, an welcher sich Dr. Zipper, Abgeordneter Doktor Gabel, Dr. Braude, David Schreiber und andere beteiligten. Dr. Hausmann wies auf Grund statistischer Daten nach, dass die jüdischen Wahlberechtigten auf zwei von den sechs Mandaten der Stadt Lemberg Anspruch erheben können. Im Anschluss an die Beratungen wurde ein engeres Wahikomilee eingesetzt. Dasselbe besteht aus den Herren: Dr. Isaak Feld, Dr. Willer, Doktor Segall, Aschkenazy und Susslack. Dem Komitee obliegt die Agitation unter den jüdischen Wählern und die Einberufung von Wählerversammlungen. Ausserdem wurden folgende Anträge angenommen: . 1. Es wird die Forderung nach zwei jüdischen Landtagsraandaten in Lemberg aufgestellt. 2. Die Nominierung von Kandidaten wird für eine der nächsten Sitzungen vertagt und wird mit Zustimmung des G.-K. erfolgen. A. K, Eine Trauerkundgebung für Abraham Goldfaden in Lemberg. (Von unserem Spezialkorrespondenten.) a. k. Die engen Räume des jüdischen Theatergebäudes füllte ein höchst distinguiertes Publikum aus den intelligentesten Kreisen unserer jüdischen Bevölkerung. Bis auf das letzte Plätzchen war der Saal ausverkauft. Und das bekundete, wie sehr der Schöpfer der jüdischen Bühne, welcher sich sicherlich ein jüdisches Theater in Lemberg viel schöner und besser gedacht haben mochte, nicht nur bei dem Samstag- und Sonntag-Publikum, sondern auch bei den selteneren Besuchern der jüdischen Schaubühne populär ist. Alle Anwesenden verharrten in feierlicher Stille, denn sie wussten, dass sie heute über Einladung der hiesigen, in diesem Jahre unter der Leitung des Gg. David Schreiber besonders rührigen Toynbehalle, sich hier versammelt haben, um ihre Trauer, über den allzu frühen Hingang eines Volksdichters zu bezeugen. Um 8 Uhr ging der Vorhang auf. Auf die Bühne'trat Dr. Viktor E. Pordes. Ein guter Kenner des jüdischen Theaters und seiner Entwicklung, versuchte er die äusseren Beweggründe und Ursachen zu schildern, welche zur Gründung der jüdischen Bühne führten und welche ihr notgedrungen diejenige Form gaben, die sie von Goldfaden erhielt. Redner gab eine kürze Schilderung und bunten Lebenswandelh des Dahingeschiedenen, zeichnete alle Etappen seiner Wanderungen und charakterisierte seine Schöpfungen. Er würdigte den Einfluss seines Lebenswerkes auf die breiten Volksmassen. Und wiewohl sich die jüdische Intelligenz mit dem Niveau der heutigen jüdischen Bühne nicht zufrieden geben kann, muss man doch anerkennen, dass Goldfaden das Fundament' zu > 4inenr ■ grossen und; schöneni Gebäude gelegt hat, dessen Umgestaltung und Ausbesserung eben in unseren Händen, das ist der intelligenteren Schichten des jüdischen Volkes, ruht. „Und wie weit Goldfaden unsere Achtung verdient — schloss der Redner seinen in prachtvoller leider polnischer und nicht jüdischer Sprache gehaltenen Vortrag — wie sehr die Liebe der jüdischen Volksmassen zu ihm berechtigt ist, werden wir aus der folgenden Aufführung seiner weltberühmten Oper „Sulamith“ beurteilen können“. Aber leider konnte man von der darauffolgenden Aufführung dieses schönen Bühnenwerkes keine gute Meinung über diesen Schöpfer und den Wert seiner Musik mit nach Hause tragen. Aber selbstverständlich ist nicht Goldfaden daran schuldig, sondern die Regie der hiesigen Theatergesellschaft. Die Musik von „Sulamith“ ist bereits von Autoritäten anerkannt worden, aber das hiesige Theater schien alles daransetzen zu wollen, um jede Wirkung zu zurstören. Der Chor versagte und im allgemeinen wehte eine blasse und kalte Stimmung von den Breitem in den Saal. Auswanderung aus Russland. Brody. In den letzten drei Monaten haben nach Angabe des Informationsbureaus für jüdische Emigranten 4757 Juden die österreichische Grenze passiert, um nach Amerika auszuwandem. Ueber die Zahl der Emigranten, die den Weg über Deutschland genommen haben, liegen keine genauen Daten vor. Jüdisch-politische Vereine. TarnÖW. Hier hat sich ein jüdisch-politischer Verein konstituiert. Die Allpolen sind darüber entrüstet. Trotz der Reichsratswahlen und der Erfolge, die die jüdischnationale Idee in Galizien aufzuweisen hat, können sich die Polen noch nicht zu dem Bewusstsein bequemen, dass die Juden ein selbständiges, politisches und nationales Leben zu führen beginnen. Sie sind erstaunt und empört, dass die Juden der unwürdigen Naehlauferei bereits müde sind und wollen nicht einsehen, dass die jüdischnationale Bewegung in die finsteren Massen der galizischen Städte und Städtchen neues Leben gebracht hat. Besonders 1 unangenehm berührt fühlen sie sich von dem selbsständigen Eingreifen des jüdisch-politischen Vereines in die Wahlvorbereitungen für die Personalsteuer- Einschätzungskommission. Wenn es. nach ihrem

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