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Jüdische Zeitung · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 Nr. 6 JÜDISCHE ZEITUNG mit Vorsicht äufgestellt und ergibt nach Vornahme erheblicher Abschreibungen für Amortisation von Gebftuden, Maschinen und Geräten und für Selbstversicherung beim lebenden Inventar einen jährlichen Gewinn, von ca. 11% auf das in der Wirtschaft angelegte Kapital von 120.000 Frei?. ' Zeichnungsschein. Ich verpflichte mich hierdurch (Anzahl).. Anteile der „The Palestine Land Development Company“ zu je (ein Pfund) zu übernehmen. Den Betrag von.Ü? (in Worten... 5fund Sterling) habe ich abgesandt au: The Je wisch Colonial Trust London E. G. Walbrook, Brook House, Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin N. W. 7, Unter d. Linden 59, J. L. Goldberg, Wilna (Piussland). _Datum .-..Name... (Bitte recht deutlich schreiben.) An Herrn Prof. Dr, 0. Warburg, Berlin W. 15, Uhlandstrasse 1.7. * * * Brief aus Palästina. [(Von unserem Korrespondent^.) d. /. Eine jüdische Mühle in Jab ne. — Dieser Tage wurde, eine kleine Landtransaktion bewerkstelligt, die insofern von Interesse ist, als sie die erste Landübertragung an Juden unter dem gegenwärtigen Gouverneur darstellt. Zwar haben hier spezielle Verhältnisse mitgewirkl, so dass man daraus noch keine allgemeinen Schlüsse auf die Zukunft schliessen kann, aber immerhin ist das Faktum von Interesse. — Auch sonst verdient die. Sache spezielle Beachtung, weil Jabne eine Station auf der Fahrstrasse Jaffa— Gaza und zudem ein wichtiges Zentrum ist. Jabne hat ca. 3000 Einwohner, liegt je eine Stunde von R e c h o b o t h und von E k r o n entfernt und ist von Jaffa aus per Wagen in zirka drei Stunden zu erreichen. Die Mühle ist unweit vom Dorfe an, der Strasse nach Jaffa gelegen; ihre neuen Besitzer sind Kolonisten aus Rechoboth. Zur Mühle, die wesentlich vergrüssert werden soll, gehört auch etwas Land mit Brunnen etc. Jabne ist in alter Zeit eine bedeutende Stadl gewesen,- ihr Hafen (eine Stunde weiter östlich) war einstmals belebter als der von Jaffa. Bekannt ist, dass Jabne der Sitz der Schule Jochanan ben Sakkais war. Zutreffendes ist zu unterstreichen. Ort. . Ertrag von Oelbäumen.— In Rechoboth wurden im letzten Herbst von einigen noch nicht ganz S Jahre alten Oelbäumen (die zweijährig von der Baumschule genommen waren) je 60—80 kg Oliven im Werte von zirka 9— 12 Eres, geerntet und man hofft in zirka zwei Jahren (also bei den noch nicht zehnjährigen Bäumen) dasselbe Resultat als Durchschnitt zu. erzielen. Dies enspräche einer Rentabilität von fast 100 Prozent jährlich nach 10 Jahren, während manauf einen bereits lohnenden Ertrag kaum länger wird warten müssen, als bei den in der Anlage wesentlich kostspieligeren Orangerien. — Dieses Resultat stimmt übrigens auch mit den Angaben von. Au ho gen überein, der in seinem neuen, vorzüglichen Werke*) einen Ertrag von 10— 15 Frcs. per Oelbaum als im Kleinbetriebe möglichen Durchschnitt erwähnt. Welche Bedeutung die Olivenkultur für ein geeignetes Land haben kann, erhellt auch aus folgendem Beispiel: Die griechische Insel Corfu hat 712 Quadratkilometer und 92.000 Einwohner, also zirka 130 Einwohner per Quadratkilometer. Neben Weinbau, Orangen-, Zitronen- und Feigenkultur ist ihre hauptsächliche Baumkultur die des Oelbaum es. Es gibt auf der Insel über acht Millionen Oelbäume, also zirka 110 per Hektar oder 85 per Kopf der Bevölkerung!**) Eine jüdische Kalkbrennerei bei Ramleh. — In En-Nebi bei Ramleh wurde kürzlich von einem Juden namens Broh eine Kalkbrennerei errichtet, wovon er mittels dreisprachiger Plakate (hebräisch, arabisch und deutsch) einem verehrlichen Publikum Kenntnis gibt. Die Sache verdient insofern Erwähnung, als die Fabrikation solcher und ähnlicher Baumaterialien bei der jetzigen lebhaften Baubewegung in allen Städten *) Hubert Auhogen: „Beiträge zur Kenntnis der Land-snatur und der Laudwiitsch. ft Syriens“ (mit 48 II luatrat onen). Berlin 1907. Verlag Paul Parey Preis 2 Mark. **) Deber „Olivenbau für Palästina* siehe auch den' gleichnamigen Artikel von Davis Trietsch in „Palästina“ 1902,' Seite 211 bis 227. sehr rentabel ist. Juden haben diesen Geschäftszweig bisher fast völlig vernachlässigt. Es ist bekannt, dass in der letzten Zeit vom „Bezalel“ eine grössere Anzahl jüdischer Steinhauer ausgebildet . wurde. Weniger bekannt ist, dass auch die englisch-christliche Gesellschaft fiir verfolgte Juden (Society forthe Relief of per-secuted .Jews) seit vielen Jahren eine grössere Anzahl von Juden mit Steinbrucharbeiten und Steinhauerei beschäftigt.***) Auf alle Fälle scheint es, dass die Juden Palästinas sich bald dem Baugewerbe und verwandten Berufsarten mehr als bisher zuwenden werden. Die rege Bautätigkeit der Juden in Jerusalem und einschlägige Projekte für Jaffa etc. dürften diese gesunde Entwicklung beschleunigen. Rabbi Jakob Mei'rs Abreise nach Saloniki. — Vor einigen Tagen trat der im Kampfe um das Jerusalemer Grossrabbinat unterlegene Jakob Mei'r seine Reise nach Saloniki an. Bei dieser Gelegenheit wurden ihm zahlreiche Beweise der Hochschätzung zuteil, die die fortschrittlichen Elemente Jerusalems ihm entgegenbringen. Bekanntlich wurde seine Wahl zum Chacham Baschi von Jerusalem wegen gewisser damit verbundener Vorgänge nicht genehmigt und auch für das Rabbinat von Saloniki, wo er später gewählt worden war, blieb zunächst die Bestätigung aus. Auf dringende Vorstellungen der grossen Saloniker Gemeinde gelang es jedoch schliesslich, die grossherrliche Zustimmung zu erlangen. Ekron: Die hebräische Bibliothek hat eine bedeutende Bereicherung erfahren. Fast sämtliche Einwohner der Kolonie haben dazu beigetragen, die Bib'ioihek durch Beschaffen« neuer Werke und Zeitschriften auf einen modernen Ansprüchen genügenden Stand zu bringen. Die Abendkurse und literarische Abende sind wieder aufgenommen worden. Jerusalem: Vor kurzem veranstaltete die Bezalelschule eine Ausstellung von Teppichen, die vom Publikum stark besucht wurde. Der neu angelegten Sammlung von Kunstgewerbegegenständen, Ahertümem usw. im Bezalel bringt die hiesige Bevölkerung lebhaftes Interesse entgegen. - lu der Teppich-Ausstellung erregte besonderes Interesse ein grosser T-ppicb, der für Herrn Dr. Friederwald-Baltimore angefertigt worden ist. Der T ppich, der wegen seiner wunderschönen Ausführung allgemeine Anerkennung gefunden hat, ist der grösste bisher im Bezalei angefertigte. Eine besondere Kommission wird binnen kurzem sich der wissenschaftlichen Erforschung des Tales des Toten Meeres widmen, namentlich im Hinblick auf die Entdeckung von Minen und die Möglichkeit Verschiedener Unternehmungen in dies-m Teile des Jerusalemer Distriktes. Ein deutscher Spezialist für solche Fragen ist aus Berlin berufen worden und wird an den Arbeiten der Kommission teilnehmen. — Sollten sich lange gehegte Vermutungen bestätigen, so wird das „Tote* Meer wohl bald seinen Namen ändern müssen; wenigstens seine Umgebung dürfte dann recht lebendig, werden. Zu den Landtagswahlen in Galizien. (Von unserem Korrespondenten). a. k. Zwecks Ausführung des Beschlusses derVertrauensmänner-Konferenz vom 26. v.M., betreffend die Taktik in den Landgemeinden der polniseh-ruthenischen Wahlbezirke (Antrag Dr. Ringel), trat vorige Woche das hiezu gewählte Subkomitee, bestehend aus dem Obmanne der G. K., Dr. Markus Brauöe, den Reichratsabgeordneten Adoif Staad und Dr. Gabel, Dr. Leon R e s c h, David Schreiber und dem Generalsekretär des C. K. Fischei Was c hi tz, zu einer Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen, keine allgemein bindende Parole auszugeben. Das Wahlkomitee der jüdisch- ***) In dem „Abrahams Weinberg“ benannten Institut in Jerusalem. dem ganz kärglich ein Legat von lö.OOO Hund Sterl ng zugeüosseu ist — D e reichen englischen Christen wenden mehr ßeld zugunsten der Juden Palästioas aut als die reichen Juden. (Mit Ausnahme des Pariser Baron Hoth- 1 sehild. - Die Chalu'-ah-lielder stammen von den armen — oft den ärmsten —Juden.) Siehe anch Zeitschrift „Palästina“ 1903. Seite 135 bis 142. nationalen Partei wird nach ihrem Gutdünken und auf Grund der politischen Verhältnisse in den einzelnen Gememdewahlbezirken den jüdischen Wählern die Wahl eines von den drei einander gegenüberstehenden Kandidaten empfehlen, insoferne es - gelingen wird, gewisse Konzessionen für unsere nationalen Forderungen zu erlangen. Widrigenfalls wird unsere Parteileitung Wahlenthaltung in jenen Bezirken proklamieren. Was die städtischen Wahlbezirke anlangt, beschränkt sich unsere Tätigkeit vorläufig darauf, das Terrain zu rekognoszieren. So wird z. B. — wie Ihr Korrespondent aus guter Quelle erfährt — die jüdisch-nationale Partei im Gemeindewahlkreise Sniatyn, wo während der Reichsratswahlen Dr. Natan Birnbaum die kräftigste Unterstützung seitens der radikalen, ruthenischen Bauernschaft erfuhr, die vValil des Reichsratsabgeordneten Dr. Cyril Trylowski (ruth.-radikal) unterstützen. Ebenso kann im Wahlkreises a na bor- L o u k a der radikale Ruthene Dr. Andreas Czaikowski auf Unterstützung seitens unserer Partei zuversichtlich rechnen. Es sind bereits diesbezüglicne Unterhandlungen 'von den obgenannten Kandidaten mit den Führern unserer Partei angebahnt worden, die zur Einigung geführt haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Partei den Kompromissweg einsehlagen müssen, da bei dem jetzigen reaktionären Wahlsysteme, das bekanntlich mündliche Stimmenabgabe fordert und auf die Besteuerten beschränkt ist, ein selbständiger Kampf ohne Anlehnung an andere. Parteien last unmöglich und erfolglos sein müsste. Nun wird jetzt eitrigst erwogen, mit welchen Parteien ein Paktieren für uns vorteilhaft wäre. Für Aufstellung von Kandidaten unserer Partei kommen die Städte in Betracht: Lemberg, S t a n i slau, Koiomea, Brody, Tarnopo 1, S t r y j und D r o h o b y c z. Der Bukowiner Judentag. Aut die von Dr. Straucher imNamen des Jüdischen Nationalvereines in Gzernowitz ausgegangene Einladung fand am Sonntag den 26. Jänner in der israelilischen Volksschule zu Gzernowitzein Delegiertentag der Vertrauensmänner der jüdisch-nationalen Partei in der Bukowina zu dem Zwecke statt, damit eine Organisation der Bukowinaer Judenschaft auf nationalvölklicher Grundlage aufgebaut werde. Dies soll durch Gründung jüdischer Nationalvereine im ganzen Lande und durch Schaffung eines jüdischen Volksrates für die Bukowina, welcher sich aus den Delegierten der Bukowinaer jüdischen Nationalvereine zusammensetzt, erreicht werden. Die Tagesordnung dieser Vertrauensmännerversammlung bildete: Organisation. Jüdische Nationalität. Volkszählung. Jüdische Statistik und Organisierung des Geldkredites im Interesse des jüdischen Handwerker-, Gewerbe- und Kaufmannstandes. Ferner wurde über die Parteikonstellation im Lande eine Diskussion abgeführt und die Frage der Allianzen mit anderen Parteien vertraulich besprochen. Endlich ist auch die Angelegenheit wegen der Reform des Landtagswahlrechtes einer eingehenden Verhandlung unterzogen worden. Als Referenten fungierten: Abg. Dr. Straucher, Dr. Chaim Kinsbrunner, Redakteur Taubes und Redakteur S t e k 1. Die Verhandlung wurde mit grosser Gründlichkeit und hohem Ernst gefü irt, wie sich auch der ganze Verlauf der Verhandlungen äusserst würdig gestaltete. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst; mehrere Teilnehmer, darunter namentlich Herr Israel Mentschel aus Radau tz, griffen mit Verständnis und Temperament in die Debatte ein. Auf seinen dringenden Wunsch, erklärte sich Dr. Straucher bereit, in den nächsten Wochen eine Tournee durch die Bukowina zu unternehmen. Diese Mitteilung wurde mit grossem Enthusiasmus und-stürmischem Beifalle aufgenommen. Zum Zwecke der Agitation und der Durchlührung der angebahnten strammen und einheitlichen Organisation wird demnächst ein Aufruf, gezeichnet von den designierten Delegierten dieser Vertrauensmänner, erscheinen und verbreitet werden. » *

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