Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Trotzdem die Gesellschaft hiermit einem gemeinnützigen Zwecke dient, wird sie ihre Geschäftsführung lediglich nach kaufmännischen Gesichtspunkten einrichten und nichts unternehmen, was nicht zugleich vom Standpunkte einer Erwerbsgesellschaft zweckmässig erscheint. Da die Landwirtschaft in Palästina bei sacligernässem Betriebe, überall sehr rentabel ist, glaubt die Gesellschaft schon vom ersten vollen Wirtschaftsjahr an befriedigende Dividenden verteilen zu können. Voranschläge, die wir in der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlichen, die von fachmännischer Seile für die beabsichtigte Bewirtschaftung eines grossen Gutes in Daleika und Umeldschuni am Tiberiassee mit grösster Vorsicht aufgestelll sind, haben die hohe Rentabilität des Betriebes bestätigt. j Das Grosse zionistische Aktious- | komitee hat nach eingehender Diskussion des! Planes der Gesellschaft in seiner Sitzung vom 6. Jänner 1908 folgenden Beschluss gefasst: Das Grosse Aktionskomitee begrüsst die Begründung der Pälestina Land Development Company und fordert die Gesinnungsgenossen aller Länder auf, eine energische Propaganda zugunsten dieser Organisation zu entfalten. Der Jüdische Nationalfonds hat ebenfalls den Plan der Gesellschaft in mehreren Sitzungen vom 4. bis 7. Jänner 1908 ausführlich beraten und sich dahin ausgesprochen, dass die Errichtung der Gesellschaft in jeder Weise zu fördern sei. Zugleich bat der Jüdische Nationalfonds sich bereit erklärt, auf Ansuchen der Gesellschaft seine 600 Hektar grossen Ländereien in Daleika und Umeldschuni am Tiberiassee auf 99 Jahre zu verpachten, als Entgelt für dieses Pächtrecht Anteile der Gesellschaft in Zahlung zu nehmen und der Gesellschaft auf Erfordern ein Darlehen von 3000 bis 4000 Pfd. St. zu gewähren. Dafür ist dem Jüdischen Nationalfonds ein gewisser Einfluss auf die Geschäftsführung der Gesellschaft dadurch gesichert worden, dass er SO von den 200 Gründeraktien erhalten soll, welche die Gesellschaft ausgeben und mit besonderen Vorrechten'hinsichtlich des Stimmrechtes ausstatten wird. Die Gesellschaft soll als englische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 50.000 Pfund Sterling, zerlegt in 50.000 Anteile zu 1 Pfund Sterling, in England gerichtlich eingetragen werden. Gesinnungsgenossen] An euch liegt es jetzt, durch Zeichnung von Aktien der Gesellschaft deren endgültige Konstituierung z u er mö glichen. Möge ein jeder nach Massgabe seiner Kräfte hierzu beitragen! Möge ein jeder sich bewusst sein, dass hier der erste Schritt zu einer wirklich grossen Aufgabe getan wird, zu der Aufgabe, altes jüdisches Land durch j üdische Arbeit von neuem wieder jüdisch zu machen! Für Zeichnungen wolle man sich des unten abgedruckten Zeichnungsscheines bedienen und diesen an uns einsenden. Den Betrag der gezeichneten Aktien wolle man entweder an den Jewisb Colonial Trust London E. C. Walbrook, Brook House, an das Bankhaus A. H. Heymann <fc Co., Berlin N. W. 7, .Unter den Linden 59, oder an Herrn J. L. Goldberg, Wilna (Russland) abzusenden. Auch die Nationalfondskommissare aller Länder nehmen Zeichnungsscheine und Zahlungen entgegen. Die Zertifikate über die zugeteilten Aktien werden den Zeichnern nach gerichtlicher Eintragung der Gesellschaft zugesandt werden. Voranschlag für die Bewirtschaftung des Nationalfondslandes ln Daleika und Umeldschuni. I. A c k e r b a u a u f 250 h a. a) Anschaffung 12 Paar Pferde ä 80 Frcs. 12 Paar Geschirre a 150-Frcs. 8 Wagen 4 400 Frc«. Pflü** (grosse und kleine) . . Eggen, Extirpator, Walzen etc. 2 Sämaschinen . . . . ... 3 Mähmaschinen ...... 2 Pferderechen .'. Kleine Geräte . ... Dreschwalzen, Dreschbretter 1 Reilpferd ......... Unvorhergesehenes 10°/, ■ Pferdestall, Schuppen, Speicher t Summe . . irres. :. b) Betrieb Futter für 9 Monate . . ..Frcs. 2 Stallknechte (jährlich) . Saatgut Arbeiter......... Abnutzung und Reparatur 15% Sei bst Versicherung für die Pferde 15% Vergo und Abgaben ........ Unvorhergesehenes 10% .. Frcs. 9 600 1.800 3.200 3.000 750 1.200 1.500 300 1.500 600 600 2.450 6 000 32.500 7.000 1.200 3.750 4 500 4.900 1500 1.5' '0 2.i50 Summe . . Free. 26 500 c) Jährliche Einnahmen: In Körnern nach Abzug des.Oschurs 150;fr und pro ha).Frcs. 37 500 Stroh . . ... „ 2.0fi0 Summe . . Frcs. 39.5U0 H. Grossvieh: a) Anschaffung: 40 Kühe 4 150 Frcs.......... Frcs. 6 000 Stall; ...... : ........ 400 1.200' Unvorhergesehenes . . . . . . . . n . 400 Summe . . Frcs. 8.000 b) Betrieb :: 2 Hirten ............. Frcs. 400 2 Melkfrauen . . . : ..... ... 300 Selbstversicherung 15% . . . . . . 960 Abnutzung der Gebäude 15%--. . . 180 Unvorhergesehenes ... . n 160 ’< Summe . . Fi cs. 2.0U0 c) Jährliche Einnahmen; 20.000 Liter Milch 4—.15 Frcs. .. . Frcs. 3.000 30 Kälber 4 20 Frcs. / . . . . . . 600 Mist „ . 600 Summe: . Fi cs. 4 2Ü0 lichkeit schon längst verlassen ist. Und vor allem wollte ich aufweisen, wie innig das Volksleben der Juden in New York mit dem Theater verwachsen ist \ > * * * Um dies zu erkennen, hätte ich übrigens gar nicht das Theater besuchen müssen. Das Unglück wollte es nämlich, dass knapp nach meiner Ankunft in New York der Schöpfer der modernen jüdischen Bühne, Abraham Goldfaden, starb und dass 'ich seinem Leichenbegängnisse anwohnen konnte. Es war ein trauriger Anlass, aber er hat mich gestärkt und mit Vertrauen auf die Lebenskraft unseres Volkes erfüllt. So ehrt nicht ein sterbendes Volk einen . seiner Kulturträger. Ein sterbendes Volk bringt nicht das freiwillige Aulgebot von 75.000 Menschen auf, die da kommen, um dem toten Initiator der jüdischen Bühne das letzte Geleite zu geben. Eines, sterbenden Volkes Leben ist zu schwach, als dass es sich gestatten könnte, bei einem kulturellen Ereignis einen Tag lang den Atem anzuhalten. Es ist noch nicht langeher, dass ich in Krakau Gelegenheit hatte, als der Dichter Wyspianski starb, das .polnische Volk um solch angehaltenen Atem zu beneiden. Die Bestattung Goldfadens, die von dem Leichenzuge beherrschte Oeffehtlicbkeit, die Trauerfeier im Peoplestheater. angesichts des Sarges — alles dies hat mich die Ueberflüssigkeit meines Neides gelehrt. Auch wir treffens! Auch wir leben! Und wer. so lebt, braucht vor dem Schrecken nicht zu zittern, der über dem New Yorker Judentum flattert. 'Wir werden mit ihm fertig werden. Allerlei. „ Jüdische Adelsfamilien. Vor kurzer Zeit ist ein geschichtliches Werk unter dem Titel .Stammbuch der Frankfurter Juden“ von Dr. Alexander Dietz erschienen, ‘ das sehr interessante Einzelheiten über die Abstammung bekannter jüdischer Geschlechter enthält. So erfährt man zum Beispiel aus dem Bache, dass die heutigen Freiherrn von Erlanger aus Heddernheim stammen, wo sich seit Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde befunden hat und erst 1816 von dort nach Frankfurt eingewandert sind; dass die Familie G.olilschmidt genannt Kassel“ anfänglich .Buchsbaum-Kassel“ iind .Kassel“ genannt, aus der sich j»tzt einZweig als „Freiberrn von Goldschrnidi-Rothscbild“ des Besitzes der freiheitlichen Würfe, seit 1903 bereits des preussischen Adelsstandes erfreut, von einem Mosche Goldschmidt abstammt, der im Jahre 1521 zuerst erwähnt wird und mit dem .bescheidenen Juden Josef .zum goldenen Schwan“ im Zusammenhänge >steht. Dieser war. der bedeutendste jüdische Ftnanzinann des 10. Jahrhunderts und ein Hauptgeldgeber nicht iiur für verschiedene Fürsten seiner Zeit, sondern auch für den Frankfurter Rat. Ferner, das die jetzt österreichischen Freiherrn von Königs warter ans Fürth stammen und erst 1824 nach Frankfurt kamen. Nr. 6 . Frcs. Frcs. 18.UU0 Frcs. HI. Klein vie h, (Schafe und Ziegen): a) Anschaffung: 500 Muttertiere 4 25 Frcs. 20 Böcke ä 50 Frcs. .. . 3 Esel 4 60.Frcs. . . . 4 Hunde 4 25 Frcs. . . Stale Umzäunung, tragbar..' GLocken* Stricke, Schere etc. Unvorhergesehenes Summe b) Betrieb : 3 Hirten 4 30 Frcs. monatlich Futter für schwache Tiere .... „ Hundefutter. , Abnutzung der Gebäude ...... „ Selbstversicherung der Tiere 15% . Steuern. , Unvorhergesehenes . . . . . . . . . Summe . . Frcs. c) Jährliche Einnahmen: 400 Schate zum Verkauf 4 18 Frcs.. . . .... . . . , Frcs. Wolle voo o20 erwachsenen.Tieren 4 1 50 Frcs. .......... „ Wolle von 300 L&mmemä —.75 Frcs. „ Käse je4Frcs. pro Kopf (uach Abzug der Hälfte für Meister) .... , Mist . ... . ... ... .. Summe 12.500 1.000 180 , 100 2.000 300 420 1 .500 1.080 100 100 300 2.100 520 400 4.6UU 7.200 7S0 225 1.000 295 Frcs. 9.5U0 Zusammenstellung: Anlage Betrieb I- Ackerbau ■ 32.500 26 500 II. Grossvieh 8.OU0 2.000 III. Kleinvieh 18.000 4.600 IV. Wohngebäude 10.000 1.000 V- Verwaltung und Betrieb — ■ . 6.000 VI. Pflanzungen 11.400 — 79.000 4U.1U0 Kapital 120 000 Einnahme 39.500 4.200 9.500 53.200 abzüglich des Betriebes 40.100 . 13.100 ca: 11% aufs Kapital im ersten vollen Wirtschaftsjahr. Erläuterung zum Voranschläge Das Land in Dalejka und Umeldschuni umfasst 6500 Dunam (cä. 600 ha), -wovon ein Drittel Weideland ist, so dass für Ackerbauzwecke etwa 400 ha verbleiben. Im Voranschläge wird mit einer jährlichen Anbaufläche von rund 250 ha gerechnet mit Hinblick darauf, das etwa ein Drittel des Terrains als. Brache unbestellt bleiben soll. Hierbei ist an eine rationell geleitete extensive Wirtschaft gedacht, in der Raum zum allmählichen Uebergang zur Intensivität gelassen ist. Die Brache wird teilweise unter Futtergras Btehen, jedoch ist im Voranschläge vön diesbezüglichen Einnahmen abgesehen worden. Ebenso ist von der Bewässerung der Umeldschuniländereien abgesehen worden. Diese Bewässerung liesse sich allerdings mit geringen Kosten für die Anschaffung eines Motors mit Pumpe und einige andere geringfügige _ Vorrichtungen bewerkstelligen. Wird auch hierfür ein Betrag ausgeworfen, so erhöhen sich die Einnahmen der Wirtschaft in ausserordentlichem Masse. Ein bestimmte Summe für die Kosten der Bewässerungsanlage kann. erst nach Vornahme genauer Messungen an Ort und Stelle angegeben werden. Im Voranschlag sind bei den Ausgaben recht hohe Sätze in Rechnung gestellt, ausserdem würden sämtliche Posten um' 10% Unvorhergesehenes erhöht; auf diese Weise lässt sich mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass eine Ueberschreitung des Budgets nicht erfolgen wird. Dagegen sind bei den Einnahmen, so wohl vom Ackerbau wie besonders von der Viehzucht massige Sätze in Ansatz gebracht. Für Pflanzungsanlagen ist für das erste Wirtschaftsjahr ein Betrag von 11.400 Frcs. eingesetzt. Es ist hierbei in erster Linie an die Schaffung ein-r reichen Baumschule gedacht, in der verschiedene Baumsorten (bewässerte und unbewässerte) gezogen werden sollen. Jedoch werden aus diesem Betrage auch die Kosten für Pflanzungen und für einige erforderliche Bodenmelioratiönen gedeckt werden können. Ein- 'nahmen aus diesem Wirtschaftszweige sind vorläufig nicht berechnet. Der. Voranschlag ist in allen Teilen Reichtum oder wenigstens. Wohlstand kann jeder- Geschäftsmann, erwerben, wenn er seine Geschäftsbücher genau führt. Für die Lieferung bester und billigster Bücher und aller Bureaurequisiten empfiehlt sich Geschäftsbücher-FabriK A. Grünste!d & Go.) .Wien, I., Gonzagagasse 21. -;