Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 uud stecke den noch nicht abgefahrenen Teilfahrschein zum Andenken in die .Tasche, stelle auch mit Genugtuung fest, dass die Elektrische für die morgenländischen Sitten keine Gefahr bedeutet, so lange sie sich ihnen so gut anzupassen versteht . . .“ Parteinachrichten. Organisationsstatut des mährisch-schlesischen Distriktes laut Beschluss des D.-T. vom 5 Jänner 1908. 1. Der mährisch-schlesische Distrikt besteht aus allen zionistischen Vereinen innerhalb Mährens und Schlesiens, deren Satzungen den Forderungen des Baseler Programms und der österreichischen Parteitage entsprechen. 2. Der mährisch-schlesische Distrikt wird in sechs Kreise geteilt,.mit den Kreishauptorten: Brünn, Iglau, Prossnitz, Ungarisch- Hradisch, Troppau, Bielitz. 3. Die Organe des mährisch - schlesischen Distriktes sind: a) Der Distriktstag, (D. T.) b) das grosse Distriktskomitee, (D. K.) c) das engere Distriktskomitee. •i. Der D.-T. besteht aus den Delegierten der Vereine und den Mitgliedern des grossen D.-K. Vereine bis zu 50 Mitgliedern entsenden zwei Delegierte; für jedes begonnene halbe Hundert einen Delegierten mehr. 5. Das grosse D.-K. besteht aus dem engeren D.-K. und den Kreisobmännem oder deren Stellvertretern. 6. Das engere D.-K. besteht aus vier Mitgliedern, die am Standorte des D.-K. ihren Wohnsitz haben müssen und aus zwei Delegierten des Arbeitsausschusses der mährisch-schlesischen Studentenvereine in Wien mit beratender Stimme. Die Mitglieder des engeren D.-K. teilen sich in die Funktionen eines Obmannes, Schriftführers, Kassiers und eines Beirates. Im engeren D.-K. entscheidet bei Stimmen-' Gleichheit die Stimme des Vorsitzenden. 7. Den Sitz des D.-K. bestimmt der D.-T. .8.. In jedem Kalenderjahre ist. von dem engeren? D.-K;,: möglichst vor dem österreichischen Parteitage ein ordentlicher Distriktstag einzuberufen. Ein ausserordentlicher Distriktstag muss auf Wünsch von vier Mitgliedern des grossen D.-K. einberufen werden. 9. die Aufgaben des D.-T. sind: a) die Entgegennahme des Rechenschafts- und Kassaberichtes, b) die Beratung aller den Distrikt als solchen betreffenden Angelegenheiten, c) die Stellungnahme zu allen Fragen der Gesamtbewegung, d) die Festsetzung des Budgets, e) die Neuwahl des engerer! Komitees. 10. Die Aufgaben des grossen D.-K. sind: a) die Leitung der Propaganda und der Agitation in den Kreisen, b) die Evidenzhaltung aller Schekelzahler in den einzelnen Kreisen, I. Die nichtorganisierten Schekelaahler werden dem Vereine des Kr-eishauptortes als ausserordentliche Mitglieder angereiht. •c) die Einhebung der Parteisteuer und des Schekels. 11. Die Aufgaben des engeren D.-K. sind: a) die Vermittlung des Verkehres mit dem Landeskomitee und dem grossen D.-K., be- . ziehungsweise mit den Kreisobmännem, b) die Veranlassung der Wahl von Kreisobmännern, c) die Ueberwachung der Tätigkeit in den Kreisen, d) die Einberufung der Distriktstage und der Sitzungen des grossen D.-K., e) die Erstattung des Rechenschafts- und Kassaberichtes beim ordentlichen D.-T., f) die Durchführung der Delegiertenwahlen zu den österreichischen Parteitagen, g) die Durchführung aller Anordnungen des Landeskomitees und des Kongresses. 12. Alle Aemter im D.-K. sind unbesoldete Ehrenämter. Gustav Finzi m. p. i.... Dr. Robert Lichtwitz m. p. Einladung. Im Sinne des Beschlusses des südgalizischen Distriktstages rufen wir zwecks Gründungeines zion. Kreiskomitees für Sonntag, den 2. Februar 1908 den I. Kreistag mit folgender Tagesordnung ein. L Begrüssung. II. Organisation: Referent Dr. Abraham Geber. III. Agitation: Referent Red. M. Lachs. IV. Allg. Zion-Fonds: Referent Dr. Salomon Rosenheck. V. Presse: Referent Sigmund Haber. VI. Wahlen des Kreiskomitees. VII. Anträge der Delegierten. Dem Kreistage in Kolomea gehören die Vereine der folgenden Städte an: Kolomea, Gwozdziec, Horodenka, Obertyn, Chocimierz, Jablonöw, Pittyn, Kossöw, Kuty, Zabie, Peczenizyn, Zablotöw, Sniatyn, Rozniow, Lanczyn und Delatyn. Jeder Verein hat das Recht zwei Delegierten zum Kreistage zu entsenden. In Orten, wo vorläufig kein Verein existiert, hat der Vertrauensmann das Recht einer Delegation. Der Kreistag beginnt um 10 Uhr vormittags im Saale der zion. Vereine in Kolomea (Hotel Römer, Jagielionska). Beim Kreistage haben die Mitglieder des engeren vorbereitenden Komitees Sitz und Stimme. Dasselbe Recht steht den event. Delegaten der anderen zion. Organisation (wie Distrikt und Landeskomitee) zu. Die Delegierten müssen bis zum 28. d. M. dem Komitee nominiert werden. Zuschriften sind zu richten an Sigmund Haber, Kolomea Rynek 23.’ Für das dzt. Komitee mit Ziönsgruss: Sigmund Haber Dr. Salomon Rosenheck dzt. 1. Sekretär. dzt. Präses. Kolomea, 15. Jänner 190S. Mitteilung des innerösterreichischen Distriktskomitees. Dienstag, den 4. Februar 1908 um 8 Uhr abends, findet im Saale des zionistischen Zentralvereines, IX., Türkenstrassse 9, eine öffentliche Distriktskomiteesitzung statt. Brief aus Leinberg. Die Verhandlüngen 'des’ ^m-lamentes wurden vertagt. Die Abgeordneten ' des Jüdischen Klubs sind nach Hause gekommen, um vor jenem kompetenten Forum Rechenschaft über ihre Tätigkeit abzulegen, welches sie in das Volkshaus nach Wien entsendet und ihnen die Vertretung seiner Interessen an vertraut hatte. Und nicht nur in ihren Wahlkreisen, wo sie gewählt wurden, sondern in fast allen Wahlkreise» mit jüdischen Mehrheiten — denn unsere jüdischnationale Abgeordneten vertreten nicht nur einzelne Städte, sondern die gesamte Judenheit Oesterreichs — erschienen sie, um in grossen Volksversammlungen ihre halbjährige Tätigkeit dem Urteile der jüdischen Volksmassen zu unterwerfen. Das jüdische Volk bereitet den einzigen Wortführern in seiner Not und Unterdrückung einen würdigen und imposanten Empfang. Die Städte Brody und Tamopol, wo Abgeordneter Stand in Versammlungen gesprochen hat, gaben die ersten Beispiele. Nächstens wird Abg. Stand in Drohobycz, Buczacz, Stanislau und Kolomea politische Referate erstatten. Ferner fand in Lemberg ein grosses Volksmeeting statt, wobei Abgeordnete des Jüdischen Klubs gesprochen haben. Auch der Abg. Dr. Heinr. Gabel hat bereits in Drohobycz gesprochen und ausserdem seinen Wahlbezirk bereist. Desgleichen dürfte der Abg. Dozent Dr. Mahler nächster Tage seinen Wahlbezirk bereist haben. So arheiten die Vertreter des jüdischen Volkes unaufhörlich, um sich ihrer Mandate würdig zu zeigen. Diese politischen Tournees bedeuten auch einigermassen eine Rekognoszierung des Kampiterrains für die bevorstehenden Landtagswahlen. Denn obwohl das Z. K. darüber im Plenum noch nicht beraten hat, kann man aus der Stimmung bei der Mehrheit des Z. K. schliessen — dass die iüdischnationaie Partei aktiv in die Landtags-Wahlbewegung eingreifen werde. Diesbezügliche offizielle Beschlüsse sind noch abzuwarten. Es sei uns auch gestattet, an dieser Stelle eine kleine Kompetenzfrage zu berühren. Der seinerzeit in Krakau zwecks Durchführung, der Reichsratswahlen in Oesterreich eingesetzte Nationalrat glaubt auch in Sachen der gallischen Landtagswahlen mitreden zu dürfen. Nun ist aber das galizische Zentral-Komitee der Meinung, dass diesbezüglich bloss ihm ein Entscheidungsrecht zustehen könne. Demnächst wird eine Landeskonferenz nach Lemberg eiuberufen werden, welche sich mit ‘dem engeren Programme für die Landtagswahlen und mit den Kandidaturen befassen wird. Schon heute wird mit Bestimmtheit angenommen, dass der Reichsratsabgeordnete Adolf Stand in seinem Brodyer Bezirke kandidieren wird. Dafür spricht der Umstand, dass die Brodyer Bürger sich an ihn direkt mit dem Ansuchen gewendet haben, dais Mandat in den Landtag anzunehmen. Und nun noch Einiges über die Tätigkeit des Z. K. Wir können schon heute mit Genugtuung konstatieren, dass unter der Präsidentschaft des Gg. Dr. Marcus B r a u d e und bei der jetzigen Arbeitseinteilung sehr rege und wacker gearbeitet wird. Die Sammlung für die Landesparteisteuer wurde eingeleitet. Insbesondere in unserer Stadt ist sie von Erfolg begleitet. Mit der Sammlung des Schekels wird voraussichtlich in der Purimwoche eingesetzt werden. Und dann wird man sich an die Arbeit für den Palästina-Scheket machen. In der Palästina-Arbeit werden wir nächstens zwei Erscheinungen von grosser Wichtigkeit zu verzeichnen haben. Dieser Tage wird die erste Nummer der Vierteljahres-Schrift im Verlage des akademischen Vereines , Judäa* in Lemberg in polnischer Sprache erscheinen. In dieser Okkasionsnummer werden unter anderen auch unsere bekannten Gg. Ussischkin, Davis Trietsch, Dr. Korkis, Salomon S chil ler mit grösseren Artikeln vertreten sein. Das Palästinaressort des Z. K. unter der Leitung des Gg. Dr. Rappaport geht daran, eine Monatsschrift in jüdischer Sprache unter dem Titel „Serubabel“ herauszugeben, welche sich nur mit Palästina-Angelegenheiten befassen und von einem Komitee unter Leitung des oben Genannten redigiert werden wird. In den Eingängen des N.-F. ist in letzter Zeit laut den Ausweisen des „Wschöd“ eine kleine Stagnation eingetreten. Es ist unerklärlich, welcher Ursache das zuzuschreiben wäre. Bekanntlich erstrebt das galizische Z. 1. eine direkte Verbindung in Sachen des N.-F. in Galizien mit der Zentrale in Köln. Zum Schlüsse wäre noch Einiges über den Parteifonds zu sagen, für den aus Galizien sehr wenig eingeht. Das Z. K. versandte nun Fragebogen an alle Vereine in Galizien, welche aufgefordert wurden, die Namen der leistungsfähigen und opferwilligen Gesinnungsgenossen za notieren und [ dem Z. K. einzusenden. Auf Grund dieser Enquete wird mit der Einhebung begonnen werden. A. K. Die weise Lehre. IVaehdxmik verböte». Ein Sounett. .Verschwindet, Juden!“ Diese weise Lehre Erteilt uns einst ein philosophisch Wesen Und in der „Zukunft“ war sie klar zu lesen, Verschont vonHardens sonst so scharfer Schere. „Was kümmert uns denn Freiheit, Volk und Ehre?! Von Leid, Verfolgung, kurz von allem Bösen, Gibt’s einen breiten Weg, uns zu erlösen, Den leichten Weg, den Weg der Deserteure-“ Der „Weise“ gleicht dem Arzt, zu dessen Fasse« Der Kranke sinkt, um Hilfe zu erflehen, Da alle ihn in seinem Leid verliessec — Der Arzt bleibt eine Weile sinnend stehen Und sagt dann: „Wollen Sie sich nicht erschiessen? ich glaube, so wird es am besten gehen. Beda. Fahnenflüchtige In der Zeit vom 1. Dezember 1907 bia zum 31. Jänner 1S08 haben bei der Wiener Kuitusgemein ie ihren Austritt ans dem Judentum angemeldet: Isaak Avram,Toultscha, ledig. 1882. Sattler, X, Laxenburgerstrasse 46; Hedwig Brück, Biala (Galizien),ledig, 1891, VI.,htariahilferstrasse 31; Karl Tischer, Bernikau (Böhmen), verb-, 1852, k. k. Landesgerichtsrat XIX., Gatterburgasse2; Viktor Samek, Brünn (Mahren), geaeb., 1867, Firmenvertreter, IV., Gusshausstrasse 2>; Eugen Schwarz, Fäzes-Abony, verb., 1878. Goldarbeiter, X., Kndlichgasse 37; Wilhelm Fuchs, Kehsch (Mähren), ledig, 1879, Ingenieur, III., Hörnesgasse 20; Dr. Emil Staudt früher Kohn, Beocsin (Ungarn), ledig, 1876, k. k. Staatsbeamter, UL, Pffferhoffgaaae 4; Friedrich Klein, Wien, ledig, 1882, Bahnbeamter, VII., Kandlgasse 40; Alfred Hermann, Wien, ledig, 1875, I., Fleischmarkt 1; Ludwig Ruft Wien, ledig, 1875, Beamter, II., Neudigerau 1; Heinrich Hauser, Rahowitz,verb., 1873