Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. Kaufmann, X, Waldgasss 17; .Leopold Beckr Wies, ledig, 1878, Comptoirist, XVII., Steiner* Kasse 13; Dr. Ludwig Ebstein, Wien, ledig, 1867, I, Schottenrinc 6; Maximilian Geiger, Wien, gescb., 1878, Scbildermaler, IX., Wagnergasse 1; Berta Sommer,.ledig, 1869, X-VI., Tbaliasträsse 96; Hugo Ehrlich, Wien, ledig, 1866, VI., Getreidemarkt 13; Zdenka Margareta Krau«, Romov, 1884,Hofopernsängerin, IV., Wienstrasse 21; Mathilde Mi t-terl «ebner, Wien, gescb., 1881,' Private, XVHI., Hünegasse 24; Rudolf Herzog, Wier, ledig, 1879, Privatier, 1L, Franzensbrückenstrasse 11; Hermine Silber, Lemberg, ledig, 1885, Private, II., Blumauergasse 2; Fnda Schafrane k. Wier, ledig, 1890, XIH., Hüttelbergstrasse 9; Hugo Stern, Wien, verb., 1872, Fabriksleiter, XIX., Hofzeile 9; Moritz Immergut, Zawoja (Galizien), ledig, 1883, XVI., Haberlgasse 18; Madlaine geb. Jacobi K o r e f, Wien, gescb., 1878, Private, IX, Prectatlga8se 1; Rudolf Weinwurm, Wien, ledig, 1884, Gehilfe, XVII., Ferchergasse 19; Dr. Ludwig Witrofsky, Meseritscb, ledig, 1869, Advokat.-Kand, XIX., Gymnasiumstrasse 64; Olga Eisler, Wien, ledig, 1881, Lehrerin, V., Schönbruunerstrasse 32, Emilie Dembitzer, Wien, ledig, 1887, Private, I; Naglergasse 1; Cölestin Mor, Veszporem, ledig, 1886, V., Margaretenstrasse 96; Ariur Fuchs, Wien, ledig, 1884, absolv. Jurist, VIL, Kaiserstrasse 76; Eduard Rainer, Suczawa, ledig, 1886, Techniker, VIL, Mecbitaristengasse 2; Robert Fritsch, Wien, ledig, 1883, Kaufmann, L, Maria Theresienstrasse 22; Wilhelm E1 b og« n, Wien, ledig, 1876, Geschäftsvertreter, II, Odeongasse 10; Anna Aloisia Leah geb. ßübrer Lederer (get*. Christin), München, verwitwet, 1849, Private, IX, Liechtensteinstrasse 36; Mathilde Baumgarten, Budapest, verh, 1855, Geschäftsfrau, IX., Liechtensteinstrasse 3; Wilhelm Ehrenfeld, Szered a. W. (Ungarn), ledig, 1875, Piatzvertreter, L, Körnergasse 4; Robert Win dt, Prag, gescb., 1865, VI., Hirschengagse 13; Emst Kr o n s t e i n, Wien, ledig, 1880, Ingenieur, XIX, Gebhardgasse 5; Irma Grünwald, Wien, ledig, 1886, Kleidermacherin, XVII., Weidmanngasse 4; Siegfried HirscT, Wien, ledig, 1874, Bankbeamter, IL, Praterstrasse 33; Leo Diamant, Lemberg, ledig, 1866, Sprachlehrer, L, Bauernmarkt 11;! Anna Asch er mann, Wien, ledig, 1879, XV., Sechshauserstrasse 12; Jos. Ant. Glöckner, Pakrac (Slavonien), ledig, 1891, Staatsgewerbeschüler, HL, Matthäusgasse 14; Karl Polatsch ek, Wien, ledig, 1878, XVIII., WähringergÜrtel 25; Paniine Herzog, Wien, ledig, 1887, Private, XlX., Döblinger Hauptstrasse 15; Viktor Stern, Wien, verheiratet, 1871, Redakteur, VI., Kasemengasse 9; Josefine Stern, Wien> verh.,« VL, Kasernengasse 9. Korrespondenzen. Russland: Ein neues Judengesetz in Russland. , Petersburg. Die rechtsstehenden Dumaparteien mit dem Reichsratsmitglied P i c li n o an der Spitze haben', soeben einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, welcher die Juden in Russland für Ausländer erklärt. Der Gesetzentwurf wird der Duma nach ihrem Wiederzusammentritt zugehen. Die Erklärung der Juden als Ausländer soll alle daraus sich ergebenden Beschränkungen nach sich ziehen, vor allem aber das Recht der Massenausweisung. Ein neues Gymnasium. . PjnSk. Im Sommer 1908 wird hier ein neues Gymnasium eröffnet werden. Hebräisch und jüdische Geschichte sind als obligate Lehrgegenstände in den -Lehrplan der Schule aufgenommen worden; wöchentlich sind sechs Stunden für sie festgesetzt. Das neue Gymnasium zeigt neben den in Odessa und Lodz gegründeten, wie stark der Bildungsdrang der russischen Juden ist. Wenn ihnen auch der Besuch der Regierungsschulen erschwert und unmöglich gemacht wird, so gründen sie aus eigenen Mitteln Anstalten, die ihren Kindern ausser in profanen Wissenschaffen auch gediegenen Unterricht im Hebräischen bieten. Galizien. Zu den galizischen Landtagswahlen. . Lemberg. Am 16. d. M. fand eine Plenarsitzung des galizischen G. K. der zionistischen Partei statt, an welcher auch die Abg. Stand' und Dr. Ga bel teilnahmen. Unter anderem wurde auch die Frage der Beteiligung an den kommenden Landlagswahlen diskutiert. Dr. Leon Reich leitete die Diskussion darüber - ein,- indem er erklärte, dass die jüdische Bevölkerung eine aktive Anteilnahme an den Wahlen von der Partei' verlange. Die nationalen Kandidaten hätten die besten und ahssichts vollsten' Chancen in jenen Wahlkreisen, in welchen von unseren Gegnern Juden als Kandidaten aufgestelit werden. In diesem Sinne wurde-mk- Stimmenmehrheitein-Beschluss gefasst, für den; 26. - d. M. eine Vertrauensmännerkonferenz nach Lemberg einzuberufen, welche über die Art und Weise des Eingreifens in den Kampi schlüssig werden und die Kandidaten nominieren soll. Ihr Korrespondent ist ferner in der Lage, Ihnen mitzuteilen, dass für .‘den Wahlkreis Lemberg von polnischer Seite, folgende Kandidaten namhaft gemacht werden: Von. der „Rada narodowa“ (Nationalrat) Dr. Felds.tei.n, von den Nationaldemokraten (Glombmski-Partei) Reicbsratsabg. Dr. Nathan Loew enstein und Dr. Tobias Asclikenazy als Unabhängiger. Letzterer will auch sein Glück in Tarnopol versuchen. Für B r o d y beabsichtigt die polnisch-sozialdemokratische Partei ihren Mann .in der Person des Doktor Loewenherz zu stellen. Ungarn. Israelitischer Kongress. Budapest. Am 20. Jänner fand die Plenarversammlung des VIL israelitischen Gemeindebezirkes statt, die durch die Verlesung eines Erlasses des Unterrichtsministers Grafen Apponyi eine erhöhte Bedeutung erhielt. Apponyi fordert in dem Erlasse auf, einen „allgemeinen israelitischen Kongress*■ einzuberufen, welcher eine einheitliche Organisation für die „vaterländische Judenheit“ schaffen könnte. Durch den Machtwillen des Ministers sollen somit Orthodoxe und Neologen zusammengeschweisst werden. Dass die prinzipiellen Unterschiede beider Gruppen ein friedliches Zusammenleben ermöglichen werden, ist kaum zu erwarten. Rabbi Meir Chacham-Baschi von Saloniki. Saloniki. Der moderne und äusserst beliebte Rabbi M e I r, der Rabbiner von Jerusalem werden sollte, wurde auf die. Bitte der Salonikier Judengemeinde zum Chacham-Baschi bestätigt. Bücher- und Zeitungsschau. Wiener hebräische Epitaphien. (Vom alten Rossauer Friedhof.) Der bekannte Ros sauer Judenfriedh o f in der Seegass«! iu .Wieu hat seine eigene Geschichte. MaoeüheiSse Tn i arte mochte iu uen letzten Julitagen des-Jahres 1670 über seine GraBhügei und Denksteine dahiugeflossen sein, manches wunde Herz mochte gebrochen seinen Schmerz und Kummer innerhalb dieser Umfriedung ausgeschüttet haben, als es ja galt, von den teuren Toten Abschied zu nehmen und die liebgewordene, mit musterhaften Institutionen ausgestaltete Gemeinde zu verlassen. Am 28. Juli jenes Jahres kam der von Bischof Kolon i t s c h und seiner frommen Christengemeinde ausgeheckte Plan zur Verwirklichung und die Juden mussten bis /auf die letzte Seele Wien verlassen, nachdem sie ihre Häuser im „unteren Werd“ (Leopoldstadt) um Spottpreise verkaufe und die christliche Bevölkerung sich verpflichtet hatte, den durch die Vertreibung der Juden erwachsenen Verlust an Steuern mit einer jährlichen Summe von 14.000 fl. gutzumachen. Aber nicht alles verkauften die Juden; bei ihrem Abzüge wurde ihre Synagoge in die heutige Leopoldskirche verwandelt, die Jeschiba R. Zachrja Halevi’s zerstört und durch ein Pfarrhaus und Schulgebäude ersetzt — sie kauften auch etwas, bevor sie ihr Heim verliessen, ungewiss, ob sie es jemals Wiedersehen würden. Ein wohlhabendes, angesehenes Gemeindemitglied, Koppel Levi, erstand den Rossauer Judenfriedbof um den Betrag von 4000 fl. unter Zusicherung, dass ’ derselbe geschont bleiben müsse. Der Friedhof blieb Eigentum der sich nun nach allen Richtungen zerstreuenden Wiener Juden und bevor noch ein Jahrzehnt verstrichen war, worden die Juden auf Betreiben derjenigen, die vorher ihre Austreibung gefordert und durchgesetzt batten, der christlichen Kaufmannschaft nämlich, wieder nach Wien zurückgerufen. Bald nachher lebten Juden wieder in Wien. Sie durften noch lange Zeit keine Tempel bauen, keine Gemeinde begründen und religiöse Funktionäre halten — aber sie hatten ihren Friedhof in der Rossau, der niemals aufgehört bat, ihr Eigentum zu sein. Diesem Friedhofe ist in der uns vorliegenden Forschung Dr. Wachsteins*), die in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien erschienen ist, eine anerkennenswerte Würdigung zuteil geworden, auf welche die Wiener jüdische Lokalgescbichte stolz sein kann. Es ist dies eine Beschreibung von zwölf Epitaphien mit Hinzufügung von sechs photographischen . Reproduktionen von Grabsteininschrifien, die wohl einen kleinen Ausschnitt aus einem gross angelegten Werke bilden, an dem der Verfasser seit Jahren mit seltener Akribie und Umsicht in den zahlreichen chronologischen Quellen arbeitet. Aber dieser Ausschnitt zeigt uns, nach seiner^ ganzen Anlage und Methode, was ‘ wir von ‘ dem' Gesamt werke zu erwarten haben. DaB Werkelten, das „als Probe für die Art der. Behandlung“ -gelten will, wird für die historische Kommission der Wiener Kultusgemeinde als Auftraggebern eine angenehme Ueberraschung sein, indem sie, anstatt- ' Kopien beziehungsweise Eotzfferuogen, wie manches ihrer Mitglieder sich ursprünglich diese Arbeit gedacht haben mag, ein gutes Stück Gegchichtsschi eibung und Erschliessung ungekannter oder verkannter Quellen darin fi iden wird. Die Epitaphien dieses Friedhofes sind bereits seit dem Jahre 1855 gesammelt und von L. A. Frankl unter dem Titel „Inschriften des allen jüdischen Friedhofes in Wien“ hirauagegeben worden. Aber diese Sammlung isthöchst unvollständig, enthält zahllose wil kürliche Annahmen und korrupte Lesungen, die seit ihrem Erscheinen zu den ungeheuerlichsten Konjekturen Anlass gegeben haben. Das erhellt sowohl aus Dr. Wachst eins Ergänzungen von bei Frankl nicht aufgenommenen Epitaphien, als auch aus den Berichtigungen Fränkischer Beschreibung, die sich auf fleissiger Durchforschung der zeitgenössischen Schritten stützen und mit aneikennenswertem Scharfblick durchgeführt sind. Die jn dieser Sammlung als Nr. 1, 2, 3; 8. 10,12enthaltenen Epitaphien fetalen beiFr anki und doch sind mai-che von ihnen von ganz, hervorragender historischer Bedeutung. Es sei zunächst auf Nr. 10 verwiesen: Den Grabstein einer Frau Lena (Leooore), Tochter des Jechiel Michl. In einer alten Chronik'istvon einer „vornehmen und wohlbekannten Jüdin Leonora“ die Rede, die im März 1651 von einem Reiter mit zwei Kugeln totgeschossen wurde. Die Tat wurde für eine Anstiftung der Juden selber gehalten, 500 Dukaten für die Eruierung des Täters, diesem selbst aber,, wenn er sich selber stellen sollte, 1000 Dukaten und das Leben zu schenken versproehen. Ka ufmann hat in seinem Buche „Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien (1889) diese für die Judengemeihde verhängnisvolle Affäre einigermassen. beleuchtet, aber für diese getötete Leonore hielt er eine durch eine Inschrift bei Frankl bezeichnete Lea, die zufällig in jenem Monat gestorben war, von deren „Vornehmheit“ aut dem Grabstein ebensowenig die Rede ist, wie von den aussergewöhnlichen Umstünden . ihres Todes. Dr. W a c h s t e i n gelang es, ihren ' Grabstein zu finden und in überzeugender VV-ise dessen Identität festzustellen. Eine auf A nst i f-. tun g der J u d en getötete Frau (etwk weil Sie verdächtig wäre, sich taufen zu wollen), wird,. auf dem Epitaph nie und nimmer das Epitheton n»Hpn. das nur Märtyrern oder infolge ihrer Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft, ums! Leben Gekommenen zukommt, erhalten haben. Aus der Phrase (die eben nur für Märtyrer' gilt)-; -pB»n -par m napj u-ryb B'i» jnv> die in dem Notarikon nebst dem vollen mit einem Merkzeichen versehenen Wone -ps©n und dem angefügten p.s^ auf den Namen der Toten folgt,- schloss Dr. Wachstein richtig auf das Jahr 411, das mit dem auf dem Epitaph angegebenen 24. Adar mit einem Freitag (der Fall ereignete sich an einem Freitag) des März 165t zusammenfällt. Die Angabe ,-up so hart sie als vom Reim aufgezwungene Phrase auch erscheint, scbliesst doch jeden Zweifel daran aus, daBS diese als „vornehm und wohlbekannt“ gerühmte Jüdin „erschossen“ wurde. Mit nicht geringerem Scharfblick ist vom Verfasser das Epitaph eines in. Wien wirkenden Kabbalisten Elchanan b. Zwi erkannt und gegen alle bisherigen Mutmassungen chronologischer Schriftsteller durch eine beigefügte Stammtafel identifiziert worden (Nr. 2). Viele Berichtigungen erfährt auch das Epitaph Nr, 4, des Wiener Arztes Leo Lucerna (gest. 8. Jjar 5395 24. April 1635), den die Chronologen gar noch 1670 nach Wien al3 Rabbiner kommen liessen, über dessen Wirken der Verfasser durch Heranziehung vpn Quellen Licht verbreitet. Eine Würdigung beziehungsweise eine Kritik der Lesung und Ergänzung beschädigter Inschriften muss den wissenschaftlichen Fachblättern und Zeitschriften überlassen werden; mich als Referenten interessierte zunächst, auf die historische Bedeutung dieser Publikation aufmerksam zu machen und so erachte ich sr zum Schlüsse noch als wichtig, auf die reichlichen Belege aus dem jüdischen Schrifttum zu verweisen, die der Verfasser heranzieht, um beispielsweise das Epitaph Nr, 12 (fehlt bei FrankJ) in Seiner Ausdrucksweise zu. beleuchten. Sie stellen einen Beitrag dar - zur Kenntnis der jüdischen Eschatologie und die Freunde jüdischer Volkskunde dürfen der Ausgabe des ganzen Werkes, nach ’ dieser einen Probe, mit grosser Spannung entgegensehen. Es musB nur bei der Drucklegung des Werken. *)- - Wachslein, Dr.' Bernhard : „W inner hebräische E'pit a p h ien“ (mit 3 Tafeln). Wien, 1907. In Kommission bei AlfredHö l der.