Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite G JÜDISCHE ZEITUHG Nr. 4 Es wurde auch beschlossen den Abgeordneten von Buczacz, Stefan R. v. Moysa, einzuladen, in einer öffentlichen Volksversammlung von seiner parlamentarischen Tätigkeit zu berichten. Die Berichterstattung des Abg. Gabel rief in der ganzen Stadt einen ungewöhnlichen Enthusiasmus hervor. Tag und Nacht strömten aus allen Seiten aus allen Schichten der Bevölkerung zum Abg. Dr. Gab e 1 Petenten, die ihm ihre Wünsche vorlegten, und man bewunderte die Unermüdlichkeit und Freundlichkeit, mit der Abg. Gabel die Klagen und Wünsche entgegennahm, Rat erteilte und Hilfe versprach. Das unaufhaltsame Zuströmen der Leute, die den Abg. Dr. Gabel während seines zweitägigen Aufenthaltes gänzlich in Anspruch nahmen, bilden einen Beweis für die grosse Popularität, der sich Abg. Gabel und überhaupt der Jüdische Klub, bei der gesamten Bevölkerung erfreute. Samstag abends fand im Vereine Zion ein Vortrag des Abg. Dr. Gabel über den synthetischen Zionismus statt, nach welchem Dr. Gabel die Mitglieder des Kreiskomitees, den Ausschuss des Vereines Zion, sowie einige jüdischuationale Bürger zu einer spät in die Nacht dauernde Beratung einlud, auf der beschlossen wurde, das Buczaczer Kreiskomitee mit der Herausgabe einer jüdischen Broschüre des Abg. Dr. Gabel über den Jüdischen Klub zu betrauen. Von Buczacz begab sich Abg. Gabel nach dem Städtchen Uscie, wo er auf einer ruthenischen und j üdischen Versammlung seiner Wähler sprach. Von Uscie reiste Abg. Dr. Gabel nach Monasterzyska, wo er mit Enthusiasmus empfangen wurde, und in einer allgemeinen Wählerversammlung von seiner parlamentarischen Tätigkeit berichtete und im Vereine Zion einen Vortrag über den Zionismus hielt. Sowohl der Reichsratsabgeordnete Dr. Gabel, das hiesige zionistische Kreiskomitee, dass die Initiative zu diesen Versammlungen gab und dieselben in Usie und in Monasterzyska organisierte, wie auch der Buczaczer Verein „Zion“, der die in Buczacz veranstalteten Versammlungen einberufen hat — können auf ein gutes Stück geleisteter und von Erfolg gekrönter Parteiarbeit hinweisen. * * * Aus Monasterzyska wird uns berichtet: Sonntag am 13. d. M. erstattete hier Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel in einer von'jüdischen und nicht jüdischen Wählern massenhaft besuchten Versammlung einen Rechenschaftsbericht über seine und des Jüdischen Klubs bisherige Tätigkeit. In einer nach Inhalt und Form vollendeten, fast zweistündigen Rede schilderte Dr. Gabel die vielseitigen Bemühungen des Jüdischen Klubs und wies nach, von welch grosser Tragweite es für die Judenheit Oesterreichs ist, eigene, auf nationaler Basis stehende Vertreter zu haben, und verwies auf so manche nicht unbedeutende Erfolge, die der Jüdische Klub schon errungen, darunter auch auf die Aufklärung der westindischen, aus mangelhafter Information meist in judenfeindlichem Lager sich befindenden Abgeordneten über das wirkliche Wesen der galizischen Judenheit, ihre Bedürfnisse und ihre Leiden, was nicht wenig zur Zerstreuung so mancher Vorurteile und Hebung der Ehre unseres Volkes beigetragen hat. Abgeordneter Doktor Gabel hob hervor, dass des Jüdischen Klubs in der Zukunft eine um so wichtigere Aufgabe harre, als es zu gewärtigen ist, dass ln Bälde ein Zusammenschluss aller reaktionären Parteien des Parlamentes unter einem antisemitischen Regierungschef zu gewärtigen sei. Zum Schlüsse der wiederholt von Applaus unterbrochenen Ausführungen forderte Abgeordneter Dr. Gabel alle oppositionellen Wähler auf, treu und unbeirrt zu ihren Vertretern zu halten, um ihnen einen Rückhalt in ihrem schweren Kampfe zu bieten. Nicht endenwoljender Beifall folgte dieser Rede. Ueber Antrag des Gg. Aschkenasy wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 13. Jänner 1908 staitgehabte Versammlung nimmt den Bericht des Reichsratsabgeordneten Dr. Heinrich Gabel mit Befriedigung zur Kenntnis, dankt diesem für seine Tätigkeit und spricht ihm ihr volles Vertrauen aus.“ Palästina. Verkehrslgiben in Palästina.. ,. Von unserem Korrespondenten. Eine Entscheidung, die vor kurzem in Konstantinopel getroffen wurde, dürfte dazu führen, dass die Bahnverbindungen Palästinas sich bald noch wesentlich besser entwickeln werden, als es schon nach der regen Bautätigkeit der letzten Jahre den Anschein hatte. Die türkische Regierung hat sich nach langen Verhandlungen entschlossen, den Bau der Hedschasbahn nunmehr auch vom Süden aus in Angriff zu nehmen. Bisher musste alles Bahnmaterial von Haifa aus bis zum jeweiligen Endpunkte der Bahn geschafft werden. Dieser Endpunkt befindet sich erschien, war das Gedicht „Frau Sorge* (Kahbe Jizchak* 1853). Im Jahrbuch {.Haassyf*, 1885) findet sich das Gedicht „Belsazar* in einer ziemlich wortgetreuen Uebertragung. Den hebräischen Melodien in einem hebräischen Gewände begegnen wir erst dreissig Jahre nach dem Tode des Dichteis. K. A. Schapira lieferte eine gelungene Uebersetzung der „Disputation*; Salomon Mandelkern übersetzte „Prinzessin Sabbath“ und „Jebuda ben Halewy*. Nimmt man alles zusammen, was zurzeit von Heine im Hebräischen vorliegt, so dürfte es kaum mehr als den zwanzigsten Teil seiner Gesamtwerke ausmachen. Nichtsdestoweniger ist dem Leser Gelegenheit gegeben, Heinrich Heine in seiner ganzen Vielgestaltigkeit kennen zu lernen. Es existiert nämlich eine Heine-Biographie in hebräischer Sprache, die den Titel „Mtmkor Jsrael“ (Aus jüdischer Quelle) trägt. Dieses Buch ist. das erste, das in der hebräischen Literatur einem nichthebräißchen Dichter gewidmet worden ist. Oie Joden io den Städten Galiziens. Nach den Mitteilungen des galizischen statistischen Landesamtes Bd. 21, Heft 1, können wir die Zahl, der jüdischen Bevölkerung in den grösseren Städten mitteilen. Neben Lemberg und Krakau, deren jüdische Zivilbevölkerung 43.412 und 25.430 beträgt, haben mehr als 10.000 jüdische Einwohner: Kolomea .... 16.417 Przemysl .... 13.319 Stanislaw.... 13.826 Tarnow.1248t Tamopol .... 13330 Brody ..... 11854 8 Staate zählen 4 bis 10.000 jüdische Einwohner: Droböhycz . . .8.678 Chrzanow . . . .5.504 Stryj ..... .8554 Podgorze . . . .5.414 Buczacz.6.730 Zloczöw . . . . .5257 Rzeszow. . . . .6.144 Bawa . . . . . . 5.0*8 Die jüdischste Stadt in Galizien ist Brody, wo die jüdische Bevölkerung 72*1% aller Einwohner ausmacht. Eine absolute Mehrheit besitzen die Juden in: Buczacz .... 57 3% der Gesamtbevölkerung Bawa.57*1 „ . „ . „ „ Kalusz.55*1 „ „ „ „ Cbrzanow . . . 54*1 „ „ „ , Sanok.52*7 „ , _ „ Zloczow .... 51*9 „ „ „ , Stanislau.... 513„ „ , , Gorlice .... 51*2 „ „ „ „ Kolomea.... 50*8 „ „ , „ Mehr als l/s der Gesamtbevölkerung bildeten die Juden in Zolkiew.492 Brzezan.40 6 Bzeszow.48*3 Sokal.39 3 Nadworna . . . .483 Stryj..378 Drohobycz . . . . 44 8 Horodenka .... 36*6 Tarnow...... 42*7 Przemysl.35*2 Sniatyn.42 6 Zblaraz .... 34*8 ferner mehr als 25% der Gesamtbevölkerung in Grodek.31*6 Dolina.29*1 Neu-Sandec.... 30 8 Lemberg ..... 29*0 Podgorze ..... 30 6 Jaworow.28 4 Jai-oslau ..... 30*1 Trembowla .... 27*7 Krakau.29*6 Tysmienica . . . . 25 9 Sambor...... 29*4 Die am dünnsten , mit Juden bevölkerten Städte batten noch immer einen recht hohen Prozentsatz jüdischer Einwohner, nämlich Jaslow '. ..... 23*2 Wieliczka .... 15*6 Wadowice .... 16*4 Biala ....... 13*2 längst tief in Arabien, so dass jetzt schon jede Schiene per Bahn an 1000 Kilometer 'weit befördert werden muss, um zu ihrem Bestimmungsorte zu gelangen, ein Uebelstand, der sich mit dem Fortschreiten des Baues immer mehr vergrössert hätte. — Der Vorschlag, vonDschidda, dem Hafen Mekkas, aus gleichzeitig den Bau zu fördern, ist bis jetzt aus verschiedenen Erwägungen nicht akzeptiert worden, dagegen hat man sich ganz kürzlich entscblossen, die letzte Strecke der Bahn zwischen Medina und Mekka nicht, wie ursprünglich geplant, ziemlich geradlinig im Innern des Landes zu fuhren, sondern eine westliche Trace zu verwenden, bei der der Hafen Rabigli am Toten Meer berührt wird, der etwas südlich von der Milte zwischen beiden Städten liegt. Durch diese Neuerung wird bewirkt, dass ein grosser Teil des weiteren Bahnmaieriales zu Schiff (durch den Suezkanal) nach Rabigh geht, von wo aus man beide Teilstrecken Rabigh — Mekka und Rabigh—Medina gleichzeitig in Angriff nehmen kann. Zur selben Zeit wird vom jetzigen Endpunkt der Bahn, El Ula, nach Medina zu der Bahribau fortgesetzt, während von Medina aus nach Norden zu schon die Erdarbeiten im Gange sind. Statt wie bisher auf einer, wird also jetzt auf vier Strecken an der Fertigstellung dieser hochwichtigen Bahn gearbeitet, die danach vielleicht noch vor dem Sommer 1909 vollendet sein dürfte. — Noch vor ganz kurzem ist selbst von Kennern orientalischer Verhältnisse bezweifelt worden, dass die Bahn vor 1912 oder 1913 fertig werden könnte — —*) Auch vom elektrischen Betrieb von Bahnen dürfte man bald mehr hören. Einstweilen ist die elektrische Trambahn von Da-, maskus noch die einzige ihrer Art. Aber schon ist eine weitere elektrische Konzession — allerdings, nur für Beleuchtung — erteilt worden. Und zwar ist es diesmal das Heiligtum Mohameds in Medina, für das einer englischen Gesellschaft eine Beleuchtungsanlage konzessioniert wurde. Wenn so — selbst an den heiligsten Stätten des Islam — mit der bisherigen Scheu vor Neuerungen gebrochen wird, so zeugt das deutlich, was wir schon in der allernächsten Zeit von Fortschritten in der Türkei erwarten dürfen. Dass dabei freilich nicht alles gleich von Anfang an sich sozusagen in „europäischen Geleisen“ bewegt, entnehmen wir einer launigen Skizze von Th. Fast aus der „Welt auf Reisen“. Dort* heisst-es unter „Rei s e sJk i z z e n aus Damaskus8.:. „Die Droschke fährt geräuchvoll über das Pflaster von Damaskus. Bei den Bazaren verlangsamen die Pferde ihre Gangart, durch Lasttiere und ambulante Verkäufer von Esswaren gehemmt. Es wimmelt von Turbanen in allen Formen und Farben; von beladenen Eseln und Kamelen. Als wirkungsvoller Abschluss erhebt sich dahinter der Eingang zu einer gewölbten Strasse. Mit Behagen lasse ich das lang entbehrte orientalische BUd auf mich wirken, da höre ich ein durchaus nicht morgenländisches, verdächtiges Klingeln — das bunte Durcheinander teilt sich und im Dunkel der Gasse erscheint — die Elektrische. Um vom äussersten Ende der Vorstadt Midan zum Hotel zu kommen, musste auch ich die Strassenbahn benutzen. Eine ledergepolsterte Bank auf dem Vorderperron bezeichnet die ersten Plätze. Für die drei Teilstrecken bis zum Serailplatz erhalte ich drei Quittungen zu 2 Metallik 10 Pfennig. Die Scheine tragen noch keinerlei Reklameaufdruck. Wir durchfahren Midan und gelangen zu den Bazaren. Ungebührlich langer Aufenthalt. Was ist los? Der Schaflher kommt und erklärt in seinem harten arabischen Akzent: „Avec votre berrmission, nous rretournerons.“ Aber der Wagen soll doch bis zum Serailplatz fahren? „Avec votre berrmission, nous avons beaucoup de vouyageurs,“ In der Tat hat ein Haufen Derwische, vom Nachmittagsgebete heimkehrend, den Wagen gestürmt, um in der anderen Richtung zu fahren. Grund genug, um den Schaflher zur Umkehr zu bewegen: „Oh, voilä une bonne raison.“ Ich steige aus und mache mich zu Fuss auf den Weg. Der Schaffner ruft mir noch nach: „Mais, Monsieur, avec votre berrmission!“ Weniger verstimmt als der Mann glaubt, denke ich, das kommt in <3ie „Welt auf Reisen* *) Von Interesse ist auch, dass die Engländer von ihrem südarabischen Flottenstützpunkt Aden aus ' den Bau einer Bahn nach Norden betreiben Vorerst soll die Bahn nach Dhaiaa gerohrt; werden, das noch zum englischen Hinterlande von Aden gehört, doch wird schon -n eine Verlängerung nach Sanaa gedacht (übrigens dem Zentrum der jüdischen Bewohnerschaft in Yemen) und schliesslich dürfte es — besseren türkisch-englischen Beziehungen — auch einmal zn einer Bahnverbindung Syriens mit Aden kommen.