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Jüdische Zeitung · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Der Nationalfonds gewährt der Gesellschaft einen Kredit bis zu 4000 zu 4% auf 10 Jahre, wenn Kapital bis zu dieser Höhe von anderer Seite schon aufgebracht wurde. Sicherung des Nationalfonds. Die Gesellschaft muss sich verpflichten, diesen Kredit für Bewirtschaftung von Ländereien in Palästina zu verwenden, welche mit allem Inventar und Pflanzungen für diese Schuld dem Nationalfonds verpfändet werden. Einfluss des Nationalfonds. Ausserdem wird dem Nationalfonds ein massgebender Einfluss auf die Geschäftsführung dadurch eingeräumt, dass nie Gesellschaft 80 der dem Nationalfonds zu übergebenden Anteile als Gründeraktien ausstellt, von denen insgesamt 200 ausgegeben werden dürfen. Die Inhaber der Gründeranteile sollen in Generalversammlungen kollektiv das Recht auf ebensoviel Stimmen haben, als allen anderen in der Generalversammlung vertretenen Anteilsbesitzern zustehen.. Die Vergebung weiterer Gründeraktien ist von der schriftlichen Zustimmung der Majorität der Inhaber der ersten 80 Gründeraktien (also des Nationalfondsdirektoriums) abhängig. Durch diese Bestimmungen wird einerseits der vom Nationalfonds eingeräumte Kredit vollkommen sichergestellt, anderseits dem Nationalfondsdirektorium und somit dem Kongress, dem es ja verantwortlich ist und von dem es gewählt wird, ein massgebender Einfluss auf die Geschäftsführung ein geräumt, ähnlich wie es bei der Bank der Fall ist. Somit ist die Gewähr gegeben, dass die neue Gesellschaft, möge sie noch so viel Aktionäre haben, stets nach dem auf dem Kongress zum Ausdruck kommenden Willen der zionistischen Organisation, oder, was dasselbe ist, des jüdischen Volkes arbeiten wird. Die Development Company ist somit schon nach ihrer rechtlichen Seite ein Unternehmen des jüdischen Volkes, mag sie auch die Form einer Aktiengesellschaft, also eines Privatunternehmens haben. Aber nicht nur nach ihrer Form, sondern auch nach - ihren Zwecken ist die Gesellschaft ein zionistisches Unternehmen von eminenter Bedeutung, da sie den ersten Versuch einer auf erfolgversprechenden Basis in volkstümlicher, sozial-fortschrittlicher Form erfolgenden Kolonisation Palästinas darstellt. Der Betrieb der Gesellschaft ist nämlich wie folgt gedacht: Die Company wird auf den Nationalfondsländereien, die vor Roms Untergang bestanden haben mochte. Das Elend unserer Zeit besteht nach ihm darin, dass nicht nur die Juden, sondern alle Rassen von Europa entartet sind und „am Ende einer ausgesogenen und aufgebrauchten Kultur“. Die arischen Rassen werden sich hiefür bestens bedanken, obwohl der Autor ihnen die Pille damit zu versüssen sucht, dass er die Schuld an dieser Degeneration dem zerselzenden Judentum zuschreibt. Ein gelehriger Schüler des getauften Weininger, führt er aus, die Juden hätten die Rassen infiziert Dazu leistet er sich Aussprüche, wie wenn er zumindest der Grundlagen-Chamberlain oder der Hetzen- Lueger wäre. Nach ihm ist alles verjudet: jüdischer Geist regiert die Welt, die jüdische abgestandene Kultur hat alles faul und morsch gemacht. Da er nicht objektiv ist, will ich mit ihm nicht polemisieren; nur möchte ich ihn auf Nietzsche, dem er in manchen Tiraden nachzuplauschen scheint, verweisen. Wie anders urteilt der Philosoph über die Juden! Und wie hat Ibsen über die jüdische Rasse gedacht! Kurt Münzer sieht in der modernen Menschheit, insbesondere in der Judenheit nichts als eine Herde von Sündern, Wollüstlingen und Perversen. Wo weilt eigentlich dieser sonderbare Dichter, dass er nicht weiss wieviel Gesundes und Kräftiges im Judentum steckt. Ist ihm die Welt mit Brettern verschlagen, dass er nicht ahnt, wie gerade das Wort, das er auf den Titel seines Romanes gesetzt, Funken sprüht und Leben weckt, blühendes, zukunflsirohes Leben und alles um das blauweisse Banner schart, was jung, stark und hoflnungsvoll im Judentum ist? ungefähr 6500 Dunam besten und zum Teil bewässerbaren Boden darstellen, einen landwirtschaftlichen Betrieb einrichten. (Details enthält der Prospekt, der jedem Interessenten auf Wunsch zugestellt wird.) Es sollen, soweit möglich, nur jüdische Arbeiter angestellt werden. Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Jeder Arbeiter erhält den ortsüblichen Tagelohn und soll ausserdem unter günstigen Bedingungen die Möglichkeit haben, den Ertrag einiger Dunam Land für sich zu erwerben und einige Stück Jungvieh für s i c h -in der Gutsherde aufzuziehen. Ansiedlung der Arbeiter. Wenn der Arbeiter nach 3 bis 4 Jahren die Landwhtschaft erlernt hat, sich als tüchtig bewährt und so viel Vieh als für seine eigene zukünftige Wirtschaft notwendig ist, erworben hat, wird er auf Nationalfondsland oder auf neuen Ländereien, welche die Gesellschaft bei sich darbietender Gelegenheit in Palästina kaufen und für die Bewirtschaftung und Parzellierung herrichten soll, als Pächter angesiedelt. Erweist er sich auch hier einige Jahre hindurch als verständiger Landwirt, so wird ihm das bisherige Pachtgrundstück gegen eine 20 bis 30jährige Amortisationsrente verkauft oder (bei Nationalfondsland) gegen eine geringe Amortisationsrente in Erbpacht überlassen. Zugleich wird ihm dann, während er als Pächter in einem allen Pächtern desselben Landkomplexes gemeinsamen Hause zu wohnen hatte, der Bau eines eigenen Hauses durch Gewährung eines Darlehens ermöglicht. Die Kolonisationsmöglichkeiten welche sich aus diesem System ergeben, werden vom Palästinaressoi t wie folgt geschildert : Die aus der Gutswirtschaft der Gesellschaft in Daleika-Umeldschuni (und aus den eventuell später nach demselben Plane anzulegenden weiteren Gütswirtschaften) hervorgehenden Arbeiter sollen den Stamm der zukünftigen Pächter und Kolonisten auf den von der Gesellschaft zu erwerbenden Ländereien bilden und durch Vertrautheit mit den auf der Gutswirtschaft erlernten besten landwirtschaftlichen Methoden die Bürgschaft für eine rationelle Bodenkultur in den neuen Ansiedlungen bieten. Daneben sollen aber auch Arbeiter, die in privaten landwirtschaftlichen Betrieben in Palästina mehrere Jahre mit Erfolg tätig gewesen und Wenn ich ihm in manchen Punkten Recht geben muss, erachte ich es doch als meine Pflicht, gegen den Vorwurf, die Juden hätten mit ihrem Laster die Welt zersetzt, um sich so für die frühere Unterdrückung zu rächen, Verwahrung einzulegen. Man staunt, wie krass er die Gefahr der angeblichen „gelben Internationale“ schildert. Ein dunk les schwarzes Volk nennt er die Juden. »Sie wuchsen reich, üppig, wuchernd ... Sie hatten die Macht .... Sie waren der Reichtum .... Eroberten die Welt . . . Sie triumphierten .... Sie durften Juden bleiben ... Da war niemand mehr, der lachte, höhnte und schimpfte . . Schon begannen sie die Rute zu schwingen . . .“ In diesem Ton geht es seitenlang weiter. Meint er wirklich die Juden? Die Juden als Ruten — vielleicht gar als Knutenschwinger! Soll man das noch ernst nehmen? Unsre Macht? Wer lächelt nicht darüber? Haben wir etwa da unsere „Macht“ bewiesen, als wir Zusehen mussten, wie unsere Brüder aus Rumänien vertrieben, wie sie in Russland massakriert wurden? Das Buch ist „der Weg nach Zion“ betitelt, Was wollte der Verfasser damit sagen? Der Roman gibt keinen Aufschluss darüber. Von Zionisten ist darin nur ein einzigesmal andeutungsweise die Rede. Da wird nämlich von „wenigen mit feinem Spürsinn“ gesprochen, die den alten Hass in den zersetzten, bedrückten (!) arischen Rassen aufsteigen fühlen, und die Zeit ahnen, wo Scheiterhaufenflammen für die Juden ausbrechen würden. In ihrer Klugheit sagen sie sich: Nun haben wir die Feinde genug betrogen und unterjocht — wir im Besitze des für eine Wirtschaft notwendigen Viehes sind, in gleicher Weise zu Pächtern und Eigentümern der Ländereien der Gesellschaft gemacht werden. Schliesslich sollen auch für die Wirtschaft vorbereitete Grundstücksparzellen einfach verkauft werden, soweit sich bemittelte Juden als Käufer finden. Die neuen Ansiedlungen sollen in möglichster Nähe der bereits bestehenden Kolonien angelegt werden, um besondere Ausgaben für gemeinnützige und rituelle Zwecke zu sparen und zugleich die alten Kolonien zu stärken. Bisher bildete es in vielen der alten Kolonien eine beständige Klage, dass sie wegen ihrer geringen Seelenzahl gegenüber Uebergriffen der Araber fast wehrlos und auch sonst (z. B. Minderwertigkeit der einklassigen Schule, Schwierigkeiten der Fleischbeschaffung usw.) schlecht gestellt seien. Es ist darauf zu rechnen, dass die neue Gesellschaft in 4 oder 5 Jahren nach Beginn ihrerTätigkeit eine kleine und dann eine jährlich steigende Zahl von Kolonisten wird ansiedeln können. Das Aktienkapital der Gesellschaft wird für den Betrieb und die Landkäufe in den ersten 10 bis 12 Jahren ausreichen. Später hoffen wir neue Landkäufe teilweise auch aus den eingehenden Pachtzinsen und Amortisationsrenten bewirken zu können. Geschäftsführung. Die Gesellschaft soll, obwohl sie einem grösseren Zwecke dient, in ihrem Geschäftsbetrieb durchaus den Charakter und die geschäftlichen Prinzipien einer Erwerbsgesellschaft wahren. Sie wird bei Festhaltung dieses Grundsatzes mit grosser Wahrscheinlichkeit in die Lage kommen, befriedigende Dividenden zu verteilen. Die Gutswirtschaft in Daleika-Umeldschuni verspricht nach dem mit grosser Vorsicht aufgestellten Voranschläge eine Verzinsung von zirka 11% auf das Anlage- und Betriebskapital (120.000 Frcs.) und von zirka 5Y*%, wenn man den Bodenwert (5000 (£) dem Anlage- und Betriebskapital zurechnet Bei der Aufteilung von Land an Kolonisten in Pacht oder Eigentum wird voraussichtlich ebenfalls eine angemessene Verzinsung des Anlagekapitals zu erreichen sein. Die Gewinne werden auf die Aktien nach Massgabe des darauf eingezahlten Kapitals verteilt. Leitung. Dass die Gesellschaft nicht, wie die seinerzeitige philantropische Kolonisation gönnen’s ihnen — jetzt müssen wir schauen, bevor die sich empören, unser Schäfchen ins Trockene zu bringen, indem wir uns zusammentun . . . Wie gründlich verkennt Müozer das Wesen des Zionismus. Offenheit war von jeher ein Merkmal der Zionisten, das hindert jedoch den Autor nicht, sie zu klugen Heuchlern und machtgierigen Ueberlistern zu stempeln. Bestenfalls sind sie — nach seiner Meinung — Träumer von Religionsstiflung und Welterlösung (lies: Weltbeherrschung), die sie von ihrem wiedergefundenen Lande aus zu betreiben gedenken. Die Krone setzt er dem ganzen auf, indem er schreibt: „Sie träumen, wie die Männer wieder Unterhändler mit Gott werden könnten .... die Frauen wieder Judith und Salome, aber auch Miriam und Naemi, Makkabäermütter und Delilas.“ Die perverse Salome verzeiht man ihm noch, aber Delila! Etwas mehr Bibelkenntnis — und er hätte aus der falschen Philistertochter keine Jüdin gemacht, die uns noch dazu als Ideal vorschweben soll . . . Dass die Zionisten auch Tatmenschen sind, dass sie in erster Linie für die wirklich ber drückten, verfolgten und veijagten Judenmassen eine Zufluchts- und Heimstätte mit Arbeitsmöglichkeit schatten wollen, ist dem Autor ein spanisches Dorf. Dennoch verzeihen wir ihm die Ver-' kennung unserer Ziele und unseres Wesens, da wir ihm dafür zu Dank verpflichtet sind, dass er rücksichtslos der assimilierten Judenheit einen Spiegel vorhält, darin sie ihre Fäulnis sehen kann. Wir anerkennen seine Wahrheitsliebe, mit der er gewisse Krebsschäden am Organismus der akklimatisierten

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