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Jüdische Zeitung · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nn 3 . 3:-. %/. ' i | J £ \h 1 &. ii i t i |.| I- Mitglieder des A.-C. verpflichtet, ihre Arbeit In erster Linie der Sammlung für den Parteifond zu widmen. Mit einigen Dankesworten an die Leitunng wird die Sitzung schlossen. um S1^ Uhr abends ge- Grosse Volksversammlung in Berlin. Anlässlich der Sitzung des A.-C. veranstaltete die Berliner zionistische Ortsgruppe Dienstag, den 7. ein Massenmeeting in den Sofiensälen. Ueber 1000 Personen fanden darin Platz und mindestens ebensoviel mussten umkehren, weil der Raum nicht weiter zureichte. Nach einer Ansprache des Präsidierenden Dr. H a n d t k e sprachen der Reibe nach: David Wolffs ohn, Prof. War bur g, Dr. Tschlenow (Moskau), Adolf Böhm (Wien), N. S o k o- 1 o w (Köln), Dr. Weizmann (Manchester), Dr. Löwe (Berlin). Sämtliche Reden fanden begeisterten Beifall. — Nach der Versammlung traten der Berliner Ortsgruppe 50 neue Mitglieder bei. SUdgalizischer Distriktstag. Am 22. Dezember v. J. fand in Stanislau der südgalizische Distriktstag statt. Vertreten waren ausser Stanislau noch einige Städte. Frl. Meller erstattete den Rechenschaftsbericht, aus welchem hervorgeht, dass heuer 2034 Schkolim verkauft wurden. Ausserdem haben noch die Poale Zion einige Hundert verkauft An Palästinaschekel sind noch vor dem Kongresse K 110.— eingegangen, hiervon K 98.— aus Stanislau. Der südgalizische Distrikt umfasst nach Zuweisung einiger Bezirke zu dem neugeschalfenen Distriktskomitee in Tamopol 44 Vereine (35 Männer-' und 9 Frauenvereine). Neu begründet wurden in diesem Semester 4 Vereine. Ueber den Bericht entspann sich eine Debatte, an der die Delegierten Horowitz und Wechsler teilnahmen. In der Xachmitlagssitzung referierte Herr Meier H e n i s c h über den jüdischen Nationalfonds. Er fuhrt aus: Wir haben auf jedem Gebiete Erspriessiiches geleistetZunäcbst haben wir eineFlugsehrift in jüdischer Sprache veröffentlicht und sie in grösserer Anzahl überall hin gratis verschickt Die Früchte dieser Propaganda sind nicht ausgeblieben. Wir haben uns auch für die Einsetzung von speziellen Nalionalfondskommissionen allerorts bemüht und ebenso für die Einführung der Sammelbögen und Sammelbüchsen Sorge getragen. Büchsen befinden sich in 30 Ortschaften unses Distriktes, in manchen sogar einige Hundert Stück, ln Stanislau z. B. erzielen wir mit den Büchsen ein jährliches Einkommen von K 800.— bis K 1000 für den Nationalfonds. ln der Zeit vom 1. Jänner 1907 bis zum 15. Dezember (also kein volles Jahr, und wenn wir die Wahlkampagne berücksichtigen sind es keine 9 Monate) sind aus unserem Distrikte — ich rechne dazu auch die Städte, die nunmehr zu Tamopol gehören — K 8432.69 dem Nalionalfonds zugefuhrt worden. Hiervon durch Wien K 6308‘82 (ausgewiesen in der „Welt“' und „Jüdischen Zeitung“) und durch Lemberg („Wschnd“) K 2123.87. Hieran beteiligten sich 44 Orte. 15 Orte mit Beträgen von mehr als K 100.—, 2 Orte mit mehr als K 1000.—, eine Stadt mit mehr als K 2000.— und zwar Stanislau mit K 2015.70, Drohobycz £ 1342.89, Boroslaw K 789.80, Kolomea K 595.28, Stiyj K 505.58, Czortkow K 902.04, Kossöw K 352.80, Kalusz K 308.25, Buczacz K 275.34, Bolechöw K 236.69, Tlumacz K 222.77, Zaleszczyki K 202.54, Grozdziee K 143.27, Ottynia K 113.57, Kopyczynci K 101.44. Dem ablretenden Distriktskomilee wird die Decharge erteilt. Der Antrag des Heren Dr. Sussmann auf Verlegung des Distriktskomitees nach Stryj, •welche eine heftige Debatte hervorrief, wurde schliesslich fast einstimmig abgelehnt. Bei den vorgenommenen Neuwahlen wurden folgende Herren ins Distriktskomitee gewählt: Dr. Schur, Dr. Halpern, H. Tropp, Dr. Lutwak, H. Henisch, Dr. Füllenbaum, Dr. Werfel, H.Eigenfeld, H.Fischgrund, Fri Meller aus Stanislau und je ein Mitglied von den Kreiskomitees in Drohobycz, Stryj, Kolomea und Buczacz. JÜDISCHE ZEITUNG Mitteilung des Kreiskomitees in Tarnöw« Lauf*Beschluss des letzten Distriktstages in Krakau ist in Tamöw ein Kreiskomitee kreiert und demselben der Tarnöwer Kreis (umschlossen durch die Grenzstädte Brzesko, Gryböw, Ropczyce, Mielec) unterstellt worden. Die Funktion des Kreiskomitees hat derzeit der bestehende Arbeitsaussehus der hiesigen ziön. Vereine übernommen und ersucht die Vereine und Vertrauensmänner des Kreises, sich mit ihm ehebaldigsl in Verbindung zu setzen, damit ihnen die nölgen Anweisungen rechtzeitig übermittelt werden können. Zuschriften sind zu richten an Dr. A. Salz, Advokat, in Tarnow. Kreisorganisation Tarmiw: im* Izaak, Dr. A. Salz, Schriftführer. Vorsitzender. Korrespondenzen. Fahrt zum Grabe Herzls. Wien. Die akademische Verbindung ,,Kadimah“ besucht am 24. Jänner 1908, 11 Uhr vormittags, anlässlich ihres 50. Stiftungsfestes das Grab Dr. Theodor Herzls und ladet zu dieser Gedenkfeier des toten Führers alle Zionistin Wiens ein. Die P. T. Gesinnungsgenossen werden ersucht, sich um 7<11 Uhr in der Halle des Döblinger Friedhofes zu versammeln. Die Abfahrt des Wagenzuges findet um 10'A Uhr von der Bude, IX., Grüne- Torgasse 19a, statt. Abraham Goldfaden gestorben. Wien. Abraham Goldfaden, der Begründer I des jüdischen Theaters, wurde im Jahre 1840 in Alt-Konstantin (Wolhyhier Gouvernement) als Sohn eines Uhrmachers in Russland geboren. Ursprünglich für ein Handwerk bestimmt, wandte er sich aber dem Studium zu, besuchte das Gheder itf Konstantin, acht Jahre das Rabbinerseminar in. Zitomir, wurde dann Lehrer einer Regierungsschule in Simperapol, übersiedelte dann nach Odessa, wo er sich mit einer Tochter des bekannten Schriftstellers A. M. W er bei verehelichte. Er zog dann nach Lemberg und' gab im Vereine Liniecki ein Witzblatt unter dem Namen „Jisrolek“ heraus, welches nach sechsmonatlichem Bestände von der Zensur.verböten wurde. Goldfaden zog nach Jassy, wo er mit einer jüdischen Sängertruppe, den sogenannten „Brodyern“, zusammenkam. Hier reifte in ihm der Gedanke, ein Theater zu begründen. Er richtete Belfer ab, die auch Damenrollen spielten. Das erste Stück, das zur Aufiuhrunge gelangte, hiess „Die Rekruten“. Von Jassy zog er nach Bukarest und dort begründete er die erste jüdische Bühne. Von Bukarest zog er nach Odessa, begründete ein jüdisches Theater, das aber von der Regierung geschlossen wurde. In Warschau führte er das Theater unter dem Namen „Deutsches Theater“ weiter. Schliesslich zog er nach Amerika, kam dann nach Europa, um bald nach Amerika zurückzukehren, wo er vorige Woche verschied. Eine Würdigung seines Lebenswerkes bringen wir an anderer Stelle. Galizien. Nathan der Leise. Tamopol. Auf einem Kommerse, der aus Anlass der Anwesenheit Stands in Tarnopol veranstaltet wurde, äusserte sich dieser in einer Rede über die Polenklubisraeliten Ko 1 is c he r und Löwenstein folgendermassen:„Kolischer“,sagte Stand, „gilt als eine äussergewöhnliche Intelligenz, als grosser Nationalökonom und genialer Theoretiker. Seine Intelligenz ist aber unfruchtbar in seiner nationalökonomischen Theorie, die wohl gelehrt klingen mag, aber von dem Staube eines halben Jahrhunderts bedeckt ist und in ein Archiv gehört, fehlt das Leben, fehlt das natürliche und tiefe Gefühl fiir die Leiden des Volkes.“ „Und Löwenstein — sagt man — sei ein ausgezeichneter Redner, ein auserlesener Rhetor, aber seine schönen Worte sind von keiner Idee getragen und klingen darum hohL Dieser grosse, auserlesene Redner, dieser „Natan der Weise“, wie ilm die Polen nennen, hat sich im Parlamente mit Rücksicht auf seine Haltung zur Judenfrage viel eher den Beinamen „Natan der Leise“ erworben.“ .... Rechenschaftsbericht des Abg. Dr. Gabel hn Wahlkreise des Abg. Dr. Löwenstein. I Drohobycz. Am 29. Dezember erstattete Ab- I geordneter Dr. Gabel in Drohobycz in einer überaus zahlreich besuchten Versammlung den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Jüdischen Klubs. Er war dazu aus zwei Gründen gezwungen: erstens hat es Abg. Löwenstein bis jetzt noch nicht für zweckmässig erachtet, vor seinen Wählern zu erscheinen, zweitens ist es anzunehmen, dass Löwens t ein auch über nichts zu erzählen hätte, was er im Dienste seines Volkes zu tun bestrebt war, falls er nach Drohobycz kommen sollte. Die Ausführungen Doktor Gab eis wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Nach einem Referate des Herrn F. Waschitz gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: 1. Die am 29. Dezember versammelten jüdischen Wähler der Stadt Drohobycz nehmen den Bericht über die Tätigkeit des Jüdischen Klubs mit Befriedigung zur Kenntnis und votieren dem Klub ihr vollständiges Vertrauen; 2. fordern die Regierung auf, Erleichterungen in den Verordnungen über die Sonntagsruhe einzuführen; 3. sprechen den jüdischen Abgeordneten aus Galizien, die nicht dem Jüdischen Klub angehören, das Misstrauen aus. Sieg der Zionisten bei der Kultuswahl. ZIOCZÖW. In unserer sonst ruhigen Stadt — denn selbst unser Reichsratsabgeordneter Dr. Josef Gold hält es für überllüssig, vor seinen Wählern zu erscheinen und ihnen von seiner bisherigen parlamentarischen Tätigkeit Bericht zu erstatten — herrscht jetzt reges Leben. Wir standen nämlich vor den Kultuswahlen, welche am 7. und 8. Jänner stattgefunden haben. Am 5. Jänner berief der hiesige „Zion“-Verein in den Kultusgemeindesaal, -welchen der Vizepräsident Herr Dr. Ithamar Eid elber g zur Verfügung stellte, eine Volksversammlung,- in welcher die alten Kultusräte über ihre bisherige Tätigkeit Bericht erstatten sollten. Es erschien jedoch nur Vizepräsident Dr. Eidei he rg, der im Namen des alten Kultusrates den Bericht erstattete und auf alle Vorwürfe und Interpellationen seitens des Obmanustellvertreters des Vereines „Zion“ antwortete. Hierauf entwickelten die zionistischen Kandidaten ihr Programm, das beifällig aufgenommen wurde. Die Versammelten beschlossen hierauf, fiir die zionistischen Kandidaten zu stimmen. Und tatsächlich zeigte es sich am Wahltage, dass sich die Volkssympathien auf -unserer Seite befinden, da fast die ganze zionistische Liste aus dem Wahlkampfe als Siegerin hervorging. Vier zionistische Kandidaten wurden gewählt, und zwar die Herre* Dr. E i d ö 1 b e r g Ithamar, Dr. ’ Alte r Bemard, Dr. Grosskopf Jakob und Scliorr Nathan. In der ganzen Stadt herrscht darüber grosse. Freude. Omer E me s. Von den gemässigten Jsraeliten. Lemberg. „Von der tiefen Ueberzeugung durchdrungen, dass der tatsächliche Fortschritt nur durch das friedliche Zusammenwirken aller Volksschichten des Landes die sich in ihrer ungeheurer Mehrzahl zur katholischen Kirche bekennen, zu erreichen ist, muss die Bevölkerung im ganzen öffentlichen Leben im Geiste der christlichen Moral geleitet werden . . Unter einem Aufrufe der allpolnischen Partei im antisemitischen Slowo Polskie, der diesen wunderbaren Satz enthielt, finden wir neben den Unterschriften anderer Antisemiten auch jene nachfolgender Israeliten: Dr. Nathan Löwenstein, Dr. Josef Gold, Rudolf Gail, Dr. Henryk Kolischer, alle vier Vertreter der Juden im Parlamente, ferner Josef S ar e, Vizebürgermeister in Krakau. Nach dieser Leistung ist der nachfolgende Wutausbruch gegen die Zionisten wirklich „gemässigt“: „Im Verhältnis zu der jüdischen Bevölkerung des Landes wird die Demokratie eingedenk der ehrenvollen Traditionen unserer Geschichte dahin wirken, dass die Gleichberechtigung der Juden nicht bloss ein Schlagwort für die Zeit der Wahlen bleibe, sondern dass sie sich mit der allgemeinen Entwicklung unseres gesellschaftlichen Lebens auch verwirkliche, wiewohl die zionistischen Bestrebungen die Erfüllung dieses Wunsches in hohem Masse erschweren.“ Kultuswahl in Krakau. Krakau. Bei der Wahl in die Kultusgemeinde (30. und 31. Dezember 1907) vereinigten sich die sonst in heftige: Gegnerschaft lebenden „unabhängigen“ Juden des Dr. Gross mit der Kultusklique um den Preis von vier Mandaten und die allerdings freudig zu begrüssende Kreierung einer vierten allgemeinen Kurie mit zehn Mandaten. Die Zionisten, die eigene Kandidaten aufgestellt hatten, blieben in der Minorität. Abraham Reisen in Lemberg. Lemberg. Ueber Einladung eines Komitees Ton Freunden der jüdischen Literatur kam Abra-

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