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Jüdische Zeitung · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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mü 3 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 der Wiener „Zeit“ erklärt, dass die österreichischen Rumänen die Gräueltaten ihrer Kpnnationalen in Rumänien verabscheuen und dass derartige Dinge in Oesterreich unmöglich wären. Und damit hat sich die jüdische 0< ffentlichkeit getiöstet und die Mahnung, die in diesen Vorgängen lag, die Organisation aller jüdischen Kräfte des Landes auszubauen, überhört. Erst das Wühlen der rumänischen Studentenschaft, die „christliche“ (lies antisemitische) Kandidatur Professor Roschm a n n s gegen Dr. S t r a u c h e r, die Hetze der Abgeordneten Dr. Aurel R. v. Onc i u 1 und des Regierungsrates Wiedmann anlässlich ihrer Kandidatur in den Reichsrat, die Agitation für den Sozialdemokraten Grigorovici, der gegen Dr. Neumann Wender in Czernowitz-West nur darum gewählt wurde, weil er Christ ist hat tiefe Spuren in der jüdischen Bevölkerung hinterlassen. Wenn auch die Führer „nach getaner Arbeit“ die unsauberen Wahlmanöver vielleicht wieder vergessen, die Massen haben die Ideen aufgenommen und halten sie fest. So wurden in den letzten Tagen in Czernowitz eine Unmasse von Flugzetteln und -schritten verbreitet, die durch die dümmsten und lächerlichsten BeT schuldigungen die christliche Bevölkerung gegen die Juden hetzen. Ueberdies wurden die Christen in einem Aufrufe, welcher von der „christlichsozialen Partei Czernowitz“ gefertigt ist, zu einer Versammlung ins rumänische Nationalhaus geladen. Die Fackel der Leidenschaft und des Hasses ist in die früher friedlich gewesene Bevölkerung getragen und hat gezündet. Und daraus ist es auch zu erklären, dass das Häuflein deutscher Studenten auf der Czernowitzer Universität, wo die weitaus überwiegende Mehrheit der „deutschen“ Hörer aus Juden besteht, es gewagt hat, gegen die Berufung des Abgeordneten Dr. Mahler zu protestieren, weil derselbe sich stolz als Juden bekennt. Und um allem die Krone aufzusetzen, wird gemeldet, dass nicht bloss der gottselige „Liberale“ Aurel Onciul mit den Christlichsozialen unterhandelt, sondern dass der ganze Rumähenklub mit ihnen für „gewisse“ Fragen eine feste Vereinbarung getroffen habe. Die Frage: „Was ist mit der freisinnigen Vergangenheit des Rumänenklubs geschehen?“ kann sich ein Kind selbst beantworten. Welche sind aber diese „gewissen“ Fragen? Hat vielleicht der Rumänenklub den Ghristlichsozialen die Unterstützung seitens der rumänischen Bevölkerung in den Städten der Bukowina, wo sie einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung bilden, zugesagt? Diese Frage ist um so mehr berechtigt, als man — wie oben erwähnt — schon bei der letzten Wahl, Lueger in Radautz, Sereth und Suczawa kandidieren wollte, wo die Juden nebst Czernowitz-Ost am stärksten sind, wo aber auch was die Städte anlangt, die Rumäneu ihre beste Position haben. Während nun die Rumänen und Christlichsozialen eifrig an der politischen Arbeit sind, schauen die Juden dem allem tatenlos zu und wollen nicht einsehen, dass sich das Gewitter immer mehr und mehr über ihrem Haupte zusammenzieht und sich sicher entladen wird, wenn man nicht zur Abwehr rüstet, bevor es zu spät wird. Es wäre die Pflicht des Czernowitzer jüdischen Nationalvereines, gerade jetzt, wo man uns von allen Seiten den Kampf ankündigt rasch und energisch einzugreifen. Wenn wir hier unseren Besitzstand wahren, und uns als vollwertigen Faktor erhalten wollen, dann müssen wir eine feste politische Organisation schaffen, die das Volk aufkläre und kampfbereit mache. Tun wir das, so können uns hier weder Rumänen, noch Christlichsoziale etwas anhabem Wenn wir aber nicht rasch an die Arbeit schreiten, dann werden wir Zusehen müssen, wie die galizische Doktrin, die Juden als quantite negligeable zu behandeln, auch bei uns in Anwendung gebracht wird. Ben Menachem. Suczawa, Ende Dezember 1907. Kletten. Nachdruck verboten. „Mir san echte Weaner Kinder, Drah’n und paschen bis in d’ Frua! Saufen wie dö Berschtenbinder, Singen uns a Lied dazua! Schon am erschien san m’r stier, Duliöh, ja, mir san mir!“ Die drei Herr’n, so resch und froh, Heissen Heller, Basch und Kohn, Sind bei Silberblatt & Co. Als Kommis in Kondition. „Einen Gzardas will ich haben, Hat, Zigäiner, spiel’ ihn auf, Hören ize dumme Schwaben,' Geh’n verdammte Schwaben d’rauf! Rot-weiss-grün muss in die Heh — Eljen, Kossuth, Weckerle!“ Wie der Patriot sich freut! Wacker, tapferer Magyar! Lazio Sandor heisst er heut, Löwy Schmul vor einem Jahr. „Deutsche Lieder, deutsche Frauen, Deutsches Wort und deutscher Wein! Brüder, lasst uns Hütten bauen An dem alten deutschen Rhein! Lasst uns rufen für und für: Heil dir, deutsches Volk, heil dir!“ Die Korona, die ich sah, War Herr Mayer, Schwarz und Thorsch Von dem Korps Danubia; Ofner ist ihr Ehrenborsch. „Juden, seid nicht feige Kletten, Lauft nicht fremden Fahnen nach! Brechet eure Sklavenketten, Wie' sie einst Bar-Kochba brach! Schüttelt ab den alten Spott, Wer sich selbst hilft, dem hilft Gott!“ ♦ Wisst ihr, wer dies Lied ersann? Das sind Worte, stark und tief, Die ein freier, deutscher Mann, Börries-Münchhausen, rief! Beda. Parteinachrichten. Die Sitzung des grossen Aktions- Komitees. Von unserem Spezialkorrespondenten. (Schluss des Berichtes.) II. V e r s am ml an g s t a g. Dr. Bodenheimer berichtet über die Einrichtung des Kölner Bureaus und die Sammelstellen. Er hebt hervor, dass besonders die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds in Wien in geradezu ausgezeichneter Weise funktioniert. Er legt die tags vorher gefasten Beschlüsse der JN. F.-Genossenschaft vor, der A. P. C. einen Kredit von 300.000 Francs zu gewähren, damit sie in der Lage sei, der Hausbaugenossenschaft in Jaffa einen gleich hohen Kredit zu gewähren. Der Betrag soll in 18 Jahren zurückgezahlt werden. Ferner wurde der neugegründeten Land-Developement-Co. ein Kredit von 300U Pf. St. zu 4% auf 10 Jahre gewährt, falls ein gleich hohes Kapital von anderer Seite aufgebracht würde; dieser Kredit wird auf 4000 Pf. St. erhöht, wenn 4000 Pf. St. von anderer Seite aufgebracht werden. Dagegen wird dem N. F. durch Gründer-Shares der Go. ein massgebender Einfluss auf sie eingeräumt. Böhm verlangt, dass die. Entscheidungen über die Verwendung von N. F. dem A. C. Vorbehalten werden. Falls man über’ haupt N. F.-Gelder in Palästina festlegen will so müsse man, bevor man einzelne Fälle weiss, zuerst prinzipiell darüber entscheiden, wozu N. F.-Gelder verwendet werden dürfen. Sicher nur zu wichtigen Zwecken, die geeignet sind, den Judenstaat vorzubereiten. Solcher Dinge gibt es nur zwei, die nationale Erziehung und die Schaffung eines jüdischen Bauern- und Arbeiterstandes in Palästina. Die Frage der Massenansiedlung kann nur durch einen Modellversuch studiert werden, welcher nicht nach den alten, aussichtslosen Kolonisationsmethoden gemacht werden darf, sondern der durch Genossenschaft oder wenigstens Gewinnbeteiligung die Arbeiter zu Impulsen wecke, die allein die Kraft haben, aus einem städtischen Proletariat Landbauern zu machen. Solch einen Versuch stelle die Developement Co. dar. Gegen die Hausbaugenossenschaft habe Redner nichts, er sei nur gegen die Systemlosigkeit der Leitung. Kremenetz ky sagt, er sei immer für die Unantastbarkeit des N. F. gewesen. Jetzt, wo man durch die früher erzwungenen Landkäufe zu weiteren Ausnahmen in dieser Richtung genötigt sei, würden Vorwürfe erhoben. Weizmann: Seit Jahren stelle ich die Frage an die Leitung: Was ist Ihr System? Nach welchen Gesichtspunkten arbeiten Sie? Was werden Sie tun, wenn Ihre politische Arbeit Erfolg hat? Die Arbeit des A. C. muss eine einheitliche sein, sie muss nach grossen Gesichtspunkten vor sich gehen. Präsident weist die Vorwürfe Weizmanns zurück. Prof. W a r b u r g erstattet den Bericht des Palästiner-Ressorts. Es wären mindestens M. 100.000.— nötig, damit er seine Arbeiten leisten könne. Redner berichtet über die Zeitschrift »Palästina“, den Bezalel, den Pflanzungs verein, welcher bereits 300 Dunam in Rechoboth bepflanzen lässt, das Industriesyudikat, die Oelbaumspende, den Herzlwald, der sehr gute Fortschritte macht (Es fehlen nur mehr 1000 Bäume. Im Februar oder März wird die Baumschule für den Herzlwald angelegt). Die Developement Co. — über die wir an leitender Stelle berichten — und schliesslich über das Palä« s ti n en a mt Dr. Franz Oppenheimer spricht über die Notwendigkeit einen kolonisatorischen Versuch zu machen, wie städtische Proletarier zu Landbauern gemacht werden können. Dies sei das zionistische Grundproblem. Das geht nur so, wie er es für die Siedlungsgenossenschaft vorschlug: 1. Die Arbeiter dürfen in der ersten Zeit kein Risiko haben. 2. Sie müssen gleich vom Anfang an durch Gewinnbeteiligung an dem Unternehmen interessiert sein. 3. Muss die Möglichkeit des Uebergangs von extensiver zur intensiven Kultur gegeben sein, damit ein Vielfaches der ursprünglichen Menschenzahl auf demselbnn Fleck ernährt werden kann. Dr. Ruppin erklärt, dass all das bei der Palästina Developement Co. der Fall sei. Er freut sich der Uebereinstimmung mit Dr. Oppenheimer. Oppenheimer gibt zu, dass diese Gesellschaft bei starker Gewinnbeteiligung der Arbeiter als ein vielversprechender Versuch angesehen werden könne. F e i w e 1 wirft der Leitung Mangel an Initiative vor. Die Bewegung habe die Fühlung mit der Volksseele verloren, weil man alles in Paragraph und Statuten verwandelt habe: Bank, Nationalfonds etc. Es sprachen noch Dr. Gronemann, Dr. Friedemann, wonach die Vorschläge des N.-F. akzeptiert wurden. In der Nachmittagssiizung wird über Schekel und Parteifonds gesprochen, die geringen Eingänge für den letzten konstatiert und durch Beschluss der Sitzung die Landsmannschaften und die einzelnen

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