Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 ham Reisen vorige Woche nach Lemberg, um Samstag am 11. d. M. selbst verfasste Novellen und Gedichte vorzutragen. Dem Komitee, das zur Mehrheit aus Mitgliedern der poale-zionistischen Organisationen „Acliwali“ und „Judith“ zusammengesetzt war, gebührt für die Darbietungen viel Dank. Anerkennung verdient auch das Ziterquartett der Geschwistsr S t r i b i n g und der Herren Jlnicki und Lipinski, welche in meisterhafter Weise den musikalischen Teil des Abends besorgten. Nachher feierten die Intimen und Yer- •elirer des Dichters den lieben Gast in gemütlichem ■Beisammensein. a. k. Bukowina. ludentag in der Bukowina. Radautz. Anlässlich eines Referates des Dr. Max Diamant aus Czernowitz über „die Landtagswahlreform und die Juen“, in welchem acht sichere jüdische Wahlkreise gefordert wurden, bildete sich auf Antrag Doktor Luttingers ein Komitee mit Dr. Bierer an der Spitze, das die Einberufung eines Judentages vorbereiten soll. Deutschland. Delegiertentag der Sabbatfreunde. Berlin. Ende Dezember 1907 tagte in Berlin eine Versammlung der Sabbatfreunde. Die vorhandenen 90 Ortsgruppen hatten 50 Delegierte entsendet. Der Bericht verzeiehnete einen Aufschwung des Verbandes. Die Verhandlungen wiesen auf die Aufgabe hin, die Sabbatheiligung unter den deutschen Juden zu propagieren und das Thorastudium zu unterstützen. Bemerkenswert ist die Errichtung einer „Darlehenskasse der Sabbatfreunde“. Dr. Paul Nathan über Palästina. Frankfurt a. M. Dr. Paul Nathan äusserte sich auf dem Rückwege aus Palästina in einer Gesellschaft über die Möglichkeiten einer jüdischen Kolonisation in Palästina ziemlich günstig, ln Bezug auf das Schulwesen ist er der Meinung, dass die bisherige Methode der Alliance-Schulen nicht entsprechend sei, vielmehr müsse man aus rein praktischen Gründen das Hauptaugenmerk auf das Hebräische und Arabische richten. In städtischen Schulen, wie in Jaffa, seien auch die fremden Sprachen am Platze. Vor allem müsse man - nach Dr. Nathans Meinung — die Talmud-Thora-Schulen reformieren. Es ist zu erwarten, das der ■ Hilfsverein: der deutschen Juden für die Zukunft Palästinas Erhebliches leisten wird. Russland. Sieg der Nationaljuden. Warschau. Bei der Wahl in die Kultusgemeinde siegte der Block der Zionisten, Nationaljuden und Orthodoxen gegen die Assimilanten aller Schattierungen. Pogromprozesse. Elisabethgrad. Vor dem hiesigen Kreisgerichte wird der Prozess gegen die Pogromanstifter von Nowogeorgiewsk geführt. 28 Hooligans sind angeklagt; 85 Zeugen sind vorgeladen. 15 Juden schlossen sich dem Verfahren als Privatkläger an. Jüdische Gymnasien. Odessa, ln Odessa wurde in den letzten Tagen die Eröffnung eines jüdischen Gymnasiums gestattet. ln Lodz bat sich ein Komitee gegründet, das die Schaffung eines Gymnasiums beabsichtigt. Pogromscharmützel. Nikolajew, die Nachbarstadt Odessas, ist jetzt der Schauplatz arger Ausschreitungen. Hooligans ziehen bandenweise durch die Stadt und überfallen — natürlich Juden. Die jüdische Bevölkerung lebt in beständiger Angst und traut sich am Abend nicht auf die Gasse, besonders, seitdem ein gewisser Tumarkin halbtot geprügelt wurde. Teuerung m Russland. St. Petersburg. Aus allen Städten des Ansicdlungsrayons kommen äusserst beunruhigende Nachrichten über die Teuerung. Brot, Holz und Kohlen sind fast um 100 Prozent gestiegen. Die Notlage der ohnehin so armen jüdischen Bevölkerung hat den höchsten Grad erreicht. Pogromschaden kein mildernder Umstand. Nowositkow. Während der Oktoberpogrome im Jahre 1905 wurden alle Juden der Stadt ausgeplündert. Wie es zum Steuerzahlen kam, wandten sich die Juden an das Finanzministerium mit der Bitte, ihnen die Entrichtung der Steuern für das Jahr 1905 zu erlassen, da sie vollständig ausgeraubt wurden. Das Finanzministerium entsprach ihrer Bitte nicht, sondern gewährte ihnen bloss eine Prolongation des Zahlungstermines. Ein jüdisches Tagblatt in Wien, Aus der Fülle der Zustimmungskundgebungen, die wir täglich zu diesem Thema erhalten, bringen wir nachstehend eine Zuschrift von Gg. Karl Rezek in Prag, der sich als langjähriger Distriktsobmann und als Gründer und Leiter der Volksvorschusskasse einer Autorität in unseren Kreisen erfreut. Er schreibt uns: „Ich begrüsse die Gründung eines Tagblattes, aber rate zur Vorsicht, d. h. nicht früher anfangen, bevor nicht die materielle und geistige Grundlage gegeben ist. Um die letztere bin ich nicht besorgt, wenn die erstere vorhanden ist. Mit einem guten jüdischen Tagblatt wäre mein Herzenswunsch erfüllt; einige Wochenschriften würden zwar ihre Daseinsberechtigung verlieren, dagegen aber würde jüdischer Geist und jüdisches Geld kraftvoll dem Volke dienend, konzentriert sein. Die Gründung stelle ich mir auf genossenschaftlicher Basis in Anteilen ä K 20.— vor und bin gerne bereit, hier, so weit meine Kräfte reichen, für solche Anteile zu agitieren . und stelle mich selbst mit einer grossen Anzahl an die Spitze.“ Einem Briefe des Vereines „Achawath Zion“ in Podkamien entnehmen wir: „Der Artikel „Ein jüdisches Tagblatt in Wien* hat bei den Juden unserer Stadt allgemeines Interesse geweckt. Ihre Wochenschrift hat sich durch das mannhafte Eintreten für jüdische Interessen grosse Sympathien erworben und durch leicht fassliche, populäre Darlegungen der zionistischen Grundidee verquickt mit national-jüdischen politischen Tagesfragen viel zur Verbreitung des Zionismus beigetragen.Wir werden die Verbreitung Ihres Blattes nach Möglichkeit fördern und ersuchen um Zusendung von Spendenblocks behufs Sammlung für den Pressfonds.“ Wir knüpfen daran die Auftorderung an unsere Gesinnungsgenossen für die Verbreitung unseres Blattes alle ihre Kräfte ( einzusetzen. Je grösser die Zahl unserer Abonnenten sein wird, desto rascher werden wir dieses Ziel erreichen. Tue jeder seine Pflicht! Nachstehend bringen wir die Spezifikation der in der letzten Nummer ausgewiesenen Sammlung unseres Gg. Simon Lamm aus Stary-Sambor für den Pressfond : N. N. 20 K, S. E. H. 10 K, N. N. 3 K, Samuel Landau, Simon Jakob ä 2 K, Simon Landau, Abraham Segal, Raphael Hausmann ä 1 K, zusammen 40 K. Ein Wiener Gg. hat für den gleichen Zweck 50 Kronen gezeichnet. Palästina. Das Problem der nationalen Erziehung in Palästina. Von Dr. M. G. 11. Das hebräisch c G y m n a s i n tn i u Jaffa. Die ersten praktisch, n Schritt*1 zur Gründung eines regelrechten Gymnasiums sind verhältnismässig jüngeren Datums. Im Jahre 1905 taten sieh in Jaffa mehrere Gesinnungsgenossen. mit den Herren Dr. Hillei J <> f fe und L e w o n t i n. Direktor der Angln Palestine Company, an der Spitze, zusammen, beriefen, den als Pädagogen riihmlichst bekannten Herrn Dr. M <■ t in n nn-Coli e n aus Risehoii-Lezion und beauftragten ihn. Gymnasialkurse einzurichten. um so den jungen Leuten, die sieh für das [Tniversitiitsstudium vorbereiten wollen, die Möglichkeit zu bieten, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen und gleichzeitig eine gute jüdisch-nationale Erziehung zu gemessen. Neben Herrn Dr. Metmann-Gohen wurden bald noch weitere zwei Lehrer angesteilt. Der Versuch gelang, wie man es besser nicht hätte erwarten können. Die Zahl der Schiller betrug anfangs 14, stieg aber im Laufe des ersten Jahres auf 30; das Budget für das Schuljahr 1905/190<> belief sich auf Fres. (>400. Zu Beginn des Jahres 5öt>7 (1906/190?) kamen die Herren Dr. Ch. Bogratochow, Dr. Leo Kohan und Dr. ML Scheinkiu nach Palästina und nahmen si»4t des jungen Unternehmens tatkräftig an. Es wurde ein Verein mit dem Namen „Agudath-Hagimnasiali-Haibrith“ gegründet, der sich die Aufgabe stellte, ein regelrechtes hebräisches Gymnasium zu gründen und zu unterhalten. „welches den Schülern bei national-jüdischer Erziehung eine reale Ausbildung geben und sie auch zum Eintritt in eine Hochschule vorbereiten soll." (Aus deu Vereinsstatuten.) Nach dem Vorbild der schweizerischen höheren Schulen wurde beschlossen, die höheren Klassen in drei speziellen Sektionen: Realschule. Handelsschule und Gymnasium zu gliedern. Der Verein bestand anfangs aus fünfundzwanzig Mitgliedern, von welchen jedes Fres. 250 als Stiftungsbeitrag eimzahlte. Durch die Entrichtung dieses Beitrages erlangen die „stiftenden Mitglieder“ das übertragbare liecht auf Ermässigung der abfälligen Schulgelder in der Höhe von 10 Prozent, so dass der Stiftungsbeitrag auf diese Weise im Dürfe der für den ganzen Kursus vorgesehenen acht- Jahre abgetragen wird. Gleichzeitig mit der Gründung des GymnasialVereins wurde ein Aufsichtsrat gewählt, bestehend aus den Herren Dr. M. Joffe. Dr. M. Scheink i n, Dr. L. K o h a n. E. A. Weis s, J. M o - j e r m a n n. A. I t. i n und J. F e i n be r g. Der Aufsiohtsrat iiliernabm die Garantie für e - Billiget, welches fiir das Jahr 5607 auf Fres. 12.800 festgesetzt wurde. Es wurden acht Lehrer engagiert, zum grössten Teil bewährte Pädagogen, darunter die Herren Dr. Ch. Bog r a t s e h o w und Dr. L. M c t tu ann- C o h e n. Daneben wurde noch ein pädagogisches Kollegium eingesetzt, zu welchem nebca den Lehrern auch die Herren L>r. M. Sc hei n»- k i n, Kritzewsky und Grasowsky gehören. Bis jetzt funktionierten drei Präpnranden- und zwei Gymnasialklassen, und man muss sagen, dass die Leistungen alle noch, so hoffnungsvollen Erwartungen übertreffen. Nach dem Zeugnisse kompetenter Persönlichkeiten. welche Gelegenheit hatten, mit dem Gymnasium in nähere Berührung zu treten — ich erinnere nur an die anerkennenden Worte Dr. Sehe m a r j a h Le w i n s in seinem Kongressreferat über nationale Erziehung in Palästina — wird dieses Institut mit hingebungsvoller Liebe und unermüdlichem Eifer geleitet und birgt Ln sieh die Keime weiterer Entwicklung und Vervollkommnung. Besondere Anerkennung verdienen die geradezu schöpferisch zu nennenden pädagogischen Leistungen der Gymnasiallehrer. .Sie haben nicht nur die schwierige Aufgabe, sämtliche Lehrfächer in hebräischer Snrache zu unterrichten, sondern sie müssen sogar den Lehrstoff für ihre speziellen Zwecke selbst zusammenstellen und sieh ihre Methode selbst schaffen. Denn für die meisten Lehrfächer besitzt man ja noch so gut wie gar keine Lehrbücher in hebräischer Sprache und auch in anderen Sprachen gibt es keine Schulbücher, welche für die spezielle« Verhältnisse Palästinas berechnet wären. Bei vielen Disziplinen — so z. B. in Geographie und Naturkunde — muss daher der Lehrstoff unter besonderer Berücksichtigung des Lande« und seiner natürlichen Verhältnisse und Bedienungen erst bearbeitet werden, so dass bisweiic« eine Unterrichtsstunde dem Lehrer mehrere Stunden Arbeit ausserhalb der Schule verursacht. Dass die Lehrer der Grösse der Aufgaben nicht erliegen, ja dass der Unterricht unter diesen Schwierigkeiten überhaupt nicht zu leiden hat. ist nur dem grossen frlealismu« und der inneren Befriedigung ztiztisehreiben, die ihnen das Bewusstsein, ••ine nationale Pflicht zu erfüllen, verleiht. Auch aut die Hygiene der Schüler wird grosses Gewicht gelegt und es verdient an dieser Sielle hervoreehoben zu werden, dass dank de»