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Jüdische Zeitung · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr., 3 niedrigen Bodenpreisen vor. Lind za kaufen - anstatt zu pachten. Für die zahlreichen unbemittelten Juden, die sich in Palästina der Landwirtschaft wimen möchten, ist der Landbesitz des Nationalfonds ohne Wert. Er bietet ihnen weder die Möglichkeit, sich in der landwirtschaftlichen Ai beit metho tisch auszuhil- , den. noch die Möglichkeit, auch ohne Geldmittel auf einem wirtschaftsfähigen Bo ien allmählich Pachter und Eigentümer zu werden. : Diese beiden Möglichkeiten müssen geschaffen I werden. Erst dann wird es gelingen, die be- :. reite im Lande ansässige, arbeitsfähige jüdische ■ Bevölk-rung und die zahlreichen ju»gea Juden, die voll Begeisterung und Arbeitslust für die : Landwirtschaft nach Palästina kommen, in : Palästina fe tzubalten. Jetzt verlassen sie in der Mehrzahl nach einigen Jahren enttäuscht; und verzweifelt das Land, weil es ihnen keine ■ Aussicht bietet, ein Stückchen Boden zu erw werben und selbständig zu bewirtschaften.* Zur Beseitigung dieses Uebelstandes wird die Gesellschaft mit 50X00 Anteilen zu 1 Pfd. St. (K 25.— mit allen Spesen) gegründet, der Nationalfonds gibt ihr spin Land in Pacht und einen Kredit von 3000 bis 4000 Pfd. St., erhält aber durch Gründershares massgebenden Einfluss. Auf den Ländereien werden jüdische Arbeiter zur Landwirtschaft erzogen und sind gleich von vornherein am Gewinne beteiligt. Die Gesellschaft, über die wir noch ausführlich sprechen werden, entspricht in ihrer ganzen Anlage den Forderungen F-r a n z Oppenheimers, welcher in der A. ’Ci-Sitzung erschien und seine Zustimmung gab. Das Hauptproblem des Zionismus, so argumentiert dieser hervorragende Gesinnungsgenosse, ist die Ueberfühiung von städtischem Proletariat in ländliches. Das kann nur glücken, wenn man den betreffenden Arbeitern ein starkes Interesse an der ländlichen Tätigkeit einflösst. Das ist nur dadurch zu erreichen, dass man die Arbeiter teilweise oder ganz Besitzer des Betriebes werden lässt. So war die Siedlungsgenossenschaft gedacht, so ist auch die ihr ähnliche . Developement Co. .eingerichtet. Mit ihrer Inaugurierung macht der Zionismus endlich einen aussichtsreichen kolonisatorischen Versuch, dessen Gelingen uns die Kreditbasis, die Erfahrung und die Bürgschaft des Erfolges für eine Massensiedlung schaffen kann. Deshalb ist diese Gründung von allergrösster, entscheidender Bedeutung. Die Agitation für die Pfundshares der Gesellschaft muss durch die Lande gehen, wie einst jene für die Aktien der Bauk. Die Anteile sind ebenso niedrig wie diese, denn auch die Landgesellschaft soll ein Unternehmen des ganzen Volkes werden. Kein philantropisches, aber auch kein rein kapitalistisches. Sie ist ein grosses, soziales Werk und wir zweifeln bedeutsamen Hintergrund besitzen. Wenn er auch in der »Opferung Isaaks“ den Elieser als einen besoffenen Hausknecht darstellt oder in »Bar Kochba“ den handelnden Personen durcheinander triviale, pathetische und burleske Worte in den Mund legt oder in »Messias Zeiten“ ein geschmackloses Duett eines Baal-hagule (Kutschers) und eines Chusseds über die Zuhörer ergehen lässt und so auch das primitivste Empfinden verletzt, so bedeuten diese Stücke im Handwerke Goldfadens doch einen Fortschritt, denn neben Variäleliedem lind Gassenhauern findet man vereinzelte Perlen. Lieder, ungekünstelt, natürlich, von jüdischen Leiden und Freuden. Irgend eine jüdische Sitte, ein Bild aus dem jüdischen Leben, wahr, einfach und rührend. Dann eine Melodie, die an etwas erinnert — die jüdische Familie ist es, mit ihrer Innigkeit, eigentümlichen Zartheit und kindlichem Einfalt. Reminiszenzen aus seiner Jugend. Der Handwerker Goldfaden verwandelt sich in einen Künstler. Die jüdische Wirklichkeit wirkt auf ihn ein, lichte, glänzende Stellen sinJ es. Aus dem Wust des Geschmacklosen bricht es strahlend hervor und packt Der Naturdichter wird da unmittelbar. »A Bäumale hoben insere Owes Oweiseini“, »Haschiweini nasad“, „Weint in klugt ihr Zions Techter“, »ln bejs-hamikdasch“, manche Melodien in Snlämith, die so jüdisch sind, erheben ihn von dem Niveau eines Machers und Bänkelsängers auf die Höhe eines Dichters und Komponisten. Ein Witzwört wird über Goldfaden erzählt: Die Dramatiker sagen von ihm, er sei ein Komponist, die Musiker, er sei ein Dramatiker. Damit tut man ihm Unrecht Denn) wenn man nicht, dass auch die Poale Zion ihre ganze Kraft dafür einsetzen werden. Ist es doch ihre Hauptforderung, dass ein solcher Versuch gemacht wird, haben doch gerade ihre Vertreter sich am Kongress in diesem Sinne bemüht. In anderen Fragen, wie zum Beispiel in jener der inneren Politik, sind Differenzen zwischen der Landesorganisation und den Poale Zion möglich — in dieser Frage gibt es keine. Daher haben schon in der Frage der Siedlungsgenossenschaft Poale Zion und ö-terreichische Föderation Hand in Hand gearbeitet. Denn das ist ein »rein zionistisches“ Arbeitsgebiet, hier handelt es sich um sozialökonomische Probleme und sozialen Fortschritt, hier handelt es sich darum, aus dem jüdischen Arbeiter einen Bauern in Palästina zu machen, daher heisst es jetzt: „Poale Zion to the front“ — Poale Zion an die Spitze! Is ~ Die Sozialdemokratie und die jüdische Nationalität. Von Dr. D. P a s m a n i k, Genf. III. Nun, sehen wir uns die wirklichen Tatsachen des jüdischen Lebens genauer an. Nehmen wir als Beispiel Oesterreich. Herr Bauer spürt, dass die Assimilation nur dann lief und dauerhaft ist, wenn sie auch materiell ökonomischer Natur ist. Und deshalb stellt er eine gewagte Behauptung auf, die absolut auf keine Tatsachen beruht. Er schreibt : „So werden, die Juden allmählich in die anderen Berufe hineingezwungen; sie verstreuen sich über das Land (?), sie verteilen sich auf alle Produktionszweige (?).“ Nun möchten wir fragen, wo hat Herr Bauer diese Tatsachen beobachtet? Etwa in Oesterreich? Verstreuen sich die österreichischen Juden über das Land? Was sagen uns die offiziellen statistischen Untersuchungen? Nach’ der letzten Volkszählung bilden die Juden 4*68^ der ganzen österreichischen Bevölkerung (1,224.711 Juden auf 26,150.708 Einwohner). Und wie verteilen sich die Juden? In der Bukowina bilden die Juden 13’2°/0, in Galizien 11*1 %, in Niederösterreich 5*1^, in den Sudetenländern T6%, in Küstenland 0 7%, in Tirol mit den Alpenländex-n 0-11%> hi Dalmatien 0’05 % der entsprechenden Gesamtbevölkerung. Mit anderen Worten, wenn man die Verteilung der Juden in Oesterreich jetzt und vor der Emanzipation vergleicht, konihm auch die grosse gestaltende Kraft des wahren Dramatikers absprechen darf, gewiss ist es, dass er ein musikalisches Talent war. Ohne Kenntnis der Kompositionslehre, ja, ohne dass er auch nur Noten lesen konnte — er sang vor und notenkundige Freunde schrieben die Melodie nieder — gelangen ihm Lieder sinnigster Art, die von vergangener Grösse erzählten, Gesänge, die schlicht und einfach von der Not des Volkes berichten, Arien, die die Volkssehnsucht verkörpern. Bald ist es ein Wiegenlied, bald ist die Mahnung, in die Heimat zurückzukehren, bald ein inniges, zartes Liedchen — das erfasst, erfreut und zauberhaft nachhallt. Diese wenigen Perlen, diese leider nur selten verstreuten Blüten, die so zart sind, als hätte sie die Volksseele selbst geschaffen, dieZioniden und traurigen Sänge — um ihretwillen sei der Name Goldfadens doch in das Ehrenbuch des jüdischen Theaters, in die Geschichte der jüdischen Renaissance eingeschrieben. Allerlei. Zwei jüdisch-persische Diohter Schabin und Imrani. Die j idiscta-persische Literatur ist sehr spät in Europa bekannt geworden, zuerst durch die Pentateuchübersetzung des Jakob Tawns, die im Jahre 1546 in Konetantinopel herausgegeben wurde. Es sollte aber noch mehr als dreihundert Jahre dauern, bis andere Texte, fast ausschliesslich. Uebersetzungen aus der Bibel, veröffentlicht wurden, doch ist das; Material erst in den letzten 12 Jahren reicher und mannigfaltiger geworden. Infolge des besseren statieren wirnur eine Aenderung: die Vermehrung der Juden in Niedefösterreich. Sonst bleiben dort die Juden, wo sie früher waren und »verstreuen sich über das Land“ n i c h t. Und merken Sie, Herr Bauer, die Juden bleiben in ihren Ghettos nicht, weil's ihnen in Galizien gut geht, sondern, obwohl es ihnen sehr, schlecht geht, wa^dadurch.he-. wiesen ist, dass die galizischen Juden j massenhaft emigrieren — nicht nach dem'}' industriereichen Böhmen, oder nach dem! hochkapitalislischen Küstenland — sondern! nach Amerika. Bloss in sechs Jahren — von 1898 bis 1904 — vvanderten aus Oesterreich (hauptsächlich aus Galizien) n u r nach Nordamerika 92.815 Juden aus. Jeder weiss aber, dass der galizisclie Jude überall zu! Anden ist, in der Schweiz, in Paris, in London, in Südafrika und in allen Hafenstädten Asiens und Afrikas. Also es geht den Juden Oesterreichs herzlich schlecht, aber trotzdem verteilen sie sich nicht über das Land. Aber diese Tatsache konstatieren wir ja nicht bloss in Oesterreich, obwohl dieses Land ein frappantes Beispiel bietet: eben weil Galizien und Bukowina wirtschaftlich rückschrittliche Gebiete sind, eben deshalb müssten die Juden aus ihnen nach denjenigen Gegenden Oesterreichs aus wandern, wo der Kapitalismus am stärk-: sten entwickelt ist. Aber überall konstatieren wir dasselbe Gesetz: Konzentrierung und nicht Zerstreuung der Juden, Wenn man sagt französisches, deutsches, italienisches oder englisches Judentum, so; muss man wissen, dass in Wirklichkeit es sich um die Juden einiger Städte dieser Länder handelt. Gerade in Deutschland beobachten wir diese Tatsache: Konzentrierung der Juden in den grösseren Städten. Und nun gar England und Nordamerika! Oder hat denn Herr Bauer nie von den Ghettos; Londons und New-Yorks gehört, obwohl auch da von rein wirtschaftlichem Standpunkte betrachtet die Zerstreuung der Juden absolut angezeigt ist Und sollte die Assimilation eine tiefdurchgreifende sein, so müssten wir, vor allem diese geographische Assimilation konstatieren, d. i. die gleichmässige Verteilung der Juden in den verschiedenen Gebieten der von ihnen bewohnten Länder. Herr Bauer irrt sich gewaltig. So was existiert nicht. Ebenso ist die zweite Behauptung Bauers aus der Luft gegriffen. Er meint, die Juden »verteilen sich auf alle Produktionszweige“; Auf welche Tatsachen gründet Herr Bauer diese Behauptung? Nehmen wir wieder Oesterreich als Beispiel. 72’7% aller österreichischen Juden sind in der Industrie (und Gewerbe) und Aufschlusses . der mittelasiatischen Länder für den Handels- und Reiseverkehr, kamen viele jüdisch-persische Handschriften in europäische Bibliotheken. Wenn wir sehen, dass ein Mitglied der seit dem Jahre 1893 in Jerusalem ansässigen Kolonie bucharischer Juden bemüht ist, die religiösen und literarischen Interessen seiner persisch redenden Landsleute durch Herausgabe alter und Abfassung neuer Schriften zu befriedigen, so haben wir das gewiss dem durch die zionistische Bewegung neu erwachten Nationalbewusstsein der orientalischen Juden zuzuscbreiben. Professor Bacher in Budapest, der in den letzten Jahren eine grosse Anzahl, wertvoller Arbeiten über diese Literatur veröffentlicht hat, beschenkt uns jetzt mit einer sorgfältigen Untersuchung über den berühmten persischen Dichter des vierzehnten Jahrhunderts, Schahin aus Schirar, indem er dessen Dichr, tungen (Mosesbuch, Genesisbuch, Ardeschirbuch, Esrabuch) analysiert und die Fragen nach.den ZeitumständeD des Autors, nach seinen Quellen so wie seine Sprache ei örtert. Ausser Hand-f Schriften lag Bacher noch die in Jerusalem, gedruckte Ausgabe des Moses-und . Genesis!- buches vor, welche der oben erwähnte jüdischbucharische Gelehrte Simeon Chakam in vier Bänden veranstaltet hat. Durch die beiden, letzten Bände zieht sieb, was , charakteristisch, für den orientalischen Geschmack ist, als Beigabe ein weitläufig angelegtes persisches. Werk Simeons, eine Sammlung von Homilien zur’ Thora-- für . das Volk und besonders für die' Fratien. Auch das ist ein bemerkenswertes' Zeichen des geistigen Aufschwunges-von .dem die jüdische Bevölkerung Innerasiens neuerdihgs. ergriffen, worden ist. .

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