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Jüdische Zeitung · 1908-01-17 · 3 (17.1.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., ftöriieDsfrasse $t». 9* Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. Wochenschrift. Erscheint, jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Goldschmiedt, I.,WollzeileNr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abjnnementspraise: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.— ln Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. Mk. 3.— Im Obrigen Aasland ganzj. Frcs. 15 Vertretungen in der Provinz ln Brfinn : Zeitnngsburean, Ferdinandgasse. — ln Prag: Zef tungs versehleiss Wlczefc, Graben 33. — in Lemberg: Karl Buchstab. BuchhSndlerlsche Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. =^====-, .• - .t; Nr. 3. Wien, Freitag, den 17. Jänner 1908. 11. Jahrgang. Schritt nach vorwärts. f: ’u -Vorige Woche tagte in Berlin das •rösse Aktionskomitee. Hatten die Berliner Zionisten' imposante Massenkundgebungen veranlasst und so der Tagung äusserlich ein würdiges Relief gegeben, so waren auch die VerhandlungenündvBeschlüsse von grösster Bedeutung. =5 Vor allem machten die Mitteilungen des Präsidenten W o 1 f f s o h n über seine Verhandlungen in Konstantinopel den besten Eindruck. Das A. C. gewann aus ihnen die Ueberzeugung, dass unser Präsident die von H er-z 1 angeknüpften Beziehungen mit der Pforte geschickt zu verwerten weiss. Die Nachricht, dass demnächst eine Filiale unserer ■ Bank in Konstantinopel eingerichtet werden wird, rief abseits grosse Befriedigung hervor. Bezüglich des Nationalfonds wurde dem.Ä.’G. die Beruhigung zuteil, dass ihm ^äne5wichtigeTea^ßeädhlüsseüberVerweiiauög- und Anlage der Gelder auch, weiter vor-' behalten bleiben, obzwar der Nationalfonds aus juristischen Gründen in eine englische Genossenschaft umgewandelt wurde. Von allergi össter Bedeutung aber sind die Beschlüsse des Aktionskomitees in bezug auf die Palästinaarbeit: Die Einsetzung des Pälästinaamtes mit Dr. Ruppin an der Spitze und die Gründung der Palestine Developement Go. (Landentwicklungs- Gesellschaft). Die Einrichtung einer Zentralstelle in Palästina entspricht einer von der österreichischen Landsmannschaft schon lange aufgestellten Forderung. Die unendliche Wichtigkeit dieser Institution brauchen wir an dieser Stelle nicht nochmals hervorzuheben. Dass ein Mann, wie Dr. Ruppin, zur Leitung ausersebm ist, gibt die beste Gewähr dafür, dass jenes Amt in der denkbar vorzüglichsten, für unser Ziel geeignetesten Weise arbeiten wird. Es entspricht aber nur den Intentionen des Dr. Ruppin, wenn wir über Amt und Leiter nicht viel Worte machen, sondern ruhig und vertrauensvoll seiner Tätigkeit entgegensehen. Zweifellos ist seine Aufgabe eine unendlich schwierige und Erfolge können nur im Laufe längerer Zeit sichtbar werden. Man würde Doktor Ruppin sein Amt nur noch mehr erschweren, wenn mau der Freude über die Errichtung des Amtes mit lauten Trompetenstössen Ausdruck geben und foitwährend das „Palästinaamt“ im Munde führen würde. „Arbeiten und nicht redtm^—^dätjst seine ^Dcvt^g^Äisie^se^such,- Die Unterstützung der Hausbaugenossenschaft, welche ein neues jüdisches Stadtviertel in Jaffa erstehen lassen und der dortigen empfindlich fühlbaren Wohnungsnot ein Ende machen wird, ist von unserem Standpunkt aus begrüssenswert. Weit bedeutsamer aber ist die bereits erwähnte Gründung der „Palestine Land Developement Go. Wir können zu ihrer Empfehlung nichts besseres tun, als jene Worte zu zitieren, mit weichen das Palästinaressort die Gründung empfahl: .Für die praktische zionistische Arbeit in Paläs ina gibt es kaum eine wichtigere Frage als die, wie di» Zahl der jüdischen Landwirt» in Palästina vermehrt werden kann. Gelingt es nicht, diese Frage befriedigend zu lSsen, und bleiben die Jaden auch in Palästina wie in der übrigen Welt dazu verurteilt, sich ln den Städten, von Handel und Industrie lebend, zusammenzudränjen.sofehltallen Bestrebungen nach Ausdehnung des jüdischen Elinflusses in Palästina die erste Voraussetzung, eine-gesuoda w rtschaftliche Gliederung. Diese ist nur dann gegeben, wenn die Juden in allen Beraten in angemessenen! Verhältnis vertreten sind und wenn hierunter insbesondere die Landwirtschaft den hohen Rang einnimmt, der ihr in einem Lande gebührt, das von Natur hauptsächlich tür die Landwirtschaft bestimmt erscheint. Bisher ist die Hauptarbeit auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina nicht von den Zionisten, sondern von anderen Organisationen geleistet worden. Der Zionismus hat zwar, indem, er zum Zwecke der Erwerbung palästinensischen Bodens eine seiner populärsten Institutionen, den Jüdischen ’ Nationalfonds, schuf, erkennen lassen, wie wichtig ihm diese Aufgabe erscheint. Aber;idasi> wa» der NatlonalföiMla nach seiner Grande idee und nach seinen Statuten, die ihm die Wiederveräuaserung des einmal gekauften Landes verbieten, leisten kann, ist nur ein Teil von dem, was geschehen mu-ia Der Nationalfonds darf Land kaufen und an Juden verpachten. Aber mit dem Kauf des nackten Bodens und der Bereitwilligkeit zu seiner Verpachtung an Juden ist noch nichts erreicht f Das rohe Land, das der Nationalfonds den Juden zur Pacht anbietet, kann nur von solchen Juden bewirtschaftet werden, welche erhebliche Kapitalien zur Verfügung haben, um den Boden (durch Tiefpflügen, Brunnenbau, Errichtung von Wohnhäusern und Ställen usw.) für den ersten Anbau nach europäischer Art brauchbar zu machen. Solche Kapitalisten sind ab r in Palästina sehr selten, und die wenigen ziehen es bei den verhältnismässig FEUILLETON. Abraham Goldfaden. Von Moses Waldmann. In Amerika, der neuen Heimat der aus Europa Ausgestössenen, wurde Abraham Goldfaden am 10. Jänner 1908 zu Grabe getragen. In New-York hat er den letzten Teil seines bewegten Lebens verbracht: Die dankbaren Direktoren der jüdischen Theater hatten ihm eine Rente ausgesetzt, damit - er -sorgenlos seinen Lebensabend beschlossen könne. Sein Lebensschicksal ist jüdisch: In Russland geboren, in Rumänien gelebt und in Amerika gestorbän. Seines Zeichens Melamed, wurde er Dramatiken Er wurde Lehrer aus Not. und Dramatiker aus purem Zufall. Inneren Beruf halte er weder für das Lehrfach, noch für das Theater. Wenn er aber doch als jüdischer Dramatiker gefeiert wird, verdankt er das nicht seiner Bedeutung, sondern einem Zulalle. Denn er war rächt ein;Grosser, sondern bloss ein Erster.' Und verschafft manchmal Ruhm und wirkliches ■ ■ K1 l'Es “waplim; die Zeit des russisch-türkischen “ Kr^es.- Jü’dis'che'Hehre^üeferäntcn aus.aller Herren; Vfi|reii/‘ ipBukarest-11versammelt;.ImKriege sind die Sitten locker. Offiziere halten sich Maitressen, Soldaten trinken Branntwein und spielen Karten — jüdische Lieferanten sind weder Don Juans, noch Säufer und Spieler — unterhalten wollten sie sich aber doch und Abraham Goldfaden sorgte hierfür. Er richtete seine Behelfer ab; in einer Bude wurde eine Bühne aufgescblagen und die bekannten Purimspiele aufgefuhrt. Purimspiele, voller Einfalt und voller Derbheit. Hernach sang man Couplets und schliesslich verfasste Goldfaden „Stücke1*. Trauerspiele mit Gesang und Tanz; Musik, Libretto, Regie und Darstellung: all. das besorgt von Goldfaden selbst Dies ist der Anfang des jüdischen Theaters. Und, darin liegt die Bedeutung Goldfadens. Denn seine Stücke waren für den Augenblick geschrieben, zur Belustigung bestimmt, hatten . mit dem jüdischen Leben jener Zeit nichts gemeinsam. Sie sind nicht aus dem Leben herrorgegangen, keine schöpferische Volkskraft hat sie gebildet. Hanswursliaden sind sie und nichts mehr. Die ersten Operetten — man könnte sie mit demselben Unrecht auch Dramen, Singspiele oder Opern nennen :— besonders „Dikaprizne Moid“ („Das launenhafte Mädchen“), „Kabzen-Sohn et-Hungermann“, „Mischke mit Moschken“, „Die Bobe mit dem Einikel“ sind ein Mischmasch von Unsinn, Geschmacklosigkeit, Vaudeville und Derbheit. Die Musik-hat eihe' Gässenfiauernpte an sich; die Dialoge sind, ünbehölfen, der Witz — den haben sie nicht, nur grobe, derbe Spässe. Charakterisierende Karikaturen des Juden sollen sie sein, sind aber bloss „Lotzeiach und Schmonzes“ des Westens ins Ostjüdische übertragen, ohne dabei besser oder wahrer zu werden. Und trotzdem fand das Publikum an seinen Machwerken Gefallen. Kein Wunder! Das deutsche Theater des 17. Jahrhunderts stand auch nicht höher. Ob man nun in den Zirkus, in die Bude des Schwarzkünstlers oder in die Schmiere ging — einerlei. Das Volk wollte sich bloss amüsieren — und den Zweck erfüllten leider Goldfadens Stucke — denn fast zwei Jahrzehnte hatten sie und die Machwerke seiner Nachahmer — der Lateiner, Mogutescus, Auerbachs und Horowitz’ — die jüdische Bühne in fast ausschliesslichem Besitze, verhinderten die normale- Entwicklung des jüdischen Theaters und verrohten den Geschmack des jüdischen Publikums. Goldfaden stellt den läppischen unbeholfenen Anfang dar. Aber auch am Uebergange von Schmiere und Singspielbude zur Bühne hat Goldfaden, wenn auch in geringem Masse, mitgearbeitet. Die folgenden Stücke, die er geschrieben,, versuchen es wenigstens, ohne jedoch vollständigen Erfolg zu haben, mit dem jüdischen Völksbewusstsein Fühlung zu bekommen. Goldfaden holte nun die Motive für seineStücke ans der jüdischen Geschichte und aus. der BibeL Technisch» ebenso unvollkommen wie „Mischke undMflschke“ haben sie wenigstens dies eine für sich, sie einen

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