Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 stellt ist und nimmt die Erklärungen. seines Leiters.?ip:|'..:Ä:Sppin über seine Arbeitspläne und seine Beziehungen zu den dortigen Organisationen mit Befriedigung zur Kenntnis. iSodann folgt eine lange Debatte über die Bildung neuer Föderationen. Pras. W o 1 f f - sohn stellt die Anfrage, ob Komitees zwecks Bildung von Föderationen direkt Sehekelfoloeks ausgefolgt werden, können. Handtke (Berlin) spricht sieh dafür aus, dass das nur im Wege der Landesorganisation -geschehen könne, so lange eine Föderation nicht schon tatsächlich gebildetsei. Allgemein wird der Beschluss des Kongresses, der die Bildung neuer Föderationen begünstigt, bedauert. Dr. Bodenlieimer (Köln) erklärt, es gäbe eine. Handhabe, in Fällen, wo es das Interesse des ^Zionismus erheischt, die Bildung neuer Föderationen zu verhindern. Da diese der Genehmigung des E. A. C. bedürfen, könne dieses in solchen Fällen die Genehmigung verweigern. Dr. Braude (Lemberg) und Böhm (Wien) verwahren sich namens der ösbereieliisehen Föderation energisch dagegen, dass irgend welehen Komitees direkt Schekel ansgefolgt werden. Sie schildern die Verhältnisse in Oesterreich, zeigen, dass es nicht einmal im Interesse beispielsweise der Poale Zion lag, sieh von der Landesorganfeatkm zu trennen. In dieser repräsentierten sie eine gewisse Macht, die berücksichtigt werden musste. Auf sich selbst gestellt, zerfallen sie. 'Schliesslich wird der folgende Antrag Dr. Bodenheiniers angenommen: Die V e r t e 51 u n g von Schekelbloeks bleibt den Landesorganisationen (Föderationen.) überlassen. Im Falle der Verweigerung durch die Landesorganisation ist das E. A. C. berechtig t, über die A u sfolgung von Schekel bl ocks zu entscheiden und da» Erforderlielie zu veranlassen. Sodann erstattet Dr. Bodenheimer den Bericht über den N. F., in welchem er sich besonders anerkennend überdie Vorzug-! PC2£S Jj-.eisi:üngen der Wiener Sammelsbelle ausspricht. lieber den weiteren Verlauf der Vrhansdlungen werden wir in der nächsten Nummer lieriehten.. * lieber die Verhandlungen am Dienstag sendet uns unser Berichterstatter folgendes Telegramm : An den Bericht des N. F.-Direktoriums schloss sich über Wunsch des Herrn Böhm eine prinzipielle Debatte, die bis Dienstag mittags dauerte und die auf einer bemerkenswerten Höhe stand. Namentlich das Eingreifen Dr. Franz Oppenheimers machte grossen Eindruck. Die Beschlüsse des N. F.- Direktoriums wurden zwar ratifiziert, jedoch ausdrücklich festgelegt, dass das A. C. die Entscheidung in prinzipiellen Fragen der Anlage und der Verwendung der X. F.-Gelder behalten müsse. Bezüglich der von Prof. Warhurg intendierte Land Developement Co. wird eine völlige üdbereinstimmung zwischen den von Oppenheimer vertretenen Prinzipien mit den von Dr. Warbur^ und Dr. Kuppin gemachten Vorschlägen erzielt. Reichsratsabgeordneler Adolf Stand vor seinen Wählern. (Von unseren Spezialkorrespondenten.) Am 3. Jänner kam Abg. Stand nach Brody, um seinen Wählern zu berichten, was er als jüdischer Abgeordneter für seine Volksgenossen, als Sohn des Landes für die ganze galizisehe Bevölkerung und als Vertreter der Stadt Brody für seinen Wahlkreis, iiesonders aber für diese Stadt geleistet habe. Als man von der Ankunft des Abg. Stand erfuhr, bildete sieh ein aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zusammengesetztes Empfangskomitee mit Herrn Nathan Tartakower an der Spitze, J 0 DIS C-jt-B ZEIT UNO Y! Nr. 2' das alle hiesigen Vereine und-Korporationen, » Heute veröffentlichen wir-vorläufigYdäs fchÄ** zunx Empfange einlucL Im Wärtesaal erster rakteristische Schreiben unseres Gesinnungs- Klasse hatten sieh-äusser den zionistischen genossen Simon Lamm: Delegierten Vertreter beider , nitlienischen Vereine, der jüdischen Sozialdemokratie, des jüdischen Handwerkervereines „Postep“, der Maler, Schuster, Ausschankbesitzer u. a. eingefunden. Nachdem Herr Dr. Glasberg Herrn Stand im Namen de$. Vereines „Tikwath Zion,“ begrüsst hatte, stellte er ihm die anwesenden Delegierten vor. Im Bahnhofgehäüde und vor demselben hatte sich'eine ungeheure^Menschenmenge versammelt, die den Gast mit Hochrufen empfing. Um 7 Uhr abends fand im hiesigen Gemeinderatssaale eine Wählerversammlung statt, an der über 1000 Personen teilnahanen; viele fanden aus Platzmangel keinen Einlass. Nachdem Herr Nathan Tartkover die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er auf die ‘Bedeutung der Wahl Stands, des ersten echten Vertreters des Volkes zum Unterschiede aller bisherigen Vertreter des Kabals und des Magistrats, hingewiesen hatte, wurde das Präsidium bestehend aus den Herren Dr. Glasberg (Judfe), Gymnasialprofessor Klotzek (Pole) und., SuszczynSki (Ruthene) gewählt. Hierauf erstattete Abg. Stand in einer zweistündigen glanzvollen, in polnischer und deutscher Sprache gehaltenen ßede Bericht über seine und des jiidiselien Klubs Tätigkeit äm Parlamente. Er präzisierte seine Stellung zu allen in der abgelaufenen Session im Parlamente zur Sprache-: gelangten Angelegenheiten und kam dann auf seine Interventionen in lokalen Angelegenheiten zu. sprechen, Ueber Antrag des Herrn Suszczynski wurde Herrn Stand der Dank und das Vertrauen votiert. Sehlieselieh musste aber die Versammlung aufgelöst werden, da ein Individuum aus Lemberg mit Namen Blum, das Faktotum des Dr. Diamand, sieh mit einer ganzen, Menge in den Saal eingesebliehen hatte und hier einen solchen Lärm erhob, :~*ääss jede weitere Verhandlung unmöglich wurde. - rr-Naeh-dai* ^rftmmiubg fand Sfv'Vöir der! akademischen Vereinigung „Techijah“ und den jüdisch-nationalen Akademikern zu Ehren ■ des lieben Gastes veranstalteter Kommers statt, der von Herrn Silberbuseh eröffnet wurde. Namens der ukrainischen Partei sprachen Herr Gerichtssekretär Berezanski und namens der zionistischen Akademiker Herr Jonas Lewin. Herr Abg. Stand legte in enter einstündigen humorvollen Kede dar, 'welche Entwicklung der Judenklub im Parlament' durehgemackt hat., b I. T. Tarnopo*. Auf Einladung des podolisehen Distriktskomitees kam Abg. Stand vorigen Freitag nach Tarnopo 1, um vor den Tarnopoler Juden, die ihn . als ihren Abgeordneten betrachten, Bericht' über seine parlamentarische Tätigkeit zu erstatten. Am Samstag nachmittags veranstaltete der hiesige jüdische Turnverein „Bethar“ zu Ehren des Gastes ein Schauturnen, das glänzend ausfiel. Abg. Stand besuchte auch die hebräische Schule, die sieh in letzter Zeit sehr gut entwickelt hat. Sonntag abends hielt Abg. Stand das Referat 'im grossen Seblosssaale vor einer tausendköpfigen Menge, die mit begeistertem Jubel ihren gewesenen Wälilkandidaten . empfing , und seinen mehrstündigen Ausführungen'mit Aufmerksamkeit lauschte. Die Versammlung nahm einen imposanten Verlauf. M. Cb. Ein jüdisches Tagblatt in Wien. Unser in . der vorigen Nummer unter diesem Titel erschienene Artikel wurde in weiten Kreisen unserer-Gesinnungsgenossen mit lebhafter Befriedigung aufgenommen. Eine Reihe von Zustimriiunesk.undgebuugen -aus verschiedenen Teilen Oesierreichs, beweisen, wie gross das Bedürfnis nach einem jüdischnationalen Tagblaft in Wien ist. Wir Werden demnächst aus den vielen. ., an uns gelangten Anregungen ^einiges publizieren. Löbl. Redaktion! Ich bitte um Aufnahme nachstehender Zeilen in Ihr gesch. B.ätt: Mit grosser Befriedigung habe ich Ihre Anregung iehufs Gründung eines jüdischnationalen Tagblattes in Wien gelesen. Ein solches Blatt würde' in der Tat eine heilsame Umgestaltung in den politischen Gesinnungen* der Juden Oesterreichs herbeiführen. Es ist daher heilige Pflicht eines jeden national denkenden Juden einen zu diesem Behufe ins Leben zu rufenden Pressfonds zu. unterstützen. Um mit gutem Beispiele voranzugehen, übersende ich Ihnen -"den gesammelten Betrag von 40 K. Ausserdem verpflichte ich mich, 1U Abonnenten -für das zu gründende Tagbfatt hier zu gewinnen. Erwägt man, dass diese Zahl 80 % aller hiesigen jüdischen Zeitungsh St-r entspricht, so muss dies für den Anfang als ein grosser-- Erfolg angesehen werden. . Mit Zions-Gruss Simon Lamm- Korrespondenzen. Galizien. Hebräiseh bei den Mittelschülern. Lemberg. Am 23. Dezember 1907 fand in Lemberg eine Versammlung der Kommission zur „Belebung der hebräischen Sprache“ statt. Die Kommission gehört dem Verbände der studierenden Millelschuljugend an.. Vor drei Monaten wurde sie begründet und auf der Versammlung konnte sie bereits über Resultate berichten, die bewundernswert sind- In den meisten Städten bestehen hebräische Schulen. Der grösste Teil der Jugend nimmt hebräischen Unterricht. Die Verhandlungen, der Kommissiair wurden.ufft/-hebräischer-Sprache göfäiiürAlle Töimehmer sprachen das Hebräische fliessend. Nun wird darangegangen, eine hebräische Monatsschrift herauszugeben. Die Kommission wendet sich an die jüdische Oeffentliclikeit mit der Bitte, ihr Unternehmen zu unterstützen. Im Aufrufe heisst' es: „Wir haben eine Jugend, die sich der zionistischen Partei angeschlossen hat und sich von dem Golus und vor allem von der Golussprache befreien will. Unsere Jugend stellt die besten Kräfte dar, aus ihr sollen die Kerntruppen der zionistischen Armee entstehen! Es ist Pflichtaller Zionisten, die Kommission in ihren Plänen zu unterstützen“. Adresse der Kommission für Spenden und Briefe ist: 0. John, Lemberg,. Sonnengasse 3. Kuty. (Orig.-Korr.) Bekanntlich kam Reichsratsabgeordneter Adolf Stand in seiner Budgetrede auch auf die Amtsmissbräuche in Kuty zu sprechen. Dort halte der Bezirkshauptmann das ausschliessliche Leichenbestattungsrecht einem seiner Günstlinge verliehen und auf diese Weise die Kultusgemeinde des ihr zustehenden Rechtes beraubt. Petitionen, Rekurse und Beschwerden an die Statthalterei halfen nicht, der Fiakermann namens Mendel Moschkowitz übte sein Privilegium rücksichtslos aus. Die gesamte Judenheit Kuty s war darüber empört und viele derselben befahlen vor dem Tode ihren Erben, sie in Wiznitz, das in der Nähe liegt, beerdigen zu lassen. Um diesem Uebel abzuhelfen ist eine Deputation nach Wien abgereist und der jüdische Klub hat Abhilfe versprochen. Der Bezirkshauptmann, welcher von der ganzen Sache Wind bekam, verfiel nun auf folgenden Gedanken. Die Kultusgemeinde, resp. der Kultusrat sollten auf seinen. Wunsch in öffentlicher Sitzung erklären, dass die Deputation ohne Wissen und gegen den Willen der jüdischen Gemeinde gehandelt habe. Der Präsident — der zugleich Matrikenfiihrer ist — Dawid Preminger, wie auch der Obermoschko Isak S o i c h e r stellten nun den Antrag, der Kültusrat möge der Wiener Deputation die Missbilligung aussprechen und protokollieren lassen. Obwohl der Kullusrat aus einfachen Leuten besteht, konnte dieser Antrag nicht zum Beschlüsse erhoben werden. Da erklärte der“Vorstand — Herr: Preminger und Herr S'oicher -Y dass, sie eigenmächtig dem Wunsche der Bezirkshauptmannschaft, naebkommen werden, - Als msm von-der Absicht ’ des Präsidiums erfuhr, versammelten sich alte