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Jüdische Zeitung · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Nr. 2 Relief-Fonds Wie Sit' wissen haben wir gemäss Ihrem Aufträge, die Angelegenheit des russis e h e n H i ] f s f o n d s zum Abschluss zu bringen, und im Sinne früher geäusserter Beschlüsse und AVünche der Jahreskonferenz, den Beschluss gefasst, aus den Mitteln des Hilfsfonds r u s s i - sehe I* o g r o nur a i s e n in Palästina erziehen zu lassen. Wir haben beschlossen, zunächst ca. 12 Kinder in drei verschiedenen Anstallen unterzubringen und haben die einleitenden Schritte hierfür so weit gefördert, dass die endgültige Bestimmung d'er Kinder und ihre Unerbringung jetzt erfolgen kann. Abänderung der Bankstatuten ln bezug auf die Abänderung der Bankstatuten hat der Kongress folgenden Beschluss gefasst: „Der Kongress steht nach wie vor auf dem Standpunkte.*, dass das Memorandum nach dem Beschlüsse des dritten Kongresses geändert werden soll, insofern diese Aeriderii ng du rehzuführen ist, ohne die Interessen des J. C. T. zu schädigen. Für alle Fälle soll das E. A. C. durch Ergänzung der Statuten Vorsorge dafür treffen, dass der J. C. T. nirgends in der ganzen Welt, mit Ausnahme von Palästina, Syrien und den Nachbarländern, kolonisatorische Tätigkeit vornehmen darf. Die endgültige Entscheidung über die Fortführung efes Prozessverfahrens überlässt der Kongress dem E. A. C. und einer vom Kongress gewählten Kommission von drei Fachleuten.“ Da eines der Mitglieder der vom Kongress gewählten juristischen Kommission noch vor Sehhiss der Kongressverlmndlungen Haag verlassen musste, war es der Kommission unmöglich, dort zu einer Sitzung zusammenzutreten, auch später war bisher eine Zusammenkunft der Herren unmöglich. Indessen haben wir, um nichts zu versäumen, die vom Richter vorgeschriebenen Anzeigen in den Zeitungen erlassen, Worin die Aktionäre auf gef ordert werden, ihre :'J'"'"Hbihljne’für oder1 gegen die Abänderung abzu-, geben und haben auch seihst durch Bekanntmachungen in der „Welt“ die Aktionäre zur Stimmabgabe aufgeford'ert. Sobald das Gutachten der juristischen Kommission vorliegen wird, wird das E. A. C. seinen endgültigen Beschluss fassen. Unsere Banken Die Lage u n s e r e r 1> e i d e n B a n k e n ist andauernd befriedigend. Die Geschäfte haben sieh, trotz der schweren Wirtschaftskrise, dieses .fahr ln bester Weise entwickelt, so dass die J ii tl i s e li e Koloni a 1 b a n k voraussichtlich in der Lage sein wird, auch für das Jahr 11)07 eine Dividende zu verteilen. Auch der Geseh ä f t sga ng der Ang 1 o- P a - 1 e s t i n e G o m p a n y war im abgclanfenen «fahre ein befriedigender. Sowohl bei der Z e nt r a 1 e in «Taffa, wie bei den Filialen in Jerusalem, Beirut und Hebron hat sieh der Umfang, der Geschäfte bedeutend vergrössert. ln Jerusalem fand vor wenigen Wochen infolge unwahrer Gerüchte und ungeschickter Zeitungsmeldungen ein Run auf unsere Bank statt, der :alier irgendwelche Nachteile für sie nicht im •Gefolge hatte. Filiale in Konstantinopel Gelegentlich der Anwesenheit des Präsidenten des A. C. in Konstantänopei, war er gemeinsam mit dem Präsidenten der Jüdischen Kolonialbank, dev ihn begleitete, für die E r - r i c h t u n g einer Filiale in Konstantänopei tätig. In seiner am 17. Dezember a. e. in Paris abgehaltenen Sitzung hat das D i r e k t o r i u m der Errichtung dieser Filiale auf Grund der Vorschläge der Herren Wolf fsohn und Dr. Katzenelson zugestimmt und wird der im Anschluss an unsere Sitzung stattfindenden Sitzung des Aufsiehtsrates seine diesbezüglichen Beschlüsse unterbreiten. Zionistisches Zentralbureau Die Tätigkeit des Zionistischen Ztnttalbureauä in der Berichtszeit war eine sehr ausgedehnte. Die Agitation für den .Parteifonds und die Redaktion der „Welt“, die jetzt vom Zionistischen Zentralburoau ohne Hinzuziehung .neuer Kräfte seihst ausgeübt wurde, stellten an seine Arbeitskraft grosse Ansprüche. Das Bureau stellte d a s st e n o - g r a p h i s e h e Protokoll für den 8. Kongress fertig und liess von den Eröffnungsreden einen Separatabdruck erscheinen, der den Föderationen als billige Agitationsbrosehiire angeboten wurde. Das P o g r o m b u c b. das einen ausführlichen und sehr instruktiven Bericht über die russischen Pogrome, ihre Ursachen und Wirkungen enthalten wird, ist leider noch nicht fertig geworden, wir hoffen jedoch, dass es demnächst erscheinen wird. Der Geschäftsverkehr des Zionistischen Zentralbureaus, dem inieli die Geschäftsführung des jüdischen Verlages und die Leitung der administrativen Arbeiten der „Welt“ unterstellt ist, hat sieh nach dem Kongress beträchtlich vergrössert. „Die Welt“ „Die Welt“ zeigt eine befriedigende Entwicklung. Ihr Abomientoustand hat im .Laufe des letzten Jahres beträchtlich zugenonimen. Bemerkenswert ist der güte Erfolg der Kongress-Separatausgabe. auch die Ausgabe von Sonder- und Festnumiuern hat sich bewährt. Im neuen Jahre dürften sieh die Ausgaben der „Welt“ ganz beträchtlich vermindern, so dass mit einer nennenswerten Verringerung ihrer Subvention gerechnet werden kann. „Ha’Olam“ Auch die Entwicklung des „Ha'Olam“ ist normal. Die Ausbreitung dieses Organs, das dank dem Umstande, dass unsere nationale Sprache die einzige Sprache ist, die überall in der Welt unter unseren. Stammesbrüdern Verständnis findet, in den verschiedensten Ländern und in allen Kreisen unseres Volkes Zutritt gefunden hat, gibt uns die Möglichkeit, einen Ideenverkehr mit allen Parteien herzustellen. Jüdischer Verlag Um die Reorganisation des «I ii d i s e h c n Verlages bleiben wir andauernd bemüht und. sind bestrebt, dieses .Unlür nehmen, das wir für unsere Zwecke sehr’rw®ftvöii' erachten.-'Air zionistischen Organisation Zu erhalten. Abteilung Berlin des Zionistischen Zentralbureaus Um vielfach geäusserteii Wünschen entgegen zu kommen, haben wir für die E r r i e htnngoinc r A b t• e i 1 u n g d e s Z i o n i s t isehen Zentralb u re au s in Be r1in vorläufig für ein Jahr die Summe von Mk. 8000 j und Mk. (500 für die Kosten der ersten Ein- I riehtung bewilligt. An den Kosten des Bnr.aus beteiligt sieh das Palästiuavessort nach Massgabe der ihm liewilligtcn Mittel zu einem Viertel. Wir hoffen, dass das neue Bureau, das sich insbesondere mit agitatorischen Arbeiten, der Information der Presse und Erledigung der Geschäfte des Palästinaressorts befasst, der Organisation gute Dienste leisten wird. Parteifonds Für den Parteifonds haben wir eine umfassende Agitation ein geleitet. Wir haben sowohl an die Landsmannschaften und Funktionäre der Organisation wiederholt dringende Aufrufe und Mahnungen wegen der .Sammlung für diesen Fonds gerichtet, als uns auch an weitere Kreise unserer Gesinnungsgenossen dioscrhalb direkt gewandt. Leider entsprach bisher das Ergebnis nicht der aufgewendeten Mühe und der Dringlichkeit der Sachlage. Schekel Die Sehekelsammlung ist inzwischen in der ganzen Welt in die Wege geleitet. Ueber die allgemeine finanzielle Lage des A. C. werden wir Ihnen noc-h zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung näheres berichten. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass unser Beratungen eine gesunde Entwicklung unserer Arbeiten fördern werden. * Oie Verhandlungen» 1. Tag. B e r 1 i n, G. Jänner 1908. Präsident Wolffsohn eröffnet in Anwesenheit von 29 Mitgliedern des A. C. um halb 11 die Sitzung. Aus Oesterreich sind A. B ö h m (Wien) und Dr. Brande (Lemberg) erschienen. Der Präsident hegrüsstdie Erschienenen und gedenkt des Ahlclxms der Frau Herzl und macht einige vertrauliche Mitteilungen. Sodann werden einige Gesinnungsgenossen, die nicht im A. C. sind, zu den Beratungen zugezogen, darunter Dr. A r't h u r R u p p i n und Dr. F r a n z O p p e n h e i m e r. Nach Verlesung des Berichtes des engeren A. C'„ den wir an anderer Stelle abdrucken, verlangt B ö b m, dass ein Bericht des N. F. in die Tagesordnung aufgenommen werde, der merkwürdigerweise darin fehlt. Weil der N. F. aus rein juristischformalen Gründen als englische Genossenschaft konstituiert wurde, kann doch nicht die Kompetenz des A. C. als leitende Körperschaft über alle wichtigen Verwendungsprinzipien ilcs N. F. zuerst befragt zu werden, aufgehoben werden. Dr. B o d e n li e i m e r verspricht, nachmittags einen Bericht vorzulegen. Sodann wird die Debatte über den Bericht des A. G. eröffnet und zuerst älter das P a 1 ästina-Arat gesprochen. Allgemein wurde der Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, dass dieses Amt jetzt eingesetzt und ein Mann wie Dr. Ruppin an seine Spitze gestellt wird. Grosse Meinungsverschiedenheiten ergeben sich bezüglich der Stellungnahme der palästinensischen A. C'.-Mitglicder — welche sich als „Gruppe des A. C. in Palästina“' konstituieren und grösseren Einfluss auf die Geschäfte nehmen wollen — zu dem Palästina-Amt. Von der einen Seite, namentlich von russischer, wird gewünscht, dass dem Palästina-Amt der strikte Auftrag gegeben werde, Stets mit diesen Faktoren Fühlung zu nehmen, alle wichtigeren Angelegenheiten mit ihnen zu besprechen und sie fortlaufend über die im Zuge befindlichen Aktionen zu informieren. Dabei wird namentlich von Dr. B r a u d e betont, dass die einzelnen A. O.-Mitglieder nicht bloss Mitglieder einer Körperschaft sind, die paar Mal im Jahre ZUsamrrK-ntritt. sondern auch ad personam eine wichtige und verantwortungsvolle Rolle ln der Bewegung spielen, danach auch von den Zentralstellen behandelt werden müssen. Von anderer Seite, namentlich den deutschen A. C.- Wtgliedern, wird hervorgehoben, dass ein freundschaftliches Verhältnis des Palästina- Amtes mit den zionistischen Vertrauensmän- | uem in Palästina selbstverständlich ist, dass I man aber die Arlieit des Palästina-Amtes nicht ■ durch gebundener Marschroute hindern dürfe. Ferner ist der Leiter des Palästina-Amtes verantwortlicher Beamter, während alle anderen Gg. keine Verantwortung tragen. I)r. R u ]> j) i n meint, er hätte das Amt nicht angenommen, wenn er nicht der Ueberzeuguiig wäre, dass es möglich sei, im Einvernehmen mit den Herren zu arbeiten. Er sei stolz darauf, mit allen Leuten in Palästina in feundschaftliche Beziehungen zu treten. Man. könne nicht zwei Herren dienen und er würde nur dann ein Amt übernehmen, wenn er bloss einer Stelle verantwortlich wäre. Es wäre am besten, wenn man das Amt nicht von votneherein in Buchstaben presse. Das ganze sei eine Personenfrage. Er verspricht, dass das PalästiiuiJAmt sieh freihalten werde von Bureaukratie und dass er sieh bemühen würde, der Meinung des Labiles Ausdruck zu geben. Schliesslich dankt er dem A. C., dass er ihm als homo novus das Vertrauen entgegenbrachte, dieses Amt zu üIhttragen. Prof. \V a r b u rg gibt Aufklärungen über die Einrichtung des P. A. Der .Sekretär Dr. Thon ist bereits in Palästina. Dr. Kuppin wird bald nachfolgcn. Das Billiget wird vom Palästinaressort l>est ritten, welcher vom N. E„ der Developement Co. und allen Institutionen, welche sieh des Amtes Itedienen, Beiträge einfordern wird. Es wird folgende Resolution einstimmig i angenommen: Das grosse A. C. genehj m i g t und b e g r ü s s t d i e G r ii n d u n g j des Palästina-Amtes, das ausschliesslich dem E. A. G-. unter- 1

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