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Jüdische Zeitung · 1907-12-27 · 24 (27.12.1907) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
24 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 24 als blosse Verirrung dar. sondern sie zeigt, dass er aus verschiedenen vorhandenen sozialen Erscheinungen fliesst. Hierin deckt sie sieh zum grössten Teil mit den in der zionistischen Literatur vertretenen Anschauungen, bleibt aber durchaus originell und bringt eine Fülle neuer Gesichtspunkte. Dass die Emanzipation der Juden nur eine theoretische war, führt sie in ähnlicher Weise aus, wie Nordau es getan, doch hleiben ihre Gedankengänge vollkommen selbständig: „Die Juden wollten immer und wollen noch mit den Ariern leben, während diese nur an ein N ebeneinanderleben dachten. Der moderne Antisemitismus ist nur die naturnotwendige Konsequenz dieses fundamentalen Irrtums der Juden und ihrer sich darum ergebenden ge w altsamen Anbiederungsversuche“. Dass dies einmal von durchaus vorurteilsloser „philosemitiischer“ arischer Seite ausgesprochen wird, dürfte auf jene jüdischen Vogelstrausspolitiker, die noch immer nicht sehen und hören wollen, obzwar sie recht deutlich fühlen, sehr heilsam wirken. Mit treffenden Worten schildert die Verfasserin die auf beiden Seiten aus jenem Irrtum entstehenden Reibungen, Missverständnisse, Verbitterungen usw. Was die Verfasserin über die jüdische Presse sagt,, wie sic die Kompromittierung der antiklerikalen Bewegung durch die Teilnahme der Juden daran schildert, das alles trifft mit den Anschauungen der jungjüdiselien Richtung zusammen. „Der Judäoliberalismus hat den Freisinn erschlagen, und das verzeihen die freisinnigen Christen den Juden am wenigsten.“ Wie oft ist das den „Freisinnsjuden“ von zionistischer Seite gepredigt worden. Vielleicht wird diese einfache Wahrheit ihnen endlich doch einleuelrten, wenn sie nun auch einmal von wohlwollender arischer Seite ausgesprochen wird. An manchen Stellen scheint allerdings die Autorin, wenn auch in unverkennbar wohlwollender Airsieht, übers Ziel zu sehiessen. So z. B. dort, wo sie von der Aufdringlichkeit gewisser jüdischer Schichten und von den jüdischen Schädlingen im Aerzte- und Advokatemstande spricht. Das mindert aber durchaus nicht das grosse und bleibende Verdienst des Buches, welches darin besteht, dass es mit rückhaltloser Offenheit den Juden sagt, wie selbst vorurteilslose Arier ihnen gegenüber empfinden. „Das grösste Verbrechen, das die arischen Völker an den Juden begangen haben, ist, dass sie ihnen niemals das erste und oberste Menscthen reqjih t, das Recht auf Wahrheit, gewährt haben.“ — Diesen tiefen Gedanken stellt sie als Motto an die Spitze ihres Buches, das geschrieben scheint, um jenes Verbrechen endlich einmal gutzumaehen. Dass Fräulein Theimer die einzig mögliche Lösung der Judenfrage im Zionismus sieht, dessen iiefsten Kern sie klar erfasst hat, macht ihrer soziologischen Erkenntnis alle Ehre. Mit grosser Wärme und durchdringender Klarheit legt sie die zionistischen Gedankengänge dar und zeigt eine bis ins Einzelne gehende Kenntnis der zionistischen Bestrebungen. Ihr Buch wird zweifellos unseren Ideen in arischen und hoffentlich auch in jüdischen Kreisen Sympathien werben. „Es ist erstaunlich und berührt den Arier ganz eigentümlich, wenn er bemerkt. dass der grösste Teil der westeuropäischen Juden von den primärstenTatsachen des Zionismus nicht die geringste Kenntnis besitzt und in den plattesten Vorurteilen über sie befangen ist“, so sagt die Verfasserin selbst. Ihr Buch wird gewiss dazu beitragen, eine Bresche in die Mauer zu schlagen, die Böswilligkeit, Unverstand und Gleichgültigkeit aufgerichtet. Denn es ist das Buch eines warmfühlenden edlen Menschen, dem eine ideale Geisterrichtung, Schwung und Phantasie nicht die klare und nüchterne Erkenntnis dessen, was ist, genommen haben. Eines Menschen, dem es heiliger Ernst ist mit Kultur und Gesittung: „E ntweder die Judenfrage wird einer gerechten Lösung z u ge f üh r t, oder die Kultu r v ö 1 k e r haben ihren A nspruc h, als gesittet zu gelten, verwirkt.“ Eine Niditjüdin, die d a s einsieht, und es den arischen Herrenvölkern ins Gesicht sagt, beweist damit einen so seltenen Mut zur Wahrheit und einen so hohen ethischen Idealismus, dass wir stolz auf eine solche Bundesgenossin sein können! A. B. Parteinachrichten. Sitzung des galizischen C. K. der zioninistischen Partei. Das bei der letzten galizischen Landeskonferenz gegründete C. K., bestehend aus fünf in Lemberg sesshaften Mitgliedern und je zwei Vertretern der vierten Distrikte, (Lemberg, Krakau, Tarnopol und Stanislau) hat am 15. Dezember 1. J. die erste konsütuierende Sitzung in Lemberg gehabt, welche vor 3 Uhr nachmittags mit einer kleinen Unterbrechung bis 11 Uhr nachts an-. dauerte. An der Sitzung nahmen teil: Der Obmann, Dr. Marcus Braude, Dr. Leon Reich, Dr. Miehael Ringel, Jakob Salo Philipp; für das D.-K. in Lemberg : David Schreiber und Dr. Heinrich Rosmarin; für das D.-K. in Krakau: Fischei Waschitz; für das D.-K. in Tarnopol: Dr. Israel Waldmann und Meier Chartiner. Die vom Stanislauer D.-K. nominierten Gg. Dr. Anselm Halpern und Dr. Josef Füllenbarden, waren wegen Vorbereitungen des Stanislauer Distriktstages am Erscheinen verhindert. Die Gg. Dr. Osias Thon (Krakau) und Dr. Samuel Rappaport (Lemberg) hatten ihre letzte Abwesenheit entschuldigt. Herr Fischei Waschitz wurde zum Generalsekretär und Dr. Heinrich Rosmarin, zum Kassier bestellt. Die Spezialreferate wurden folgendermassen verteilt: N.-F. - Landeskommissär wurde Jakob Salo P h i 1 i p p; Palästina- und Kolonialbankangelegenheiten wurden dem Gg. Dr. Samuel Rappaport zugewiesen; für kulturelle Angelegenheiten (Toynbehalle, hebräische Sprache, nationale Veranstaltungen) wurden die Gg. Waschitz und Chartiner bestimmt; für Organisation und Agitation: Dr. Miehael Ringel, Presse: David Schreiber (Obmann des Lemberger D.-K.) und die politisch - wirtschaftlichen Agenden den Gg. Dr. Leon Reich. Für die oben angeführten Ressorts wurde die Einsetzung von Beratungskommissionen erwogen und die entsprechenden Personen in Erwägung gezogen. Darüber wird in nächster Sitzung Beschluss gefasst werden. Nach einem erschöpfenden . Berichte des Präsidenten über die gegenwärtige Situation im galizischen Zionismus und über die von ihm in Wien und in Köln sowie bei den vier D.-K. vorläufig unternommenen Schritte, Verständigungsschritte, welche bezweckten, die jüngsten Beschlüsse der galizischen Landeskonferenz mit der zionistischen Weltorganisation in Einklang zu bringen, wurde in die Tagesordnung eingegangen. ln Ausführung des Beschlusses der Landeskonferenz betreffend Errichtung einer N.-F.-Zentrale für Galizien, wurde entsprechende Massnahmen getroffen und das Präsidium ermächtigt, die nötigen Schritte in Köln und Wien zu unternehmen. Die Frage der sich häufenden verschiedenen Parteiabgaben wurden angesichts der allgemeinen finanziellen Notlage in Galizien lebhaft diskutiert. Diesbezüglich wurde beschlossen, vorläufig Inkasso einer einheitlichen Landesparteisteuer zu betreiben. Mit Bezug auf den Schekel wurde beschlossen, die Bestimmung einer Schekelwoche dem Präsidium zu überlassen und auch für die Sammlung des Palästinaschekels — nach Einlauf der Parteisteuer — kräftigst zu arbeiten. Einer Anregung der Landeskonferenz Folge leistend, wurde der Beschluss gefasst, einen ständigen Wanderagitator zu engagieren mit der Aufgabe, von der zionistischen Agitation am wenigsten berührte Gegenden und Ortschaften zu bereisen und zu bearbeiten. Zuletzt befasste man sich mit einem in der Neusandezer Organisation ausgebrochenen inneren Konflikte, dessen Schlichtung nahe bevorsteht. An unsere geehrten Abonnenten! Wir bitten unsere geehrten Abonnenten uns frdl. auf den der heutigen Nummer beiliegenden Karten Adressen von Personen mitzuteilen, die vermutlich Interesse für die „Jüdische Zeitung“ haben und an die wir daher Probenummern senden könnten. Reichtum oder wenigstens Wohlstand kann jeder Geschäftsmann erwerben, wenn er seine Geschäftsbücher genau führt. Für die Lieferung bester und billigster Bücher und aller Bureaurequisiten empfiehlt sich Geschäftsbücher-Fabrik A. Grünsfeld & Co.; Wien, I., Gonzagagasse 21. P. T. Mit der nächsten Nummer tritt die „Jüdische Zeitung“ in ihren zweiten Jahrgang. Durch die rückhaltslose Vertretung der Grundsätze des Zionismus der Forderungen der jüdischen Nationalpartei Oesterreichs, sowie aller jüdischen Interessen durch ihren gediegenen Inhalt, den Reichtum von Originalbeiträgen aus der Feder geschätzter jüdischer Autoren, Original- Korrespondenzen aus dem ln- und Ausland, insbesondere auch aus Palästina, hat sich die „Jüdische Zeitung“ in der kurzen Zeit ihres Bestandes einen hervorragenden Platz in der jüdischen Publizistik gesichert und eine grosse Verbreitung gewonnen. Die ,,J ü d i s c he Zeitung“ wird auch im zweiten Jahrgang ihrem Programm treu bleiben und nach allen Richtungen hin ausgebaut werden. Kein national gesinnter Jude, kein Zionist sollte es unterlassen, die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und dieses wichtige Parteiunternehmen nach Kräften zu unterstützen- Die Abonnementsbedingungen sind: V4 jährig K 3.— V, . „ 5.- 7i , , 10— Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen, muss aber mit einem Quartalsende schliessen. Jüdische Zeitung Redaktion und Administration Wien, 1X„ Türkenstr. 9. Judenrein. (Ein Briefwechsel.) I. Wien, 16./12. 1907. Verelirlicher Wintersportverein Kitzbühel. Ich beabsichtige, mich mit meiner Frau für mehrere Tage in Kitzbühel aufzuhalten, um Skitouren zu unternehmen. Wollen Sie mir gefälligst mitteilen, welche der dortigen Hotels nicht „judenrein“ zu bleiben wünschen. Hochachtungsvoll Dr. K. P. II. Wien, IS./12. 1907. Herrn Dr. K. P. Wien. Euer Hochwohlgeboren diene auf geehrte Anfrage, dass die Tendenz, den Ort „judenrein“ zu halten, allgemein ist; wie es die einzelnen Gaststätten halten, entzieht sich unserer Kenntnis und Einsichtnahme. Hochachtungsvoll Fremdenverkehrsverein Kitzbühel: Reisch. cs

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