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Jüdische Zeitung · 1907-12-27 · 24 (27.12.1907) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
24 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 III. Wien, 20./12. 1907. Verehrlieher Fremdenverkehrsverein Kitzbühel. Für Ihr geehrtes Schreiben vom IS. d. besten Dank und die Versicherung, dass ich die 'Offenheit Ihrer Antwort zu schätzen weiss. Zu welchem Zwecke Sie mir gleichzeitig •Ihren Prospekt „Kilzbühel im Winter“ übersandten, ist mir aber unklar. Keinesfalls beabsichtige ich, von demselben Gebrauch zu machen; er folgt anbei mit Dank zurück. Hochachtungsvoll Dr. K . . . P. Palästina. Einweihung dar Kolonie „Bir-Jakob“. Von unserem Originalkorrespondenten. Abgesehen von der kleinen Kolonie bulgarischer Juden Artuf, die im Jahre 1S96 gegründet wurde, ist seit 17 Jahren zu den damals bestehenden 9 Kolonien J u d a e a s keine neue hinzugekommen. Der Zuwachs an neuen landwirtschaftlichen Ansiedlungspunkten hat sich vielmehr in dieser Zeit in der Hauptsache auf das Werk der -„Ica“ in Galiläa beschränkt. Umso willkommener wird es den Freunden der Kolonisationslätigkeit sein, von einer neuen Kolonie in Judaea zu hören, die dieser Tage eingeweiht wurde. Für den dritten Tag Chanukka hatten die Ansiedler von Bir-Jakob Einladungen zur Teilnahme au der Einweihung ihrer Kolonie ergehen lassen, der eine grosse Anzahl von Gästen aus Jaffa, Rischon le Zion, Rechoboth und Wadi- Chanin gefolgt waren. Bir-Jakob ist auf dem Lande von Bir-Salim angelegt, wo in der ersten Hälfte des Jahres 1906 ein Areal von zirka 2050 Dunam (zirka 184 Hektar) erworben worden war. — Bir-Salim war vor .zirka 20 Jahren an die Deutsche landwirtschaftliche Schule des „Valir“ Schneller seitens der Regierung gegen eine geringe Pacht verpachtet worden. Die Deutschen hatten auf dem Lande — trotzdem es Pachtland war — Gebäude, Pflanzungen angelegt, die einen hohen Wert repräsentieren. Als Schneller vor einigen Jahren starb, machte die Regierung von ihrem Rechte, die Pacht zu kündigen, Gebrauch und verkaufte das Land in öffentlicher Auktion. Hierbei erwarb auf Grund einer Abmachung die deutsche Schule den von ihr bebauten und bepflanzten Teil, während die jüdische Landerwerbsgesellschaft „Ge ul ah“ ein anderes Stück des Bodens erwarb, auf dem nun •die Kolonie Bir-Jakob entstanden ist. Die neue Kolonie beginnt unmittelbar an den letzten Gärten von Rami eh (etwa >/* Stunde zu Fuss von dieser Stadt entfernt) und ist von den benachbarten Kolonien Rischon le Zion und Rechoboth in je einer Stunde, von der . Doppelkolonie W a d i-C h a n i n und N e s s-Z i o n a h in nur V» Stunde (zu Fuss) zu erreichen. Die Lage ist also vorzüglich — besonders wenn wir die Art der Koloniegründung in Betracht ziehen. Das Land wurde nämlich vom Odessaer Palästinavereine hauptsächlich zu dem Zwecke der „Ge ul ah“ abgekauft, um dort landwirtschaftlichen Arbeitern derNachbarkolonienzueinerSelbständigmacliungzu verhelfen. Der Plan wurde in der Art realisiert, dass man das Terrain in 40 Teile ä 50 Dunam ■einteilte und es an solche Bewerber abgab, die 'U des Kaufpreises anzahlten, sich’ver- .pflichteten den Rest in zehn Jahresraten zu entrichten und auch sonst geeignet schienen. Eine kleine Gruppe landwirtschaftlicher Arbeiter, die diesen Bedüngungen entsprach, nahm selbst alle weiteren Arrangements in die Hand, so dass wir es hier mit einer Kolonie zu tun haben, die ihre Entstehung der eigenen Initiative ihrer Kolonisten verdankt, wenn auch einige Beihilfe anderer Faktoren nötig war, um die Sache zu ermöglichen. Ausser zirka 20 landwirtschaftlichen Arbeitern, die vorläufig in den Nachbarkolonien, wo sie der Hauptsache nach beschäftigt sind, auch wohnen bleiben, weist die neue Kolonie ein ganz fremdartiges Kolonistenelement auf: jüdische „Tscherkessen“ oder „Kauka ser“, respektive „grusinische“ Juden, wie man sie gelegentlich nennt. Auf Zionistenkongressen hat man manchmal einige dieser höchst martialisch aussehenden Gestalten gesehen, die sonst in Westeuropa so un- ■ bekannt sind, dass die Wenigsten an die Existenz 'solcher Juden auch nur glauben wollen. Die „Tscherkessen“ von Bir-Jakob stammen aus der Gegend von D e r b e n t. Mit ihren Lammfellmützen, den langen mit Patronentaschen garnierten Mänteln und ihren silberbeschlagenen Schwertern stechen sie in der Tat von der westeuropäischen Vorstellung von Judentypen wesentlich ab, und auch den Arabern in ihrer neuen Heimat imponieren sie nicht wenig. Diese. „Tscherkessen“ haben schon einige Häuschen auf der Kolonie errichtet und dürften ihre ersten wirklichen Einwohner werden. Die Wasserverhältnisse scheinen günstig. Zur Herstellung eines Brunnens ist bereits eine grössere Summe bereit gestellt und da ein Teil des Landes (einige hundert Dunam) sich auch für Orangerien eignet, so ist anzunehmen, dass die Kolonisten, wenn auch langsam — da es ihnen ja vorerst an Mitteln fehlt — so doch sicher vorwärts kommen werden. Selbst wenn jeder sein Land nur mit Mandeln, Oliven und Aprikosen bepflanzt haben wird, kann man den Wert jeder Parzelle aul zirka 5000 Francs und die Einkünfte hieraus aut jährlich mindestens 600 Francs bewerten. Dieses Resultat aber würde bei eigenem Hause, eigenem Gemüse und Früchten und eigenem Geflügel usw. schon einer ausreichenden bescheidenen Installation gleichkommen. So wollen wir hoffen, dass die guten Wünsche, die bei der Einweihung der Kolonie von allen Seiten geäussert wurden, in Erfüllung gehen mögen. Der Einweihungstag selbst war keine schlechte Vorbedeutung. Ziemlich heiss brannte die Dezembersonne Palästinas auf die Köpfe der Versammlung, die um die Ruine eines alten Wasserreservoirs herum gruppiert war, auf der unter wehenden türkischen und jüdischen Fahnen eine Reihe kurzer Ansprachen — meist in hebräischer Sprache (die auch von den Tscherkessen verstanden wird) — gehalten wurde. Beifall und Flintenschüsse leiteten von einer Rede zur anderen über, während auf einem nahen Hügel eine Gruppe von Fellachen neugierig dem bunten Schauspiele zusahen. Von den Nachbarkolonien waren auch die Schulkinder erschienen, die singend das neue „jüdische Land“ umzogen und den Schluss der Feier bildeten eine Reihe von Tänzen, zu denen die Tscherkessen manchen heimatlichen Beitrag lieferten. Erst spät am Nachmittage dachte man an die Heimkehr. Die frohe Laune hielt noch an, als die Jaffaer Wagen bei sinkender Nacht der Stadt zustrebten und es stieg mancher Cantus, den die alte Strasse noch nie gehört haben mag. D. T. Korrespondenzen. Eine Kuituswahl. (Brief aus Jaroslau.) Am 14. November 1. J. fand in unserer Stadt zum zweitenmal eine Kultuswahl statt Die Machthaber der Kultusgemeinde hatten den schändlichen Fall des Vorstehers und den grossen Triumpf des Kandidaten der oppositionellen Partei unseres Gg. Herrn Dr. A. H a e n d e I nicht verschmerzen können und mittels eines Protestes bei der Statthalterei erwirkt, dass die vorjährige Wahl als ungiltig erklärt und eine neue ausgeschrieben worden war. In zwei Wählerversammlüngen entwickelte unser Kandidat Herr Dr. A. H a e n d e 1 ein Bild der bisherigen Wirtschaft unserer Kultusmänner im Lichte der Wahrheit. Sie zu offenem Kampfe herausfordernd, verkündete er in seinem politischen Kredo die Postulate der Nationalisierung der Kultusgemeinde, der Demokratisierung des Kultusrates durch Einführung des allgemeinen Wahlrechtes und forderte von der Kultusgemeinde moderne und soziale Reformen, insbesondere Errichtung eines Arbeitsvermittlungsbureaus, eines Emigrationsbureaus und von Volksbankhäusern zur Eindämmung des jüdischen Elends und der unter den Juden verbreiteten Bettelei. So begann denn ein Kampf zwischen Aufklärung und Unwissenheit, ein Kampf der Wahrheit mit der politischen Heuchelei. Die ganze Kuitussippschaft mit dem Führer an der Spitze trieb skrupellos ihre bekannten Wahl- und Agitationskünste. Unter der Assistenz der Polizei und unter dem Schutze der Bajonette wurde die Wahl absolviert. Die Kultusknechte agitierten im Saale ohne jedwedes Hindernis, fabrizierten auf Verlangen Witwenvollmachten und nahmen den oppositionellen Wählern die Stimmzettel heraus, so dass der Regierungsvertreter sich gezwungen sah, sie zur Ordnung zu rufen. Nachmittags veranstaltete die Wahlkommission ein geheimes Skrutinium und wurden die versammelten Bürger aufgefordert, den Saal zu verlassen. Das Verlangen, dass wenigstens zwei von der Opposition gewählte Vertrauensmänner zugezogen werden, wurde schroff abgewiesen. Und bei alledem, und obwohl viele oppositionelle Stimmen ganz grundloser Weise für ungiltig erklärt wurden, erhielt der offizielle Kandidat drei, sage drei Stimmen über die Majorität. Die Wahl zeigt deutlich, dass das ganze jüdische Bürgertum auf unserer Seite steht und dass die Verwaltung der Kultusgemeinde uns zufallen wird, sobald es gelungen ist, dem Systeme der Wahlmissbräuche ein Ende zu bereiten. Dazu ist aber begründete Aussicht vorhanden, da Abgeordneter Stand die Kultuswahl in Jaroslau zum Gegenstände einer Interpellation gemacht hat. Qd Io owdu — beim Militär, Einem interessanten Berichte aus dem Soldatenleben entnehmen wir folgendes: Eine Kompagnie Soldaten hatte sich beim Schiessen ausgezeichnet und die Erlaubnis erhalten, auf dem Wege in die Kaserne zu singen. Polen sangen ihre Lieder, Rutlienen die ihrigen und ein Zionist, der in dieser Kompagnie diente, sang die „Tikwah“. Der Zugsführer fand es nun für angemessen, den zionistischen Rekruten deswegen als Revolutionären beim Kommandanten anzuzeigen, welcher sich zuvor genau erkundigte und schliesslich den jüdischen Soldaten die Erlaubnis erteilte, „Od Io owdu“ als ihr nationales Lied zu singen. Nun lösen sich bei Märschen Polen, Ruthenen und Juden durch Absingen ihrer Lieder ab. New-York und Prag. Als voriges Jahr in New-York von den jüdischen Kindern verlangt wurde, dass sie am Ghristbaumfeste teilnehmen, brach der jüdische Schülerstreik aus, welcher in ganz Amerika Aufsehen erregte. Die amerikanische Regierung schaffte nun die Weihnachtsfeier in den Schulen mit jüdischen Schülern ab und die öffentliche Meinung Amerikas war ganz auf Seite der Juden. Dies geschah in der neuen Welt, ln der alten herrscht noch die Sucht, sich anzubiedern und lächerlich zu machen. Ein Beispiel hierfür die folgende aus dem „Prager Tagblatt* vom 18. Dezember, Seite 7, wörtlich zitierte Notiz: (lsr. Waisenhaus.) Das Christbaumfest findet am Sonntag, den 22. d., um 5 Uhr nachmittags statt. Kommentar ist überflüssig. W. Oie Kultusgemeinde gegen gottesdienstliche Uebungen. Wien. Unter diesem Xitel wurde in der letzten Nummer über eine Konferenz von Obmännern jüdischer Vereine berichtet und unter den Personen, die sich an der Diskussion beteiligten, auch ein Herr Buxbaum angeführt. Ueber Ersuchen des Herrn L. Buxbaum, Religionslehrers, konstatieren wir gern, dass er mit dem angeführten Herrn Buxbaum nicht identisch ist. Personalnachrichten. Uaser Gg. Herr Bankier Adolf Brecher ist vorige Woche zum Börsenrat gewählt worden. — Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Nathan Birnbaum hat sich auf eine Studienreise uach Amer.ka begeben. Er wird damit eine Vortragstournee durch verschiedene amerikanische Städte verbinden und in der „Jüd. Zeitung"" regelmässig „Briefe aus Amerika“ veröffentlichen. — Unser Gg. Dr. Jakob Thon aus Benin ist mit seiner familie nach Palästina übersiedelt, wo er das Sekretariat des Palästina-Amtes üDernommen hat.

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