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Jüdische Zeitung · 1907-12-13 · 22 (13.12.1907) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
22 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 22 . und das, trotzdem in .Jerusalem an 50.000 und in Jaffa nur etwa S000 Juden leben. Der Bau von Eisenbaimen schreitet stetig vorwärts. Wer im Lande sitzt und darauf wartet, mit einer der im Bau befindlichen Bahnen nach dem projektierten Endpunkt zu fahren, dem mag die Entwicklung freilich sehr “langsam Vorkommen, aber ein Rückblick auf die letzten Jahre •zeigt uns doch eine verhältnismässig lebhafte und sich stets steigernde Bautätigkeit. Nachdem vor 15 Jahren mit der Bahn Jaffa—Jerusalem der Bann gebrochen war. sahen wir die Bahn von Beirut nach Damaskus, die Zweigbahn von Bajak nach Horns und Hanta, die Bahn von Damaskus nach Muzerih, die Mekkabahn (bis Maan) .und die Linie H a i f a—T iberias-See mit dem Anschluss an die Mekkabahn entstehen. Seit dem vorigen dalire reicht das Bahnnetz schon bis A1 e p p o im Norden und im Süden, in Arabien, halt man mit der Mekkabahn schon recht nahe an Medina. Tm engeren Palästina fehlen einige wenige Glieder, um den Ring der Verkehrswege zu seliliessen und für weitblickende oder wenigstens einsichtige Kapitalisten bieten sich da manche Gelegenheiten. Eine der merkwürdigsten Verkehrstatsachen Palästinas sind die m odcrnc n Hotels, die die Hamburg-Amerika-Linie in Dschenin (wer hat den Namen dieses Dorfes je gehört?) und an anderen Plätzen vor zwei Jahren errichtet hat. Eine interessante- Parallele (die Linien laufen nur in entgegengesetzter Richtung): Die Hjambnrg-Amerika- Linie, deren Idee doch Palästina sehr fern lag, sucht in Palästina Geschäfte — — die ebenfalls Hamburgische Palästina- Handelsgesellschaft wollte, wie es scheint, am liebsten in Amerika arbeiten. Einstweilen begnügte sie sich — unter Ausschluss Palästinas — damit, in smyrniotischen und griechischen Produkten zu handeln. Auch die Dampferlinien mehren sich. Der deutschen Levante-Linie, die seit Jahren schon auf dem Plane ist,.„und deren Umsätze stetig steigen, ist im letzten Jahre eine Bremer-Linie („Atlas“) gefolgt/ Die französische Linie „Messageries Maritimes“ hat einen neuen Dienst eingeführt. Eine rumänische Linie ist im letzten Herbst auf den Plan getreten, und auch zwischen Jaffa und Odessa ist eine neue Schnellverbindung (5 Tage) geschaffen worden, die merkwürdigerweise auch von Juden zur schnelleren Rückfahrt in das russische Vaterland benutzt wird. Dem steigenden See- und Handelsverkehr wird auch türkiselierseits Rechnung getragen. Tn Gaza ist eine Landiungsbriieke errichtet worden, und Zoll- und Lagerhäuser sind im Bau. In Haiffa wird ebenfalls der Hafen verbessert und auch Jaffa, das im vorigen Jahre eine Quarantäne-Station bekommen hat, wird nicht mehr lange auf bessere Hafenverhältnisse zu warten haben. Dass Jerusalem kürzlich durch die Güte des Sultans seine alte Wasserleitung wieder hergestellt bekam, ist ziemlich bekannt. Weniger bekannt ist* dass durch den Fanatismus einiger geistlicher Würdenträger die Leitung in der Stadt wieder abgesperrt und nur an den Brunnen-auf dem Tempelplatz in Funktion gelassen wurde. Am wenigsten bekannt und vielleicht am interessantesten ist die Tatsache, dass das alte Berseba, das vor sieben Jahren nichts hatte als die sieben Brunnen, inzwischen zu einem modernen lebhaften Städtchen mit Regierungspalais, Moschee imd geraden reinlichen Strassen mit. Baumreihen usw. angewachsen ist, und dass dort soeben eine städtische W; a s s e r 1 e i - t u n g vollendet, wurde, die aus dem uralten Brunnen unseres, Erzvaters Abraham gespeist wird.*) Auch die jüdische Gesellschaft Palästinas *) Die Anlage wurde von der (jüdischen) Steinschen Maschinenfabrik und Eisengiesserei geliefert, von der die Regierung auch den Maschinisten , ' ■ : 1 europäisiert sieh zusehends, teils durch Zuzug neuer Gesellsehaftselemente, teils aus sieh heraus, und daneben ist gleichzeitig eine ganz kleine „amerikanische Entwicklung“ zu verzeichnen. Die Städte -selbst machen nicht mehr den verwahrlosten Eindruck von früher. Die Strassen werden besser in Stand gehalten. Es wird sogar gesprengt und ausser der primitiven Methode mittels Boc-kssc-bliiucbon sieht man auch schon gelegentlich wirkliche Sprengwagen in Tätigkeit;.- In Jaffa entwickelt sich sogar ein reguläres B a d e lebe n. Der Strand, der für das Landen von Schiffen so ungünstig ist, eignet sich hierzu vorzüglich und die 4 Bademitten, die in ihrer Einrichtung sehr primitiv sind, zeigen in ihrer besonderen Art gesehüftsmässigen Zusammenschlusses erstaunliche Modernität. -Es ist ein Bade - T r n s t. Die Abonnementskarte jeder einzelnen Hütte gilt auch für jede der anderen. Die Hütten sind übrigens — ganz praktisch -4vor einigen Hotels der Strandstrasse 'errichtet. Der Besuch ist seinlebhaft.. Zu den Sommer- und Kurgästen aus Jerusalem und anderem Städten kommen allerdings die zahlreichen/Einwanderer. Damit durch die Erwähnung der Strandstrasse und dar Hotels keine falsche Vorstellung erweckt wird, sei freilich bemerkt, dass noch mancherlei Verbesserungen nötig sind, um ans der noch halbasiatisclien Strandstrasse ein;- europäische zu machen. Auch von den Hotels entspricht nur e i n e s europäischen Begriffen, es ist aber gleichzeitig das einzige nichtjüdische. Es gehört einem „üebergetrotenen“. Aber nichts steht im Wege, dass in allerkürzester Zeit eine neue Strasse anstatt der jetzigen noch mangelhaften entsteht. Es fehlt nur an unternehmenden Juden, die kaum noch sehr lange auf sich warten lassen werden. ln Ermanglung von grösseren Unternehmern und Kapitalisten müssen wir uns einstweilen damit zufriedengehen, dass immer mehr „kleine Unternehmer“ ihren Weg nacli Palästina finden und eine Anzahl kleiner Gewerbe, die bisher noch nicht vertreten waren, hierher bringen. So. sind in letzter Zeit mehrere kleine Industrien in Jaffa gegründet worden, z. B. eine Fassfabrik, eine Fabrik von Korkstopfen, von Eisenbettstellen, von Parfüm, von kunstgewerblichen Holzarbeiten, eine Eis- und eine 'Sodawasserfabrik. Sogar Eiscreme wird von fliegenden Fabrikanten hergestellt und unter fürchterlichem Lungenaufwand in den Strassen feilgeboten. Vom Bezalel. Wie dem in der letzten Hauptversammlung des Vereins zur Verbreitung von Kunstgewerhe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern „Bezalel“ vom Vorsitzenden Professor Dr. Warburg erstatteten Bericht zu entnehmen, ist die Entwicklung dieses Institutes, welches immer neue Hausindustrien und Kunstgewerbe in Palästina oinzufobren und unter der Bevölkerung zu verbreiten sucht, eine höchst erfreuliche und beweist schon heute, dass lauf diesem Wege die Erwerbsmöglichkeiten für die Juden in Palästina in hohem Grade--gesteigert werden können. Gegenwärtig bestehen in der Schule des „Bezalel"’, welche für den Zeichen- und Dekorationsunterrieht den bekannten Maler S. Hi Irschenberg gewonnen hat, folgende Abteilungen: I. Höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterricht, in welcher nur begabte und zumeist bereits vorgebildete Schüler aufgenommen werden, von denen die einen zu Teppich-Lehrern und lvunstzeielmern ausgebildet, die. anderen einer liaiulwerksmässigen Beschäftigung, insbesondere der Stein- und Holzschnitzerei zugewiesen werden-; II. Vorbereitungsklasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellier-Onterrieht (für Anfänger bestimmt), in welche einige begabte Jerusalemer Jünglinge ausgenommen wurden,- die öhn'e den „Bezalel“ ein nutzloses Dasein zu führen verurteilt gewesen wären. Diese beideu Klassen zählen zusammen 24 Schüler. III. Abteilung für Tuppicharbeiten, in welcher 4S, meist, aus Jerusalem stammende Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren Beschäftigung finden. Sie lernen ein Jahr lang ohne Entgelt und erhalten im zweiten Jahre 15 Fres. monatlich. 'Ungefähr 25 Mädchen waren bereits vor drei Monaten so weit, dass sie diesen Verdienst . bezogen, der zwar klein, aber in Jerusalem schon ..eine, sehr wesentliche 'Mithilfe für die armen Eltern der Mädchen bedeutet. Die bereits fertiggestellten Teppiche sind nach Aussagen von Fachleuten recht gut ausgei'ührt und machen einen seingefälligen Eindruck. Es ist zu erwarten, dass nach zwei bis drei Jahren bei der Teppiehmamifaktur mit Leichtigkeit einige hundert Arbeiterinnen .Beschäftigung finden können, da.die anfänglichen -Schwierigkeiten (wie Beschaffung der Wolle, und das richtige Färben derselben) jetzt bereits grösstenteils -behoben sind und die Schule nach einigen Monaten ihr-eigenes'Gebäude beziehen soll.-iii welchem genügende Räume vorhanden sind, um eine grössere Zahl von Mädchen zur-Erlernung des Teppiehkniipfons aufzunehmen. IV. Abteilung für Steiubauer, in welcher drei Sk-inlmuer und drei Maurer in kurzer Zeit so weit ausgebildet wurden, dass sie bereits 1,20 bis 1,50 Fres. täglich verdienen. Ihr Verdienst wird, wenn sie sich grössere Fertigkeit ungeeignet haben werden, bis auf 3 Fres. täglich steigen. V. Die Abendschule, iir der ältere und jüngere Jerusalemer Handwerker hauptsächlich Unterricht im Zeichnen erhalten und in der Ausübung ihres Handwerkes vervollkommnet werden.. VI. Abteilung für 'Holzarbeiten, welche vor wenigen Monaten neu eingerichtet wurde, um hauptsächlich einfache. Tischlerarbeiten, sowie kunstgewerbliche Holzschnitzereien auszufiibren. Es bestellt auch die Absicht, schon in der nächsten Zukunft die Korbflechterei und mit ihr in Verbindung stehende Strolmrbeiten im „Bezalel"' einzufiiliren. Diese Industrie hätte hauptsächlich grosse Bedeutung für die landwirtschaftlichen Kolonien. Neue jüdische Kolonien. Die „Geulahu und das Odessaer Palästinakomitee haben einen inmitteD der Kolonien Rischon Le Zion, Wad-Chanin, Rechowoth und nahe bei der Stadt Ramleh gelegenen Komplex yon 2040 Dunam Landes, das sich für Gartenbau zur Pflanzung von Mandeln, Oliven und Aprikosen und auch zum Teil für Orangerien eignet, ah eine Gruppe, palästinischer und kaukasischer Juden, imganzen'40 Familien gegen allmähliche Abzahlung verkauft. Die so auf diese Weise neu gegründete jüdische Kolonie, in welcher die Arbeiten bereits begonnen haben, führt den,Namen Birsalem. Die Gründung einer weiteren Arbeiter-Kolonie in Fedsche ist in Vorbereitung begriffen. Ein ausgezeichnetes Flugblatt für den Nationaltonäs ist kürzlich vom Kölner Hauptbureau ediert worden, so recht geeignet, die Kenntnis dieser schönsten und werbefähigsten Schöpfung des Zionismus in alle Kreise des jüdischen Volkes zu tragen. Wir legen daher jedem Exemplare ein solches Flugblatt als Muster bei. Bestellungen auf grössere Posten dieses Flugblattes wollen (mit Beischluss -des Portos in Briefmarken) an die Sammelstelle des Jüd. N.-E. für Oesterreich, Wien, IX., Türkenstrasse 9, gerichtet werden. Reichtum oder wenigstens Wohlstand kann jeder Geschäftsmann erwerben, wenn er seine Geschäfts- 'bücher genau führt. Für die Lieferung bester und billigster Bücher und aller Bureaurequisiten empfiehlt sich Geschäftsbücher-FabriK A. Grünsfeld & Go.; Wien, I., Gonzagägasse 21. aneiinM&KafejnKNMKUMMcaie'Mt'a

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