Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 15 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 15 JÜDISCHE. ZEITUNG und sein Eifer ilnn die Möglichkeit bieten, eine viel' weitere, umfassendere Tätigkeit .aiif allen Gebieten der Neubelebung Palästinas zu entfalten. Hierzu ist aber unvergleichlich mehr Interesse für seine Leistungen seitens der Gesinnungsgenossen, unvergleichlich mehr geistige Fühlung seitens der Mitarbeiter und unvergleichlich nielir Einläufe seitens der Spender erforderlich. Das Komitee der Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina, Odessa. Der Präsident: M. U s s i s e h k i n. Aus dem Parlamente. Der Jüdische Klub beim Ministerpräsidenten. Wegen des Dringlichkeitsantrages des Abg. Breiter über die Verwaltungszustände in Galizien, den auch die Mitglieder des jüdischen Klubs unterfertigt hatten, lud der Ministerpräsident Frli. von Beek diese am Mittwoch zu sich. Die jüdischnationalen Abgeordneten wiesen unter Anführung konkreter Fälle auf die ungesetzliche Verwaltungspraxis in Galizien hin und erklärten, dass jener Antrag für sie keinerlei obstrukiionistische Tendenzen habe, sondern meritorisch begründet und wegen der systematischen Bedrückung oppositioneller jüdischer Wähler eine sehr dringliche Angelegenheit sei. Der Ministerpräsident sagte die sofortige Abstellung einiger besonders krasser Missbräuche zu. Für die Debatte über den Dringlichkeitsantrag war Abg. Dr. Gabel zum Worte gemeldet. Wenn der Dringlichkeitsantrag der ersten» Lesung der Ausgleichsvorlagen zuliebe zurückgestellt werden sollte, wird er nach ihrer Beendigung zur Verhandlung gelangen. Der Ministerpräsident hat den Jüdischen Klub zu einer Konferenz eingeladen, die im Laufe der nächsten Woche stattfindet und in welcher die Klubmitglieder dem Kaibinettsehef die Wünsche und Beschwerden der jüdischen Wählerschaft vorlegen werden. * * * Abg. -Dr. G a b e 1 hat in der Donnerstagsitzung eine Interpellation eingebracht, welche sieh mit der von Prof. .Sternbach in einem Interview in Aussicht gestellten Behandlung z.i o n i s t i s c h e r Hörer un'd Lehrer an dem zu gründenden jüdisch-theologischen Seminar in Lemberg befasst. Die Herren Assimilanten wollen aus der Anstalt eine nationalpolnische Schule machen und glauben es sehr raffiniert ausgeklügelt zu haben, wie sie sowohl Hörer als auch Lehrende zionistischer Gesinnung am besten fernhalten können. Korrespondenzen. Ein „edler Wohltäter“. Wien. Der kürzlich verstorbene Rentier Donato Taussig Lat den Konvent der barmherzigen Brüder zum Universalerben seines Vermögens eingesetzt. Oh sieh wohl ein Christ finden würde, der eine jüdische Institution zum Erben einsetzen würde, ist sehr fraglich. Doch dies ist noch nicht das Aergste. Mehrere weitere Legate wurden für andere Stiftungen ausgesetzt, natürlich mit dem Zusätze „ohne Bücksieht auf die Konfession”, aber die Bewerber dürfen uic-ht aus Galizien stammen. Diese Art, die Juden einer ganzen Provinz pauschalier zu verdammen, ist — de mortuis nihil nise bene — dumm und empörend. Der Hass des „Wohltäters“ gegen die galizisc-hen Juden ging so weit, dass auch die nur in Galizien geborenen, sonst aber vielleicht auch in Wien Heimatsberechtigtc-n, ausgeschlossen sein sollten. Dem Herrn Taussig waren christlichsoziale Geistliche, die er bittet, auch jüdische Kranke zu pflegen, lieljerfcds Stammes- und Glaubensgenossen. Die Zemingen haben den I erstorbenen wolil als edlen Wohltäter hingestellt, aber wo bleibt der Edelsinn, wenn er katholischen P-riesiern ■ undlyrankenpflegem zumutet, ja strftimgsmäsfeig vorschreibt, jüdische Kranke,- wenn sie aus Galizien sind, nicht aufzuuehmen? .Das Testament ist das Produkt eines perversen Assjmilantengehimes. . ' ■ Mauschel. Wien. Iu:denr.neulich erschienenen Buche über „Das moderne Drama“' des Herrn äusserordentl. Universitätsprofessors F. R. Arnold, findet sieh folgender Satz: „ . . . . das jüdisc-he Milieuürama wurde' auch von den beiden Erfindern und Inipresarii des sogenannten Zionismus Theodor Herzl und Max Nordau gepflegt.“ Es ist merkwürdig, dass alle getauften Juden — mögen sie auch früher Lewysolin und jetzt Arnold heissen :— eine [solche Scheu haben, dem Zionismus ins Auge zu sehen. Erkennen sie vielleicht, dass der Zionismus eine Sache sei, die ihren Assimilationsgelüsten einen Strich durch die Beehnüng macht und sie in ihrer Erbärmlichkeit zeigt? Glauben etwa getaufte Lewvsohn.s, dass die wegwerfende Art, mit der sie vom Zionismus reden, sie zu Vollblutariern mache? Wir sind gegenteiliger Ansicht und meinen, dass die Nonchalance, die der sogenannte Herr Arnold in dieses eine Wort „sogenannte“ legen wollte, höchstens die Wahrheit enthüllt, dass er zu denjenigen gehört, die Herzl im „Mausehel“ charakterisiert hat. Die galizische Landeskonferenz. Lemberg. Die ursprünglich bloss für den 27. Oktober einberufene Landeskonferenz der galizisehen Zionisten wird wegen der vielen zur Verhandlung kommenden Punkte auch am 28. Oktober tagen. Der erste Tag wird den Begrüssungsanspraehen der Einberufer, der A.-C!.- Mitglieder, der jüdischen Abgeordneten und den Beratungen über Organisation und Palästinaarbeit, über welche Gg. Dr: Samuel Bapp ap o r t referieren wird, gewidmet. Hierauf folgt ein Beferat des Gg. Dr. David Malz über den gegenwärtigen Stand des Zionismus und über die jüdische Bank. Am Abend des efsten Tages wird Dank den”'Bemühungen des Vereines „Emunah“ zu .Ehren der Delegierten ein gemeinsames Nachtmahlstattfin'den. Am zweiten Tage findet die Beratung über die politische Betätigung statt. Gg. Dr: M a r k u s B r a u d e wird das Beferat halten. Am Abend wird die erste Generalversammlung der politischen Vereinigung stattfinden. Nach dem Palästina- und Organisationsreferat sollen Kommissionen gewählt werden, denen [die Durchberatung der Detailfragen zufällt. Agitation für Palästinaarbeit. Lemberg. Auf Einladung djer zionistischen akad. Verbindung „Judäa“ in Lemberg, welche es sieh zur Aufgabe gestellt hat, die seit einiger Zeit in Galizien leider einigermassen vernachlässigte strikte Palästinaarbeit auf der Höbe unserer Parteistellung zu erhalten, ist Herr Davis Tri et sch in den letzten Tagen des vorigen [Monats nac-h Galizien gekommen, um eine Reihe von Agitationsvorträgen über Palästina zu halten. So fand am 24. v. M. in Lemberg ein Vortrag über „Die ökonomische Lage der Juden in Palästina“ statt, verbunden mit Lichtbilderdemonstrationen, die durch einen von der Verbindung „Judäa“ gekauften Lichtbilderapparat aufgeführt wurden. Der glänzende Vortrag des Herrn Trietseli fand grossen Beifall. Nach dem Vortrage wurde zu Ehren des geschätzten Gastes ein Festkommers abgehalten, bei welchem der Senior der Verbindung, Herr stud. iur. S. Mund, die Ernennung des Gg. Trietsch zum Ehrenmitglied der Verbindung mitteilte. In Begleitung von Mitgliedern der letzteren fuhr Herr Trietseli hierauf nach Brody, wo ein Palästina-Bout stattfand. Dieses Volksfest bestand darin, dass in einem entsprechend dekorierten und ausgestatteten Lokal Erzeugnisse des Bezalel und der Kolonien, überhaupt palästinensische Produkte zum Verkauf ausgestellt wurden, wobei Musik und heitere Spiele das massenhaft versammelte Publikum unterhielten. Herr Trietsch hielt am Abend einen Vortrag über „Die ökonomische Zukunft Palästinas“. Das von der dortigen Verbindung „liatchijah“ mit Hilfe der Lemberger ..Judäa“ -veranstaltete Fest warf einen erklecklichen Ertrag ab, der für den Herzlwald bestimmt wurde. Aehnliche Feste fanden dann auch in anderen Städten statt. In Droliobycz waren die Veranstalter die Verbindung „Maceabäa“ und der bekannte jungjiidiselie Haler Oskar Alexandrowic-z. Herr Trietsch referierte über „den gegenwärtigen Stand und das Programm der realen Alrbeitin Palästina“. In Stanislau liiess der Vortrag „Eine Wanderung durch' Palästina“'. Ein ähnliches Fest, zugleich Inaugurationsabend der neu entstandenen Verbindung „Bar Koeliba“ fan'd auch in Buezacz statt; überall wurden die erwähnten Lichtbilder demonstriert und überall trug man die gleichen finanziellen und moralischen Erfolge davon. Herr Trietsch benützte seine Gegenwart in Galizien zu wichtigen Arbeiten für das Palästinaressort: so fuhr er von Droliobycz aus in den Naphtha-Distrikt Boryslaw, um Verhandlungen wegen der Gründung einer Petroleumabteilung im Industrie- Syndikat zu pflegen. In Lemberg hielt Herr Trietsch mit der Verbindung „Judäa“ und einigen Vertrauensmännern eine vertrauliche Beratung ab, uni ein Programm einer Palästinaairbeit in Galizien fcstzusteilen, welches die sehr rührige und ernst arbeitende Verbindung ins Werk setzen soll und wird, wie wir hoffen, mit dem gleichen und besseren Erfolge als bis jetzt. Im ganzen Lande wird der Aufenthalt des Herrn Trietsch gewiss die tiefsten und heilsamsten Spuren hinterlassen. II. Fr. Die Juden und die Landtagswahlreform. Rzeszow. Anfangs Oktober fand eine von der hiesigen zionistischen Organisation einberufenc Massenversammlung statt. B.-A. Dr. Heinrich G a b e 1 referierte über die Tätigkeit des jüdischen Klubs in der abgelauienen Reichsratssession. An die Aufopferung des bewussten Juden während 'der Wahlen ankmipfend, wies er auf die verantwortungsvolle Aufgabe hin, die auf dem jüdischen Klub laste. Die Mitglieder des jüdischen Klubs seien ihrer Pflicht bewusst und als die einzigen wahrem Vertreter des jüdischen Volkes ' werden sie Unerschrocken und freu den Kampf für das Wohl und die volle bürgerliche Freiheit des Volkes auf nehmen. Der Referent forderte die Anwesenden auf, in die politische Organisation einzutreten, die für die österreichischen Juden von weittragender Bedeutung sei und die zu.gründende Bank werktätig zu unterstützen. Dann wies er auf die Haltung hin, die die Juden anlässlich der Landtagswahlreform zu beobachten haben. Nach Dr. Gabel referierte Herr A. G 1 ii e lc s m a u u über die Landtagswahlreform. Hierauf wurde einstimmig eine Resolution gefasst, in der sich die Versammlung für das allgemeine Wahlrecht und für die Einführung des jüdischen Nationalkatasters aussprach. An der Versammlung nahmen ungefähr 800 jüdische Bürger teil. Den Vorsitz führte Herr Dr. H o p f e n. Abgeordneter Dr. Gabel vor seinen Wählern. Podhajce. Am 10. Oktober fand in der grossen Synagoge unserer Stadt eine Versammlung statt, bei welcher B.-A. Dr. Gabel über die Tätigkeit des jüdischen Klubs Bericht erstattete. Anwesend waren alle Juden der Stadt und der Umgebung, ohne Rücksicht auf ihre Parteisehattierung, und sehr viele Ruthenen, Unter stürmischem Beifall bestieg Dr. Gabel die Tribüne und in zweistündiger Bede berichtete er über die Arbeit der jüdischen Abgeordneten und über ihr Zukunfltsprogramm. „Der jüdische Klub“, sagt er, „hat in seinem Programm vorläufig die brennendsten Fragen der jüdischen Gemeinschaft auf genommen und geht mit aller Zähigkeit daran, sie zu lösen. Die Anerkennung der jüdischen Nationalität in den Schulen, der hebräischen und jüdischen Sprache im Gerichte, uneingeschränkte Versammlungs- und Vereinsfreiheit, die Hebung des jüdischen Handwerks, das Projekt einer Bank, die einen billigen Kredit gewähren, soll usw., ausserdem die zum Zwecke des Rechtsschutzes eingebrachten Interpellationen — dies ist die Arbeit, die der jüdische Klub zum Teil geleistet hat, zum Teil noch leisten soll.“ Die Bede fand begeisterten Beifall. Nach dem Schlussworte des Herrn M a r k u s S ch o r r, der die Versam-