Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 14 (18.10.1907)
- Date
- 1907-10-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 14 wesenden auf. auch die weiteren Aibende .so. zahlreich zu besuchen, damit Wien wieder ein reges zionistisches Leben entfalte. Die Versammlung schloss erst um Mitternacht. Zur Anerkennung der jüdischen Nationalität. Wien. Sonntag den 13. d. M. fand über Einberufung der jüdiseh-akad. Verbindung „Iv r i a“ eine Besprechung der Präsidien sämtlicher jüd.-nat. akademischer Korporationen statt. Behufs energischer Weiterführung der Aktion zur Anerkennung der jüd. Nationalität an den österr. Hochschulen wurde ein fünfgliedriges Exekutivkomitee, bestehend aus: iur. Löw (Ivria), ing. Freundlich (Mafckafcäa), med. Deutsch (Kadimah), med. P1 ac e k (Unitas) und iur. Stöckel (Bar Kjochba) eingesetzt. Deutsche Treue. Oderberg. Bei den in der verflossenen Woche stattgefundenen Gemeinderatswahlen haben die hiesigen Juden trotz allen Abmahnungen der Jüdisehnationalen mit den Deutsehnationalen ein Wahlkompromiss abgeschlossen, das diese im entscheidenden Momente in der perfidesten Form brachen. Vorher hatte eine jüdische Versammlung dem Kompromisse unter der Voraussetzung zugestimmt, dass den Juden vier Aussebussmandate, die sie übrigens Stets besessen, eingeräumt werden. Bei der Wahl stellte es sieh heraus, dass auf allen Stimmzetteln die jüdischen Kandidaten gestrichen waren, so dass sie, unter ihnen auch der bestbekannte Herr Zänker, durchfielen. Nur Herr Lustig drang mit knapper Not durch, obzwar gerade seine Wahl die hiesigen Juden am wenigsten erfreut. Uebrigens wird ein Wahlprotest auch die übrigen Wahlschwindeleien der deutschen Herren auf decken. Die vielgerühmte deutsche Treue hat sieh glänzend bewährt. Abgeordneter Zamorski vor seinen Wählern. Kozlow. Sonntag am 6. Oktober erstattete der allpolnische Abg. Zamorski vor einer zahlreich besuchten Wahlerversammlung in Kozlow einen Eeehensehaftsbericht über 6eine bisherige parlamentarische Tätigkeit. Der Bericht gipfelte natürlich in einer Verherrlichung des Polenklubs und seiner erspriessliehen „Taten“ für die Wohlfahrt sämtlicher Klassen der galizisehen Bevölkerung. Selbst die Altersversicherung und die zweijährige Dienstzeit werden vom Abg. Zamorski als Aktivposten auf das politische Konto, des Polenklubs gutgeschrieben. Als ein besonderes Verdienst seiner Partei bezeiehnete Herr Zamorski die erwirkte „Befreiung“ jüdischer Soldaten vom Dienste an den hohen Feiertagen. Sie existiert nur in der Phantasie der Polenklubler. In Wirklichkeit mussten die jüdischen Soldaten an ihren heiligsten Feiertagen den gewöhnlichen Militärdienst verrichten. Schreiber dieser Zeilen meldete sieh daher sofort, nachdem Abg. Zamorski mit seinen Ausführungen zu Ende war, zum Worte und interpellierte ihn über diese sonderbare Befreiung. Der Interpellant fragte sodann, auf die algemeine Politik übergehend, den Abg. Zamorski, aus welchen zwingenden Gründen der Polenklub, der doch als slawische Partei der Kandidatur Zaezek näher stand, die Wahl des Dr. Weisskirchner zum Präsidenten fördern zu müssen glaubte, welches Vorgehen übrigens auch mit der zur Schau getragenen „Judenfreundlichkeit“ der Polen im krassesten Widerspruche steht, ferner welche Konzession fürdie Juden der Polenklub von den Christlichsozialen für dieses Opfer in Tausch genommen habe. In seiner Antwort nannte Herr Abg. Zamorski die Niehtbefreiung der jüdischen Soldaten am Versöhnungstage eine Pflichtverletzung seitens des Lemberger Korpskommandos und versprach, die Regierung hierüber zu interpellieren. Wir nehmen die Erklärung zur Kenntnis, halten ihn aber beim Worte . . . Die Haltung des Polenklubs bei der Präsidentenwahl suchte er in einer gewundenen, aber misslungenen Verteidigungsrede zu rechtfertigen. Die Tschechen nannte Abg. Zamorski die ärgsten Feinde der Polen. Er warf ihnen die Tsehechisierung Schlesiens vor und beschuldigte besonders den Führer der.Tschechen Dr. Kramar, dass er es war, der für Galizien Wahlbezirke mit 40.000, für Böhmen, aber solche mit nur. 3000 Wählern geschaffen halbe. Den deutschfreiheitlichen Parteien durfte, der Präsident, wegen ihrer Zerfahrenheit. picht entnommen werden usw.,. usw. So musste die Wahl nur auf Dr, Weisskirehner fallen. Armer Polenklub! Bezüglich der erwarteten Konzessionen seitens der Christliehsozialen will ihnen Herr Zamorski, rekte der.. Polenklub, erst in der Herbstsession die Rechnung präsentieren. Qui vivra, verra,! . . . ' Joachim Neiger. Ehrenbürger! Buczacz. Die Ernennung des Statthalters Potockis und unseres ehrenwerten Abgeordneten Movsa zu Ehrenbürgern von Buczacz war eine Ueberrumpelung der zweifelhaften Gemeinderäte durch Berisch Stern. Die Ernennung stand nicht auf der Tagesordnung, sondern der Antrag wurde während der Sitzung ganz unvermutet vom Direktor, der über allen Vätern eine Zuchtrute hält, gestellt und angenommen. Die Gegenfrage wurde überhaupt nicht gestellt. Es ist derselbe Herr Gymnasialdirektor, der im Vorjahre die Kühnheit hatte, einen Schüler, der auf der Strasse jüdisch sprach, mit mehrstündigem Karzer zu bestrafen ... Jüdischer Nationalverein. Gzernowitz. Ueber Einladung des jüdischen Nationalvereines fand am 12. d. M. nachmittags eine überaus zahlreich besuchte Versammlung seiner Mitglieder im Rathaussaale statt. Kultusrat Jakoh Gold führte den Vorsitz, während Abg. Dr. Straucher ein wiederholt von Beifall unterbrochenes, eingehendes Referat über jüd. Fragen erstattete. Aus dem galizisehen Landtage. Lemberg. Die Beratungen des galizischen Landtages sind zu Ende. Die wichtigste Aufgabe, die ihm bevorstand, die Wahlreform durchzuführen, hat er nicht erledigt. Man ist über die Aufteilung der Beute nicht einig geworden und der Handel wird sich weiter, mit Ausschluss der Oeffentlichkeit, vollziehen. Hauptsächlich handelt es sich um den Modus, wie man Juden und Ruthenen den ihnen gebührenden Einfluss vorenthalten könnte. Wie weit die Gährung in den jüdischen Kreisen gediehen ist, erhellt am besten aus den Aeusserungen der ... . assimilatorischen Führer. Dr. Aszkenasy, der durchgefallene Kandidat und Führer dieser Gruppe, äussert sich in der assimilatorischen „Jednosz“: er müsse darauf bestehen, dass man den Juden eine grössere Anzahl von Mandaten, zumindest 30, sichere, sonst wäre er genötigt sich zurückzuziehen und die Polen müssten zusehen, wie sie mit den Zionisten allein fertig werden. Dr. Adolf Gross, die Krakauer Abart des galizisehen Assimilantentypus, verlangt in seinem „Tygodnik“ das proportionale Landtagswahlrecht für die Juden. Pater Stojalowski, der Führer des klerikalen Zentrums und Verbündete der Stauczyken und Allpolen im letzten Kampfe um die Reichsratsmaudate, benützte die Budgetdebatte, um zu beweisen, dass sein Judenhass noch immer nichts von seiner früheren Stärke eingebüsst hat. Wir würden dieser Rede kein Gewicht beilegen, wenn Pater Stojalowski nur für seine Person oder seinen Klub gesprochen hätte. Aber Pater Stojalowski ist auch das Sprachrohr einer weit grösseren Gruppe. Was die anderen aus politischen oder diplomatischen Gründen sich nicht auszusprechen getrauen, besorgt Pater Stojalowski, der sich mit dem von ihm bekämpften Adel und der Geistlichkeit vollständig ausgesöhnt hat. Stojalowski sagt unter anderem: „Weiter sind für das Elend in Galizien die Juden verantwortlich, die in ihrer grossen Mehrheit sich zum Zionismus bekennen. Von den Juden ist nichts gutes zu erwarten, da sogar ein Jude den zweiten beschwindelt. Die Herren Demokraten werden sich ganz gehörig zum Kampfe gegen den Zionismus, zusammennehmen müssen, da sonst ihre Mandate stark bedroht sind. Die Juden , verdrängen heute die Schlacfita; aus ihren Gütern und sie tragen Auch Schuld an dem Untergange der. Kleinbäuernwirtschaft. Jeder Schlachzize findet im Juden seinen Schlächter. Das gleiche gilt auch vom Bürgertum, welches von ihnen aus den Städten und Städtchen verdrängt wurde. Wer also von dem Elend in Galizien spricht, darf der Juden nicht vergessen. Alle Parteien, sowohl Demokraten als auch Konservative, müssen sich . zum gemeinsamen'. Kampfe gegen die Juden verbinden“. Ein Kommentar ist überflüssig. Aber „Slowo Polskie“ vermerkt in seinem Berichte: „Der Rede des Pater Stojalowski wurde von allen Parteien mit besonderer Aufmerksamkeit zugehörl." K. Bühnenantisemiten. Skrzeczon (bei Oderberg). Hier machen sich seit einiger Zeit polnisch-nationale Treibereien bemerkbar, deren Privatpassion selbstverständlich der Antisemitismus ist So veranstalteten diese Herren Polen am Sonntag den 6. d. M. einen Unterhaltungsabend, in dessen Verlaufe auch ein Schwank von Dilettanten zur Aufführung gelangte. Im Mittelpunkte der Handlung steht eine jüdische Weinfälscherfamilie. Nun gerieten aber die Polen in Not, denn man benötigte, um einen echten Juden wahrheitsgetreu darzustellen, einen alten Kaftan. In dieser Not erschien als rettender Engel der in hiesigen orthodoxen Kreisen bestens bekannte Herr Josef Goldberger und bot der Schmiere nicht nur seinen Kaftau und seine Schaufäden an, sondern stellte ihnen auch eine künstlerische Kraft zur Verfügung, seinen achtjährigen Sohn, der seine Aufgabe, den missratenen Sohn des jüdischen Weinschwindlers darzustellen, zur vollsten Zufriedenheit des anwesenden Publikums löste. Und die ganze Familie Goldberger wohnte dieser Vorstellung glückstrahlend bei! Also nicht genug daran, dass eine bandvoll Polen in einem jüdischen Lokale ein antisemitisches, gegen das Judentum aufreizendes Stück aufführen und von niemandem daran gehindert wurde, leiht ein Jude diesen Antisemiten seine „Garderobe“, lässt seinen Sohn mitspielen und wohnt mit seiner ganzen Familie dieser Vorstellung bei! Welchen Eindruck muss ein solches Verhalten auf nichtjüdische Kreise machen? Die Schuld an derartigen, den Antisemitismus fördernden Vorfällen, trägt lediglich die völlig ungenügende Organisation der Juden in Oderberg und Umgebung und es wäre wirklich höchste Zeit, dass die jüdische Organisation auch hier in Form eines Vereines Einzug hielte. Parteinachrichten. An die A7 e r e i n e des Verbandes „Zion“! Wir berufen hiermit einen Ausserordentlichen Distrikstag ein, der Freitag den 1. November a. c., 10 Uhr vormittags, im Saale des Zionistischen Zentralvereines, IX., Türkenstrasse 9, mit folgender Tagesordnung stattfindet: 1. Wähl eines Distriktsobmannes; 2. Abänderung der Dästrikbsparteisteuer. Mit Zionsgniss Innerösterreichisches Distriktskomitee. Der Schriftführer: Der Vizeobmann: JUC. Hermann Löw. Adolf Böhm.. An die P. T. zionistischen Vereine in Wienl Die gesinnungsgenössischenVereine, welche den Saal des zionistischen Zentralvereines, IX., Töikenstrasse 9, zur Abhaltung von Sitzungen, Versammlungen etc. benützen wollen, werden ersucht, sich fallweise schriftlich an den Ausschuss des genannten Vereines zu wenden.