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Jüdische Zeitung · 1907-10-18 · 14 (18.10.1907) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
14 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Das Volk aber, dem die Retter entstammen, wird seufzen unter den blutigen Hufen der Verachtung und Entrechtung. Wenn aber einmal die Zeit kommt, d a d e n Grossen aus Juda der Charakter m ehr sein wird als die T i t e 1 e h r e und der Rangklasse mkamipf? Das Brudervolk lieber als der duldende S t a a t? Wer wird Frieden und S.egen wirken im Land? Wer mit des Geistes Waffen die b r u t a 1 e Gewalt niederhalten? W i r brauchen nicht zu zittern, wenn unsere Geister unsere Kräfte leiten werden. _ ü Das jüdisch-theologische Institut in Lemberg. In der Sitzung vom 3. Oktober 1907 hat der galizisehe Landtag der Sehulkommission den Antrag auf Begründung eines jüdisehteolotgisehen Instituts in Lemberg auf Landeskosten zur Prüfung überwiesen. Diese scheinbar kleine und unbedeutende Angelegenheit schleppt sich bereits seit 100 Jahren fort und konnte bisher keine Erledigung finden. Schon die sterbende polnische ■ Republik beabsichtigte die Gründung einer Anstalt für die Heranbildung gelehrter Rabbiner und Lehrer und auch Kaiser Franz I. hat darüber in seiner Relation vom 4. Februar 1792 geschrieben. Markus Bernstein petitionierte um die Begründung eines solchen Institutes noch im Jahre 1828 (Petition an den Statthalter Fürsten Lobkowitz) und die Angelegenheit konnte trotzdem nicht zu Ende geführt werden. Im galizisehen Landtage kamen Anträge in dieser Sache jedesmal wieder, bis endlich die jüdische Gemeinde Lemberg im Jahre 1902 auf Aigymo Faust ein Institut zur Heranbildung von Religionslehrern an Volksschulen begründete, indem sie sieh vorerst eine Subvention des Landen und Staates sicherte. Aber dieses Institut erwies sieh aus Mangel an Schülern in der Praxis nicht zweckentsprechend. Schüler dieser Anstalt konnten nur Lehramtskandidaten des Lemberger Seminars wenden und seit vielen Jahren werden an dieser Anstalt nicht mehr als 7—12 Schüler aufgenommen. Ausserdem musste der Unterricht in diesem theologischen Institut nach 5 Uhr abends abgehalten werden, weil am Lehrerseminar der Unterricht vor- und nachmittags erteilt wird. Ein weiteres Hindernis in deT Entwicklung des Instituts ist auch die Autonomie der Kultusgemeinden (nach dem Gesetz vom 25. Mai 1868), die sieh um die Anstalt gar nicht kümmerten und die vakanten Lehrerposten willkürlich mit Uebergehung der Absolventen dieser Schule besetzten. Diese Umstände veranlasst«! die Lemberger und Krakauer Kultusgemeinde) die Sanierung dieser Anstalt in ihre Hand zu nehmen und der Landtag überwies in der Sitzung vom 16. März 1907 das Studium der Angelegenheit dem Landesaussehusse. Die Früchte dieser Beratungen und Untersuchungen zeigen sich bereits in dieser Session und wir hoffen, dass die Frage, die sich schon so lange hinschleppt, eine gedeililiche Lösung finden wird. Der Landosausschuss wandte sich an die Kahals und erhielt vorläufig 113 Antworten und eine Reihe von Erklärungen über Beitragsleistungen in folgender Höhe: In Barem und Wertpapieren wurden erlegt 5300 Kronen, man widmete für den Reservefonds 50.S75 Kronen und für die Erhaltung des Institutes jährliche Subventionen im Betrage von S030 Kronen. Es ist zu erwarten, dass nach Annahme dieses Antrages durch den Landtag weitere Beiträge von Stadt- und Kultusgemeinden, von Finanzinstituten und Privatpersonen ein fHessen werden. Das Institut soll sich nach den bisherigen Vorschlägen in drei Abteihingen gliedern. I. Stufe (Proscminarium) ist für Religionslehrevkandidaten an Volksschulen bestimmt. Der Unterricht dauert ein Jahr. Ordentliche Schüler können nur Absolventen der Lehrerseminare sein. Wöchentliche LTnierriehtsstund'en gibt es 21 (hebräische Sprache, heilige Schrift, Liturgie und Abrisse aus dem Talmud, zusammen 12 Sünden, jüdische Geschichte 6, Homiletik und Methodik 6). Nach Beendigung dieses Kurses werden die Absolventen sieh einer Prüfung unterziehen und nur solche Kandidaten werden Leh.rerposten erhalten können. Es ist natürlich, dass diesem Beschluss keine rückwirkende Kraft innewohnt. Wer schon einen Posten besitzt, wird ihn auch behalten, aber eine Reihe von Stijtendien und Beurlaubungen wird es den Lehrern ermöglichen, ihr Wissen an dieser Anstalt zu vervollständigen. Es wird auch eine wichtige Frage sein, ob diese Absolventen QualifikationspriLlüiigen (Volks- und Biirgersehulprüfungen) werden ablegen müssen und ob dieses Studienjahr ihnen in die zwei- resp. dreijährige Praxis wird eingerechnet werden. II. Stufe (Seminarium). Der Unterricht dauert vier Jahre zu 14—18 Stunden wöchentlich. Schüler können nur ordentliche Hörer der philosophischen Fakultät an der Lemberger Universität sein. Der Lehrplan umfasst alle Disziplinen der Judaistik, die für einen Mittelschullehrer notwendig sind. Ueberhaupt verfolgt das Seminar praktische Ziele, obwohl der Vortrag akademisch sein soll. Die Hörer werden nach zwei Jahren eine Prüfung ablegen müssen, wenn sie in den dritten Jahrgang aufsteigen wollen. Vach vier Jahren wird der Kandidat eine FachpriLfiing abztdegen haben, welche ihn neben der an der Universität abgelegten Lehramtsprüfung zur Annahme eines systemisierten Postens an einer Mittelschule berechtigt. An der Universität wird der Kandidat eine Prüfung aus einem beliebigen Gegenstände der historisch-philosophischen Gruppe nur für das Untergymnasium ablegen, damit er in dringenden Fällen und Ixä einer kleinen Anzahl von Religionsstunden auch einen zweiten Gegenstand vortragen kann. Für die Hörer des I. und II. Kurses wird eine Reihe von Stipendien geschaffen und ein Internat, das anfangs für 30 Alumnen bestimmt ist. Auch bei den Absolventen dieses Kurses muss erwogen werden, w ie man 1*4 der Autonomie der Gemeinden diese veranlassen könnte, für Lehrerstellen, nur Absolventen diesen- Lehranstalten zu präsentieren. Ausserdem muss die Abänderung des kaiserliehen Erlasses vom 16. September 1849 gefordert werden, wonach „die Schüler nichtkatholischer Konfession (Religionsminoritäten) ihren Religionsunterricht von einem Lehrer empfangen, der in der Regel nur Hilfslehrer ist". Aber wir glauben, dass bei gutem Willen der massgebenden Faktoren auch diese Schwierigkeit behoben werden wird und wir nach einigen Jahren eine Reihe von systemisierten Lehrerposten haben werden. III. Stufe (2—3 Jahre) ist für theoretisches Studium zur Vertiefung der jiulaistischen, hauptsächlich aber talmudischen Kenntnisse bestimmt. Diesen Kurs werden die Absolventen des vierjährigen Kurses freiwillig besuchen können. alter darüber, ob dieses Studium zu irgendwelchen Titeln berechtigt, wird das Kuratorium des Institutes erst nachher entscheiden. Das Unterrichtskollegium wird aus drei Professoren und zwei Dozenten bestehen. Die ersten erhalten die Gehälter der ausserordentlichen Fnivcrsitiitsprofessoren. die anderen Remunerationen nach der Anzahl der Lehrstunden. Die Professoren und Dozenten ernennt der Landtag auf Vorschlag des Kuratoriums. Dem Kuratorium gehören an: ein Delegierter des Landesausschusses, ein Landessehulinspektor, der Repräsentant der Juden im Landesschulrate, die beiden Lemberger Rabbiner (der orthodoxe und fortschrittliche), 8 Delegierte der Kultnsgemeinden, die die höchsten Beiträge zahlen, S vom Landesaussehusse aus den verdientesten Juden des Landes ernannte Vertreter. Die Funktionsdauer des Kuratoriums dauert drei Jahre. Die Professorengehälter (19.500 Kronen) zahlt das Land im Falle einer Subventionierung durch den Staat, alles übrige wird von Beiträgen der Kahals und Privatpersonen ge- PnMikum einen klangvollen Kamen erworben — die jüdische Presse hat geschwiegen. Kaum ist er aber zu einer „christlichen“ Bühne iibergetneten, ist er der LiebjUrig der jüdischen Presse geworden: man bringt täglich sein Bild und lobt ihn über den grünen Klee. Eine christliche Vaudeville-Schauspielerin, Whiste Wiktoria, hat besonderen Anklang bei einer jüdischen Zeitung gefunden und fast eine ganze Woche konnte man über die Farbe ihrer Strümpfe Artikel lesen .... Was kümmert sie L i f e i n, Adler u. a.? Das sind nur jüdische Schauspieler! Erst müssen sie zu den „Christen“ fort, damit über sie in jüdischen Zeitungen geschrieben wird. Aber trotz alledem ist in Amerika ein Fortschritt sichtbar, der auch auf Russland zurückw-irken müsste. Hier zeigen sieh bereits Spuren eines Dramas. Perez, Asch, Hirschbein beginnen auf diesem Gebiete zu arbeiten und es unterliegt keinem Zweifel, dass Amerika hierzu den Anstoss gegeben hat. Nicht die Bühne schafft das Drama, sondern das Drama die Bühne. Das jüdische Volk wreiss ein gutes Stück zu schätzen, aber das Volk ist nicht schöpferisch. Es muss erst einer kommen, der das Drama schafft. Allerlei. Ein jüdischer Selfmademan. Die Nachricht dass in Chicago Morris, der Besitzer einer der grössten Schlächtereien, mit Hinterlassung eines Vermögens von 40 Millionen Dollars verstorben ist, ruft die Schilderung ins Gedächtnis, die der jetzige Staatssekretär des Reichskolonialamtes Dernburg von seinem Zusammentreffen mit dieser originellen Persönlichkeit gegeben hat. Dernburg erzählte: .Als junger Bankkommis besuchte ich von New-York aus die industriellen Betriebe in Chicago und erhielt auch Zutritt zu der Grossschlächterei von Morris. Ich hatte eine Empfehlung von Henry V i 11 a r d mitgebracht, das war jedenfalls die Veranlassung, dass der grosse Mann einem unbedeutenden jungen Menschen sein riesiges Etablissement selbst vorwies. Nach der Art von Selfmademan lenkte Morris die Rede alsbald auf seine eigenen Erlebnisse. Morris war damals, Ausgang der achtziger Jahre, ein kräftiger, untersetzter Mann mit klugen und jovialen Zügen. Er stammte, wie er erzählte, aus Hechingen oder einem Orte in der Nähe davon; auch verriet seine Sprache noch deutlich seine Herkunft; es war eine Mischung von gutem Schwäbisch und Yankeedeutscb. Trotz seines langen Aufenthaltes in Amerika schien die ganze Figur wie aus einer Auerbachschen Dorfgeschichte ausgeschnitten, jedenfalls wäre sie ein unvergleichlicher Vorwurf für den schwäbischen Sittenschilderer gewesen. Sein Familienname, den er in Morris umgeändert hatte, war Moses gewesen. Er erzählte, wie er ganz mittellos in Newyork an das Land gestiegen sei — nach jetzigen Grundsätzen hätte ihn die Einwanderungskommission nicht an das Land kommen lassen. Nach vergeblichen Versuchen, in Newyork in seinem Geschäfte als gelernter Schlächtergeselle Arbeit zu bekommen, begab sich Morris auf die Wanderung in das Iunere. Eine Eisenbahn nach Chicago gab es damals noch nicht. Morris verdingte sich auf ein Schiff, das den Hudson hinauffuhr, und kam so zuerst nach Buffallo und dann über die Seen nach Chicago Chicago war damals noch ziemlich unbedeutend begann aber sich zu regen. Mit dieser Riesenstadt ist dann auch Morris in die Höhe gewachsen. Er wusste den Betrieb der Viehzucht in grossen Herden mit der Schlächterei zu verbinden, und hat auf diesem Wege sein ungeheures Vermögen erworben. Mit Wohlgefallen erzählte er von den riesigen Farmen, die er in verschiedenen Teilen der Union, namentlich auch in Texas besass, von wo regelmässige Viebzüge bei ihm einlangten. Bei dem Gegensatz seiner ersten Armut und seines jetzigen Besitzes verweilte er besonders gern. Auch auf seine Stellung als freier amerikanischer Bürger sah er mit Stolz. Nichtsdestoweniger fühlte er sich durch den Besuch eines deutschen Prinzen den er vor einigen Tagen erhalten hatte, nicht wenig geehrt. Er zeigte mir den Platz auf der Gallerie im Schlachtraume, wo der Prinz gestanden hatte. ,Da stell’n Se sich awer net hin, sunst gehts Ihne gerade wie dem Prinz.“ Der Prinz war nämlich trotz seiner Warnung zu weit vorgetreten: mit einem Male spritzte der Blutstrom aus dem durchschnittenen Hals über den blendend weissen Anzug des Prinzen- Seinen alten Vater hätte er gern herüberkommen lassen, dieser aber wollte die Heimat nicht verlassen. Er war gleichfalls Schlächter mit

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