Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 9 (13.9.1907)
- Date
- 1907-09-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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Seite 8. Nr. 9. JÜDISCHE ZEITUNG. „Der Kongress empfiehlt dem engeren A.-K. und dem Direktorium der A. P. C., dafür Sorge zu tragen, dass bei der A. P. C. eine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden eingerichtet werde, welche auch das Beeilt haben soll, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und zu verkaufen, zu parzellieren, zu pachten, zu verpachten und zu ameliorieren*. Der letzte Antrag des Palästinaausschusses betraf die Unterstützung der nationalen Kulturinstitute in Palästina. Allseitig wurde die zentrale Bedeutung des Erziehimgs wes ens in Palästina anerkannt und nach dem glänzenden ReferatDr. SchmarjaLevinsakzeptierte der Kongress einmütig den Antrag des Ausschusses, wonach das Palästinaressort den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden und die Schaffung eines besonderen Pondes für deren Zwecke betreiben solle. Dies ist in grossen Zügen ein Bild der Arbeit der Palästinakommission. Eine Würdigung der einzelnen Beschlüsse soll demnächst folgen. . A. B. Palästina. Die Handelsverhältnisse in Palästina*) von Davis Triesch. Der neuerliche Aufschwung Palästinas macht sich in dem diesjährigen englischen Konsiliarbericht ganz besonders geltend. In den Randeisziffern Jaffas ist schon seit 1900 ein stetiger — nur durch das Cholerajahr 1902 unterbrochener — Aufstieg zu verzeichnen. Aber selbst gegenüber dem sehr guten (und bisher besten) Jahre 1905 bedeutet 1906 einen Zuwachs von fast 50% in der Einfuhr und von zirka 35% in der Ausfuhr! Solche Ziffern führen eine beredte Sprache. Sie zeigen, dass dieses Land sich entwickelt, und uns speziell zeigen sie, dass Palästina nicht aut die Juden wartet und uns nicht reserviert bleiben wird, wenn wir mit verschränkten Armen dabei stehen und das Land von anderen entwickeln lassen. — Die Ziffern zeigen aber auch, dass die Verhältnisse eines in solchem Aufstieg begriffenen Landes nicht nur für die anderen, sondern wohl auch für uns günstig genug sein werden, so dass wir ohne Furcht und Zagen und klaren Blickes an dieser Entwicklung den Teil nehmen sollten, der uns nur irgendwie möglich und erreichbar ist. In keinem Erwerbszweig ist die Fähigkeit der Juden so unbestritten wie im Handel, in keinem anderen sind verhältnismässig so viele Juden anzutreffen, und so sollte man meinen, dass hier eine grosse Möglichkeit für die Betätigung jüdischer Einwanderer gegeben sein sollte. Und in der Tat bieten sich hier sehr grosse Chancen, besonders seit durch die beträchtliche Einwanderung von Juden in den Städten des Landes eine Bevölkerungsschicht vorhanden ist, die es den Neuankommenden wesentlich erleichtert, sich in die fremdartigen Verhältnisse schnell einzuleben. Auch das Vorhandensein jüdischer Kreditinstitute* 1) in fast allen wichtigen Städten des Landes wird eine Ausnutzung der Handels-Chancen durch Juden begünstigen, wie es in vielen Fällen sich schon gezeigt hat. In Jaffa und Jerusalem ist zwar der Kleinhandel im allgemeinen schon so überfüllt, dass die Zuwanderung neuer Handeltreibender mit geringem Kapital nicht zu empfehlen ist, aber die verhältnismässig geringeren Bedürfnisse des Landes, verbunden mit den Kredit-Möglichkeiten, *) Aus dem in Vorbereitung begriffenen zweiten Teil des vom Iniormations-Bureau in Jaffa herausgegebenen Palästina-Handbuch, dessen ersten Teil •wir in Nr. 6 der „Jüdischen Zeitung“ besprochen haben, sind wir durch die Freundlichkeit des Verfassers in der Lage, schon jetzt einige Abschnitte zu veröffentlichen. i) In Ja f f a ist die Zentrale der Anglo Palestine Company, Ltd. — In Jerusalem und Beirut sind Filialen —,inHebron wurde 1907 eine Agentur eröffnet, für Haifa, Gaza und andere Plätze steht Eröffnung weiterer Agenturen in naher Aussicht. ' | die soliden Unternehmungen zur Verfügung! stehen, bringen es mit sich, dass eine Art Grosshandel in manchen Branchen schon mit 20—30.000 Francs eröffnet werden kann, und dass mit 60—100.000 Francs schon Geschäfte recht grossen Umfangs und von ziemlicher Bedeutung für das Land entriert werden können. Besonders wäre es von grosser Wichtigkeit und ein geschäftlich solides Unternehmen dazu, wenn gewisse Stapelartikel in jüdischen Händen konzentriert würden. Bei Holz ist das in gewissem Masse bereits der Fall, aber auch die anderen Baumaterialien, das Geschäft in Kleineisenwaren, Zucker, Petroleum, Reis, Apothekerwaren und Drogen usw. könnten in den verschiedenen Hauptplätzen des Landes einer grossen Anzahl von jüdischen Kaufieuten gute Existenz bieten, und besonders wenn durch grössere Kapitalisten (oder durch genossenschattliche Bezüge der kleineren Kaufleute) ein einheitlicher Engros-Bezug bewerkstelligt würde. Grössere Kapitalisten würden dabei leicht durch ein Sozietäts- oder Beteiligungs-Verhältnis mit bereits ansässigen und landeskundigen Fachleuten die Anfangsschwierigkeiten umgehen, und auch kleinere Kaufleute würden sich mit ansässigen Geschäftsleuten der gleichen Branchen — soweit sie in anderen Plätzen wohnen oder sonstwie Konkurrenzgefahr ausgeschlossen erscheint — zu gemeinsamem Bezug der Waren und gegenseitiger Ergänzung von Lagerbeständen verbinden können. Den Vorteil, den der landeskundige Geschäftsmann gegenüber dem neugekommenen besitzt, wird meist mehr oder weniger dadurch ausgeglichen, dass der neue Ankömmling über mehr flüssiges Kapital verfügt (während das des ansässigen meist im Geschäft und in alten Beständen festiiegt) und dass ihm meist bessere Bezugsquellen usw. bekannt sind, als dem seit Jahren ausserhalb des lebhaften europäischen Geschäftsbetriebes stehenden, angesessenen Kaufmann. In dem Grossbezug der marktgängigen Waren liegt aber ausser dem Vorteil durch verminderte Spesen, Sicherheit gegen Konkurrenzmanöver usw. auch die Möglichkeit einer Neubelebung des schon bestehenden jüdischen Kleinhandels und damit wieder eines Erstarkens der jüdischen Position im Lande. Auch der jüdische Handwerkerstand würde die allergrösste Förderung erfahren, wenn ihm Materialien und Werkzeuge zu günstigeren Bedingungen zur Verfügung ständen, sei es durch bessere Qualitäten, durch grössere Auswahl, durch vorteilhafteren Bezug grösserer Posten oder durch Erleichterung der Entnahme kleinster Quantitäten.2) Auskünfte über die Eignung spezieller Geschäfte, über die Aussichten an den verschiedenen Plätzen, über Zuverlässigkeit ansässiger Kaufleute usw. kann man sich stets sowohl durch die Bankinstitute wie auch durch das Iaformationsbureau — in manchen Fällen auch durch die Konsulale beschaffen. Eine orthodoxe Handwerksschule in Jaffa. Ein interessanter Beitrag zu der Frage, wie das Chalukah-Element Palästinas in ein wirtschaftlich produktives verwandelt werden kann, wird von der Jaffaer Haudwerkerschule „Beth-Melachah“ geboten. Diese im Sommer 1906 aus den Kreisen der Jafiaer Orthodoxie (Schomdre Thora) hervorgegangene Gründung bezweckt, denjenigen Kindern, von denen eine übermässige talmudische Gelehrsamkeit nicht zu erwarten steht, eine handwerksmässige Ausbildung zu geben, die ihnen zu wirtschaftlicher Selbständigkeit verhelfen soll. Vorerst wurde Eisenarheit in Angriff genommen. Bisher sind einfache Schlösser, Riegel und ähnliche Arbeiten aus dem Institut hervorgegangen, da- 2) Um nur ein Beispiel von vielen zu erwähnen: Die jüdischen Schuhmacher leiden darunter, dass es kein Leder-Ausschnittgeschäft gibt, und dass sie deshalb nur ganze Bindshäute zu kaufen bekommen. Oft hat der ärmere Handwerker den dazu nötigen Betrag nicht zur Verfügung, und er muss seine Kunden ungebührlich lange warten lassen, oder, um einige Anzahlungen zu bekommen, weitere Aufträge zu Schundpreisen annehmen usw., woraus sich wieder allerlei neue UnZuträglichkeiten ergeben. neben auch kleinere eiserne Klapp-Möbel und recht hübsch gearbeitete Hämmer. Ausser dem direkten Handwerks-Unterricht haben die Kinder auch Kurse im Zeichnen, Rechnen, Physik etz.* woneben auch das Talmudstudium einige Stunden des Tages in Anspruch nimmt. — Die- Schule, der vorerst nur sehr spärliche Mittel zur Verfügung stehen, beabsichtigt eine Fabrik kleiner Eisenwaren zu etablieren, in der die Schüler auch nach dem Verlassen der Schule Verdienst finden können. Das Institut verdient speziell die volle Sympathie derjenigen Kreise unter den Ghalukah-Spendern, die in der Einseitigkeit des Talmud-Studiums der palästinensischen Schnorr-Existenzen im besten Falle eia notwendiges Uebel sehen, und die zu einergesünderen Fortentwickelung der orthodoxen Judenschaft des heiligen Landes die Hand bieten möchten. Mitteilungen des Palästinaressorts. Das Palästinaressorfc versendet an die Föderationen ein Rundschreiben folgenden Inhalts: 1. Zwecks Aufnahme einer intensiven Arbeit muss das Palästinaressort vor allem das bisherige Rurean der Palästinakommission erweitern; da jedoch das A. O. die Rückstände der Kommission, die per 1. Juli M. 9134.21 betrugen, infolge der ungenügenden Schekeleingänge nicht gedeckt hat und neue Eingänge von der Zentrale nicht vor einem Jahre zu erwarten sind, so bleibt das Palästinaressort auch weiterhin auf die freiwilligen Palästinabeiträge angewiesen. Das Palästinaressort richtet daher an die Föderationen die Bitte, die Ortsgzuppen zn veranlassen, mit der Sammlung von freiwilligen Beiträgen für das Palästinaressort schon jetzt zu beginnen, damit die Erwartungen* die die zionistische Welt auf das Palästina« ressort setzt, auch erfüllt werden. 2. Gleichzeitig macht das Palästinaressorfc. die Federationen darauf aufmerksam, dass die für den Herzlwald hoch fehlenden circa 5000 Bäume spätestens bis zum 1. Jänner gestiftet sein müssen, da die Anlage des Herzlwaldea schon im Januar stattfinden muss, und sollten bis dahin keine 9500 Bäume gespendet sein* so würden dann auch die von einem englischen Gesinnungsgenossen bedingungsweisa gestifteten 500 Bäume dem Herzlwald verloren gehen. Das Palästinaressort hofft, dass ein jeder Zionist, der bisher noch keinen Baum gespendet hat, dies nunmehr bestimmt tun wird. Das Palästinaressort des Engeren Aktionskomiteest Prof. O Warburg. Herzliah Ferienkolonie und Sanatorium in Moza. In der Kolonie Moza, an der Wagenstrassa von Jerusalem nach Jaffa, dreiviertel Stunde Wegs von der heiligen Stadt gelegen, hat Dr. Herzl vor acht Jahren eine Zypresse gepflanzt. Dieser Baum steht in der Mitte der Weinberge Mozas, welche den Schmuck der westlichen Umgegend Jerusalems bilden. Gesunde, reine Gebirgsluft weht dort den ganzen Sommer hindurch Kühlung zu, und süssea Wasser quillt am Fusse des Berges hervor; Der Platz eignet sich ganz besonders zur Anlage einer Ferienkolonie mit Sanatorium für alle Erholungsbedürftige, vorzüglich für Gelehrte und Studierende, für Lehrer und Schuljugend. Die Errichtung eines solchen Instituts in Palästina ist ein seit lange tief empfundenes Bedürfnis. Während fast alle christlichen Genossenschaften Sanatorien in der Umgebung Jerusalems besitzen, fehlt den Juden Palästinas bis heute ein solches Institut gänzlich. Ferienheim und Sanatorium auf einer von Herzl selbst geweihten Stelle errichtet, soll aber gleichzeitig ein Denkmal sein dem Manne, der dem jüdischen Volke neuen Lebensmut einflösste, Begeisterung und Tat-