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Jüdische Zeitung · 1907-07-19 · 5 (19.7.1907) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
5 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 5 Nr. geben, denen sie sich anbiedern, daß . es aber außer jüdischen Vertretern der deutschen und polnischen Bourgeoisie, des deutschen, tschechischen und polnischen Proletariats auch Vertreter des jüdischen Volkes gibt, welche die Interessen von 1V* Millionen Juden verteidigen. Dort aber, wo es um die wirtschafte liehe oder nationale Existenz unseres Volkes geht, wo judenfeindliche Gesetze verhindert oder judenfeindliche Verwaltungsakte vor das Forum des Parlaments gebracht werden sollen, müssen diese vier Abgeordneten alle Waffen des Radikalismus anwenden, um eine Wirkung zu erzielen, müssen rücksichtslos und stark sein. Die Öffentlichkeit muß wissen, daß die Juden eine Kränkung ihrer Ehre, eine Gefährdung ihrer Existenz nicht mehr ruhig hinnehmen, und das jüdische Volk muß wissen, wo seine wahren Vertreter sitzen. In diesem Staate muß Gerechtigkeit geschehen, auch gegen die Juden und wenn aller Opfermut unserer Abgeordneten nichts nützt, dann müssen sie der betreffenden Regierung vor ganz Europa das Schandmal der mittelalterlichen Reaktion aufdrücken. Unsere Abgeordneten haben aber auch nicht minder große Pflichten nach innen. Die Aufklärungsarbeit im Volke muß rastlos fortgesetzt werden und das Ansehen, das unsere vier Männer als Abgeordnete genießen, muß in den Dienst dieser Arbeit gestellt werden. Eine Agitation ohne Rast und Ruh’ muß einsetzen, damit Österreichs Juden endlich politisch gesunden und eine jüdischnationale Politik auf allen Linien verfolgen. Nicht minder aber müssen unsere Abgeordneten sich um die Hebung der wirtschaftlichen Lage, namentlich der Juden des Ostens, bemühen und trachten, daß Kreditvereine, Versicherungsanstalten etc. in der nötigen Zahl gegründet werden. -Unendlich groß ist das Arbeitsgebiet, unendlich schwierig sind die einzelnen Aufgaben. Wir zweifeln nicht, daß die vier hervorragenden Gesinnungsgenossen, die Sitz und Stimme im Parlamente haben, alle Fähigkeiten, sowie genügend Mut und Ausdauer besitzen, um das zu leisten, was das jüdische Volk von ihnen erwartet. Sie stehen ja nicht allein. Eine ganze Schar tüchtiger Männer arbeitet mit ihnen, eine begeisterte, wohlgeschulte Truppe steht zur Verfügung. Die Wahlschlacht hat gezeigt, wie viel heldenmütige Opferfahigkeit, welche Begeisterung. welche Energie und welche Arbeitskraft die jungjüdische Bewegung auf bringen kann. Mögen unsere Abgeordneten sich stets ihrer großen geschichtlichen Verantwortung bewußt sein, mögen sie die Erwartungen erfüllen, die ein aus Knechtschaft und Not zur Freiheit strebendes Volk an jene knüpft, die es mit Opfern ohne Zahl zu seinen Erwählten gemacht. Politik und Parlament. Das Geschäft ist perfekt. Den polnischen Mandatssehwindlern wird nichts passieren. Die Verhandlungen des Legitimationsausschusses, der in den letzten Tagen die Referatszuteilungeu vornahm, haben abermals — was übrigens nach den Vorgängen im Plenum mit Bestimmtheit zu erwarten war — die vollste Skrupellosigkeit der polnisch-ehristlichsozialen. Allianz aufgedeckt und bewiesen, daß die Abgeordneten an eine objektive Prüfung und gerechte Erledigung der Wahlproteste nicht im Traume denken. Sie haben für Angehörige der Majorität einfach deren Klubgenossen als Referenten über die Wahlproteste bestellt, während solche gegen oppositionelle Abgeordnete gegnerischen Referenten zugewiesen wurden. Es ist eine aufreizende Demonstration der Parteiwillkür und Majoritätsherrschaft, ein politisches Schachergeschäft sondergleichen. So ungeniert gehen die Herren in dieser Sache vor, daß sie im Ausschüsse sogar die Bestellung von Korreferenten abgelehnt haben. Der Polenklubjude Dr. Löwenstein hat in seiner Rede wörtlich gesagt: „Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein, wenn ein Klubgenosse des Herrn Wityk das Referat über meinen Protest übernehmen wird. Öffentlich, vor dem ganzen Hause, fordere ich den Herrn auf, das Referat zu übernehmen!“ Im entscheidenden Moment hat er zur Verwirklichung dieser großsprecherischen Drohung keinen Finger gerührt und war froh, daß sein Drohobyczer Mandat, das in einer der schändlichsten Wahlen — sagen wir — erobert wurde, wie die andere Beute in Sicherheit gebracht wird. ' * Die Wiener Christlichsozialen bezeichnen sich mit Vorliebe als die unerschrockenen nnd erfolgreichen Träger des praktischen Antisemitismus. Sie betätigen ihn'als kommunale Machthaber bei Beamtenanstellungen, in ihrer gewerbebehördlichen Amtsführung, im Stiftungswesen und überall, wo es nur angeht. Kein Wunder, daß man dem Chef des Wiener Magistrates, der nunmehr auch Präsident des Abgeordnetenhauses ist, für diese Funktion nicht viel Vertrauen auf jüdischer Seite entgegenbrachte. Dr. Weißkirchner, dem ein jüdischer Abgeordneter als Angehörigen einer klerikal-antisemitischen Partei seine Stimme für ein so hohes Amt grundsätzlich nicht geben durfte, hat nun, wie die „Polnische Korrespondenz“ berichtet, in einem Gespräche mit einem jüdischen Abgeordneten über die Haltung der Polenklubjuden, übrigens seiner parlamentarischen Alliierten, folgendes gesagt: „Wenn ich auch die Schwierigkeit Ihrer Situation nicht verkenne,’ kann ich Sie doch versichern, daß ich mich in der Ausübung meiner amtlichen Pflichten weder jetzt noch auch jemals vorher vom nationalen oder konfessionellen Moment habe beeinflussen oder beirren lassen. Als ich das Armenreferat der Stadt Wien führte, wurde meine Gerechtigkeit und Objektivität auch von den Gegnern anerkannt und ich habe den armen, bedürftigen Juden ebenso geholfen wie den armen, bedürftigen Christen; die Wohltätigkeit kennt, wie auch menschliches Elend, keinen Unterschied, nicht der Nation nnd auch des Glaubens nicht. Sie werden in meine Geschäftsführung als Präsident des Hauses Vertrauen gewinnen, denn was ich in meiner Antrittsrede über meine Objektivität gegenüber allen Parteien nnd Nationalitäten des Hauses sagte, gilt auch in uneingeschränktem Maße für alle Konfessionen, die jüdische gewiß nicht ausgenommen.“ Die Botschaft hört man wohl, doch fehlt der Glaube. Auch Dr. Geßmann bat vor den Stichwahlen Toleranz gepredigt und sogar Herr Bielohlawek schwingt sieb von Zeit zu Zeit zu Äußerungen gerechten Abwägens und objektiven Denkens auf. Zu antijüdischer Geschäftsführung hat Herr Dr. Weißkirchner als Präsident des Parlamentes wenig Gelegenheit und sicher auch keine Tendenz. Aber als Magistratsdirektor? Da regiert der ParteimanD, herrscht das Parteiprinzip: praktischer Antisemitismus. * die ri steher streik Groß« gemei Die A und h I Aktio währe haben gemac exzess ruthei und n Plan i mißlu 1 Stan Wahl demo’ antraj zur J werde wi H hi al g N le w ri S. ui Z< . g< Sozia muti£ Gleic ehen einer mehr Lande, in dem so viel von den Juden zu machen wäre, das förmlich auf die Erschließung durch Juden wartet, so wenig praktisch arbeitet. Zahlreiche junge kräftige Elemente sind in den letzten Monaten nach Palästina gekommen, sie verkommen dort, wenn wir nicht Arbeitsgelegenheiten schaffen. Überall dasselbe Lied! Daß alle Unternehmungen, geschickt geleitet, nicht nur prosperieren können, sondern prosperieren müssen, darüber ist bei den Kennern der Landesverhältnisse kein Zweifel mehr. Die Verkehrswege werden immer mehr ausgebaut, Export und Import und innerer Konsum heben sieh fortwährend. Die Nähe des unerhört aufblühenden Ägyptens, das einen unerschöpflichen Markt für Palästinaprodukte darstellt, nnd des Suezkanales, in welchem sich alle Schiffe verproviantieren, wirken ungemein stimulierend auf die Wirtschaft des Landes. Über die landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes herrscht nur eine Stimme. Als wir die Jordanebene hinauffuhren, fanden wir diese wasserreiche, fruchtbare Gegend menschenleer und verödet. Plötzlich eine Ansiedlung von 300 Menschen —Jericho — nnd siehe da — üppiger Palmenwuchs, blühende Oleander, Zuckerrohr — eine vollkommene tropische Vegetation im November. Ein armer Jude, der dort mit primitivsten Geräten den Boden bebaut, erzählt, daß er in einem Jahre dreimal Mais und zweimal Kartoffeln geerntet hat, also fünf Ernten in einem Jahr, fast ohne technische Hilfsmittel. Die Jordanebene allein kann eine Million Mensehen ernähren und daß sie heute verödet liegt, kann uns nur angenehm sein, denn sonst wäre für uns kein Feld mehr. Das Gefälle des Jordans, 674 Meter, genügt, um auf absehbare Zeit Industrien mit elektrischer Kraft zu versehen. Aus dem Toten Meer sind Millionen wenn nicht Milliarden zu heben, wenn man die Kali- und Bromsalze, die im Wasser gelöst sind, ausbeutet und Kalke, Ton, Schwefel, Asphalt und Petroleum aus der Umgebung gewinnt. Selbst in dem unfruchtbarsten Teil, den Bergen Judäas, gedeiht der Ölbaum, Johannisbrot, der Kaktus, dessen Früchte genossen werden, die Agave etc. Unendlich wertvoll sind aber die drei großen, fruchtbaren, blühenden Ebenen von Gaza, Saron und .Esreel. In der Ebene Saron liegt Jaffa. Wir fuhren hinaus in die Ackerbauschule Mikweh-Israel durch prächtige Eukalyptenalleen. Wir fanden dort alle Kulturen im besten Gedeihen und frische, lernbegierige Jungen, meist Söhne von Kolonisten. Der Sesam gab den 15 fachen, der Weizen 9 fachen Ertrag. Dann weiter nach Petach-Tikwah, der größten, zukunftsreichen, zugleich ältesten Kolonie. Schon 1878 ward sie gegründet. Wenn man bedenkt, daß die im Anfang mehrmals verlassen wurde, weil die Kolonisten nicht vorwärts kommen konnten, und heute Millionenwerte repräsentiert, so wird man einsehen, daß bei einem so schwierigen Werk, wie es die Neukolonisation eines seit Jahrhunderten brachliegenden Landes darstellt, 25 bis 30 Jahre nichts bedeuten. Daher dürfen uns die vielfachen Mißerfolge nicht schrecken. Übrigens, hat die Erfahrung gelehrt, daß gerade jene Kolonien, die ohne Unterstützung seitens Rothschilds oder der Ica (Jewish Colonisation Association, Hirsch-Stiftung) aus eigener Kraft sich entwickelten, auf blühten und sich durchsetzten. Auch in Petach-Tikwah zeigte es sich, daß im Momente, wo der Kolonie Selbständigkeit gewährt wurde, ein geradezu erstaunliches Aufblühen die Folge war. Sie kann heute als unsere zukunftsreichste gelten und ihr Name „Tor der Hoffnung“ mag uns ein gutes Vorzeichen sein. Es ist herzerfrischend, stundenlang durch Felder und Gärten zu streifen, welche durch jüdische Bauern in harter, schwieriger Arbeit. angebaut und zur Blüte gebracht wurden, wunderbar, den kräftigen, jüdischen Landwirt zu sehen und zu sprechen. Eine Sehar tapferer Männer ist da beisammen, die anfangs, als die Sicherheit des Landes noch viel zu wünschen übrig ließ, harte Kämpfe gegen räuberische Beduinen zu führen hatte. Ein russischer Kolonist, ’Schapira mit Namen, gilt als der beste Reiter und Schütze Palästinas, er allein soll 65 Beduinen am Gewissen haben. Er ist heute noch Chef der berittenen Polizei in Petach-Tikwah, eine Gestalt, wie von Meunier gemeißelt. Wir hatten Gelegenheit, seine Reiterkunststücke zu bewundern und er, der ehemalige Gettojude, läßt den Araberseheich, der es ihm gleich tun will, *weit hinter sich. Die Kolonie nützt den hochwertigen Boden durch intensive Gartenkultur aus. Ein Hektar besten Bodens kostet dort schon 2500 Franks. Vornehmlich werden Orangen gepflanzt, da Wasser in geringer Tiefe zu finden ist. Kaum sind die Bauern selbständig geworden, als sie auch schon eine Orangenverkaufsgenossenschaft (Pardeß) gründeten, die das Produkt in Konsignation nach London schickt und dort direkt an der B daß < und modei D Unab sich halb in de Franl gehör ein an Seibsl Welt nnd i Leute Rechi noch Wein daß ( die jü in Ei Wein Broz uns ( Wohl Stein Mit garte ausgi

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