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Jüdische Zeitung · 1907-07-19 · 5 (19.7.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
5 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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---:- -L Erscheint am 5. n. 20. jeden Monats. J ~ L Redaktion, Administration und Abonnementpreise: Inseratenaufnahme: Ab 1. September 1907 jeden Freitag. In Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K 6.— halbjähr. K 3.—. Vierteljahr. K 1.60. IX., Türkenstraße Nr. 9 Telephon Nr. 14.199. Zu haben in Wien: Administration, Türkenstrafle Nr. 9. Im Ausland: — Ganzjähr. K 9.—, halbj. K 4.50. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr Zeitungsbureau Goldschmiedt, I., VVollzeileNr.il. — vormittags. Einzelne Nummern 25 Heller. □- — T- ■ - r Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiß Wlezek, Graben 83. — In Lemberg: Karl Bncbstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 5. Wien, Freitag, den 19. Juli 1907. I. Jahrgang. Nationale Abgeordnete. Mit einem ungeheueren Kraftaufwand, in heroischem Kampf gegen erbgesessene Korruption und Gesinnungslosigkeit, gegen die unerhörtesten Vergewaltigungen und Rechtsbrüehe ist es der jungjüdischen Bewegung gelungen, die Tribüne des Parlamentes zu erobern. Sind ihr auch durch direkten Raub einige Mandate entrissen worden, so vermochte sie doch vier .Abgeordnete durohzubringen, deren Vereinigung, der „Jüdische Klub“, ein völlig neues politisches Element im Parlamente darstellt. Was erreicht wurde, ist wenig und viel. Wenig im Hinblick auf die. Zahl, die uns nach Recht und Gerechtigkeit hätte Zufällen müssen, wenig in Anbetracht der ungeheueren Aufgabe, die unsere Abgeordneten zu bewältigen haben, wenig gegenüber der Bedeutung der jungjüdischen Bewegung, wenig für einen bestimmenden Einfluß im Hause. Aber es ist doch auch unendlich viel. Endlich haben wir die Tribüne erobert, von der aus wir gehört werden müssen, endlich können wir die Politik auch praktisch durchführen, die wir solange den Juden vergeblioh gepredigt haben und endlich können wir beweisen, um wieviel würdiger und zugleich erfolgreicher diese Politik ist als die Assimilationspolitik. Wenn wir an dieser Stelle die Tätigkeit unserer Abgeordneten verfolgen werden, so wird uns wohl bew.ußt sein, wie unendlich schwierig und verantwortungsvoll ihre Aufgaben sind. Sie müssen vor allem durch ihr Auftreten das moralische Ansehen der Juden heben. Obwohl in den anderen Parteien zusammen viel mehr Juden sitzen als im „Jüdischen Klub“, wird nichts von dem Guten, aber alles von dem Ungünstigen, was etwa ein Löwenstein, ein Kuranda, ein Diamand tun wird, auf das Konto des Judentums gesetzt werden. Jede kleinste Handlung unseres Klub aber, der im Namen des jüdischen Volkes auftritt, wird dem ganzen Judentum angereehnet werden. Das ist gewiß vor allem eine Ehre und eine Gelegenheit, großes für unser Volk zu tun. Aber bei der Gehässigkeit gegen alles Jüdische, bei dem im Parlament vorherrschenden Antisemitismus wird jeder kleinste taktische Schritt unserer Abgeordneten auf die Wagschale gelegt und eventuell gegen das Judentums ausgebeutet werden. Die assimilatorischen Juden des Parlaments werden schadenfroh zuschauen und auf jede Schwäche lauern. Unsere Abgeordneten müssen daher stets die große Linie beibehalten, dürfen nie, wie alle anderen, aus rein taktischen Gründen Schachzüge machen, die zur Erreichung eines | praktischen Zweckes nötig sein mögen, der! Würde des jungjüdischen Gedankens aber nicht I voll entsprechen. Allen anderen Parteien stehen! alle Mittel politischer Kunst zu Gebote, unserem Klub ist die Auswahl sehr beschränkt. Dafür aber werden unsere Abgeordneten Töne jüdischen Selbstbewußtseins finden, die stolz, frei und männlich klingen werden und durch die sich ihr Auftreten vorteilhaft abheben wird von der! feigen Zurückhaltung und der Selbstverleugnung der Assimilanten. Sie müssen ferner, so klein ihre Zahl ist, in allen Kämpfen für politisch-freiheitliche Postulate ihren Mann stellen. Die Jüdischnationalen müssen stets am Platze I sein, wenn es gilt, Freiheit, Gleichberechtigung | und Demokratie zu verteidigen. Unsere Ab- | geordneten müssen stets dessen eingedenk j bleiben, daß sie das jüdische Volk repräsen- | tieren, und in dessen Namen müssen sie für Frei-. | heit und Recht wahre Donnerworte finden. In allen staatlichen Fragen, sei es der Ausgleich mit Ungarn oder die Sprachenfrage, müssen die jüdischnationalen Abgeordneten zeigen, daß das jüdische Volk an diesen Problemen interessiert ist und eine ganz bestimmte Meinung vertritt. Deutlich muß erkennbar sein, daß die Hausjuden der Deutschen, Polen, Sozialdemokraten nur die Meinung der Parteien wieder¬ FEUILLETON. Palästina. Von Adolf Böhm. IV.*) Von größter Wichtigkeit für uns ist es, wie sich Behörden und Bevölkerung zu den Juden stellen. Davon ist nur sehr Erfreuliches zu berichten. Der Gouverneur ist ein großer Judenfreund, er begünstigt unsere Bank mehr, als er müsste, und hat für alle jüdischen Bedürfnisse ein williges Ohr. Am Beiramfeste ließ er unsere ganze Gesellschaft zu sich rufen — eine große Freundlichkeit — und äußerte sich sehr befriedigt über den Plan jüdischer Reisen nach Palästina. Es ist ja auch kein Wunder, wenn die türkischen Behörden die Juden vor allem fördern, denn hinter ihnen steht keine Macht, stehen keine Kriegsschiffe, keine Kanonen, wir können nicht „unsere schwarzen Hähne über den Bosporus krähen lassen,“ während jeder Fußbreit Bodens, den Deutsche, Franzosen oder Engländer erwerben, ein Ansatz ist, von dem aus gelegentlich Palästina den Türken entrissen werden kann. Die arabische Bevölkerung fraternisiert noch offener mit den Juden. Denn während der Christ, der nach Palästina kommt, prätentiös auftritt, den Araber als minderwertig behandelt, ist der Jude sofort der Freund des Arabers, *) Siehe Nr. 2, 3 und 4 dieses Blattes. spricht bald seine Sprache, die dem Hebräischen ganz nahe verwandt ist, versteht seine Gewohnheiten und achtet seine Religion. Alle jüdischen Heiligtümer sind auch mohammedanische, der Moslem fühlt, daß seine Religion eine Tochter der jüdischen ist. Dazu kommt der rasende Haß gegen den Franken, den „Giaur“, weil ersieh überall, namentlich in Jerusalem breitmacht und alle schönen Plätze mit seinen Kirchen und Klöstern besäet. Noch verächtlicher aber erscheint dem Moslem der blutige Haß der einzelnen christlichen Sekten, die einander aufs heftigste befehden, ja sogar in den Kirchen totschlagen. So steht in der Grabeskirche, ebenso wie in der Geburtskirche zu Bethlehem, ein türkischer Wachposten mit dem Gewehr bei Fuß. Vor einigen Wochen gab es, wie alle Blätter berichteten, arge Schlägereien in dieser Bethlehemischen Kirche. So ist der Christ dem Araber fremd, verhaßt, der Jude ein Freund und Bruder. Vornehme Araber äußerten sich den Herren unserer Bank gegenüber, daß sie sich wunderten, warum die Juden nicht endlich schon kämen. Die Vorstellung, daß die Juden einmal das Land okkupieren werden, ist eine so starke, daß das eine Tor der Omar-Moschee, durch das die Juden, der türkischen Sage gemäß, einziehen werden, seit langer Zeit verrammelt ist, um die Wegnahme der Moschee zu erschweren. Diese Moschee nimmt die Stelle des einstigen Salomonischen Tempels ein. Wenn man am Ölberg steht, sieht man den weiten, großen Platz in seiner ganzen Ausdehnung vor sich. Wahrlich, die alten Juden müssen ein Herrenvolk | gewesen sein, denn das Wahrzeichen ihrer Macht, der Tempel, nahm einen beherrschenden Platz ein, hoch oben auf dem Hügel Moria; man begreift, daß die ganze Bevölkerung bei Belagerungen innerhalb der Tempelmauern Raum hatte und daß die Verteidiger sich so lange halten konnten. Unsere Bank hat schon sehr festen Fuß gefaßt. Als ich in Jaffa ans Land stieg, war mein erster Weg zu Levontin und al3 ich in seinem Zimmer saß, das mit Bildern von Herzl, Wolffsohn, Kremenetzky und anderen geschmückt ist, da fühlte ich mich völlig zuhause. Wir sprachen viel über die Hebung der Kolonien, wozu die Bank durch billige Kredite außerordentlich beiträgt. Ich erfuhr auch, daß das alte Schreckgespenst des türkischen Zehentpächters, der die Kolonisten ausbeutet, nur in unseren Köpfen spukt. Wohl sind die 12VS% Zehent eine drückende Steuer, aber ein weiteres Hinaufschrauben durch den Pächter ist in großen Kolonien ausgeschlossen, da diese den Zehent direkt von der Regierung pachten. Aber auch den Kleineren kann der Pächter nichts machen, wenn ihnen die Bank Rechtshilfe leistet, denn das türkische Gesetz schützt den Bauern vor dem Pächter. So fallt; bei näherer Besichtigung wieder eines der größten Vorurteile gegen die praktische Palästinaarbeit in nichts zusammen. Dann sprachen wir über die industrielle und kommerzielle Zukunft Palästinas. Es ist merkwürdig, daß alle Gesinnungsgenossen, die im Lande selbst tätig sind, also die Verhältnisse gewiß genauer kennen als wir, all die vielen Skrupel gegen die praktische Arbeit nicht nur nicht teilen, sondern es nicht verstehen können, daß man in einem

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