Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 4 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 Gründen als ein sicheres Eigentum doch nicht betrachtet werden kann. Auch darf der Nationalfonds aus Sicherheitsgründen Einzelpersonen überhaupt kein Darlehen gewähren, sondern nur Genossenschaften oder anderen juristischen Gesellschaften, wie zumBeispiel der AngloPalestine Co., und diese werden auch nur für durchaus kreditfähige Leute die Bürgschaft übernehmen können. Durch ihr Kapital kreditfähige Leute wird es aber noch auf lange Zeit hinaus unter den palästinensischen jüdischen Bauern nur in sehr geringer Anzahl geben. Das zweite eventuell für landwirtschaftliche Zwecke in Palästina in Betracht kommende Institut ist die Anglo Palestine Co. In der Tat hat sie durch Landkauf einige ganz wichtige Terrains dem jüdischen Landbau gesichert; jedoch kann sie nur in Ausnahmefällen ihr Geld in Land investieren, nämlich dann, wenn sie sicher weiß, daß sie das Land auch schnell wieder verkaufen kann; bleibt es lange liegen, so ist es ein sehr unprofitables Geschäft für die Bank, da sie sich doch im Minimum 6 Prozent Zinsen berechnen muß, während unbebautes Land — ich spreche nicht von städtischen - Bauterrains — doch nur in Ausnahmefallen jährlich um 6 Prozent an Wert steigt. Ferner belehnt die Bank auf dem Felde oder im Garten stehende Produkte; aber hierbei muß sie einen Zinssatz von mindestens 8 Prozent rechnen, und das ist im allgemeinen für ländlichen Kredit zu hoch. Die Bank ist also weder imstande, aus sich heraus die bestehende Kolonisation wesentlich zu fordern, noch auch eine weitere Kolonisation vorzubereiten; sie bedarf hierzu Gelder, die ihr auf lange Frist und zu billigem Zinsfuß geliehen werden. Die einzige zionistische Institution, die direkt die Landwirtschaft fördert, ist die Ölbaumspende, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon bedeutende Erfolge aufzuweisen hat. Nicht nur ist der erste Ölbaumliain in Chederah auf einem von Herrn Goldberg- Wilna geschenkten Terrain schon mit gutem Erfolge gepflanzt, auch die Vorbereitungen für die Anpflanzung des Herzl-Waldes auf einem hervorragend dafür geeigneten Terrain, nahe bei der jüdischen Kolonie Ekron, zu beiden Seiten der Jaffa—Jerusalembahn, sind schon getroffen, und wird bis zum Herbst noch ordentlich für den Herzl-Wald gesammelt, so kann schon im nächsten Winter das ganze große Areal mit Ölbäumen bepflanzt werden. Wenn jeder Zionist seine Schuldigkeit tut, selbst einen Herzl-Baum stiftet und unter seinen Bekannten sammelt, so wird der Kongreß im August schon den Herzl-Wald als vollgezeichnet verkünden können. Die Ölbaumspende wird zweifellos vielen jüdischen Arbeitern die Grundlage einer Existenz inPalästina geben, sowie vielen jüdischen Bauern eine wichtige Nebenbeschäftigung gewähren; allein der Herzl-Wald wird schon viele Familien zu ernähren vermögen. Falls es gelingen sollte, nur den zehnten Teil aller Juden zu veranlassen, nur je einen einzigen Ölbaum zu stiften, so würde dadurch für zweitausend (2000) jüdische Familien dauernd gesorgt sein. Aber nicht nur als eine direkte Förderung der jüdischen Landwirtschaft in Palästina ist die Ölbaumspende von Bedeutung, sondern sie enthält auch ein vorzügliches agitatorisches Mittel zugunsten der zionistischen Bewegung. Diejenigen, die bisher gar kein Interesse für Palästina gehabt haben, werden durch Stiftung von Ölbäumen an die Idee gewöhnt, auch ihrerseits an der kulturellen Hebung Palästinas mitzuwirken. Ein Ölbaum ist leicht gestiftet, namentlich, wenn mehrere Leute zusammen jemanden ehren wollen; die Idee der Aufforstung des jetzt schattenlosen heiligen Landes verpflichtet nach keiner Richtung, gefallt jedem und hat daneben noch einen eminent humanitären Anstrich, indem vielen Leuten Brot verschafft wird und durch ihre Erträge kulturelle Zwecke gefördert werden. Ist die Ölbaumspende nun auch die einzige bisher existierende, rein zionistische Institution, die der Förderung des Landbaues dient, so gibt es daneben noch einige den gleichen Endzweck verfolgende Institutionen, die, wenn auch an sich nicht zionistisch, doch im engsten Zusammenhang mit dieser Bewegnng stehen. Diese landwirtschaftlichen Institutionen für Palästina sind: 1. Die Geulah, welche sich mit Kauf und Verkauf von Ländereien an Privatpersonen befaßt, 2. die Gesellschaft „Agudath Nethaim“, die sich mit Kauf, Parzellierung, Bepflanzung und Verwaltung von Ländereien beschäftigt, 3. die in Gründung begriffene Palästina-Agrikultur-Gesellschaft, eine Erwerbsgesellschaft, die nach Art sonstiger kolonialer Pflanzungsgesellschaften jüdisches Kapital der palästinensischen Landwirtschaft in Form des Großbetriebes Zufuhren will, und 4. der Pflanzungsverein „Palästina“, der das talmudische Gebot, daß jeder Jude im Lande Israel mindestens vier Quadratellen Grundeigentum besitzen soll, dadurch zu verwirklichen strebt, daß jedes Mitglied für seinen einmaligen oder ratenweise aufzubringenden Beitrag von 80 Mark (100 Franks, 100 Kronen, 20 S, 5 £) in Palästina auf Lebenszeit einen kleinen Fruchtgarten erhält, aus dessen Erträgen in Gestalt von Oliven, Mandeln, Rosinen, Wein etc. jährlich eine Palästinagabe dem Besitzer eingesandt wird. Obgleich die Aufgabe der Geulah bisher keine leichte war, da es vorläufig nur wenige Käufer größerer Ländereien in Palästina gibt, trotz des kolossalen Spekulationswertes, den das dortige Land infolge der rapiden Ausdehnung der Pflanzungen momentan besitzt, so hat diese Gesellschaft bisher doch in befriedigender Weise gearbeitet, indem sie fast alles Land, das sie gekauft, auch wieder verkauft hat. Der Pflanzungsverein „Palästina“ ist eine philanthropische Institution mit sehr großer Zukunft, da sich speziell die Rabbiner und auch christliche Freunde des Zionismus dafür interessieren, sowie die meisten Juden, auch wenn sie keine Zionisten sind. Ohne irgendwelche erhebliche Agitation hat der Verein schon in der kurzen Zeit seines Bestehens eine so große Summe aufgebracht, daß er in diesem Winter bereits mit den Pflanzungen beginnen kann. Die Pflanzer-Gesellschaft „Agudath Nethaim“ hingegen, zu deren Gründern unter anderen auch der Leiter der Filiale der Anglo Palestine Co. in Jerusalem, HerrLevy, gehört, ist unschätzbar für alle diejenigen, die nicht nominelles, sondern wirkliches und vererbbares Eigentum in Palästina zu erwerben wünschen, die in ratenweiser Bezahlung sich ein Stück Land sichern und bepflanzen lassen wollen, das ihnen ein sorgenloses Alter im Lande der Väter verschafft, sowie für solche, welche eine alsbaldige Übersiedlung oder Hinsendung von Verwandten vorbereiten wollen. DiePalästina-Agrikultur-Gesellschaft ist hingegen berufen, neue Methoden des Ackerbaues einzuführen, neue Kulturen zu versuchen und neue ländliche Industrien zu beginnen, kurz alles das zu unternehmen, wofür wegen des Risikos eine kleine Wirtschaft nicht leistungsfähig genug ist. Da von den Anteilen jährlich nur die Hälfte eingefordert werden soll, also von dem Minimalanteil von 500 Mark jährlich nur 250 Mark, so ist auch weniger Bemittelten die Möglichkeit gegeben, ihr Scherflein beizutragen zu einer Arbeit, die wahrscheinlich nicht nur dem Lande Nutzen bringen wird, sondern auch dem Besitzer der Aktien eine gute Verzinsung des hineingesteekten Kapitals in Aussicht stellt. Zwar verspricht sich manch einer nichts von großkapitalistischen landwirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina, und es ist unbedingt zuzugeben, daß in gleicher Weise über genügende Geldsummen verfügende Genossenschaften von Kleinbesitzern wohl noch bessere Aussichten haben werden, aber vorläufig ist diese Methode leider noch nicht erprobt, weder in Palästina noch bei uns, und so wichtig anch der bevorstehende Versuch eines genossenschaftlichen Gutes sein mag, vorläufig, das heißt bevor der Beweis des Gelingens geführt ist, werden wir kaum darauf rechnen können, viel Kapitalisten hiefür heranzuziehen. Rein kapitalistisch geleitete koloniale Agrikulturgesellschaften werden hingegen jedes Jahr -massenhaft gegründet, sowohl in England, als auch in Deutschland und Amerika, und warum sollten so hochrentable Kulturen, wie Orangen, Mandeln, Oliven, abgesehen von der Viehzucht, bei noch relativ so billigen Arbeitslöhnen und Bodenpreisen wie in Palästina nicht ebenso gute Aussichten haben, wie Kakao, Tee, Sisalhanf, Kautschuk in den Tropen? Mag auch eine Kapitalverzinsung von 8 bis 12 Prozent den Kleinbauern in Palästina keine Existenzmöglichkeit gewählten, der in Europa und Amerika lebende Kapitalist wird damit ganz zufrieden sein können. Ich meine also, die Tatsache, daß der kleine Mann billiger und rentabler zu wirtschaften versteht, als eine große Gesellschaft, ist kein Grund, letztere nicht zu gründen, zumal die Erfahrung überall gelehrt hat, daß dasjenige Land landwirtschaftlich am schnellsten voranschreitet, wo innerhalb eines Landes von kleinbäuerlichen Siedelungen vereinzelt kapitalkräftige Großgrundbesitze eingesprengt sind. * Trotzdem durch diese Institutionen wenigslens ein Grundstock für die Weiterentwicklung der jüdischen Landwirtschaft gelegt worden ist, fehlt doch das wichtigste, das ist der billige ländliche Kredit, und zwar in Gestalt des Bodenkredites und des Gebäudekredites. Der Grundstock zu letzterem soll demnächst gelegt werden in Gestalt einer Palästina-Heimstättengenossenschaft, die sich das Ziel setzt, jüdischen Landwirten, und zwar besonders den landwirtschaftlichen Arbeitern die Möglichkeit zu gewähren, sich an dem Orte ihrer Tätigkeit ihr eigenes Heim zu begründen. Sie sollen ein Haus und möglichst auch zirka fünf Dunam Gemüseland im Gesamtwerte von 1500 bis 3000 Franks erhalten, das sie spätestens in 15 bis 20 Jahren durch jährliche Abzahlungen in ihr Eigentum verwandeln. Da die Häuser bis zur völligen Abzahlung Eigentum der Genossenschaft bleiben und die Kolonieverwaltungen sehr gern die Aufsicht über die Häuser und die Einziehung der Abzahlungen übernehmen werden, so sind Verluste kaum zu befurchten. Die auf 100 Franks oder Mark festgesetzte Beteiligungssumme wird es auch minder bemittelten Gesinnungsgenossen ermöglichen, in die Genossenschaft einzutreten. Diese Heimstättengesellschaft wird für die Konsolidierung der Kolonisation von hervorragender Bedeutung werden, da es •y?§i;•/ ‘Ü: \ ■VS - " t* >-. . '\*r' 'WWF® "ZSS-.