Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 4 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 8 Margulies die Annahme der schon vom innerösterreichischen Distriktstag akzeptierten Resolution: „Der Zionistentag spricht sich dafür aus, ■ es widerspreche den jüdischnationalen Grundsätzen des Zionismus, daß ein Zionist fremdnationalen Vereinen angehöre und fremdnationalen Parteien, aktive Gefolgschaft leiste.“ Auf Antrag Dr. Rittermann s (Stauislau) werden die Vorschläge des Dr. Margulies einer Kommission übergeben, die nachmittags Bericht zu erstatten hat. Damit schließt die Vormittagssitzung. In der Nachmittagssitzung wurden zuerst die zahlreich eingelaufenen Begrüßungsschreiben und .Depeschen verlesen. Da die eingesetzte Kommission ihre Arbeit noch nicht fertiggestellt hat, wird inzwischen das vom R.-R.-Abg. Dr. Mahler eingesandte Kongreßreferat verlesen. Dr. Mahler spricht sieh darin für die Rückkehr zum reinen Charterismus, für eine Verständigung mit der Ito und für eine Beseitigung der Institution der Landsmannschaften am Kongreß aus. Er perhorresziert jede praktische Arbeit in Palästina, mit Ausnahme der wissenschaftlichen Erforschung. Sodann erstattet Dr. Margulies (Wien) den Kommissionsbericht. Die Vertreter’ der D.-K. haben sich auf folgende Anträge geeinigt: „1. DasL.-K. besteht aus 12 —15 Mitgliedern; diese werden vom ordentlichen Zionistentag mit Funktionsdauer bis zum nächsten ordentlichen Zionistentag unter tunlichster Berücksichtigung der Vorschläge der Distriktsdelegierten gewählt. Der Zionistentag wählt auch den Präsidenten des L.-K. Das L.-K. hat seinen Sitz am Wohnort des Präsidenten. Daselbst müssen mindestens zwei weitere Mitglieder des L.-K. domizilieren. 2. Das L.-K. bestellt zur Besorgung seiner administrativen Agenden ein Zentralbureau in Wien und nach Bedarf ein solches in Galizien, dessen Vorstand je ein in Wien, beziehungsweise am Orte des galizischen Zentralbureaus wohnhaftes Mitglied des L.-K. sein soll. Die Zentralbureaus erledigen den prinzipiellen Weisungen des L.-K. entsprechend dessen administrative Agenden. 3. Zur Bestreitung der Kosten der geschäftlichen Agenden der Landesorganisation behält das L.-K. 40°/o jener Quoten des Schekel, welche nicht an das Zentralbureau in Köln abzuliefern sind. . Die restlichen 60°/0 der Quote verbleiben den D.-K. 4. Im Falle der Errichtung eines Zentralbureaus in Lemberg sind die Kosten des Wiener Zentralbureaus lediglich aus den Quoten von Schekeln, die aus Westösterreich einfließen, zu bestreiten; jene des galizischen Zentralbureaus nur aus den Quoten des Schekels aus Galizien.“ Ferner habe sich die Majorität der Kommission gegen die Vereinigung Mährens und Innerösterreich -ausgesprochen. An den Resolutionen wird nichts geändert. Dr. Kadisch (Wien) spricht sich mit vielem Nachdruck für die Angliederung Mährens an Innerösterreich aus, dies nicht wegen Annexionsgelüsten Ornamente, wie wir sie in unseren prachtvollen hebräischen Lettern besitzen, stilisiert und kombiniert. Vor allem handelt es sich Schatz, obzwar er auch im Zeichnen, Modellieren etc. unterrichtet, darum, die Teppichweberei und kunstgewerbliche Hausindustrie in Palästina einzuführen. Eine Anzahl ganz reizender Muster in entzückenden Farbenzusammenstellungen sind schon entworfen, eine Schar tüchtiger Schüler und Schülerinnen ausgebildet und in kurzem wird der „Bezalel“ daran gehen können, mit seinen Produkten hervorzutreten. Ein großer Absatz ist Schatz schon im vorhinein von großen Firmen garantiert worden. So werden in absehbarer Zeit Tausende von jungen Leuten einen angenehmen, bildenden Erwerb haben, die Kunstindustrie wird hinausziehen in die Kolonien und eine glückliche Verbindung von Landwirtschaft und gewerblicher Tätigkeit geschaffen werden. Das Material wird stets von der Schule selbst im Großen eingekauft, alle Arbeiten kontrolliert und dann mit der Marke der Schule versehen werden, welche bald einen Weltruf erlangen wird. Nachdem wir alle Räume des „Bezalel“, all die zahlreichen Arbeiten begabter Schüler, die dort aufgestapelt sind, besichtigt hatten, sagte Professor Schatz: „Und nun will ich Ihnen das Bild zeigen, das der größte Maler gemalt.“ Und er führte uns auf das flache Dach des Häuschens — unseren Augen bot sich das Panorama der heiligen Stadt: ein Meer von unregelmäßigen Hügeln, weiß und grau, die den Eindruck der Unendlichkeit her vorrufen, mit spärlichem, staubgrünem Gras bewachsen, bedeckt mit unzähligen des innerösterreichischen D.-K., sondern weil Mähren ganz vernachlässigt ist und die Agitation hauptsächlich von den in Wien wohnenden mährischen Zionisten geleistet werden könnte. Dr. Feldblum (Krakau) gibt namens der Poale Zion eine Erklärung ab, daß das A.-K. nur deshalb an die Poale Zion Schekel ausgefolgt habe, weil es vom L.-K. trotz Urgenz bezüglich dieses Verlangens des Poale Zion keine Antwort erhielt. Anderseits sehen die Poale Zion darin seitens des A.-K. eine Anerkennung der Notwendigkeit, daß die Angelegenheit im Sinne der Forderungen der Poale Zion geregelt werde. Die Gesamtorganisation wird dadurch nicht geschädigt. Es wird das Bestreben der Poale Zion sein, eine eigene Föderation zu bilden und diese am 8. Kongreß durchzusetzen. Der Parteitag möge sich dafür aussprechen. Er bringt eine Resolution ein, wonach der Zionistentag beschließen möge, daß das L.-K. für die Kongreßwahl eigene Wahlkreise für die Poale Zion bilden soll. Dr. Buliwa spricht gegen die Bildung einer eigenen Föderation der Poale Zion, Dr. Reich (Lemberg) will dagegen den Wünschen der Poale Zion weitest entgegenkommen. Mit Formalismen kann man ihre berechtigten Forderungen nicht zum Schweigen bringen. Die Poale Zion sind eine elementare Macht, mit der wir rechnen müssen. Del. Dr. Ringl (Drohobjcz) bespricht das Verhalten zu fremdnationalen Vereinen und verlangt im Kampfe der andersnationalen Parteien vollkommene Neutralität. Del. Dr. Emil Margulies behauptet dem gegenüber, daß es unter gewissen Umständen nicht möglich sei, sich gänzlich von fremdnationalen Vereinen femzuh alten. Seine Ausführungen riefen zeitweise heftige Unterbrechungen hervor. Del. Adolf Böhm erwidert, daß einem Zionisten, der nicht einmal (über die Nichtzugehörigkeit von Zionisten zu fremdnationalen politischen Vereinen) fordern, mit Mißtrauen begegnet werden müsse. Nachdem noch einige Redner gesprochen, wurde von den 20 vorgemerkten § 2-Anhängem zum Generalredner Del. Ing. Fried gewählt, als ' einziger Kontraredner war Bechert (Teplitz) zum Worte gemeldet, Ing. Fried betrachtet es als eine traurige Tatsache, daß man auf einem österreichischen Zionistentage noch über die Selbstverständlichkeit debattiere, ob Zionisten einem fremdnationalen Vereine angehören dürfen. Schließlich wurde mit allen gegen 8 Stimmen die vom innerüsterreicliisehen D.-K. vorgelegte Resolution angenommen. Bei der Wahl des L.-K. wurden gewählt: Wien: Dr. Schalit (Obmann), Doktor I. Margulies, Ad. Böhm, Torczyner: Galizien: Dr. Thon (Krakau), Dr. Salz (Tamow), Dr. Leon Reich (Lemberg), Dr. Ringl (Drohobycz), R.-R.-Abg. Ad. Stand (Lemberg), R.-R.-Abg. Dr. Gabel (Lemberg), Dr. Brande (Lemberg), Dr. Zipper (Lemberg), Dr. Hilfstein (Krakau), Doktor A. Halpern (Stanislau); Bukowina: R.-R.-Abg. Dr. Straucher, Löbl Taubes, S. Weißglas; Böhmen: R.-R-.Abg.Dr.Mahler,Dr.E. Margulies; Mähren: Dr. Reach (Gaya), Fritz Löw (Proßnitz). Steinen; Häuser, Kirchen, Türme aus dem gleichen weißen Stein — wie herausgewaehsen aus dem Boden, nicht wie zufällig hingebaut. Das ist keine Landschaft, die sich ins Herz schmeichelt, die den Sinn gefangen hält; das ist eine herbe, großartige, heroische Natur, die sich nur dem aufschließt, der um sie ringt, der selbst eine nach Erhabenem dürstende Seele hat. Das ist das Land, das so heroische asketische Menschen von unerhörter Seelenkraft hervorbringt, wie es unsere Propheten waren, deren eherne Worte durch die Jahrtausende dröhnen und die Menschheit in ihren Bann zwingen bis auf den heutigen Tag. Lächerlich und kleinlich ist die epigonenhafte Religionskrämerei, die sich heute dort breit macht. Aber dies Land ist noch zu Großem geboren, eine solche Natur kann ihre Macht über die Menschen nicht verlieren. Unvergessen ist mir der Abend, an dem mich Professor Schatz hinaufführte an das Damaskustor und mir den Platz zeigte, der für das neue Heim des „Bezalel“ ausersehen ist. Er liegt hart am Tempel, in beherrschender Lage. Dort oben soll sich dereinst neben dem „Bezalel“ unser Museum, zu dem schon Ansätze vorhanden sind, die Nationalbibliothek, die jetzt in engen Räumen verwahrt ist, und schließlich die jüdische Universität erheben und der Zionismus wird damit schon in wenigen Jahren eine seiner wichtigsten Aufgaben gelöst haben. An historischer Stelle wird er den Juden ein kulturelles Zentrum von grundlegender Bedeutung für den Wiederaufbau ihres nationalen Lebens geschaffen haben. II. Tag. Vorsitzender Dr. Salz führt verschiedenen Wünschen entsprechend, die Vereinigung der drei Punkte „Stellungnahme zum Kongreß“, „Palästinaarbeit“ und „Nationalfonds“ zu einem Punkte, durch. Dr. E. Margulies polemisierte gegen die Thesen Mahlers betreffend Ito und Charter. Del. Tiger (Lemberg) und Sitz mann (Wien) sprachen sich für Fortsetzung der praktischen Arbeit in Palästina aus. Dr. Kadisch und Dr. Schalit befürworten ebenfalls praktische Palästinaarbeit, aber auch eine Verständigung mit der Ito. Die folgenden Thesen des Referenten Böhm wurden mit überwiegender Mehrheit angenommen: „Der Zionistentag erachtet die praktische Arbeit in Palästina, sofern sie parallel mit der politischen Aktion geleistet und von politischen Gesichtspunkten aus geleitet wird, für unbedingt notwendig zur Erforschung und Erschließung des Landes, zur Stärkung der realen Positionen der Juden in Palästina, zur Hebung ihres kulturellen Niveaus und zur Schaffung der praktischen Vorbedingungen für eine künftige jüdische Massensiedlung in Palästina. Der Zionistentag begrüßt die Aktionen der Palästinakommission, die er als eine solche Tätigkeit darstellend ansieht. Zu dieser praktischen Arbeit hält der Zionistentag insbesondere die Schaffung einer direkt dem engeren A.-K. unterstehenden Zentrale in Palästina, eine auf Erwerb kleinerer Konzessionen gerichtete Tätigkeit unserer Institutionen und Behörden und endlich die Schaffung eines Palästinafonds nach den Vorschlägen Prof. Warburgs, behufs Trennung der politischen von den wirtschaftlichen Fonds für nötig. In Anbetracht der Wichtigkeit, möglichst rasch eine weitere Anzahl selbständiger Landwirte in Palästina zu schaffen, empfiehlt der Parteitag dem Kongresse die Annahme des Vorschlages Oppenheimers: die Gründung einer Siedlungsgenossenschaft durch eine private Gesellschaft mit Unterstützung der zionistischen Organisation zu versuchen.“ Die Thesen Dr. Mahlers werden abgelehnt. Nachdem Del. Stein dem Bureau des Parteitages namens der Delegierten den Dank ausgesprochen hatte, schloß der Vorsitzende, Dr. Salz, den Zionistentag mit einer kurzen anfeuernden Ansprache, die mit den Worten schloß: „Im Zeichen Zions wollen wir arbeiten und siegen!“ * Sonntag, am 80. Juni abends, fand ein Kommers statt, der einen Massenbesuch, zirka 1500 Personen, aufwies und einen glänzenden Verlauf nahm. Dr. Leo Blum (Bielitz) begrüßte die offiziellen Vertreter der beiden Kultusgemeinden Bielitz und Biala, die Vertreter der reichsdeutschen und russischen Landsmannschaft und die Abgeordneten. Die Festrede hielt R.-R.-Abg. Stand. Tn IV,ständiger Rede entwickelte er die Ziele des Zionismus und feierte die Bedeutung Herzls für das jüdische Volk. Dann sprachen Dr. Thon (Krakau) und Dr. Leon Reich (Lemberg). Der jüdische Turnverein Bielitz veranstaltete ein Schauturnen, bei dem besonders die Mädchenriege wohlverdienten Beifall für ihre turnerischen Leistungen erntete. Aus dem Parlament. Deutsche Juden, j ubelt! Es gibt eineDeutschfortschrittliche Vereinigung“ im Abgeordnetenhause. 16 Mann stark hat sie sich nach langem Hin und Her aufgehaut. Das Stiefkind des großen deutschen Verbandes, sein einflußloses Anhängsel. Die letzten Mohikaner der einst so mächtigen Deutschliberalen haben sich doch zusammengefunden. Mit Ach und Krach wurden diese letzten Trümmer einer großen Partei zusammengeleimt. Parteiprogramm, Gesinnung ist der schwächste Kitt, der sie zusammenhält. Den Herren R.-R.-Abg. Dr. Licht und Doktor Redlich, die trotz Taufe und forciertem Deutschtum keine Gnade vor den Deutschnationalen fanden, verdankt das Parlament diese Fraktion, die sterben wollte, aber zum Leben von den Rassenantisemiten gezwungen wird. Die Juden bilden sich wirklich ein, daß Grundsätze wahrhaft fortschrittlicher Gesinnung, vielleicht gar Judenfreundschaft die Herren Fortschrittler vom