Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1907-06-05 · 2 (5.6.1907) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
2 (5.6.1907)
Date
1907-06-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438142-2438144--0017-2439499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 3ü(fische Zeitung Nr. 2 Entscheidung lag bei den ruthenischen Sozialisten, für deren Kandidaten bei der ersten Wahl 1888 Stimmen abgegeben worden waren. Sie stimmten der Parole der Parteileitung folgend geschlossen für den Jüdisch-Nationalen. 2000 Ruthenen haben in der Kirche eine Eid dahin geleistet, ihre Stimmen für Dr. Birnbaum abgegeben zu haben. Trotzdem verkündete 'die Wahlkommission das Resultat: Moysa 3787 Stimmen, Birnbaum 2412 Stimmen. Stryj. Der Jüdischnationale Dr. Salz .erhielt 1722 Stimmen und kam mit dem Sozialdemokran Moraczevski in die Stichwahl (der offizielle Kandidat des Polenklubes Dr. Hubkenaw solle es nur auf ca. 1300 Stimmen gebracht.) Bei der Stichwahl siegte der Sozialdemokrat mit 3513 gegen 2352 Stimmen. Lemberg (3). Der jüdische Kandidat des Polenklubs Dr. Samuel Horowitz kam mit 1675 Stimmen in die Stichwahl gegen den jüdischen Sozialisten Dr. Diamand (1667 Stimmen), der jüdischnationale Kandidat Dr. Braude blieb mit 882 Stimmen in der Minorität. Bei der Stichwahl stimmten die Jüdischnationalen zufolge eines mit den Sozialdemokraten geschlossenen Wahikompromisses einmütig .für Dr. Diamand und -brachten den Handelskammerpräsidenten Dr. Horowitz, das gefürchtete und bisher allmächtige Haupt jener Kahal- : Clique, welche das jüdische Volk in Galizien durch Korruption und Gewaltmittel jeder Art bisher gepresst hatte, dem Polenklub Gefolgschaft zu ieisten, zu Falle. Drohobycz. Hier siegte der Polenklubjude Dr. Löwenstein mit den bekannten Mitteln gegen den Jüdischnationalen D : Zip per, für den 1331 Stimmen gezählt : wurden. Der Wahlprotest umfasst bereits 90 Punkte. {.v ' Brody. Der Jüdischnationale Stand erhielt 1493 Stimmen und kam mit dem jüdischen Kandidaten des Polenklubs Dr. Woller- . ner 1517 in die Stichwahl. Der Sozialdemokrat Dr. Löwenherz blieb mit 1441 Stimmen in der Minorität. Bei der Stichwahl siegte Adolf Stand, von den Sozialdemokraten unterstützt, mit mehr als 300 Stimmen Majorität. Rozdol. Hier brachte es der Jüdisch- : .nationale Dr. Malz im Kampfe gegen den Sitter v. Abrahamowitsch auf 1269 Stimmen. Tarnopol. Hier erhielt der Jüdisch- \ nationale Adolf Stand 1056 Stimmen, der Pölenklubjude Rudolf Gail erhielt 1377, der Ruthene Promnicki 1545 Stimmen. Der erstere siegte bei der Stichwahl, obwohl von der (Jüdischnätionalen Partei die Parole ausgegeben . wurde, für den Ruthenen zu stimmen. K o I o m e a. Durch Korruption und offenen Rechtsbruch siegte der Schützling des Polenklubs Kol i sch er gegen den Sozialdemoluaten und gegen den Jüdischnationalen Dr. Thon, für welchen offiziell 824 Stimmen gezählt werden. Die Wahl wird angefochten. Brzezany. Hier musste sich der ge- ' wesene zweite Obmannstellvertreter des Polenklubs Dr. Dulemba einer Stichwahl mit dem Jüdischnationalen Dr. Rappaport unterziehen, der beim ersten Wahlgang 1141 Stimmen erhielt. Die unerhörten Gewalttaten, welche angewendet wurden, um dem Herrn Dr. Dulemba das Mandat zu retten, sind in den Tagesblättem ausführlich besprochen worden. Wiederholte Interventionen beim Minister des Innern blieben erfolglos. MieI ec. Der Jüdischnationale Schmelk e s erhielt im Kampfe gegen den ehemaligen Obmannstellvertreter des Polenklubs Bobrsyecki die ansehnliche Zahl von 1200 Stimmen. Krakau (12). Dr. Gross, der sich als unabhängiger Jude, auch als unabhängigst Sozialist bezeichnete, drang mit 1869 Stimmen ■ gegen den Polenklubjuden Josef Sare durch, -;-der jüdischnationale im letzten Augenblicke .aufgestellte Zählkandidat Hilfstein erhielt nur 123 Stimmen. Tarno w. Der selbständige jüdische Kandidat Landesgerichtsrat Dr. Merz erhielt 748 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte der Alt- . pole Battaglia gegen dem Sozialdemokraten Drobner. EatidgemeituUttbczirke. Chrzanow. Der jüdisch-nationale Kandidat Dr. Arthur Mahler blieb mit 1161 Stimmen in der Minorität. T r e m b o w 1 a. Der jüdisch-nationale Kandidat Dr. Arthur Mahler erhielt bei der ersten Wahl 2712 Stimmen und kam für das Minoritätsmandat mit dem Allpolen in die Stichwahl, bei welcher er unterstützt durch Ruthenen mit großer Majorität siegte. B u c z a c z. Dem jüdisch-nationalen Kandidaten Dr. Heinrich Gabel, welcher im ersten Wahlgange 2158 Stimmen erhielt, fiel gleichfalls durch die Stimmen der Ruthenen bei der Stichwahl mit dem Altpolen das Minoritätsmandat zu. Z a b 1 o t o u. Der Jüdischnationale S. Weisglass erhielt 1500 Stimmen. Skalat. Der jüdischnatiohale Dr. Josef Braun erhielt 1589 Stimmen. Zloizow. Der Jüdischnationale Löbei Taubes erhielt 334 Stimmen. Bukowina* Czernowitz-Ost. Der jüdischnationale Kandidat Dr. B. St raue her wurde mit 3318 von 5108 Stimmen im ersten Wahlgange gewählt. Czernowitz II. Der jüdisch-nationale Dr. Neumann Wender erhielt im ersten Wahlgange 2250 Stimmen und kam mit dem rumänischen Sozialdemokraten, auf den 2076 Stimmen entfielen in die Stichwahl. Bei dieser erhielt Neumann Wender 3543 Stimmen, Grigorovici siegte mit 2250 Stimmen, da die bürgerlichen Deutschen, deren Kandidat ersten Wahlgange 903 Stimmen erhalten hatte, in der Stichwahl für den rumänischen Sozialdemokraten stimmten. Radautz. Der jüdisch-nationale Kandidat Dr. Josef Weidenfeld erhielt 1187 Stürmen. Der bisherige Abgeordnete Dr. Arthur Skedl wurde ausschließlich infolge seiner besonderen persönlichen und wohlverdienten Beliebtheit mit 3664 Stimmen gewählt, obwohl in diesem Wahlbezirke die Majorität jüdisch und was in der Bukowina dasselbe ist, jüdisch-national gesinnt ist. Es' wurden somit jüdisch nationale Stimmen abgegeben: In Galizien - In der Bukowina In Wien ...... 25565 5797 592 Offenes Schreiben an den Reicb$rat$= Abgeordneten Kamill Kuranda.*) Sehr geehrter Herr Ministerialrat! Sie sind in einem jüdischen Wahlkreis als J u d e in den Reichsrat gewählt worden. Ihre Qualitäten in allen Ehren, aber wenn ein Arier Aussicht gehabt hätte, im Quaiviertel gegen den Christlichsozialen durchzudringen, würde das deutschfortschrittliche Zentralwahlkomitee Sie gewiß nicht aufgestellt haben. Die jüdische Nationalpartei hat Ihnen . keinen Gegenkandidaten entgegengestellt.. Entreißen "eie: *) Das soeben verlautbarte Kommunique der deuischfortsi.. lieben Partei, kann an den in diesem Briefe vertretenen Anschauung wenig ändern: Die daselbst vorausgesagte >Abschwenkung« ist erfolgt; natürlich muß jetzt das Geschehene vertuscht werden, die Herren wollen das liberale Wasser nie getrübt haben. Aber - Herr Dr. Groß und Genossen jetzt erklären, sie wären von vi herein entschlossen gewesen in der Plenarsitzung der deutschen Parteien. die Auihahme der nicht eingeladenen Abgeordneten in die deutsche Gesamtpartei zu einer conditio sine qua non zu maohen so kann man dazu nur sagen: »Credat Judaens Appella!« Das maf der Leitartikler der »Neuen freien Presse* glauben! Konnten siet denkende Männer, erfahrene Politiker, wirklich einen Augenblick einbilden, sie würden Abgeordnete, welche mit juA~- einmal zu einer Vorbesprechung zusammensetzen wc wegen können, sie als Parteigenossen aufzunehmen r! Nein, die Nichteinladung der Wiener Abgeori bleibt ein beabsichtigter Affront, der sie veranlassen sollte, selbst beiseite zu treten und die Einigkeit der deutschen Parteien nicht zu stören. Und dass bei diesem Affront Herr Dr. Gross nicht etwa auf eigene Hand vorgegangen, (wie die liberale Presse sich tröstete), gebt aus seiner eigenen, jetzigen Erklärung hervor, daß er vor seiner Unterredung mit Baron Hock »mit einer Reihe von Parteigenossen nnd auch Dr. Marcbet Fühlung ge« it dem Unterrichtsminister Anmerkung der Redaktion. konnten wir Ihnen das Mandat nicht; denn gerade die jüdische Bevölkerung des Quaiviertels verhielt sich. bisher am sprödesten gegen die moderne nationaljüdische Bewegung. Erschweren wollten wir Ihnen den Kampf' nicht; denn über Ihre Fähigkeiten, Ihren Charakter verlautete Günstiges, die treue und feste, mancher Lockung gegenüber erprobte Anhänglichkeit an das Judentum, welche Ihnen nachgerühmt wird, warb Ihnen auch unseren Kreisen Sympathien, und von Ihnen, der Sie mit keiner politischen Vergangenheit belastet sind, war vielleicht . noch am ehesten zu hoffen, daß die von -uns vorausgesehene politische Entwicklung Sie — bei näherer Bekanntschaft mit dem wahren Wesen der nationaljüdischen Bewegung — uns mit der Zeit näher bringen könnte. Diese politische Entwicklung vollzieht sich., rascher als selbst wir vermutet haben, und wenige Wochen nach Ihrer Wahl sind Sie bereits vor eine schicksalsvolle Entschließung gestellt. Zwar, in der Hauptsache bieten die Ereignisse der letzten Tage, durch welche das deutschliberale Judentum so ganz aus der Fassung gebracht wird, nichts, was uns überraschen könnte: Wir. „Utopisten“, wir ,Schwärmer“ waren in Wahrheit wieder die einzigen nüchternen, jüdischen Politiker gewesen, die einzigen, welche den Gang der Dinge vorausgesehen und vorausgesagt haben. In dem Manifest der jüdischen Nationalpartei, welches in Nummer 1' der „Jüdische Zeitung“ abgedruckt wurde, heißt es wörtlich: Zudem werden diese sogenannt liberalen“ Parteien infolge der nationalen Ralliierungen gezwungen, sich mit den antisemitischen Gruppen — welche-Juden als Volksfremde ausschließen — zu einem nationalen Block zu vereinigen, in welchem für die Juden überhaupt " kein Platz mehr ist.“ Und in derselben Nummer schreibt die „Jüdische. Zeitung“, indem sie die Kandidatur des deutschfortschrittlichen Dr. Gustav Ko.hn. bekämpft, wörtlich: „Ist es unbedingt nötig, daß an . dem Tage, welchen jeder Einsichtige immer näher her* ankommen sieht, da die deutschfortschrittliche Partei sich judenrein, machen wird, unter den letzten Juden, die sie abschüttelt, sich auch ein Vorsteher der Kultusgemeinde befinde?“ Aber, daß so rasch eintreten würde,, was wir prophezeiten, hätten wir selbst nicht für möglich gehalten. Ich gestehe, wir haben die Schamhaftigkeit der deutschfortschrittlichen Abgeordneten überschätzt, ihren Mut zu gering angeschlagen: Wir glaubten man würde eine kleine Anstandsfrist verstreichen lassen, eine Uebergangsform suchen, würde vielleicht mit einem loseren Verband der deutschen Parteien beginnen und ihn nach allmählicher Hinauseklung der jüdischen Ab - geordneten erst später in eine geschlossene antisemitische oder asemitische deutsche- Partei übergehen lassen. Aber daß die Herren Dr. Groß und Genossen unmittelbar nach, ihrer Wahl, welche nurmit jüdischer Hilfemöglich war, den Versuch machen würden,, ohne alle Umstände den jüdischen Kollegen den Stuhl vor die Türe zu setzen, wahrhaftig,, das übersteigt selbst die Vorstfellungen welche w i r von der deutschen Fortschrittspartei gehabt haben. ‘ Wohlgemerkt: Wir jammern nicht über, das, was geschehen ist. Es ist gut so. Je eher die deutsche Fortschrittspartei, welche nur der Unaufrichtigkeit und dem politischen Eigennutz auf der einen, dem Selbstbetrug auf der anderen Seite ihr Leben verdankt, sich auflöst, desto eher kann zwischen den Deutschen und Juden ein aufrichtiges und gesundes Verhältnis hergestellt wer-' den, wie es sich bei allen Gegensätzen, zwischen denbeiden Völkern in der Bukowina als möglich gezeigt hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.