Israelitische Rundschau
- Journal
- Israelitische Rundschau
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 39 (26.9.1902)
- Date
- 1902-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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JE»va*Uttrd}* £luttt>)djau durch eine Gabe beitragen, gern und willig beitragen, dass Dr. Isaak J. Rülf in das goldene Buch des jüdischen Nationalfonds eingetragen wird,, ehe denn die „Scheloschim“ für den teuren Toten zu Ende sind.*) Und mit seinen eigenen Worten wollen wir ihn ehren, indem wir sie uns tief in die Seele graben: „Hier in Mitteldeutschland (Kurhessen) bin ich geboren, hier haben schon mein Vater, Grossvater und Urgrossvater und alle ihre Vorfahren seit hunderten von Jahren.auf ihrer Scholle*gehaust. Und kehrt jener den „Nationalgermanen“ hervor, dann bringe ich den „Nationaliuden“ zu Geltung ..." „Nicht ich als Nationaljude, sondern derjenige, welcher seine Nation und damit seinen Vater verleugnet und verrät, ist vaterlandslos, ist in der ganzen Welt ein Fremder.“ „Die antisemitischen Feinde und Gegner kümmern uns nicht; für sie haben wir weder ein Wort der Verteidigung noch ihrer Bekämpfung — wohl aber kümmern uns die Feinde und Gegner im Lager unseres eigenen Volkstums. Ich trete nicht gern heraus aus meiner Reserve, habe gern alle Welt zu Freunden, — zwischen ihnen und uns aber sei das Tischtuch zerschnitten, bis sie reuevoll zurückkehren und sich' gehobenen Sinnes und stolzen Selbstgefühls, freudig und willig bekennen als echte „Nationaljuden“ und den echt nationalen Schwur leisten: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!“ Seitdem Rülf diese Worte geschrieben hat, vor mehr als 10 Jahren in einer Antwort auf einen schmählichen Angriff, sind schon viele unserer Brüder aus dem gegnerischen Lager zu uns gekommen und haben sich der früher von ihnen angefeindeten Idee einer nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande seiner alten Heimat angeschlossen. Viel, unendlich viel verdanken. “wir unsenn Altmeister Rülf dabei. Wir werden sein Andenken ehren, indem wir versuchen, ihm in der Arbeit für unser Volkstum nachzueifern. Sein Andenken, das Andenken des Gerechten, bleibt uns und unserm Volke zum Segen! H. L. Heber die Beerdigung des Igcrrn Dr. Rülf erhalten wir nach Schluss der Redaktion aus Köln folgendes Telegramm: „Unter gewaltiger Beteiligung fand die Beerdigung nuseres Dr. Riilf in Bonn statt. Z'onisten waren zugegen aus Frankfurt, Neuenahr, Warschau, Köln und vielen andern Orten, um ihrem Führer das letzte Ehrengeleit zu geben. Es sprachen Rabbiner Dr. Blias K a I i s c h e r -Bonn und Dr. Carlebach -Memel. Der deutsche Rabbiner-Verband liess Rabbiner Dr. Frank -Köln in seinem Namen sprechen. Rechtsanwalt Dr. ß o d e n h e i in e r sprach für das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und für das Wiener Aktionskomitee, namens der persönlichen Freunde Herr Wittenberg und für die akademische Verbindung Rhenoailesia Herr stud. Behr.“ Wolff. Der Vorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung hat bereits 25 Mark gezeichnet, um unsern Altmeister Dr. J. Rülf in das goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds baldigst eintragen zu lassen. Die Red. Das Vorgehen Amerikas gegen die Judenverfolgung ln Rumänien. . Die rumänische Judenfrage ist in ein neues Stadium elngetreten. Der Staatssekretär Hay der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat eine Note an alle diejenigen europäischen Mächte überreichen lassen, die 1878 den Berliner Vertrag als Garanten unterzeichnet haben. Aus dieser Note, die die Behandlung der Juden in Rumänien zum Gegenstand hat und für uns von höchstem Interesse sein muss, heben wir einige charakteristische Stellen im Auszuge hervor: Amerika müsse, trotzdem es nicht zu den Unterzeichnern des Berliner Vertrages gehöre, auf die Beobachtung der in diesem Vertrage gewährten Religionsfreiheiten drin* gen. Der Berliner Vertrag habe den Juden nicht die erhoffte Gleichberechtigung gebracht, seine Bestimmungen seien vielmehr von Rumänien zum grossen Teil illusorisch gemacht worden. Selbst die einfachsten Rechte des Handwerkers und Landbebauers würden den Juden vorenthalten, von den höheren Berufen ganz zu schweigen; sie seien unfähig gemacht, sich aus der ihnen aufgezwungenen Niedrigkeit zu erheben und hätten daher keine andere Wahl, als sich nach andern Ländern zu flüchten. Gegen diese Behandlung der Juden müsse Amerika Einspruch erheben, nicht nur, weil cs an der Auswanderung der Juden in erster Reihe interessiert sei. sondern im Namen der . Menschlichkeit Mit dieser Note der Vereinigten Staaten wird die rumänische Judenfrage zu einer völkerrechtlichen Angelegenheit gemacht Bisher war es das alte, tieftraurige Schauspiel: Das Judenelend, die Vertreibung der Juden von Scholle und Haus, erregte nirgends als in jüdischen Herzen thätige Teilnahme. Die jüdsichcn Hände öffneten sich willig und hiifbereit, aber sie waren zu schwach, auch nur einen kleinen Teil des Elends zu lindern. Die entrüsteten Proteste aus jüdischem Munde verhallten ungehört, als wären sic nicht gesprochen; es war die Stimme derer, die man nicht hören wollte, well Jeder Staat im eigenen Haus genug Sünden wusste, die ihn in Schuldgcmeinschaft mit Rumänien brachten, weil kein Staat ein lebendiges Interesse daran hatte, für dal* lästige, fremde Volk, das ihm in der inneren Politik schon soviel Schwierigkeiten bereitete, mit seiner eigenen Person, vielleicht gar mit eigener Gefahr, einzutreten. Ein Vorbild für diese Stellung der „Kulturmächte“ ist England, dem man doch gewiss keinen groben Antisemitismus vorwerfen kann. Einer der bösen Iren, die immer so unbequeme Fragen stellen, interpellierte im Unterhaus die Regierung wegen der Verletzung des Berliner Vertrages in Rumänien, und die Antwort? Der englische Gesandte in Bukarest werde fortfahren, wie bisher bei der rumänischen Regierung freundliche Vorstellungen wegen der Juden zu machen. Die Jüdische Presse hat einen unverwüstlichen Optimismus gezeigt; sie klammerte sich an jeden Strohhalm. Hatte der flammende Protest nicht geholfen, so konnte vielleicht der Kongress Pro Armenia helfen — aber der hatte Christen zu schützen —, und endlich setzte sic ihre Hoffnung auf die Interpellation Im englischen Unterhause. Niemals aber, soviel kann man wohl schon Jetzt sagen, war soviel Grund vorhanden. auf eine leidliche Lösung der rumänischen Krisis zu hoffen, wie Jetzt. Es ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob ein Privatmann, oder ob ein grosser Staat Im Wege regelrechter diplomatischer Verhandlung seine Stimme zu Gunsten der rumänischen Juden erhebt Nicht Jeder ist ein Zola, ein Staat aber kann verlangen, dass seine Beschwerde respektiert zum mindesten ln ernstliche Erwägung gezogen werde. Was die Vereinigten Staaten zu diesem Schritte veranlasste, kommt für uns erst In zweiter Linie ln Frage. Das Wichtigste wäre, dass dem entsetzlichen Elend der rumänischen Juden vielleicht ein wenig abgeholfen wird, dass die erzwungene Auswanderung, die das Elend nur verschleppt, nicht mindert an der Quelle und durch humane Mittel gehemmt wird. Die Note Amerikas schliesst mit einem Appell