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Israelitische Rundschau · 1902-08-08 · Heft 32 (8.8.1902) · page 7

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Journal
Israelitische Rundschau
Volume
1902
Issue
Heft 32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Israelitische Rundschau ' Die Firma Hoe drückte den Juden ihr B eda n evn ü bcr den Vorfall aus. Nach einer'Meldung der „Daily Mail" auS Newhork hatten die Arbeiter Hoc's einen Wasserschlauch gegen die Juden gerichtet. Diese zertrümmerten darauf jede Fensterscheibe in dem großen Gebäude. Solange inan nur Schrauben, Blei und geölte Lmnpen cinf die Juden geworfen hatte, war der Trauerzng nihig weiter gegangen, als aber der zweizöllige Schlauch in Tlicitigkcit gesetzt lvurde, begannen die Juden ihren Angriff. Auf beiden Seiten wurde auch mit Pistolen gefeuert. Männer mit blutenden Köpfen lagen cutf der Straße umher. Ein gigantischer rotbärtiger Mann stieg die Stufen zur Fabrik hinauf und rief: I st dies d a s _f r c i e A m erika? das i st j ch l i m ni e r als N u ß l a n d." Der Berliner Lokal-Attzeiger, der in seiner bekannt unparteiischen Mattier ja auch bei der Konitzer Antisemitenasfäre die Schuld an dcnt Morde zwar nicht den Jttdett direkt in die Schlthe schiebt, aber dttrch die kluge Auswahl der Nachrichrett bei seinen Lesern diesen Eindruck heworzunifett verstaitd. benterkt itun dazt», inbem er wohlweislich die. Nachricht entstellt wiedergiebt, daß es dctnitach für Christen tticht ratsam sei, diese meist voit russisch polnischen, ungebildeten Juden bewohnten Stadtteile zu betretet;, doch halte;! Polizeireserven patronill-wrend noch einigerinaßen Ordnung in diesen! Viertel, das im Belagertmgszustande zu sein scheint." Die Skaatsbnrger-Zeitung geht bei dem Lokal-Anzeiger in die Schule und flieht der entstellten Darstellung Ausdnrck in einem Expose unter der Spitzmarke „Die Juden als Un- Nlhestifier". Daß diese Undeutschcsten aller Deutschen die Inden beschimpfen, die sich anständig ihrer Haut gegen amerikanischen Pöbel wehren, hat uns nicht gewundert. Jedenfalls nn'issen tvir benrerken, daß unter diesen angegriffenen „ungebildeten" Juden kein einziger Analphabet sich befindet, und daß dieser ungebildete Hanfe eine nationale Bildung hat, die ihm den Mut verleiht, nielnanden frivol anzugreifen, .aber sich in energischer Weise unschttldige arische Vergnügungen wie das Begießen eines Leichenzuges mit der Feuerspritze in der Form zu verbitten weiß, die allein auch von den Herren Pückler und Bruhn verstanden tverden durfte. Alle Hochachtung vor den: rotbärtigen Juden, der zu wissen scheint, wozu man gesunde Hände zu gebrauchen hat. Aber es muß schon arg kotnnten, wenn Juden anfangen sich in der Weife von Jndogerinanen ihrer Haut zu wehren. Diese Art der Assnnilation ist die einzige, die wir nicht zu beklagen haben. —. Es sollen in den Hospitälern etwa 300 Personen in Behandlung sein, die ihre blutigen Köpfe sich bei diese»! den Juden aufgezwungenen Krawall geholt haben. Aus Grosswardein wird dom „Neuen Poster Joumal" tele« araphiert: In der Gemeinde Aibar zechten in der Branntwein« schanke des Salomon Egri md Personen und beauftragten die acht« jährige Jlonla Ktts. ihren Ettern Branntwein nachhause zu tragen. Seither war die Kleine verschwunden. Gegen Abend verbreitete sich in der Gemeinde das Gerücht, daß das Mädchen von einem im Dorfe Milenden Klausenburger Juden abgeschlachtet worden sei. um ihr Blut bei der im Bau befindlichen Klausenburgcr Synagoge zu verwenden. Durch dieses Gerücht wurden die Dorfbewohner in große Aufregung versetzt und eine Bauecnmenge stürmte unter Drohungen das Geschäftslokal Egri's. Der Gendarmerie gelang cs nur mit schwerer Mühe, die Menge zu verstreuen. An» folgenden Tage wiederholte sich der Ansturm auf das HauS Egri's. Da meldete eine Bäuerin, daß die kleine Ilona KisS sich verirrt hat und weinend im Hotter der Nachbargeiiieinde Kis-Szüntü aufye« funden worden sei. Egri hat gegen dre Aufwiegler die Strafanzeige erstattet. Nach Statut vom 23. Juli 1902 wurde eine Genossenschaft unter der Firma „Verlag lödlsdje Rundschau, Eingetragene Genoffenschatt mit beschrankter Haftpflicht" mit dem Sitze in Berlin gebildet und heute unter dir. 204 in das Genossenschafts-Register eingetragen. Gegenstand des Unternehmens ist die Herausgabe, der Verlag und Vertrieb der Wochenschrift Jüdische Rundschau, sowie anderer Druck« wette. Die Haftsumme beträgt ö0 Mark bei der höchsten Zahl von 5 Geschäftsanteilen. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekanntmachungen erfolgen ln der für die Firmenznchnung vorge« schrub.'ncn Fonn in der Jüdischen Rundschau. bei Unzugangklchkert derselben biS znr anderweiten Bttcklus fassung dnrch die Generakv.r- «faiiimtun,! im Deutschen Reichsanzciger. Der Vorstand zeichnet die Firma in der Weite, daß die Zeichnenden zu derselben ihre Namens- Unterschrift binruMgen. Die Vorstandsmitglieder können nur in Gemeinschaft mit einander rechtsverbindlich für die Genossenschaft zeichnen und Erklärungen ob.»eben. Tie Mitglieder des Bottiandes nnd Ludwig Bebr und Jacob Wagner zu Berlin. Tie Einsicht der Liste der Genossen »it in den Ticnststunden des Gerichts Jeden» gestattet. Berlin, den 26. Juli 1902. Königliches Amlsgericht I. Abteilung 88. Kleine Lhronik. B.» der diesjährigen Preisvcrteilnng an der Kgl. Universität Berlin haben unsere Gesinnungsgenosscn Eugen Täubler. Vorsitzender der akademischen Gruppe der Zioni'tischen Vereinigung, und Bruno Blau Preise erhalten. Täubler's Prcisarbcit behandelt die Geschickte des zweiten jüdischen Staalswesens bezl. den Joseobus. — Ter Wettbewerb um das S iv.'ndium der Ersten Michael Betr'ichcn Störung für das Jahr 1902 im Betrage von 2250 Mark Mt cimr cinj ü r'rgen Studienreise nach Italien iü für Maler aller Fächer jüdischer Rel'gion erneut e 'öänek. — RrerlSU. Vom neuen iöraclitrtchen K r a n l c n b n n s e. An dein nettdrbautcn, voraussichtlich Anfang des Jal r s U^3 nt croffncnden Krankenhause Mi 'Krettan iFränlel'i'chcs Hospital)'sind die Stellen nveicr Assistenzärzte an der mediz irischen und chirurgischen Abteilung und drei Bolontärarris'.ettut zu besetz.',,. Ti: A'sifwnzärzte beziehen bei freier Wohnung und Station ein Gehalt von jährlich 60) Mark. Tie Bewerber »v.üssen sich auf eine zweijähttge Tienstzeit bei der betreffenden Abteilung, diejenigen für die BoloiUärar.tslell-.n aus eine mindestens einjährige Thatigkeit am Kranken!,ause verpflichten. B.« vorzugt werden bei der Besetzung der Asnstcnzargstellen in der medizinischen Abteilung solch: Bewerber. welche eine längere Beschäftigung mit innerer Medizin b.'-w. Ausbildung in der pathologischen Anatomie oder Aalterielogre Nachweisen können; in der chirurgischen Abteilung solch.: Beamten, welche längere Zeit in der chirurgischen Klinik oder KranlenhanSabteilung tbättg ge.wesen sind. Meldungen rcb:t Zeugnissen sind bis zum 31. Aug'.öt 1902 an den Vorstand des israelitischen Krankenhauses zu richten. — Hamm 2. d. Lieg, 16. Juli. Aus dem jüdischen Friedhofe sind die schönsten und größten Grabsteine zum Teil vom Grundinauerwerk abgebrochen, zum Teil fußtief aus der Erde herausgehoben worden, alle aber in der Mitte oder oben zerbrochen; cs sieht aus, als Mun mit einem Hammer daran gcwirtschastct worden wäre. Aus dem Grabs eines jungen Mannes stand eine Säule; diese ist in der Mitte durch gebrochen. und es scheint, als cb man nrit ihrem cbereu Teil: die anderen Steine und Platten zerschlagen batte. Tie früher in Hamm unter der B.oölkcrung herrschende friedliche Stimmung ist in diesem Frühjahr durch antisemitische Hetzredner zerstört worden. Auf die Ergreifung der Thätcr ist eine Belohnung von 1500 Mark, an deren Zeichnung sich auch Nichtjuden beteiligten, ausgesetzt worden. — Klei, 24 Juli. Ein Kommandantur-Befehl giebt bekannt, daß die Marine-Mannschaften jüdischer ^Religion, falls die Schiffe »in Hasen liegen, an allen jüdischen Feiertagen vom Timst befreit sind. Es bedarf nur einer jedesmaligen Mitteilung an das Kommando. — Rakel. Ter «Borschachcr Bote" schreibt: Masscnauswandcrung! Am Mittwoch Abend sind gegen 500 rumänische Israeliten auf der Reise nach Amerika in Basel angekommen. Ein großer Trupp ge« folgt von zweispännigem Fuhrwerk mit Handgepäck wurde für die Nacht im „weißen Kreuz' und runder „Sonne" untergetracht. Diese Leute crMren, daß sie nur die Spitze einer gewaltig sich ausdehnenden Masscnauswanderung aus Rumänien bilden. Es sind nicht allein ökonoinische Beweggründe für diesen Fcrtzug aus der Heimat vorhanden, sondern auch Gründe sozialer Min'dcrsteilung der dortigen J:raeliten. Ter weitaus größte Teil der Auswanderer sind Handwerker. Spengler, Schreiner, Schlosser k. Tie „Zionisten" unterstütz n die Auswanderer, und augenscheinlich liegt da eine ganze Organisation zum Massenfortzua vor. Sehr interessant sind die Typen. Tie Mädchen sind sehr schön und ihre Kleidung verrät viel Geschmack. Tie Männer sind in der Kleidung nachlässig. Eine Gruppe alter, bärtiger, strenggläubiger Juden mrt langem schwarzen Rock und dein kleinen, runden Käppchen (Jarmolke). eifrig murmelnd, halte einem Maler interessanten Stoff gegeben. Das Ziel der AuS. »vanderer bilden meistens die Städte San Francisco und Philadelphia rc. Soweit cs daS Alter überhaupt zuläßt, vom Säugling bis zum Greis, reist alles mit. Tie Firma Zwilchenbart. resp. deren Agenten, sind um Transport und Etavvenuntcrkunft dieser Auswanderer bestens besorgt. — Paris. Das Ergebnis der am II. Mar vollzogenen Wahlen für das Zentralkomitee der Alliance israälito universelle liegt nunmehr vor. Danach setzt sich dasselbe aus 78 Mitgliedern zusammen, von denen 24 in Paris, 43 außerhalb Frankreichs ihren Wohnsitz haben. Unter den letzteren befinden sich 22 Deutsche, von denen. 15 dem Zeniralloiuitce bereits früher an« gehörten, und zwar die Herren Or. Baerwald-Frankfurt a. ülw

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