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Israelitische Rundschau · 1902-08-08 · Heft 32 (8.8.1902) · page 8

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Journal
Israelitische Rundschau
Volume
1902
Issue
Heft 32 (8.8.1902)
Date
1902-08-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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KsVaetttifchr Nrrndschau r - I. M. Bielefeld-Mannheim, Dr. Heinrich Meyer. Cohn-Berlin. Oberrabiner Dr. Feilchenfcld-Posen. Rabbiner Dr. Frank-Köln^ Justizrat Dr. Fuld-Franlsirrt a. M.. CbarleS L. Hallgarten-Franksurt a. M., Geh. Hofrat dr. Josephthal-Rürnderg, Sanitätsrat Dr. S. Reumann-Berlin. Theod. Oschinsly-Breslau. Ribbiner Dr. Rosenthal-BreSlau. Simon Salomon-Metz, Distrikts-Rabbiner Dr. Calvendr-Dürkbeim. Konsul Alexander Simon-Hannover und Rabbiner Dr. Werner München. Reugewählt wurden die Herren . Rechtsanwalt I. Behrend-Tanzig, Geineindeoorsteher Elias-Dortmund. Herrmann Gumperz-Hamburg, Stadtrat Leop. Gutlmann- Beuthcn, Emil L. Meyer-Hannooer, Rabbiner Dr. Porges-Leipzig .und Rabbiner Dr. Aogelstein-Königsberg. Außerdem find nur noch fünf Herren in das Zentralkomitee neu eingetreten, neben vier Parisern Herr I. D. Lioni-Amstcrdam. — London. Tie „Jcwish Colonisation’-Assodatfori“ Hai dieser Tage ihre General-Versammlung abgehaltcn.. allerdings unter Ausschluß der Ocffenklichkcit. da Preßmrtreler keinen Zutritt hatten. Man wird daher gut thun. den offiziellen Jahresbericht abzuwarten.— London. Tie gestrige Sitzung des englischen Unterhauses begann mit einer Anfrage Häuters, ob das im Mä:z in Rumänien crlaficnc Gesetz, rvelches die Beschäftigung jüdischer Arbeiter verbietet, in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Berliner Vertrages sei. und ob die britische Regierung gegen dieses Gesetz Einspruch erhoben habe. Cranborne erwiderte, das in Rede stehende Gesetz beziehe sich auf alle Ausländer in Rumöttien und erwähne nicht besonders die Juden. Wenn er aber doch gegen seine der angegebenen Bestimmung zuwider nur gegen Juden angewendct werde, so gehe die Ansicht der Regierung dahin, daß daS Gesetz mit Artikel 44 deS Berliner Vertrages rmvereinbor sei. Ter rnglische Gesandte in 'Bukarest habe über diesen Punkt bei der rumänischen Regierung in freundschaftlicher Weise Vorstellungen gemacht und werde fort fahren, im Interesse der Juden zu thuir, was er tonne. — Auf dem Ostbahnhofe in Budapcft sind am Montag Abend 70 rumänische Juden angelangt und haben nachts die Fahrt nach Hamburg fortgesetzt. Sie haben sich dort inzwischen nach Kanada eingcschifft. Auf höheren Befehl wachte ein 7größeres Polizeiaufgebot darüber, daß von den jüdischen Auswanderern nicht etwa einer in Budapest bleiben könnte. — BuKareH. Am Sonntag find 200Balarcster Juden nach Amerika ausgewandert. Während der Fahrt schlossen fick denselben 500 isracliUsLe Emigranten aus der Moldau an. — Kapstadt« 4. Juli. Von Herrn Sydney Mendelssohn ist in der Synagoge zu Kimberley eine künstlerisch auSgestattcte Gedenktasel der im letzten Kriege gefallenen jüdischen Soldaten errichtet worden. Dieselbe umfagt 117 Namen, darunter diejenigen von 13 Offizieren. — 17. Juni. Tie kleine Stadt Bidfara war der Schauplatz sehr bedauernswerter Ereignisse. Eine jüdische junge Frau von seltener Schönheit, welche sich fortwährenden Quälereien seitens ihres Schwagers auegesctzt sah, giitg zum Dlouchtehed des Ortes, Scheich-Houssem, um Klage zu führen. Scheich-Hussein, entzückt vom Anblick der jungen Frau, ließ sie mit Gewalt zum Islam belehren und behielt sie bei sich. Die Zugänge des Enderoums wurden sorgfältig bewacht und den Dienern wurde verboten, die Verwandten d»r Geraubten in's Haus zu lassen, ja sogar, sich dem Hause zu nähern. Diese Abschlicßung dauerte einen Monat lang. Rach Verkauf diescr Zeit gelang es der Eingespcrrten, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschte, zu entfliehen und im Telegraphen-Bureau, daS als unverletzlich betrachtet wird, Zuflucht zu suchen. Ter Zorn des Scheich war grenzenlos. An der Spitze einer Menge ferner Anhänger stürzte er sich in das israelitische Viertel, um die Flüchtige zu suchen. Da er ihren Aufenthaltsort nicht entdecken konnte, befahl er seinen Leuten, daS Viertel zu plündern und über die Juden herzufallen. Unsere unglücklichen Glaubensgenossen wurden schrecklich mißhandelt; selbst die Frauen fanden leine Gnade vor den durch ihren Anführer oufgehetzten Fanatikern. Es entstand eine große Panik. Die Israeliten verließen ihre Wohnungen und begaben sich unter den Schutz eines anderen Mouchtehed, des Amir Tjemal. Die Frau, die unschuldige Ursache all' dieser Ereignisse, suchte sich bei dem Priester Imam Djoume zu verbergen, da sie int Telegraphen- Bureau nicht bleiben konnte. Bis jetzt können unsere Stammesgenossen bei der Gährung, di« noch wächst, ihre Wohnungen noch nicht wieder begehen; sie entschlossen sich, eine von Trauer und Verzweiflung, wre leicht begreiflich ist, zeugende Depesche an den Direktor der Alliance-Schule Hierselbst, Herrn Aaffan, zu senden. Letzterer wandte sich sofort an den Minister der äußeren Angelegenheiten, welcher zustcherte, umgebend telegraphische Befehle zu erteilen, daß die Unruhen unterdrückt werden, damit die Juden in Frieden ihren Geschäften nachgchen können. Citteraturbericfyt. Roumanian Fimmce. Facts and Figures for tlic Holdere ol Houmanian Bonds. London: W. Clowes & Sons 1902. 20 S. 8°. Liap«, Karp«!: Meine fünfundzwanzigjährige zionistische Agitation. .Jassy 1902. KQaJg, Edtuud: Neueste Prinzipien der alUestamcntlichen Kritik geprüit Gross-Lichterfelde - Berlin: Edwin Runge 1902. 80 S. 8°, Seitdem cs eine Bibelkritik pebl, sind die Angriffe gegen sie nicht zur Ruhe gekommen. Der Standpunkt der Forscher, dass man mit derselben Unbefangenheit an die alten jüdischen Litteraturdenkm&ler herantreten solle, wie man es versuche bei jeder andern alten NationaUitlcratur wurde von verschiedenen Seiten mit mannigfaltigen „dogmatischen" Gründen zum Teil sehr erbittert bekänfplt. Uns Juden geht die Sache am meisten an. Denn was den andern religiöse Denkmäler sind, ist unser nationales Schrifttum. Um so merkwürdiger ist es, dass Juden am allerwenigsten sich an der Bibelforschung der neueren Tage beteiligt haben. Wir nennen es keine Beteiligung der Juden, wenn irgend ein Rabbiner, der sich wissenschaftlich zum Zwecke der Dissertation mit Abfall aus der Wclllmusensclien Küche belassen musste, über Priester und Propheten recht Unbedeutendes zusammengeschrieben hat. Und doch sollten wir Juden uns ernsthaft in wissenschaftlicher Forschung an der Förderung der Erkenntnis gerade auf diesem Gebiete beteiligen. Aber die Zurückhaltung der Juden ist sehr natürlich. Die Bibclkritik, die Juden und besonders dem Judenslämmling Astruc ihre Entstehung verdankt, ist zu einer Domäne der christlichen Theologie geworden und damit aus dem Rahmen ernster historischer Forschung ausgeschieden. Denn die Voraussetzung historischer und philologischer Forschung ist die Voraussetzungslosigkeit. Dagegen ist die Theologie dazu bestimmt, die Wahrheit und die Vorzüge des Christentums ins rechte Licht zu setzen. Wobberman sagt geradezu: „Dass es eine Hauptaufgabe der Theologie sei, einen Wahrheitsbeweis für die christliche Religion zu liefern, scheint mir unbezweifellwr." Damit gesteht er aber widerwillig ein, dass seine sogenannte Wissenschaft nicht über die Scholastik wesentlich hinausgekommen ist. Weil nun aber die Bibelkritik leider eines der Hilfsmittel ist, die Wahrheit der Religion und im besonderen der christlichen Religion zu erweisen, so ist cs natürlich, dass sie von der voraussetzungslosen Wissenschaft auf der einen Seile abgekommen ist. Andererseits wird mit einer grossen Virtuosität, die in umgekehrtem Verhältnis zu den hebräischen Kenntnissen der betreffenden Bibelforscher steht, die Bibel in Quellen zerlegt, in kleine Stückchen von „Redaktoren“, die eigentlich alles Falscher sind und Verse und in Metrum und Reimen konstruiert. Es giebt keine philologische Verirrung, die nicht in der Bibelkriiik Orgien feierte. Gegen diesen letzteren Auswuchs ungesunder Pseudowissenschaft polemisiert König mit grossem Geschick. Man muss es ihm zugestehen, dass er hebräisches Sprachgefühl hat, das den meisten „Forschern*4 auf diesem Gebiete abgeht. Wir halfen cs daher für unsere Pflicht, auf diese Schrift Königs hinzuweisen, wie wir kürzlich unsere Leser mit seinem Bibel und Babel bekannt machten. Möge das Büchlein jungen jüdischen Gelehrten Anregung zu ernsten wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete niclitzerstörendcr, historischer Kritik geben. Die märkischen Jaden and ihre Zukunft. Von einem Zionisten. Wien: Verlag des Vereines „Erez Israel“. 16 S. 8°. Separatabzug aus der Welt. Die vorliegende kleine Arbeit ist ursprünglich in der Well erschienen und jetzt separat gedruckt. Viele, die den Artikeln in der Well Beachtung geschenkt und sie interessant und lehrreich gefunden haben, werden der Well Dank wissen, dass sie diese Artikelserie auch separat erscheinen liess. Briefkasten. Wir bitten unsere Stadtabonnenten, uns von jeder Unregelmäßigkeit in der Bestellung unserer Zeitung gsl. sofort in Kenntnis setzen zu wollen. Wir sind sonst nicht in der Lage bei der Packet fahrlgesellschaft eine pünktlichere und sorgfältigere Bestellung bewirken zu können. Die Expedition der Israelitische» Rmrdschair. Sr’SÖ „Senken Sie daran, Lisette, auch ein Fläschchen der altbewährten Maggi-VÜrze einzu packen. Dies« leistet uns während der Sommersrischr zur raschen Herstellung schmackhafter Suppen und Speisen vorzüglich- Dienste."

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