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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-29 · 52 (29.12.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JNr. 52 Jüdisches Volksblatt Seite 3 Die Polen hätten erst dann ein, wenn auch avzuzweifelndes Recht, von den Juden ein weiteres AuSharren bei ihnen zu verlangen, wenn sie sich nur je die Mühe gegeben hätten, die Juden ihrerseits als zupolnischen Nation gehörig zu betrachten und ihnen in ihrer Mitte auch gleiche Rechte, nicht nur gleiche Pflichten zu gewähren. Es wird somit den Polen schwer sein, die Inden — abgesehen von Herrn B y k und Genossen — von der Zugehörigkeit zur polnischen Nation zu überzeugen. Interessant ist der Köder, mit dem bte Polen die Juden noch weiter an sich zu locken suchen. Das verbissenste und verlogenste Antisemiteublatt, das allpolnische „Slowo Polskie", das vor gar nicht zu langer Zeit dem hervorragendsten jüdisch-polniichen Literarhistoriker und Romancier Wilhelm Feldmann das Recht absprach, als Dolmetsch polnischer Gefühle, die ihm als Jaden fremd sind, aufzutreten, und sich dann bemüht har, in Rufst, ch Polen, well es den Aufstand in Polen mißbilligte, eine czornaja s<>tnia (das schwarze Hundert) zu organisieren, als ein Vlatt, das ungefähr auf derselben moralischen Höhe steht, wie des berüchtigten K r u s ch e w a n „Bestarabetz", hat ans einmal die Entdeckung gemacht, daß die Juden eigentlich Polen seien, und deswegen sich schon jetzt gegen die Anerkennung der Juden als Nation geäußert. Es hat aber auch eine weitere Entdeckung gemacht: Die Juden — sagt es — verbinden sich mit den Nuthenen gegen die Polen, sie müssen also aufs heftigste bekämpft werden. Mit dieser perfiden Behauptung wollen sie einerseits die Polen gegen die Juden aufreizen, andrerseits die Juden^ einschüchtern. Denn es gibt auch unter den Juden genug verbohrte Elemente, die in dem Umstande, daß Juden und Ruthenen sich in der Frage der Anerkennung der jüdischen Nationalität zusammengefunden haben, irgend welche Bündnisse wittern. Weil sie nicht mehr Polen bleiben wollen, ergo schlagen sie sich auf Seite der Nuthenen. So naiv diese merkwürdige Logik auch ist, es muß lhr dennoch entgegengelreten werden. Wir erklären also deutlich: Nicht Polen wollen wir sein, aber auch nicht Ruthenen, sondern Juden. Es hieße aus dem Regen in die Traufe kommen, wollten wir unser Schicksal, statt wie bis jetzt, mit den Polen, von nun ab mit dem der Ruthenen verknüpfen. Aber die Ruthenen haben em ebenso großes Interesse an der Anerkennung der jüdischen Nationalität wie die Juden, ein Prämiiert I. wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksniederlage „Ihr habt ein/ schlecht Gedächtnis, hohe Tochter. Baten wir nicht die Heiligen' um ein Zeichen?" „Gewiß. “ Jedoch —" „Es kam keins, wollt ihr sagen. Ich aber sage euch: Es kam. Denn kaum hatten wir ausgesprochen, als die Gesandtschaft cintrat." „Da' Juden?!" „Ganz recht. Das war die Antwort." „Doch, heiliger Vater, ich begreife nicht!" „Tut nichts, hohe Tochter. Doch — ihr wolltet meinen Rat, wie dev Juden Fluch, und Zauberei zu brechen, Gott unddie Heiligen zu versöhnen seien." „Und ihr sagtet: Durch eine große Tat." „Gewiß, das sage ich noch. Und diese große Tat wird ench sogar gefallen." „Wiß ihr das so genau, heiliger Vater?" Was wäre tdese Tat?" Die Kaiserin! betrachtete ihr Gegenüber mißtrauisch. „Ich glaube, ja. Ihr seid noch jung, meine hohe Tochter, und schön und geistreich. Ihr dürft nicht so allein durchs Leben ziehen. Ihr müßt euch — verchclichen." „Das also," sagte Irene nach einer Panse. „Wohl mit jenem großen Frankenkönig Karl, ibert ich nur einmal gesehen, der mir aber sogleich die Che angeboten. Und dann zu Felde ziehen gegen Bulan. Meint ihr's so?" Ein verächtliches Lächeln spielte um seine Lippen. Umstand, der uns schon deswegen erwünscht sein muß, weil durch gemeinsamen Kampf der Anerkennung unserer Nationalität leichter zum Stege verholfen werden kann. Noch einen zweiten Grund führt das „Slowo Polskie" an, diesmal in lUbereim stlttimung mit der Krakauer demokratischen „Nowa Reform»". Die Juden mögen desstn eingedenk sein, daß die Ruthenen noch ärgere Antisemiten sind als die Polen. Beweis: die barbarische Avschlachlnng der Juden und Polen unter Bohdan Cdmielnicki. Dieser Beweis könnte ebensogut gegen die Ruthenen, als auch viel mehr gegen die Polen ausgelegt werden. Die Juden sind ja stets der verhaßte P.üqelkilabe der Unterdrücker und Unterdrückten gewesen und so man seine Wut nicht an dem mächtigen Herrn auslassen konnte, wendete man sich an seinen Diener. Die Ruthenen wurden von den Polen ihrer Freiheit beraubt und in ihrer Wut fielen sie sowohl über die Polen vls auch über die Juden her. Doch fällt es uns nicht im Traume ein, zu behaupten, daß die Ruthenen nicht antisemitisch sind. Sie sind es ebensogut, wie die Polen, wie die Deutschen, wie die Tschechen usw. Doch finden wir den Antisemitismus der Ruthenen schon aus dem Grunde begreiflicher, weil die Juden durch den Anschluß an die Polen ihnen Wunden zugefügl baben, aus denen sie noch heute bluten. Die Polen hingegen haben, wahrscheinlich in einem besonderen Anfalle von Philosemitremus, unter der Statthalterschaft PiniuSkis derart ihren Gefühlen Luft gemacht, daß die Regierung sich vera..laßt sah, über ganz Westgalizien, also durchwegs politisches Gebiet, den Ausnahmszustand zu verhängen. Die Vorfälle in Zablotow und Uhnow sind noch in lebhafter Erinnerung. Der polnische Landsmannnnnlster P i e n t a t erklärte dem Juden Araten, dem sein Kind ins Kloster entführt wurde, daß an der Schwelle des Klosters seine Macht aufhöre. Der Obmann des Polenklubs, Exzellenz Jaworski, brachte eine Interpellation ein, in der verlangt wurde, daß die Juden nicht zu Richkerstellen zugelassen werden, weil die christliche Bevölkerung dies als Schimpf erachte. Ob die Juden des Polenklub diese Interpellation mitunterschrieben haben, wissen wir nicht. Es würde uns zu wert führen, alle Akte philosemitischer Gesinnung der Polen auch auf wirtschaftlichem Gebiete, in den Schulanstalten hier anzuführen, es ist aber auch in dieser Frage ganz belanglos, weil die Juden auch dann die Anerkennung ihrer Ration fordern müßten und würden, wenn sie von den Polen mit der ausgesuchtesten Höflichkeit behandelt würden. Dw Juden sind eine von alleri nichtjüdischen Völkern anerkannte besondere Gemeinschaft, die durch Bande des Blutes, eine märtyrervolle Geschichte, durch ähnliches Fühlen, durch einen gemeinsamen Feind und durch eine gemeinsame Zukunft zusammengehalten werden, und es ist deswegen auch ganz natürlich, daß sie auch vom Staate als Volk anerkannt werden wollen, um in, wenn auch beschränktem Maße, ihre ncuionale Individualität zur Geltung bringen zu können. Nach den neuesten Meldungen der „N. Fr. Pr." und der ruthenischeu Blätter haben wir Grund zur Annahme, daß die Polen nicht abgeneigt wären, nach russischem Muster die schwarzen Banden funktionieren zu lassen, um erstens die Ruthenen in den Augen Europas zu diskreditieren und die im herrlichsten Tempo sich vollziehende Wahlreformbewegung zu beeinträchtigen, zweitens die Juden in ihrer Arbeit um die Anerkennung ihrer Nationalität zu hindern. Wir müssen schon jetzt dieser Frage besondere Ausmerksamkeit widmen, um für cr l l e F ä! l e gerüstet zu sein, damit wir mcht durch die Ereignisse überrumpelt werden. Man wird gut tun, schon sitzt alle Eventualitäten ins Auge zu fassen. Politische Wochenschau. Zur Wichtrechtsfrage. Wie bereits gemeldet wurde, hat am 3. Dezember eine aus allen Provinzen Oesterreichs beschickte Vertrauensmännerversammlnng stattgefunden, welche über die Stellungnahme der Juden zur Wahlrechts-- frage verhandelte. Die Versammlung stellte als unabweisbare Forderung die Erreichung einer jüdischen Miiwritätsvertretung auf. In diesem Sinne wurden eine Reihe von taktischen Beschlüssen gefaßt, zu deren Durchführung ein Komitee eingesetzt wurde. Diesem Komitee gehören Vertrauensmänner in allen Distrikten an. Außerdem hat sich das Komitee vergrößert, indem es Vertreter aller jüdischen Gruppen und Organisationen zu kooptieren bestrebt ist. Diese Bemühungen sind noch nicht zu Ende. Derzeit sind aber ini Komitee fast alle in Betracht kommenden Faktoren vertreten. Petroleum in Kannen franko Haus nach allen Geh & Blitz Wien* XXs 1 ■ Dresdnerstrasse 82 „Nein, gar nicht so, hohe Tochter," sagte er. „Wozu wäre das gut? Ein alter Mann, den seine Sachsen noch auffressen werden. Das wäre ein ewiger Krieg, so lange Witnkind und Albion, die isachsen'fühvcr, leben. Und die Chazaren sind eine große Macht. Verbünde! mit den Sachsen wären, sie euer beider Verderben. Und wo wäre das gottgefällige Werk?" „Wohl sprechet ihr recht, heiliger Vater. Doch wen sollte ich heiraten und damit zugleich eine große Tat vollbringen?" fragte die Kaiserin verwundert. „Jemanden, den ihr bereits kennt wenigstens iin Bilde — einen gar stattlichen Mann." „Chakan Bulan?" rief Irene, aufs höchste überrascht. „Eben ihn." „Den Juden?" „Das sagte ich. Gefällt er euch nicht, hohe Tochter?" Irene errötete. Der Patriarch bemerkte es. „Er ist sohv schön; der schönste Mann, den ich je geschaut. Aber er ist Jude." „Und die Kaiserin von Byzanz ist die schönste Fmn und die mächtigste. Um ihren Besitz wird der Jude Christ — loenn nicht vor, dann nach der Hochzeit," fügte er hinzu. Irene richtete sich empor. Ihre Wangen glühten. „Ah, ich fange an zu begreifen," flüsterte sie. „Endlich! Seht ihr die große Tat, hohe Tochter? Ihr gewinnet ein ganzes Volk dem' wahren Glauben. Das versöhnet Gott. Und ihr verbündet euch mit einem gar mächtigen .Nachbar, sichert eure Grenzen, erhöhet eure Macht und brecht der Inden Fluch und Zauber. Denn auf der Inden Fluch kann nur vom Inden Gefahr drohen, und wenn dieser Jude euer Gemahl —" „Und Christ —" „Ganz recht." „Doch wenn er mich verschmähte?" „Verschmähen? Die Kaiserin von Byzanz? Unmöglich! Auch wird er seiner Vorteile godenken. Ist er doch Jude." „Und w.nn er die heilige Taufe verschmäht?" „Ich sagt's ja schon'," erwiderte dev Patriarch ungeduldig. „So heiratet ihr den Juden. Nach der Ehe wird er sie dann schon annehmen," und seine Augen funkelten listig. „Jedoch, wenn nicht?" „Hohe Tochter, ich erkenne euch nicht wieder," sprach jetzt der Patriarch mit unterdrücktem Zorn. „Seid ihr wirklich Irene, Kaiserin von Byzanz, die Fruchtlose?! Oder halber Juden Fluch so auf euch gewirkt? Warum die vielen Bedenken? Er wird Christ nach der Hochzeit, wenn nicht schon vorher. Traut ihr euch so wenig zu? Ihr! Vor der sich alle Männer beugen in Bewunderung und Verehrung?" (Fortsetzmig folgt.) KREBSdPOTnCKC 2. MlTTCLDflCM WitB, I , Hoher Markt Nr. 8 +(fa)ai* Sfcut) üa Statnun dw Stadt. ch Soda-Pastillen. vl««n>«u eind wr Pwaonu, nid» an Magenbaaehwardan UebtlnHitKD, hodtfranen, Aofateaaan ata. laidea, unentbabrlkti. Vormöga dar AnaaUttong io PaatiJiau* form aahr baquam. - Prgif prt tthMfeW > W#U*f

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