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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jNi\ 50 Jüdisches Volksblatt Seite 5 fche Massenversammlung crfhivt sich fitr Die nationale Autonomie :n Ciftoncidj und fvid.rt hierbei auf Grund des iikswidnelkeir k/lechtes der Selbstbestimmung und der unleugbaren geistigen Eigenart für das jüdische Volk die nationale Gleichberechtigung mit dar anderen österreichn-Wm Volksstämmen." Hrmnf n.nttde die Persammlnng geschlossen. Kommers zu Ehre« Doktor Strauchers. Am 13. d. M. veranstaltete die zionistische Studentenschaft Wiens gemeinsam mit den Jüdischnationalen einen Festkommers zu Ehren des Neichsratsabgeordneten Dr. Benno St rauch er. Der Festsaal des Hotels „Continental" war mit Studenten, zahlreichen Damen und den engeren Parteifreunden Dr. Strauchers gefüllt. Das Präsidium hatte A. H. der „Kadimah", Obmann des Landeskomitees, Doktor Schallt. Nach Eröffnung des Kommerses forderte der Präsident die Studentenschaft auf, neuerlich das Gelöbnis abzulegen, daß sie an dem Baseler Programm festhalten werde, wenn sie auch die Pflicht habe, alles, was den» Judantum dienlich ist, also auch die nationale Autonomie zu fördern. Die Festrede hielt Dr. W e i s e n g r ü n, der unter großem Beifalle die Verdienste Dr. Strauchers um das Judentum schilderte, unter anderem auch darauf hinwies, daß wir nunmehr die Frage der nationalen Autonomie nicht fallen lassen dürfen. „Wir werden dabei mit allen Gruppen verhandeln. Aber wohl gemerkt! Verhandeln werden wir, aber ab Hände ln von unserer Gefinnnng lassen wir uns nichts!" Redner schildert dann die Arbeit Dr. S t r a u ch e r s, des wahren Volksmannes, auf dessen Wohl er sein Glas erhebt! Unter stürmischem Beifall der Versammelten kommt nun Dr. S t r a u ch e r zum Worte, der die verschiedenen Parteiungen und Schattierungen unter den Inden treffend charakterisierete und nach einer ergreifendert Schilderung der grauenhaften Szenen, die sich jetzt täglich in Czernowitz abspielen, wohin die aus Rußland fliehenden Juden sich zunächst wenden, den Appell ait die Jugend, diese Hoffnung des Judentums, richtete, nicht jenen zu folgen, die das Judentum aus zumeist niedrigen Motiven fliehen, um fremden Nationen zu dienen, sondern ausharren mögen im Kampfe um ihr Volk unter der uns alle einigenden Devise: „Iwri on.mchi! Ich bin ein Jude!" Tosender Beifall lohnte die mit itmerer Ueberzeugung vorgetragene Rede Dr. Strauchers. Es sprachen dann noch : toclln. F r e u n d l i ch („Maccabaea") auf Dr. S ch a l i t, A. H. der „Kadimal)" U p f* i m n y auf den unverfälschten Zionismus, S t e r n l i ch t („Unitas") auf Richard Rappaport, Löhner („Kadimah") aus Mathias A ch e r, Rappaport auf die „Unitas" und die gesamte Studentenschaft. Mathias A ch e r richtete einen Appell an alle Jude n, jetzt jede Nuancierung und Differenzierung der Parteiprogramme ruhen zu lassen und einig zu sein in der Erstrebung des Erreichbaren, Sekretär F l e i s ch e r auf Doktor S t r a u ch e r, wobei er Gelegenheit nahm, seilten Wünschen und seiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß eine Einigung aller jüdischen Gruppen auf nationaler Basis erfolgen werde, was schon deshalb geschehen müsse, weil die Tatsachen uns dazu drängen. Dann sprach noch Dr. K a d i s ck über die Gegenwartsarbeit und Dr. Marlin Weißmann („Herzlonia"), der Dr. S t r a u ch e r als Landsmann, als Bukowinaer feierte. Während des ganzen animierten Abends, der die Anwesenden bis 2 Uhr beisamntenhielt, war Dr. Strau ch e r Gegenstand spontaner Ovationen. Hilfsaktion der „Israelitischen Allianz". Das Ergebnis der Spendensammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" für die Opfer der russischen JudenmaffakerS beträgt bis heute zirka 650.000 Kr. In diesem Betrage find folgende Gammlungsergebnisse enthalten: Wien zirka 50.000 Kr., Verband der Humanitätsvereine „Bnai B'rith" in Oesterrreich durch Herrn Dr. H a m m e r s ch l a g in Prag (vorläufiges Ergebnis) Kr. 20.475, Prag, durch Doktor A. Rosenbacher Kr. 46.663*98, Brünn 19.300-—, Karlsbad 7015'Ü0, Bielitz 4035-18, Smichvw 2684*50, Aussig 2467*40, Budweis 2400*—, Proßuitz 2300 —, Nachod 2000*—, Gablonz 2000'-,Brüx 1057.—.Olmütz 1873*—, Boskowitz 1837*—, Jägerndorf 1603*—, Jglau 1530*40,Znaim 1300*—,Mißlitz1210-—,Teschen 1096'—,Pardubitz 1064*—.Baden 1057 67,Holleschau 1028*—, Neubydzow 1007*—, Mistelbach 1001*—,Warasdin 1000* —,Trautenau1000*—, Naudmtz 1000*—, Nikolsburg 1000*—, Komotau 1000*—, Eger 1000*—,Ung.-Brod 1000*—Görz 938*—, Kgl. Weinberge 984*—,Hohenelbe822*—, Mähr.-Schönberg 805*70, Hohenems 760 — Pribram 725*—, K'rk-rt 6so*—, Brod a. S. 676 50, Melnik 611.-, Trebitsch 600*—, Linz 600’—, Leipnik 600*—, Ung.-Hradisch 600*—, Göding 600*—, Marienbad 534 60, Chrudim 516 60, Schüttenhofen 500*—, Partschendorf I 500'—, Leitmeritz-Theres. 500*—, Czernowitz I 500*—, Tachau 486*—, Beneschau 450*—, Neuhaus 405*—, Steyr 400*—, St. Pölten 400*—, Innsbruck 400-—, Horic 400-—, Biseuz 400-—, Kanitz 373.—, Schlau 365*—, Deiitschbrod 365.—, Slatina 358 93, Karolinental 357*—, Zwittau 328*—, Oswiccim 319*—, Krenrsier 312*60, Serajewo 311*—, Banjaluka 310*—,Djakovar301*30. Die Unterstützungen zur Linderung der ersten Not der Hinterbliebenen der Ermordeten in den zahlreichen heimgesuchten Gemeinden erreichten zu Lasten der vereinigten europäischen und amerikanischen Hilfsorganisationen bereits zirka 2,000.000 Kr., wobei die Hauptausgabe für dauernde Hilfe und für die Wiederherstellung von ungezählten Lausenden ruinierter Existenzen, welche viele Millionen von Rubeln erfordern wird, noch bevorsteht, und bezügliche Beschlüsse voraussichtlich erst in einer internationalen Konferenz der Hilfsorganisationen nach der Rückkehr der gegenwärtig in Rußland weilenden Delegierten gefaßt werden sollen. seine Liebe zum polnischen Volke und bedauert die Taten der Parteieil, insbesondere der Sozialisten, Radikabn uns .Nationalen, lvetche Gewalttaten und solche Jndenmetzeleien provozieren, die das Evangelium selbst verdammt. 3,11111 Schluff mahnt der Papst die Bischöfe, sie Erziehung der Jugend aufs eifrigste zu fordern tmd den Klerus zu verpflichten, unter allen Umständen den Versammlungen und sonstigen Beranstaltungeil fernzubleiben, ivelche das Volk beunruhigen und zuin Ungehorsam, und Widerstande ivider die Reichsgewalt irgend anfreizeu sollten. Eine polnische Kundgebung gegen die Judenmnffnkers. Lemberg. Auf dem-am 10. d. M. von einem Bürgerkomitee cinberufenen pol nt schm Massen- Meeting in Tarnopol referierte Professor Zcrntorski über die Jndenmetzelcieii in Rbißland, die, lvie der Berichterstatter ausführte, noch schottend als wild bczeichnet zu werden pflegen. In Tarnopol habe ment Gelegettheit gehabt, tausende verstörte und vor Schrecken fast wahnsinnige Flüchtlinge aus Rußland zu sehen, welche dein sicheren Tode entkommen sind. Die Versammlung nahm emstimmig folgendc Resolution air: „Veranlaßt durch das allgemeinmenschliche Mitgefühl sowie eingedenk des sahrhttndertelangen freundschaftlichen Zusammenlebens mit der israelitischen Bevölkerung und in-Hinsicht auf das gegenwärtige gemeinsaiue Schicksal brandmarken wir das Vorgehen der barbarischen Regierung in Rußland, welche nicht davor znrückschreckte, die niedrigsten. R'asseuiustiutte zu entfachen und deir Abhub der Gesellschaft zur niederträchtigen Abschlachtung unschuldiger und ruhiger Einwohner nur ans dem Grunde, weil dieselben Inden sind, zu veranlassen, itmb wir drücken deswegen der ganzen Jndenschaft unsere aufrichtigste Teilnahme aus." Die internattonaieHilfsaktio«. Der Sekretär des Londoner Hilfskomitees zur Unterstützung der russischen Juden hat einem Vertreter des Bureaus Rentei. u. a. folgende Mitteilungen! gemacht: Bisher hat das Komitee 495.000 Psd. St. erhalten. Tie Komitees der einzelnen Länder sind dabei mit solgenden Stimmen beteiligt: Amerika 200.000 Pfd. St., Deutschland 104.000 Psd. St., England 87.000 Pfd. St., Frankreich 40.000 Pfd. St., Oesterreich 20.000 Pfd. St., Belgien 7000 Pfd. Sl., Schweiz 2000 Pfd. St. — Es ist bezeichnend für die Entschlossenheit der Juden, sich selbst zu helfen, das; die Juden in Kiew zu dem Fonds 85.000 Pfd. St. beisteuerten-. Eine Firma, die selbst 20.000 Pfd. St. verlor, gehört zu dm freigebigsten Spendern. Die Uitterstütznngsgeldet sind lediglich für die ärmere Klasse bestimmt, der man es möglich utacheu will, das Schlimmste zu übersteheu. Eine Entschädigung für den, Verlust großer Summen kommt gar nicht in Betracht. Es Ivird beabsichtigt, für jüdische Kinder, die beide Eltern verloren haben', in den, verschiedenen Ländern außerhalb Rußlands bei jüdischen Familien Heimstätten zu schaffen. Der bekannte amerikanische Finanzmann Jakob Schiff hat im Namen der amerikanischen Inden diesem Plan zngestimmt. Er verpflichtet sich, halb so viele Waisenkinder zu übernehmen, lvie die europäischen Komitees, falls die Zahl nicht höher ist als 500. Englische Inden, sind bereit, eine kleine Anzahl von Kindern, zu adoptieren. Der " , ' gegen die russischen Judenmetzeleien. Rotu. Das seil vorigem Monat angekündigte Rundschreiben des Papstes an die Bischöfe Rstissisch^Polens erscheint beute im „Osservatore Romano". Die Enzyklika ist sechs Spaltete lang, ihr Kern besteht in der Forderung des Papstes, daß die Bischöfe Polens ihre ganze Kraft daransetzen, die Gemüter zu beruhigen und das Volk znin, ehrlichen Anschlliß an die neue Verfassung zu bewegen. Der Papst betont Eine Resolution des Wiener Knltusdorstnndes. Der Vorstand der Wiener Kultnsgemeinde hielt am 9. d. M. eine außerordentliche Plenarversammlung ab, in welcher einstimmig folgende Kundgebung beschlossen wurde: „Der Bürgermeister der k. k. Reichshauptnnd Residenzstadt Wien hat in einer öffentlichen, Versammlung Worte gesprochen, deren Konsequenzen unabsehbar sind. Er hat es für gut befunden, die grauenhaften Vorkoinmniffe in, Rußland indirekt ztt billigen- und eine WnDmholniig derselben in Wien als möglich tmd unter Umständen, als gerechtfertigt anznd rohen. Angesichts der Stellung, ivelche der Bürgermeister kraft seines Amtes emmm-mt, des großen agitatorischen Einflusses, den er auf eilten Teil der Bevölkerung ansübt, angesichts der außerordentlichen Erregung, ivelche gegenivärlig dttrch die Wahlrechtsbeivegung hervorgernfett wurde, tntiß der von dem Oberhaupste der Stadl Wien, unternommene Versuch, den zivischen den Ehristlichsvzialen itnb Sozia ldemokrateir bestehenden Gegensatz dttrch die Identifizierung der letzteren mit den Inden in eilte Jndeithetze überztileilen, ans das entschiedenste verurteilt iverden. Es ist eine notorische Tatsache, daß sich die Inden, — gleichwie die Christen — ztt den verschiedensten politischen Parteien bekennen, zu denen neben beit konservativen, liberalen und nationalen eben auch die sozialdemokratische gehört. Mit Etttrüsttmg muß aber die ebenso böswillige als tin,sinnige Insinuation zurückgewiesen iverden, als ob die österreichischen Jttden, die stets zu den loyalsten tmd trettesten Staatsbürgern, zählten, jemals ihr Vaterland j bedrohen könnten. nrimrechtcs i n s r ö Pflanzen- 3 nussen 49

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