Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt Nr. 50 Während in der ganzen gebildeten Welt die in Rußland verübten Greuel Tüschen und Entsetzen erregten, deutsche und englische Kirchen^ fürsteir diese Vorkommnisse aufs schärfste gebrandmarkt haben, der OberbürcMmeister der deutschen' Metropole sich an die Spitze eines Hilfskomitees für die Hinterbliebenen der Ermordeten stellte, findet der Bürgermeister der Stadt Wien kein Wort der leisesten Mißbilligung, droht er vielmehr der Wiener Jrrdenfchaft mit ähnlichen Ereignissen. Als Juden, als Wiener, als Menschen müssen wir gegen' die rurgerechlfertigte Verdächtigung der Jridenschaft, gegen die beschämende und gewiß unverdiente Bloßstellung unserer Vaterstadt, gegen die der Humanität und Zivilisation! hohnsprechmde Haltung des Bürgermeisters der Stadt Wien laut und feierlich protestieren. Dem Kbltusvorstairde fehlt jede Mackt, derartigem, Beginnen wirksam zu begegnen. Er hält es aber für seine unabweisliche Pflicht, die Träger der Macht auf die furchtbaren Gefahren aufmerksam zu machen, die ein solches Vorgehen bei dem ungeheuren Zündstoffe, her tu der Bevölkerung angesammelt ist, nicht nur für die Juden, sondern in weiterer Folge für das gesamte Vaterland, dein seine anmaßungsvollen Verteidiger die schlechtesten Dienste leisten, Hervorrufen muß. Er hält es für seine Pflicht, auf die schwere Verantwortung hinzuweisen, die ldaraus erwachsen würde, wenn 'diesen Bestrebungen! nicht im Keime mit aller Entschiedenheit entgegengetreten wird und die Irreführung und Verhetzung der Bevölkerung, der Appell an die brutalsten Instinkte nicht hintan geh alten werden." Unserer heutigen Auflage legen wir den Berlosungskalender pro 1906 des Bankhauses Eduard Urban, Brünn, bei, welcher für den Kapitalisten und Sparer wichtige Vermerke enthält. Wir empfehlen dieses Büchlein gerne der Aufmerksamkeit unserer verehrten Leser, da die seit 1869 bestehende Firma Eduard Urban in Brünn stets in kulantester Weise ihren Kunden entgegenkam. Oefferrtlicher Dank. Der Gefertigte kann nicht umhin, allen den geschätzten Persönlichkeiten, welche zum materiellen wie zum künstlerischen Gelingen des über feint Initiative am 9. d. M. im Großen Musikvereinssaale zugunsten der Hinterbliebenen der Opfer der russischen Massakers veranstalteten Konzerte beigetragen haben, seinen tiefgefühltesten Dank zu entbieten. Zuvörderst dem k. k. Hofburgschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal, der, obgleich er durch Indisposition zum allseitigen Bedauern absagen mußte, dennoch durch seinen efeierten Namen die Ziele des Abends förerte, fernerden Mitwirkenden Hofopernsängerin Frl. Charlotte von S e e b ö ck, der Frau Raja-Waldberg-Barberfür ihre künstlerische und materielle Förderung, der Frau Prof. Josef Sulz er, welche aufopferungsvoll im Dienste der Sache wirkte, den Herren: Meister Ignaz Brüll für seine auserlesene künstlerische Gabe, meinen geschätzten Mitarbeitern im Dienste dieser Veranstaltung, dem ausgezeichneten Meister Prof. Jos. Sulz er, dem trefflichen Künstler Herrn B i r r o n vom Deutschen Volkstheater, dem feinfühligen Musiker Herrn Oskar Dachs sti der verbindlichste tiefgefühlteste Dank ausgesprochen. Wien, im Dezember 1905. Bel a G uttm an n Oberkantor der isr. Kultusgemeinde Wien. Verein der jüdischen Toynbee-Haüe. Eiw ladmrg zur Eröffnungsfeier der neuen Toynüee- Halle, 20. Bez., Othmavgasse 60, welche Samstag tocit 10. Dezember 1905, 7 Uhr abends unter gütiger Mitwirkung der Fmu Juliette Kaufmaun, des Herrn Prof. Ignaz Brüll, Herrn Kantor, Dorr Fuchs, des Violiirvirtuosen Herrn Leo Tscharnovsky, des Cellovirtuosen Herrn Mischa Tscharnovsky (Klavier- -begleitung Jano Tscharnovsky) sowie eines Chores ftatlfindet. Für den Vorstand: Max Frank, Schriftführer; Dr. S a m u e l y, Obmann. Allerlei Empfehlensmertes. Wir machen unsere Leser auf den unserer Gesamtauflage beigelegten Prospekt von Gebrüder R e i ch a r t in Dornbirn besonders aufmerksam. Selbstftillen! DaS ist die allgemeine Losung unserer modern-humanitären, den „Kinderschutz" pflegenden Zeit. Mit Recht wird diese Parole in allen Zeitungen, Büchern und Vorträgen gepriesen. Die gesündesten Kinder werden an der Mutter- oder Ammenbrust erzielt. Jede Mutter soll daher trachten, ihr Kind selbst zu stillen. Viele wollen dies auch ganz gerne tun. Es ist aber nur schade, daß es bloß wenige können. Durch die jahrzehntelang geübte Unart, nicht zu stillen, und durch die Schädigungen des Alkoholismus sind die Brüste der Frauen fast systematisch degeneriert und für ihren natürlichen Zweck funktionsuntüchtig geworden. Sie produzieren";» der Regel zu wenig Milch. Der Wille der Mutter allein genügt rben nicht. Es tritt daher die Frage in den Vordergrund: „Was tun?" Viele Leute haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen, wie man die Milchabsonderung bei der Mutter steigern könne. Die geschäftige Industrie hat eine Menge chemischer, natürlich teurer Mittel auf den Markt geworfen, die nach den Prospekten mehr oder weniger sicher die Milchmenge der Frauen vermehren sollen. Leider ist es aber nur beim , Sollen" geblieben. Da sind nun deutsche Gelehrte, Kinder- und Frauenärzte endlich auf die köstliche Idee geraten, solche» Frauen, die zu wenig Milch haben, das altbewährte, aus reinster Alpenmilch bereitete Nestle-Kindermehl zu geben. Und siehe, das Experiment gelang. Was die kostspieligen Produkte der spekulativen Chemie niemals vermochten, das alte, einfache Nestlemehl brachte es zustande; die Milchmenge wuchs unter dem Genüsse der Nestles Kindermehlsuppe; die Brust der Stillenden wurde wieder ergiebiger; die Gefahr, aus Milchmangel das Kind absetzen zu müssen, war vorüber! Freude und Glück blieben im Hause des jungen Weltbürgers. So ist das Nestles Kindermehl in eine neue, bisher nicht geahnte Phase seiner Anwendung getreten. Ursprünglich war es bloß bestimmt, für die fehlende Muttermilch einzuspringen und als künstliche Kindernahrung zu dienen; jetzt kann es erfolgreich dazu verwendet werden, der stillenden Frau — sei dies die eigene Mutter oder eine Amme — die natürliche Milch wiederzugeben oder zu vermehre» und auf diese Weise dem Säugling zu helfen, wohl die idealste Aufgabe, die einem Nährpräparate gestellt werden kann. Ceylon-Tee ist der aromatisch kräftigste und, was die Hauptsache ist, der billigste, wird von der Firma F. B e r l y a k, Wien, l., Weihburggasse 27, direkt bezogen uud im Original verkauft. Diese Firma hält keine Niederlagen, da dadurch die Tees nnr verteuert werden würden, und bleibt auch das Aroma beibehalten, nachdem jedes, sogar das kleinste Quantum, aus hermetisch verschlossenen Standdosen verkauft wird. Eingesendet. Enthält beste Alpanmilch. 1 f 4a stets zuverlässig für Säuglinge*Magenkranke | fährlidieProduction 39 Millionen Buchsen, nrdrerfiinre flnERIKfl BSI Abreise aus Riavre Jeden Samstag. Französische Linie Bequerao, rasche Fahrt, ausgezeichnete Verpflegung J i samt Wein und Likör. Fahrkarten nach allen Stationen , ' eüujtlichor amerikanischer Bahnlinien zu Originalpreieen. Nähere Auskünfte erteilt gratis und franko i - - FRANZÖSISCHE UlfilE - - j | Wien, IV. Weyringerg. 8. : Heinrich Neugebauer —vormals Molnär W* Optiker -DU Wien, I. Schottengasse 8, Eckhaus Scbottenriog, ... —= Gegründet 1866. 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