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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JNr. 5o Jüdisches Yolksblait Seite 3 Denn ich fürchte, wollte man jetzt so ohne werteres über die Territorialsrage zur Tagesordnung übergehen, daß das Volk mit feinen augesaunnelten Kräften ltwb Mit! ein, mH fenier Spannung und Erwartung einenr stark geheizten Kessel gliche. Wahrlich, -das wäre ein gar schlechter Maschinist, dcr nicht Dampf gebührend abließo und für teilweise Entladung der Energie sorgte. Würde er etwa fürchten, der Dampfkessel könnte dadurch, seine Spannkraft verlieren? So müssen auch wir sofort an die Entladung eines Teiles unserer Energien gehen! Die hungernden, gepeinigten, verkümmerten! und gekrümmten Existenzen können nicht länger warten, Geduld und Kraft fehlen ihnen. Mit Spenden, Büchern, Reden! und Verheißungen ist ihnen nicht geholfen. Seht nur, wie die Krankenhäuser und Irrenanstalten von Inden überschwemmt werden«. Seht nur, tvie das Bettellvesen crschreckend um sich greift. Seht nur, wie die zweifelhaften Not- und Lufiexistenzen immer mehr mit dein Gesetz m 5konflift geraten. Seht nur, wie die dunklen Scharen der Täuflinge wachsen. Seht ferner, wie untergraben und zerrüttet unser einstiges reines Familienleben ist! Und endlich, wie jammervoll und beschämend, seht auch den Mädchenhandel an, der da wuchert wie ein Krebs an unserem Volkskörper. Soll ich noch Kischenow, Hornel, llhn-oiv, Schitomir und Odessa, die furchtbaren, granmerregendeir, unglaublichen Metzeleienin Erinnerung rufen? Soll ich Rumänien, erwähnen, die Auswandererscharen, zählen und auf Oesterreich Hinweisen, wo Pater Scheicher ganz unbehelligt fdlgende öffentliche Drohung an unsere Adresse richtete: „Es ist leicht möglich, daß es hier einmal zu einer solchen, Geschichte kommt wie in Rußland!" Es wankt unser Schifflein und droht unterzugehen. Und das alles sollen wir ruhig mit ansehen und nichts unternehmen, dem. unerträglichen Zustand eilt, Ende zu bereiten? Im Interesse unserer Aermsten werden wir alle fi'ir irgend cim Schutzgebiet sein müssen. Arbeiten wollen sie, freier atmen, etwaszum Beißen haben und menschenähnlicher leben. Das' alles können wir! ihnen, auf einem entsprechenden Territorium, und sollte es auch weit von Palästina liegen, verschaffen. Ein Abfluß des bedrückten, gehetzten und zum rastlose Wandern gedrängten jüdischen Proletariates in ein Gebiet, das jiidisch bleiben soll und wird, wird für diese Elemente eine Errettrmg aus dein Abgrunde feilt itnb für die Prämiiert I. Wiener Licht-Ausstellung 1900. Telephon 12359. Kaiseröl-Fabriksniederlage weiteren Massen, im Ghetto lute eine heilsame Erleichterung wirken-. Wir wollen sonach auch im Interesse des Volkes für ein Abflußgebiet sein. Freilich soll jetzt vor allem wieder der Versuch mit den Neben ländern- Palästinas gewagt werden — aber ohne zu säumen müssen sämtliche Korporationen und Vereinigungen, die maßgebend und einflußreich sind, zusammenwirken, daß dieser Schritt von Erfolg gekrönt werde. Sollte jedoch der geringste Zweifel an dem Erfolg bestehen, dann ist es Pflicht, mit England die Unterhandlungen wieder aufzunehinen. Nicht eine Gruppe von Dissidenten soll mit der englischen Regierung in Verkehr bleiben, sondern ein autorisiertes .Komitee sämtlicher maßgebenden Faktoren' im Judentum soll in entsprechende Beziehungen treten. Unsere Pflicht ist es, Aufrufe an alle Vereinigungen und Körperschaften, die in Betracht kommen, zu erlassen, sie zur gemeine samen Arbeit aufznfordern und an Stelle des Almosengebens ein radikaleres Mittel in Vorschlag und Anwendung bringen. Kolonisieren und Arbeiten soll die Parole fein — jedoch! unter dein Schutz einer Weltmacht im Range Englands. Nicht um ein abstraktes Prinzip handelt cs sich jetzr, sondern um das nackte Leben! von Hunderttausenden. Und wird die englische Regierung uns wohlwollend ent gegen kommen, dann dürfen wir nicht zögern und zagen. Es werden und nrüssen auch die zugreifen, die sich im, Herzen nach Zion sehnen, jedoch von der Faust des Elendes medergebeugt und von der Peitsche des Halles und des Hungers wund geschlagen, keinen anderen! Ausweg wissen. Was können und dürfen die Zionisten, dagegen haben! oder tun? Arbeiten sie denn bloß für Zionistjen und nicht für das übrige Volk und für die vielen, übervielen, denen alles eins ist, weil ihnen das Messer an die Kehle geht? Befürchten sie den Tod ihrer Idee so sehr, daß sie das Leben unzähliger Brüder aufs Spiel setzen? Ist denn ein Gebiet, ein Territorium unter Englands Aegide eilt Ungeheuer, das Ideen frißt und verschlingt? Uebrigens, werdendenn alle Juden nach einem neuen, Gebiet abfließen? Viele werden doch weiter in aller Welt zerstreut verbleiben und! diese werden noch immer die Möglichkeit und Notwendigkeit haben, für Palästina zuarbeiten und hinzuwande-rn, ivenn es erreicht sein wird. Denn mit einem anderen Territorium kann, die Judenfrage nicht endgültig gelöst iverden, die endgültige Lösung bleibt Palästina Vorbehalten. Aber erleichtert kann diese Lösung werden' durcheine anderweitige Großkolonisation. Wir werden daher auch im Interesse dev Erlangung Zions für eine vorläufige andere Großkolonisation sein müssen. Als mächtige Kiolonie unter dem Pro-- tektorat Englands können wir einmal eher über Palästina verhandeln als jetzt, da wir zerstreut und machtlos sind. Die Erlangung eines Territoriums, wie es sich unser verewigter Führer gedacht, könnte, uns. unschätzbare Vorteile verschaffen, wie: Zentralisation, Macht und ernstere Beachtung bei diplomatischen Verhandlungen mit der Türkei. Wenn eine Feuersbrunst eine Stadt vernichtet und die Bewohner ohne Schutz und Dach dastehen, wird man sie so unter freiem Himmel lassen, bis neue Mauern und Häuser aufgerichtet werden? Ich glaube kaum. Zelte und Buden wird man einstweilen aufstellen, die armen Abbrändler vor Regen, und Wetter zu schützen. Widerspricht es denn dein Zionismus, Mitleid zu haben mit den Verzweifelten und Hungrigen und dies Mitleid vernünftig zu betätigen? Widerspricht es dem! Zionismus, die Massen der unglücklichen Flüchtlinge, der unfreiwilligen Wanderer, die sich sollst in alle Weltrichtungen. zerstreu-en- und dein« Judentum leicht verloren gehen iverden, auf einet; Stätte, die uns zugänglich, zu sammeln, wo sie sich als Juden fühlen und sicherer leben können? Ich sehe darin keine Aenderung' des Programmes, wenn wir auch, der Gegenwart Rechnung tragen, die Emigration in ei neu« Nahmen fassen und organisieren und retten, was zu retten ist. Ein Territorium wäre zwar nur eine Stiefmutter — nur Zion könnte uns Mutter werden — aber lieber eine brave Stiefmutter, als gar nichts. Und schließlich bleibe ich dabei: Ein Territorium wäre uur das Sprungbrett fi'ir den endlich-eit' Satz nach, Zion. Wir veröffentlichen den äußerst anregenden Artikel unseres sehr geschätzten Mitarbeiters, ohne uns deshalb in allen Punkten auf seinen Standpunkt zu stellen. (Die Red.) Große zionistische Agitations- Versammlung. Vorigen Sonntag veranstaltete das Wiener zionistische Distriktskomitee im Festsaale des „Hotel Continental" 'eine massenhaft besuchte Agitationsversammlung. Den Vorsitz führte Dr. S ch n i r e r, der in seiner Eröffnungsrede kurz darauf hinwies, daß die Verhältnisse den Ceh 4 blitz Wien, XX Dresdnerstra888 82 Petroleum in Kannen franko Haus nach allen wartete fein Schicksal. Das Tier schien jedoch nur neugierig zu sein. Es riß Moreas an, seinen Gewändern und' ging dann wieder zurück in seine Ecke. Es verging -ein fürchterlicher Tag in Angst und Schrecken. Am Abend kam der Sklave. Dein Tiere reichte er Früchte durch die Stäbe, den anderen warf er Fleisch und Brot zu. „Wasser ist noch da, ihr könnt mit dein Tiere zusaimnen trinken," sagte er. Und das Untier war schon wieder an den Stäben, rüttelte, kreischte und blickte den Sklaven voller Haß an. „Wenn du mich jetzt packen könntest," höhnte der Sklave, „hast doch zivei, warum willst du gerade mich?" Da übermannte den Moreas die Wut. Er sprang an das Gitter,.packte die Stäbe und rüttelie daran, wie ivemi er den Verstand verloren und tobte und schrie auf den Sklaven-. „Ein Paar," höhnte dev Sklave wieder. „Man weiß nicht, welches ist Tier und welches Mensch." Und als sich Moreas darauf nach dein Tier umwendete, da sah er, daß es ihn beobachtete. Später wurde Rachel ohnmächtig, denn der Gestank im Mfig war sehr groß und sie ivar auch sehr durstig. Also ging Moreas hinüber Mn Winkel des Untieres, um Wasser zu holen. Aber schon die Bewegung des Gefangenen machte es ärgerlich und alsbald packte es Moreas- und warf ihn mit großer Gewalt in seine Ecke zurück, wobei dem Tiere der größte Teil von Moreas Gewand in der Hand blieb. Schulter und Arm, des Mannes wurden dabei aufgerissen, so daß das Blut lief. Dann ging das Untier ivieder in dem Käfig auf und nieder. Nach einer Stunde: legte sich das Tier hin und schlief ein. Moreas kroch leise züm Wasser, füllte seine Kopfbedeckung und brachte es zu Rachel, die alsbald erwachte. Dann, flüsterte er ihr lange etwaszri. Als amnächsten Morgen der Sklave iviederkain, sprang das Tier sofort wieder an die Stäbe und rüttelte und kreischte. Aber auch Moreas tat dasselbe. Er tat dem Untier gleich, ahmte ihm nach, Kreischen für Kreischen, Rütteln für Rütteln, Grimasse für Grimasse. Und an, diesem Tage konnten Moreas tmd Rachel ungestört einige Stunden, schlafen. Nachmittag kam der Sklave ivieder. Moreas stürzte auf die Stäbe zu und tat ioie am Voriniitag. T-er Sklave lachte. Als er gegangen ivar, bemerkt Moreas, daß das Um tier diesmal gar nicht an die Stäbe gekommen war, sondern in seiner Ecke saß und ihm zusah. Jetzt faßte er Mut und fing an, den Käfig zu untersuchen. Die Stäbe bestanden! aus dickem Eisen. Die Türe war mit einer starken, eifere nen Kette befestigt. Während er sie noch prüfte, stand plötzlich das Untier vor ihm. Um Rachel, die sich kaum gerührt halte, schien es sich nicht zu bekümmern'. Es faßte Moreas mit einem Arm! um den Körper. Er wehrte sich nicht. Langsam zog das Untier den Patrizier hinüber in seine Ecke, dann legte es sich hin und hielt ihn in seinen Arni, während es einschlief. Als am nächstjen Morgen der Sklave Moreas und Rachel noch lebend antraf, holte ey eine eiserne Stange und schlug das Untier. Dieses geriet in eine fürchterliche Wut, so daß es eine der dicken Eisenstangen des- Käfigs verbog. Moreas ahm-to dem Tiere wieder nach und als dev Sklave fort war, dablickten sich Tier und Mensch an-, wie zivei Geschöpfe, Ko sich verstehen-. Moreas fürchtete sich nicht mehr davor, im Käfig umherzugehen. Er untersuchte noch einmal die eisernen Ketten, die die Türe verschlossen-. Di-e Türe war sozu öffnen, daß sie von unten nach! oben, geschoben! wurde. Moreas ergriff die Ketten und rüttelte und riß daran lange und wie in, großer Mit. Und als er wieder los ließ, da kam das Untier und riß auch, so wie Moreas getan. Dabei kann ein Finger seiner Hand zwischen zwei Glieder dev Kette tmd wurde verletzt. Eskreischte auf und packte nun die Kette in wirklicher Wut. Und Moreaskamauch. Die Beine, die Anne und der Nacken, des Untieres wurdenimm-ev dicker und dicker und plötzlich fielen das Tier und der Patrizier auf den Mcken. Die Kette ivar gesprengt. (Fortsetzung folgt.) 2. niTTELBdCH Soda-Pastillen. Sig“ g.it.Sr.Zt' Ufian I Unhnr Mn ritt Nr ft Aufstossen et«, leidem VTfoll) » , nUIlol War Kl lir. O unentbehrlich. Vermöge der Ausstattung in Pastillenais Sinai im Zentrum der Stadt. + form sehr bequem. — Preis pro Sohachtel 60 Heller.

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