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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-08 · 49 (8.12.1905) · p. Seite 9

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Jüdisches Volksblatt Seite U Die Zumendttnaen werden mit dem wiirnisten Tianke zur Kenntnis genommen. Frau -Ernestine Thorsch hat von jenem Betrage, der anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Philipp Thorsch für Wien bestimmt wurde, die Summe von 651000 K der israelitischen K'ultusgemeinde Wien zu verschiedenen Zwecken übergeben. Für diese hochherzige Zuwendung wird der Frau Ernestine Thorsch der wärmste Dank votiert. Die Mitteilung des Vorsitzenden, daß der in der Plenarsitzung vom 5. November 1906 beschlossene Ankauf des neben dem Gemeindehause befindlichen Gebäudes, 1. Bez., Seitenstetterlgasse Nr. 2, perfekt geworden sei, wird zur Kenntnis genommen. Die Note der Statthalterei. womit der Vorstand der israelitischen KultusgemeiUde Wien zu einer in der niederösterreichischen Statthalterei stattfindenden unverbindlichen Besprechung mit dem Vorstände der Floridsdorfer Kultusgemeinde in Angelegenheit der eventuellen Einverleihung der Kiultusgemeinde Floridsdorf zur Kultusgemcinde Wien eingeladen wird, wird zur Kenntnis genommen und werden die Herren erster Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, zweiter Vizepräsident kais. Rat Moriz Hirsch und Herr Vertreter Wilhelm K!uffner zu dieser Besprechung delegiert. lJur -Sinne des Antrages der Unterrichtskoimmifsion wird beschlossen^ an das Unterrichtsministerium das Ansuchen zu stellen, für die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtesan Mittelschulen im Erkrankungsfalle eines Neligionslehrers durch Äestellliug von Supplenten Sorge zu tragen. lJu das Kuratorium der freiherrlich von Rothschildschen Minstlerstiftung werden die Herren Moriz Edler von Kuffner und Baurat Max Fleischer, in das Kuratorium der Adolf und Therese Ste ruschen Ausstattungsstiftung Herr kais. Rat M/oriz Hirsch wiedergewählt. Für die von dem Gelehrten Salomon Buber in Lemberg proponierte RaWi-Stistung, deren jährliche Erträgnisse zur Förderung eines literarifchen> Zweckes .verwendet werden sollen, wird ein Beitrag 'bewilligt. Nach Erledigung von Personalien und Bewilligung von Subventionen an humanitäre Vereine wird die Sitzung um 1 Uhr mittags geschlossen. Wie«. (Damen- Abend der „Unitas".) Am 2. Dezember veranstaltete die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" im Hotel de France einen Damenabend in Form einer Kneipe, der allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben wird. Der mit studentischen Emblemen festlich geschmückte Saal konnte die große Zahl der Gäste kaum fassen. Daraus konnte man schließen, welcher Sympathien sich die „Unitas" sowohl in der Studentenschaft als auch in der bürgerlichen Gesellschaft erfreut. Diese Sympathie erscheint auch vollkommen gerechtfertigt, den»» der Abend war äußerst gelungen. Nach der Begrüßung durch den Präses Herrn jur. Ernst Silberknopf und nach Absingung der Bundeslieder sprach Herr med. Theodor Kohlt, dessen Ausführung Begeisterung erweckten. Zionistische Liedervorträge der Herren jur. Mohr und mied. Kohn sowie eine von Herrn phil. et pharm. Artur Kräuterblüth für Männerchor vertonte stimmungsvolle Hymne wurden mit großem Beifall ausgenommen. Im offizielletr Teil erheiterte Herr phil. Rud. Sternlicht durch einen geistreichen, humorvollen Toast auf die Damen. Die Piece de resistance bildete ein von Herrn med. Philipp S ch ö n w a l d inszenierter Ulk — em von Herren dargestelltes Damenorchester, dessen Produktionen stürmische Heiterkeit hervorriefen. Herr med. Schönwald, der durch seine geistreichen und humorvollen Abende in den Wiener jüdisch nationalen Kreiset: bekannt ist, wurde von den Anwesenden stürmisch akklamiert. Den Abschluß bildete ein improvisierter Tanz. Die Teilnehmer blieben bis zum grauenden Morgen in fröhlicher Gemeinschaft beisammen. Wie«. (Literarischer GeselligkeitSverei» jüdischer Rädchen „Moria".) Sonntag den 26. November l. I. veranstaltete die „Moria" den ersten diesjährigen literarischen Nachmittag. Denselben leitete die Präsidentin Frl. Berta Herrmann mit einem herzlichen Willkommen a» die Erschienen und »nter Hinweis auf die Vorgänge in Rußland mit einem warmen Appell an die jüdischen Mädchen ein. Hierauf ergriff der Referent Herr Dr. Egon Michael Zweig das Wort zu seinem Vortrage: „Die russischen Judenmaffaker», ihre Folgen und ihre Lehren". Noch ganz unter dem furchtbaren Eindrücke der jüngsten Ereignisse, entrollte der Referent mit beredten Worten datraurige Bild der schmachvollen Geschichte der Juden in Rußland, beleuchtet« di« verschiedenen Ursachen und kam schließlich zur Quintessenz deS großen, nationalen Unglücks, zu seinen Lehren, entwickelte in seiner bekannten klaren Weise die weitere Art unseres Verhaltens und die Richtung unserer Arbeit in dieser Hinsicht. Der treffliche Vortrag erntete wohlverdienten Beifall. Th. B. Wien. (Gebetstunden.) Vom 3. Dezember bis inkl. 7. Dezember abends 4 Uhr 15 Min. Freitag den 8. Dezember abends 4 Uhr 15 Mi«. SamStag den 9. Dezember abends 4 Uhr 50 Min. Vom 10. Dezember bis inkl. 14. Dezember abends 4 Uhr 15 Min. Der Gottesdienst an Wochentagen beginnt um 7 Uhr früh. An Samstagen um ya9 Uhr früh. Wien („Jüdisches Museum".) Einem mehrfach geäußerten Wunsch entsprechend, sind nunmehr die Besuchsstunden an Samstagen und Sonntagen gleichmäßig auf die Zeit von 11—1 Uhr mittags festfetzt worden. Im Monate Jänner wird ein „Führer durch das jüdische Museum" erscheinen. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß Kinder im schulpflichtigen Alter das Museum nur in Begleitung ihrer Eltern oder Lehrer besuchen dürfen. Wien. (Jüdische Toynbeehalle.) Der Vortragszyklus, welchen der Verein in Fünfhau-, Turnergasse 22 (Sitzungssaal der Kultusgemeinde) veranstaltet, wird Samstag den 9. Dezember mit dem Bortrage von Prof. Dr. L. Königstein: „Da» Auge, ein Spiegelbild der Seele" und Samstag den 16. Dezember mit dem Bortrage von Profeffor Dr. Jos. Pollak „Ueber de» sechsten Sinn" fortgesetzt. Nach den Bortragen folgen musikalische Darbietungen. — Die feierliche Eröffnung der neuen Toynbeehalle im 20. Bez., Othmargaffe 50 findet Sonntag den 10. Dezember d. I. 7 Uhr abends statt. Prof. Ignaz Brüll, erster Kantor Don Fuchs und die Brüder Jona, Leo und Mischa Tscharnofsky aus Odessa (Biolin, Cello und Klavier) habe» ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt. Wie». (Jüdischer Bildung-Verein „Rasch»".) Am 5. d. M., fand im Zeremoniensaale, 9. Bez., Müllnergaffe 21, die konstituierende Versammlung diese- Vereine» statt. Die vom Proponentenkomitee vorgelegte» Statuten wurden von der zahlreich besuchten Versammlung mit einigen Abänderungen genehmigend zur Kenntnis genommen. Beitrittserklärungen der ordentlichen Mitglieder (Monatsbeitrag 60 Heller) und der Gönner (Jahresbeitrag 10 Kronen) nimmt entgegen: Alfred Meißner, 9. Bez., Porzellangaffe 24a. Wie«. (Volksversammlung.) Sonntag den 10. d. M. vormittags 10% Uhr findet int Festsaale deS Hotel Continental (Eingang Taborstraße) eine jüdische allgemein zugängliche Volksversammlung statt, deren Redner der Schriftsteller Herr Felix Galten und Herr Dr. Emil Marg»lies sind. Wien. Samstag den 26. November erschien eine Deputation des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen, bestehend aus dem Obmanne Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, den Professoren Dr. Ad. Weiß und Dr. H. Pollak bei dem neuen Leiter des Ministeriums für Kultus und Unterricht Herrn Baron von Bienerth, um denselben im Namen des Verbandes zu begrüßen und ihn um die Förderung der Interessen des Religionsunterrichtes und der Religionslehrer zu bitten, zu welchem Behufe eine Abschrift der Petition überreicht wurde, welche schon vor Monaten dem früheren Minister für Kultus und Unterricht Ritter von Härtel übergeben worden war. Der Obmann richtete an Se. Exzellenz eine schöne Ansprache, worauf dieser in sehr freundlichen Worten erwiderte und versprach, den Inhalt der Petition genau zu prüfen und den vorgebrachten Bitten und Wünschen nach Tunlichkeit zu entsprechen. Hierauf begab sich die Deputation zu dem neuernannten Präsidenten des k. k. n.-ö. Landesschulrates Herrn E. von Marenzeller, um bei demselben im gleichen Sinne vorzusprechen. Der Herr Präsident empfing die Deputation in der freundlichsten Weise, richtete eine Reihe von Fragen an die erschienenen Herren, ließ sich über manche Verhältnisse des Religionsunterrichtes genau Bericht erstatten und versprach, in seinem Wirkungskreise die angestrebten Ziele und Zwecke gerne zu fördern. Montag den 27. November begab sich wieder eine Deputation, bestehend ans dem Obinannstcllvcrtreter Prof. Dr. Ad. Weiß (der Obmann Rabbiner Dr. D. Fenchtwang fühlte sich unpäßlich! und dem Schriftführer Dr. H. Pollak zu dem gewesenen Unterrichtsminister Ritter von Härtel, um demselben anläßlich seines Scheidens aus dem Amte den vollsten Dank des Verbandes zu überbringcn und ihm einen heiteren Lebensabend zu tvünschen, wobei Prof. Dr. Weiß herzliche Worte sprach. Exzellenz von Härtel erwiderte, daß ihn diese Kundgebung sehr freue, sprach sich bei diesem Anlaß über das Wirken der israelitischen Religionslehrcr in höchst anerkennenden Worten aus und bat, seinen Dank und Gruß den anderen Herren zu übermitteln. Wien. (Verein „Jehudah Halevy".) Samstag den 9. d. M. 7 Uhr abends findet im Lokale des Vereines „Jehudah Halevy", 2. Bez., Unt. Augartenstr. 19, 2. St., Mezzanin, ein Vortrag in hebräischer Sprache über „Chassidismus" mit daran schließender Diskussion in hebräischer Sprache statt. Referent Herr Israel Z w e t s ch k e n b a u m. Gäste herzlichst tvillkommen. Sonntag den 10. d. M. nachmittags halb 4 Uhr findet im oben erwähnten Verein ein Vortrag statt. Referent und Thema Vorbehalten. Gäste willkommen. Wien. (Kinderbekleidungsfest.) Der humanitäre Geselligkeitsverein „Neuer Freundschaftsbund" veranstaltet Sonntag den 10. ds. im Hotel „Bayrischer Hof", 2. Bez., Taborstr. Nr. 89, ein K i n d e r b e k l e i d u n g s f e st. Beginn präzise 7 Uhr abends. Dieser Verein strebt auf geselliger Basis die Unterstützung unverschuldet in Armut geratener Eltern durch warme Bekleidung ihrer Kinder zurWinterszcit an. Diese Intentionen des unermüdlich seinem wahrhaft humanen Ziele zustrebenden Vereines unter Leitung eines wackeren Vorstandes kann der Zustimmung unserer Stammes- und Glaubensgenossen sicher sein. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte.) Donnerstag den 14. Dezember präzise halb 8 Uhr abends findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner W. Re i ch aus Baden statt. Thema „Eindrücke einer Palästinareise". Wien. (Predigt.) Freitag abends den 8. Dezember Predigt im Leopoldstädter Tempel. Floridsdorf. (JsraelitischerTrauergotteSgottesdienft.) Sonntag den 3. d. M. fand int Tempel deS 21. Bezirkes (Floridsdorf) eine überaus würdige Tranerfeier für die in Rußland gefallenen Märtyrer statt. Herr Bezirks- Rabbiner Dr. Rosen mann hielt eine eindrucksvolle Ansprache, in welcher er di« Anwesenden zu Spenden aufforderte und zum Schluffe die Hoffnung aussprach, daß auS dem Blute der Märtyrer die Freiheit für die unterdrückten Juden Rußlands hervorgehen möge. Mit dem exakten Absingen der Totengebete durch den ersten Kantor R o s e n b e r g mit Chorbegleitung schloß die würdige Feier. Die eingeleitete Geldsammlung dürfte einen namhaften Betrag ergeben. Nachod. Seit 16. November fanden hier die Predigten jener Kandidaten, die sich um die hiesige Nabbinerstelle bewerben, statt. Als erster sprach am 16. v. M. ziemlich sachlich Dr. Feder aus Kojctein, dem mit einer weyiger interessanten Rede Dr. F o l k m a n n aus Leitomischl am 24. November folgte. Wolf ben Jehuda. Nachod, 3. Dezember. Die hiesige Israelitische Kultusgemeinde veranstaltete am Sonntag um 3 Uhr nachmittags eine solenne Trauerfeier für die in Rußland gefallenen Inden. Nach dem Minchagebete wurde in dem gänzlich schwarz dekorierten und drapierten Tempel das „Owinu malkenu" bei offener Bundeslade gebetet. Dann sagte Herr Kantor Philipp L e - bo witsch „Adonoj odom", worauf Herr Ph. Dr. Heinrich B r o d y aus Prag, welcher bis zur Neubesetzung der Nabbinerstelle vorläufig noch weiter als hiesiger Rabbiner fungiert, eine gediegene Trauerrede hielt. Er schilderte irr kurzem die russischen Ereignisse und appellierte zum Schluß an alle Gemeindeangehörigen, sich tatkräftigst an der in der ganzen Welt begonnenen Hilfsaktion zu betiligen. Bci ausgehobener Thorarolle stimmte der Kantor für die ermordeten Inden in Rußland das „El

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