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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-08 · 49 (8.12.1905) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Jüdisches Volksblatt Nr. 49 mole rachamim" an. Mit dem Maarivgebete schloß gegen 4 Uhr nachmittags diese Feierlichkeit. W. b. I. Auszeichnung einer Mazzesfabrik. Die Firma Moriz Brandeis, älteste Mazzesfabrik in München, erhielt auf der internationalen Kochkunstausstellung die goldene Medaille und ein Ehrendiplom. Statistisches über die Judenwanderung. Im Monat Oktober dieses Jahres landeten in New Z)ork 6334 Juden. Davon waren 1838 Männer, 2308 Frauen und 2188 Kinder. Es kamen 4906 aus Rußland, 969 aus O e st e r r e i ch, 520 aus Ungarn, 124 aus Rumänien und die übrigen aus England, Deutschland und der Türkei. Auffallend ist die große Zahl der jüdischen Auswanderer aus Oesterreich und Ungarn, welche in der Statistik gleich nach Rußland stehen und in bezvg auf die Auswandererzahl der Juden Rumänien übertreffen. Gedächtnisfeier für Gabriel Rießer. Der „Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben in Frankfurt a. M." hat in seiner jüngsten Generalversammlung beschlossen, im April 1906 aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages Gabriel R i e ß e r s eine größere Gedächtnisfeier zu veranstalten, mit dessen Vorbereitungen der Vorstand betraut wurde. Der Badener Gemeinderat für die ruffifdiyt Juden. Der Bürgermeister von Baden Herr Franz Trenner hat im Aufträge des Gemeinderates dem Präsidenten der Badener Israelitischen Kultusgemeinde Herrn Moriz Leitner für die russischen Juden eine Spende von 100 Kronen überreicht. Während der Trauerfcier gestorben. Ein tragischer Fall wird uns aus London berichtet. Im neuen großen Beth Hamidrasch von Newcastle waren die Andächtigen zu einem Trauergottcsdienste zum Andenken an die in Rußland ermordeten Juden versammelt. Zum Hauptredner wurde Herr Tarelowsky aus Nottingham bestimmt. Tarelowsky bestieg die Kanzel und wollte seine Rede beginnen. „Trauernde Brüder," begann er. Weiter kam er nicht. Von Ohnmacht befallen, stürzte er zum Entsetzen der großen Versammlung von der Kanzel, und ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, war Tarelowsky tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Tarelowsky war ein angesehenes Mitglied der englisch-jüdischen Gesellschaft und spielte im öffentlichen Leben der Juden Englands eine bedeutende Rolle. Sein tragisches Ende wird in allen Kreisen tief bedauert. Sereth. (Todesfall.) Hier starb der hiesige Rabbiner Pinchas B u r st y n im hohen Alter von 86 Jahren. Rabbiner Burstyn gehörte zu den hervorragendsten Talmudgelehrten unserer Zeit. An seiner Bahre sprachen die Rabbiner von Radautz und Mihajleni. Rach Schluß des Blattes. Interpellation «regen der Kede Dr. Kuegers. In der gestrigen Sitzung de- Abgeordnetenhauses brachten die Abgeordneten Dr. Vogler, Wrabetz, NoSke und Gen. an den Ministerpräsidenten wegen der Rede des Bürgermeisters Dr. Lueger im Wählerverein ,Donaustadt" eine Interpellation ein. In der Interpellation wird vorerst die Rede nach dem Berichte des „Deutschen Volksblatt* vom 6. d. M. mitgeteilt und sodann gesagt: »Daß ein Bürgermeister der ReichShaupt- und Residenzstadt Wien, der zugleich Chef der politischen Behörde« erster Instanz ist, eine derartige Hetz- und Brandrede hält, ist eine ganz unerhörte und unglaubliche Tatsache. Offen wird an die «iedrigften Instinkte der Mafien appelliert, zu Feindseligkeiten gegen die Juden aufgereizt und Drohungen ausgesprochen. Abgesehen von der tieferen moralischen Schädi- Jung, welche das Ansehen der Reichshauptstadt «rch eine derartige, das Empfinden jedes?>uman und rechtlich denkenden Menschen veretzende Handlungsweise deS Bürgermeisters der ersten Stadt des Reicheim In- und AuSlande erleiden muß, die durch Verminderung des Fremdenverkehres auch zu einer materiellen Schädigung der Stadt führen kan», hat die Rede des Bürgermeisters in die Kreise der jüdischen Bevölkerung Wiens eine begreifliche Beunruhigung getragen und bei derselben die Frage angeregt, ob sie sich noch deS vollen Schutzes der Gesetze erfreuen könne, auf den die Juden als Staatsbürger und Steuerzahler Anspruch erheben dürfen, wenn von einer Person in amtlicher Stellung, ausgestattet mit den bedeutenden Machtbefugnissen eines Bürgermeisters der Stadt Wien, eine solche Sprache geführt werden kann. Die Gefertigten richten daher an den Ministerpräsidenten als Chef der Regierung die Anfrage: 1. Vermag Se. Exzellenz die Rede deS Bürgermeistervon Wien zu billigen? 2. Was gedenkt Se. Exzellenz vorzukehren, um der sich zum Judentum bekennenden Bewohnerschaft Wiens dieser Rede gegenüber Beruhigung zu gewähren? Die Interpellation war von den Fortschrittlichen, von Dr. Straucher und einem Teile deS Pokenklubs unterzeichnet. Außerdem wurde vom Abgeordneten Doktor Straucher eine zweite Interpellation in derselben Sache eingebraiyt. Das Präsidium des Krrttusvorftandes beim Miuisterpräsidente«. Gestern sprach das Präsidium de- Wiener Kultusvorstandes, bestehend aus dem ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und dem zweiten Vizepräsidenten kaiserlichen Rat Moriz Hirsch (der Präsident Dr. Alfred Stern ist schon seit Wochen krank), beim Ministerpräsidenten Baron Gautsch vor, um gegen die Hohnrede Dr. Luegers Beschwerde zu führen und das Einschreiten der Regierung zur Verhütung der angedrohten Ausschreitungen zu verlangen. Der Ministerpräsident versprach, sobald ihm das nötige Material vorliegen werde, die Erhebungen zu pflegen und das Nötige zu veranlassen. Im übrigen beruhigte er die Herren und versprach, jede eventuelle Ausschreitung im Keime zu ersticken. Allerlei Eulpfehlknsumtes. Detective american. In das routinierte Geheimagentenkorps dehiesigen altbekannten Privatdetektive-Jnstituts „Helios" wurden je ein amerikanischer und Hamburger Detektive von besonderer Intelligenz neu ausgenommen und kann das Institut, wie bisher, schwierige Geheimaufträge unbedingt sicher und diskret auSführen. Ceylon-Teesorte«. Erkühlungen, Husten re» sind bei der jetzigen Witterung auf der Tagesordnung. Ein Glas Tee hat in solchen Fällen immer seine Wirkung getan. Selbstverständlich muß man sich auch die Qualität de- Tees anschauen. Den feinsten und besten Tee erhält man bei der seit 1864 etablierten Firma F. Berlyak, Wien, 1. Bez., Verlängerte Weihburggaffe 27. 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