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Jüdisches Volksblatt · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Jüdisches Volksidatt i. 4 fu»ifc*?ficn Mesches, wenn Begräbnisse aus iedhöfcn Andersgläubiger stattfinden, keilte Neligivnssumbvre angebracht inerden und religiöse Handlungen nicht stattfitldeu dürfen, damit der loufMonelle Friede »licht gestört werde. Bei Paragraph 4 soll das Wort „Rccilni terett" ausgelassen werden, damit die jüdischen Gutsbesitzer nicht das Lntv zahlen iniisseu, nachdem sie die cigeutlicheu realen kirchlichen Lasten tragen. Bel Paragraph .17 soll hilizilgesügt werden, daß die Aichtanuletdullg von Rcligivnsaustritten mit Strafe belegt werde, da sonst das Matritedrreseu irr größte Nuordnung käme. Ir» Gesetze möge ferner bezüglich der israelitischen Gemeinde»! betont werden, daß im selben Orte, lvo es schon eine jüdische Gemeinde gibt, die Gründung einer Metren untersagt wird. Beziiglich der Anstellung non Rabbinern rnöge, da es in Kroatien kein Rabbinerseminar gibt, verlangt werde»!, da es noch lange Zeit keilte der kroatischen Sprache »nächtige Kandidaten geben werde, dan :bei der definitiven Anstellnltg des Rabbiners die Staatsbnrgerfchast nl'.d die volllo»n»uelie Kenntnis der kroatische» Sprache einstiveilen nicht gefordert werden könne. Jeder andere Weg, insbesondere die gegerrwärtig'e Sassnllg des beMglichen Paragraphen, würde die kroatischen jüdischen Gerneinden mit »»»agyarischen p-abbilkern Rbcrsch-.vcmineu, die llicht einrnal?!>'ntsch, geschweige denn Kroatisch könne»!. Bezüglich der Qualisikation der Nerbbilter entspinnt sich eine lange, »netzrere Stunden dauernde Debatte, ob in das Gesetz die Be st in»- lnnng aufzllirehinen sei, daß die Rabbiner ein Seminar nrrd eine Universität absolviert haben »nüssen. Es wird von der Majorität der Bersairun'lunq beschlossen, daß neben Matura auch noch Fachbildriitg' tStrukovna naobraztaj gefordert wird. Tie eventuell zu beschliehellde Entlassnng eines Rabbiners dürfe nnr nach einer in» Gerne indestatnte festgesetzten DiSziplinarnntersuchnng slattfilide»,. Die Führung des Matrikemve»enS unb die Reiraksa»»gelege»»heite»» lönuen i»»lr graduierte Na'bbilter, nicht Nabbinats'verweser besorgen. Bezüglich der Pensrollsberechtigung genügt dein» Rabbiner dreijährige, bei de»» übrigen Ge- »»»eindefnnktivttären fünfjährige Amtszeit. Bezüglich des NeligionsnnterrichteS an Btittelschnlen wird ans in vklill Orten, insbesondere in Zewnn und AÜtroviea bestehe »»de F.üilnl'Fe,. wo es überhaupt leinen jüdischen Religionsun-terrlryr SIS»; hiiraerviesen. Äbg. Dr. Ljudevit Schwarz verspricht, int Landtage bei der Mid.aetverbandtnng ans diese Zustände die Anfmerksarnkeit der Regieru»lg zu lenken. Oberrabbiner Dr. H. Jacob» wülischt die S ch a s f»» n g e i »r e s G e n» e i n d eb n n de s, welcher Inspektoren für den tReligivnSnnterricht bestellen »vird. iAllgemeine Zustiminullg.) Dr. -Largo Spitzer erklärt, daß bereits in kurzer Zeit die Einlad'uugen zur Gründung eiltes jüdischen Gen»eilldebnndes Kroatiens ergehen »Verde»», der auch Wanderlehrer für den Reliaions'nnterricht in den Dörfern anstellen wird. (Veisatt.) Daniit »verde auch die ReligivliSnnterrichtsfrage gelöst roerden. Ans das Gesetz über die israelitischen Gr »ne in den übergebend, bemerkt Dr. Spitzer noch, das» die An»neldu»»g der neuen Rabbiner direkt an die Regierung erfolgen »Gge. wäljrend die anderen Meldungen svivie die Aussicht über das Matrikelitnb Gemeindewese»» den Köln itatsbehörüe»» zugeiviesen iverden soll. Alle vvrgeschlagenen Aenderangen »vnrden von der Bersä»umlnng eiilstiininig angenvinmen. Vorsteher Siedens ch e i»» »vütlschi, es möge im Gesetze ausgesprochen werden, das», »vorm flri? 40 selbständige Inden ei»»es besondere»» Ritus in einer KnltiiSgeineinde befinden, für diese ein besonderes Betbans zr» errichten sei. Abg. Dr. Schwa r z ist dagegen, daß diese Bestimmung änfgeilvttllnen »verde. Rach de»»» Gesetzentlvnrf sei ans jeden best ehe» den ziveite» Ritus Rücksicht z»» neh- »nen. Dagegen verpflichtet sich die Zagreber Gemeinde, ein besonderes orthodoxes BeihanS und die religiösen Institutionen für die Orthodoxen z»k errichten. Schließlich '.vird ein ans den Herren Tieb e n s ch e i >», S p i tz e'J', P l a ch k e, Dr. G v I d - mann und Dr. Lj. Schwarz bestehendes Komitee zn»u Ansarbeiten der ß'esblutivn geiväblt. Die Versatnmlltng spricht noch einstinnnig auf Antrag Mavrv Breuers den Wünsch ans, daß i>» allen Gesetze»» nur die Bezeichnungen „/.idov" und „xidovski" tJnde und jüdisch!, nicht aber „izraelitsli", „mojsijepae" nsw. gebraucht »verde, doch der Beschtnsi hiebüber »vird dem geplanten Ge mei»»deb»»» de übe rla sse >i. Oberrabbiner Jacob» stellt den Antrag, »vegeil der Verfolgung der r n s s i s ch e » u d e n, die zn tausenden Hingejchlachtet »borden sind, die Entrttstnng ansznsprechen, und für die Verunglückten seitens aller jüdischen Gemeinden des Landes eine Sammlung einzuleiten. Der Antrag »vird einstimmig angeiivllilnen, ebenso der Beschlutz, in alle»! Tenrpeln Tranerandachten zu veranstalten. Die Versaminlnng wulde hierauf, nachdem sie mit einer Mittagspause sieben Stunde» gedanerk hatte, um i> Uhr abends geschlossen. Die Agra»ner v r t h o d o xe i s r a e l. K u lt tt s g e »rr e i »l d e niillmt in nachfolgender Erllärnltg zu den» Geineiltdeiage Stellung: „Die Zagreer iörael. vrth. Kultus gemeinde war an de»»» Ge»nei»ldeiage »licht beteiligt, begrüßt aber die GiesetzeSvvrlage mit Befriedigung, indem der Autonomie ihrer Kttltusgeitteinde auch ferner Gewähr geleistet wird. Sie lehnt jedoch den Vorschlag, für die Orthodoxen ein Bethäus zu errichten, ab, da die Orthodoxen sich der israel, Zagreber Nefvrulgerneiude »licht anschließen und für ihre Justitutivnen selbst nuffotmneu können." beiub 2. Kombinierter Slnsschuß des kroatischen Landtages. In demselben brachte Abg. Dr. Schrvarz die Beschlverden der Versarmnlnng betreffs des ittterkonfeffionellen l'öesetzes vom 22. d. vor. Er nUilischt, daß sich dieses Gesetz nicht auf die Inden beziehe. Nachdem ihn Abg. Spevee und Tviuassich nnterstlitzen, verspricht Sektivnsches Ehavrak, die Vorlage in diesem Sinne innznarbeiten. Doniherr Ritzrtinec beantragt, bas» der Andersgläubige kein Rech! aus ein ».uirdiges Begräbnis auf einem Friedhofe, der rricht seiner Religionsgemeinschast gehört HParagraph 6), sondern nur auf ein Grab haben soll. Msrd angenommen! Z'lnf eine Slnfrage erwidert Sektionschef E h a v r a k, daß diese Vorlage von dem Agrarner Erzbischof mit Ausnahme zweier Stellen, die aber nach seinem Wunsche abgeändert worden sind, gutgeheißen wurde. Die „liberalen" Universitätsprvsessvren, die vor eilligen Monaten noch die Eiusührung der Zivilehe gefordert hatten, heißeil diese reaktionäre Vorlage offen oder stittschiveigend gut. 3. Die Presse. Tie tlcritalcn Blätter finden in der nelien Gesetzesvorlage eine verdannnenswerte Tat, die die Kirche angreife, ja noch »»»ehr: den Kulturkarupf a la Frankreich bedeute. Als beißender Sarkasmus lväre»» diese Worte noch verständlich, aber ans dem Ainnde der Klerikale»! bedeuten sie eine erzjesuitische Heuchelei. Wie gesagt, ist das intertonfessionelle Gesetz nur eine Sammlung bisher bestandener Gesetze im Sinne des Konkordates. Indessen lvollten die Klerikalen sogar ihren Erzbischof üöertresfeu, indem sie das nicht genug schwarz fanden, ums er rnitgeschwärzt und gutgeheißen hatte. D'ie Tendenz ist durchsichtig: die Leute, die ans jeder Zieile die Reaktion hervorblicken sehen, sollen vom Gegenteil überzeugt werden, damit sie „liberalen Einsll'-sternngen" gegenüber fest bleiben. Leider hat sie ihr Hirt desavouiert. — Die übrige Presse hat bisher sehr »venrg gesprochen; man hängt eben in allen Lagern von der mächtigen Geistlichkeit ab. Eine Ansnahlne bildet das Organ der Fortschrittler „Potret", das die Vorlage entschieden verurteilt. R. Mähren. (Richtigstellung.) In unseren vowöchSrillrchen ^Gwrtikel haben sich einioc Fehler einqeschlichen, die wir hiermit richtigstellen: R.nf Seite!, Feile i von oben soll cs „Völkerfrieven" statt „Bolkssrieden" heißen. Seite 1, Feile tb von oben, lauter richtig: „eine etlva ebenso lange Reibe enthält die Rainen der deutschen r nicht tsche-hischeu > Wahlbezirke". Gememdett. DeremMchrichten. an alle guten jüdischen Herzen nud Kind erfreu,ude. Die strenge Winterszeit naht heran und viele arme Eltern sehen Vieser Zeit mit Bangen entgegen, denn sie sind ja außerstande, die nötige warme Kleidung zu beschaffen. Welchem Kinderfreunde lut das Herz nicht weh, wenn er so viele jüdische Kinder leicht bekleidet und vor Kälte zitternd zur Schule eilen sieht? Die Not und das Elend unter unseren armen Glaubensgenossen ist unbeschreiblich unb steigert sich von Jahr zn Jahr und da muß denn die Privat »vohltätigkeit eingreifen, urn diesem Jammer einigerniaßen zu steuern. Der Verein „Neuer Freundschaftsbund" zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder erlaubt sich daher, au alle jene Glaubensgenossen, denen eS ein gütiges Geschick gestaltet, ihre Kinder durch warme Kleidung vor Kälte zu schützen, sich mit der innigen Bitte zu wenden, auch der fremden frierenden Kinder mit einem gütigen Scherflein zu gedenken und durch ein kleines Opfer uns zu ermöglichen, eine Anzahl solcher armer Kinder mit warmen Kleidern zu beteilen. Gütige Spenden wolle man gefälligst an den Vereinskassier, Herrn P. O p o 6 i n s k y, XX., Wallensteinstraße Ätr. 15, senden. Die eingelaufenen Spenden werden im ^Jüdischen Volksblatt" ausgewiesen werden. Aufruf des „VerbandesznrUnterstützung israelitischer Wöchneriuuen". I i'r d i s ch e F r a u e»» u n d M ü t t e r! Das tieftraurige SrhicksalunsererGlaubensgenosse» in Rußland legt uns die Pflicht auf, den an unseren Verband sich wendenden Emigranten-Frauen unb -Kindern das Allernötigste an Wäsche zu geben. Helfet das nackte Elend bekleiden! Um außer Verwendung gesetzte Bett-, Leib- und besonders' Kinderwäsche bittet der Verband z u r Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen, I., Seirensteliengaffe 2, an den auch schriftliche Ansuäge, die milden Spenden abzuholen, gerichtet werden können. Baronin Charl. v. Königswarter Präsidentin. Das «Jüdische BilduugSheim" (XIV., Ullmannstraße 31, Kauerhos 10 A) versendet folgenden Aufruf: „Euer W o h l g e b o r e n! Der Zweck unseres Vereines ist, unbemittelten wiffensbsdürftigsn Juden in einem hierzu eingerichteten Saale unentgeltliche bildende und unterhaltende Belehrungen zu bieten. Parteipolitische Diskussionen sind ausgeschlossen. Unter der Aegide einer großen Zahl einflußreicher und angesehener Männer in den Bezirken Xll—XV eröffnen wir Dienstag, den 5. Dezember 1905 um 8 Uhr abends im Turnsaale, XIV., Ullniannstraße 3 i, Kauerhof A, die diesjährige Saison, bei der Schriftsteller Dr. Rudolf Lothar, eine der literarischen Größen Wiens, den Eröffnurigsoortrag über Gorki halten wird. Daran schließt die Generalversammlung und Neukonsüruierung des Vereines, dern wir zahlreich beizurreten bitten. Der Besuch der Vorträge und Konzerte rvie Benützung der Bibliothek ist k o si e n f x c i. Die Mitglieder des Vereines tragen zur Erhaltung des Jüdischen Bildungsheirnes durch freiivilllge Spenden oder eine »Jahresbeitrag von zwei Kronen bei. Juden dev westlichen Bezirke' Tretet unserem Vereine bei und kommst zahlreich zu uns! In ergebenster Hochachtung Heinrich Berliner, Samuel Bernhardt, Doktor H. Drucker, Revident N. Grünbaum, S. M. Hönigsberg, Dr. H. Jelltnek, H.Kuner, Doktor S. Kronberger, Dr. M. Margulies, Samuel Mohr, Heinrich Neufeld, Anion Pick, Hugo Rechnitzer, Anton Stern, Leopold Weiß, Mari» WLß. Das Mährisch-schlesische Distriktskountce versendet folgendes Rundschreiben: „Verehrter Herr Gesinnungsgenosse! Der am 27. August d. I. in Proßnitz abgehaltene Distriktstag hat einstimmig beschlossen, die keinem zionistischen Verein angehörigen Schekelzahler des Distriktes in einer freien z i o n i st i sch en Be r e i n i - g n n g zn sammeln, ohne sie einem VereinSzlvange zn unterwerfen und ohne von ihnen andere Opfer zu verlangen, als die vom Kongreß tind dem österreichischen Zionistentage vorgeschriebene Entrichtung des Schekels und der Parteisteuer. Diese freie zionistische Vereinigung, die iveder mit dem Wesen noch mit den Aenszerlichkeiten eines Vereines etlveis gemein hat, mithin iveder Statuten besitzt noch Mitgliedsbeiträge einhebt, hat lediglich den Flveck, die Orientierung über den Stand der Organisation in Mähren und Schlesien zu erleichtern tmd es dein Distriktskomitee dadurch zn ermöglichen, behufs Propaganda mit» Agitation m engere Fühlung mit den Schekelzahlern zll treten, sie soll aber auch gleichzeitig den nichtinkorporierten Zionisten Gelegenheit geben, Einflutz ans die Beschlüsse des Distriktstages und ans die Zusammensetzung der Disiriktsleitung zn erhalten. Inden» wir Euer Wohlgeboren ersuchen, die Parteisteuer pro 1905/00 im Betrage von ciiiev K r o n e ans mitfolgendem Erlagschein einzahlen zn wollen, erlauben wir uns, Ihnen lveiters mitzuteilen, daß der Distriktstag QaranHertnat-urechtes feinstes« BepflanzenfegaiMBs. FeH. IW f' aus frischs»^^ Kokosnüsse!?

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